Der Magen übernimmt eine zentrale Funktion im Verdauungssystem. Er dient nicht nur als Transportorgan, das den über die Speiseröhre aufgenommenen Speisebrei in den Dünndarm weiterleitet, sondern auch als Speicher, Ort der mechanischen Zerkleinerung und der chemischen Aufspaltung der Nahrung. Darüber hinaus erfüllt der Magen eine wichtige Barrierefunktion gegenüber aufgenommenen Mikroorganismen.
Doch wie gelingt es diesem Organ, so vielfältige Aufgaben zu erfüllen – und welche anatomischen und histologischen Strukturen unterstützen ihn dabei?
Um die Funktionsweise des Magens vollständig zu verstehen, ist ein detaillierter Blick auf seinen Aufbau unerlässlich – von der makroskopischen Gliederung bis hin zur mikroskopischen Struktur.
Der Magen liegt intraperitoneal im Oberbauch, überwiegend im linken oberen Quadranten. In Abhängigkeit vom Füllungszustand kann er sich jedoch auch bis in den mittleren oder rechten Oberbauch ausdehnen. Kranial grenzt er an das Zwerchfell, kaudal an das Colon transversum. Anterior wird der Magen teilweise vom linken Leberlappen bedeckt, während er dorsal an die Bursa omentalis angrenzt – einen vom Peritoneum gebildeten Verschieberaum, der die Beweglichkeit der angrenzenden Organe erleichtert.
Anna Liebig
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Makroskopische Einteilung
Der Magen ist ein schlauchförmiges Hohlorgan mit einer Länge von 25 -30 cm und einem Fassungsvermögen von 1200-1600ml. Makroskopisch wird der Magen in unterschiedliche Abschnitte aufgeteilt:
Abschnitt
Funktion
Besonderheit
Pars cardiaca (Mageneingang)
Einmündung des Ösophagus in den Magen
Z-Linie (=gastroösophagealer Übergang): Übergang vom mehrschichtigen Plattenepithel zum Zylinderepithel des Magens (makroskopisch sichtbar)
Fundus gastricus (Magenkuppel)
Höchste Stelle des Magens
Im Stehen sammelt sich dort Luft an, die im Röntgenbild als sog. Magenblase sichtbar ist
Corpus gastricum (Magenkörper)
Hauptabschnitt des Magens
–
Pars pylorica (Magenausgang)
Übertritt des Speisebreis in das Duodenum (Dünndarm)
Drei Abschnitte: 1. Antrum pyloricum 2. Canalis pyloricus 3. Pylorus
Am Magen lassen sich zwei anatomisch bedeutsame Krümmungen unterscheiden. Die große Kurvatur (Curvatura gastrica major) verläuft konvex entlang der kaudalen Seite des Magenkorpus und bildet den äußeren Rand des Organs. Die kleine Kurvatur (Curvatura gastrica minor) befindet sich kranial am Korpus und zeigt ebenfalls eine leichte konvexe Form.
Im unteren Drittel der kleinen Kurvatur liegt ein markanter Einschnitt, die sogenannte Incisura angularis. Sie markiert den Übergang vom Magenkorpus zur Pars pylorica und stellt damit einen wichtigen Orientierungspunkt in der Magenanatomie dar.
Abb.: Anatomie des menschlichen Magens (Illustration, Quelle: Pflegia)
Bauchnetze
Die Bauchnetze sind Duplikaturen des Bauchfells. Eine wichtige Funktion ist die Immunabwehr, sowie die Speicherung von Fett und der Schutz der Bauchorgane.
Bauchnetz
Aufbau
Verlauf
Omentum majus
Große, fettgewebsreiche Peritonealduplikatur
Von der großen Kurvatur des Magens zieht sie schützendartig kaudal über die Dünndarmschlingen
Omentum minus
Dünne, seröse Peritonealduplikatur
Zwischen der kleinen Kurvatur des Magens und der Unterfläche der Leber
Arterielle Gefäßversorgung
Die arterielle Versorgung des Magens ist anatomisch komplex und geht hauptsächlich vom Truncus coeliacus, einem Ast der Bauchaorta, aus. Aus dem Truncus coeliacus entspringen drei große Arterien: die Arteria gastrica sinistra, die Arteria hepaticacommunis und die Arteria splenica (auch Arteria lienalis genannt).
Die kleine Kurvatur des Magens wird vorwiegend durch zwei Arterien versorgt: die Arteria gastrica sinistra, die direkt aus dem Truncus coeliacus hervorgeht, sowie die Arteria gastrica dextra, die aus der Arteria hepatica propria stammt. Diese wiederum ist ein Ast der Arteria hepatica communis, die ebenfalls dem Truncus coeliacus entspringt. Beide Arterien verlaufen entlang der kleinen Kurvatur und bilden dort eine Anastomose.
Die große Kurvatur erhält ihr Blut über zwei ebenfalls anastomosierende Gefäße: die Arteria gastroomentalis sinistra, die aus der Arteria splenica entspringt, und die Arteria gastroomentalis dextra, die aus der Arteria gastroduodenalis hervorgeht. Diese ist ein Abzweig der Arteria hepatica communis.
Der Fundus des Magens wird durch die Arteriae gastricae breves versorgt, kleine Gefäße, die ebenfalls aus der Arteria splenica stammen.
Zusätzlich wird die Hinterwand des Magens von der Arteria gastrica posterior durchblutet, einem weiteren Ast der Arteria splenica.
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Die venösen Gefäße des Magens verlaufen weitgehend parallel zu den arteriellen Gefäßen. Sie münden alle in das portale Venensystem.
Versorgungsgebiet
Venen
Kleine Kurvatur
Vena gastrica sinistra: verläuft entlang der kleinen Kurvatur und mündet direkt in die Vena portae.
Vena gastrica dextra: verläuft ebenfalls entlang der kleinen Kurvatur und mündet in die Vena portae.
Große Kurvatur
Vena gastroomentalis dextra: begleitet die gleichnamige Arterie und mündet in die Vena mesenterica superior.
Vena gastroomentalis sinistra: mündet in die Vena splenica.
Fundus
Venae gastricae breves: leiten das Blut in die Vena splenica.
Hinterwand
Vena gastrica posterior: leitet das Blut in die Vena splenica.
Magendrüsen
Makroskopisch liegen die Magendrüsen eingebettet in die Schleimhautfalten des Magens, die als Plicae gastricae bezeichnet werden. Diese Falten verlaufen in Längsrichtung der Magenwand und sind besonders im Corpus und Fundus ausgeprägt.
Mikroskopisch zeigt die Magenoberfläche ein mosaikartiges Muster aus Areae gastricae – kleinen, pflastersteinartigen Feldern. In diese Felder eingesenkt finden sich zahlreiche Foveolae gastricae (Magengrübchen), die die Öffnungen der Magendrüsen darstellen.
Von den Foveolae gastricae ausgehend ziehen die tubulären Magendrüsen tief in die Lamina propria der Tunica mucosa und enthalten verschiedene spezialisierte Zelltypen, abhängig vom jeweiligen Magenabschnitt.
Histologische Besonderheiten
Die Magenwand folgt grundsätzlich der klassischen Wandschichtung des Gastrointestinaltrakts.
1. Tunica mucosa
Die innere Schleimhautschicht besteht aus drei Komponenten:
Epithel: einschichtiges, hochprismatisches Epithel, das die Magenoberfläche auskleidet und Muzin produziert.
Lamina propria: lockeres Bindegewebe, das das Epithel stützt und zahlreiche Drüsen enthält.
Lamina muscularis mucosae: dünne Schicht glatter Muskulatur, die für die Bewegung der Schleimhaut verantwortlich ist.
Diese drei Schichten bilden zusammen die Tunica mucosa, die funktionell für Sekretion, Resorption und Immunabwehr zuständig ist.
2. Submukosa
Die Submukosa besteht aus lockerem Bindegewebe und dient mehreren Zwecken:
Ermöglicht die Verschieblichkeit der Tunica mucosa gegenüber der darunterliegenden Muskulatur.
Enthält Blutgefäße, Lymphgefäße und Nervenplexus (Plexus submucosus, Meissner-Plexus).
Spielt eine Rolle in der lokalen Regulation der Verdauung.
3. Tunica muscularis
Im Gegensatz zu anderen Abschnitten des Verdauungstrakts besitzt die Magenmuskulatur drei Schichten (v. a. im Fundus und Korpus):
Diese besondere Muskelschichtung dient der intensiven Durchmischung und Weiterbeförderung des Speisebreis.
4. Tunica serosa
Die äußerste Schicht, die Tunica serosa, besteht aus einem dünnen Mesothel (Teil des Peritoneums) und bildet einen serösen Flüssigkeitsfilm, der die äußere Oberfläche des Magens überzieht und dessen Beweglichkeit im Bauchraum gewährleistet.
In der Lamina propria der Tunica mucosa sind Drüsen, die mit den spezialisierten Zellen ausgekleidet sind:
Hauptzellen
Nebenzellen
Belegzellen
Sekret
Pepsinogene
Mucine
Magensäure (HCl), Intrinsic-Faktor
Funktion
Spaltung von Proteinen, die über die Nahrung aufgenommen wurden
Bildung eines Schleims als Schutz
Sekretion in das Magenlumen und Resorption von Vitamin B12
Neben diesen Zellen gibt es noch die enteroendokrinen Zellen (ECL-Zellen). Sie können Hormone sezernieren, die die Steuerung der Verdauung unterstützen.
Funktion des Magens
Die Magenmotorik hat drei zentrale Aufgaben:
Durchmischen: Der Speisebrei wird mit dem Magensaft durchmischt.
Zerkleinern: Die Muskelkontraktionen unterstützen die Nahrung zu zerkleinern und in einen optimalen Zustand für den Weitertransport zu bringen.
Transport: Der Speisebrei wird vom Magen in Richtung Duodenum (Dünndarm) transportiert.
Die Steuerung der gastrointestinalen Motilität wird von dem enterischen Nervensystem übernommen. Das enterische Nervensystem besteht aus zwei wesentlichen Plexus, der Plexus submucosus und der Plexus myentericus.
Der Plexus submucosus ist in der Tela submucosa lokalisiert. Er innerviert die Lamina muscularis mucosae und die Drüsen. Seine Funktionen sind die Schleimhautfaltung, die Sekretion der Drüsen und die Regulation der Durchblutung.
Der Plexus myentericus befindet sich in der Tunica muscularis, zwischen Stratum circulare und Stratum longitudinale. Er übernimmt die Innervation der Tunica muscularis. Seine Funktion ist die propulsive Peristaltik. Das ist eine Art der Darmbewegung, den Speisebrei von oral nach aboral zu befördern.
Krankheiten des Magens
Gastritis (Magenschleimhautentzündung)
Akut: meist durch Medikamente (z. B. NSAR), Alkohol oder Infektionen verursacht
Chronisch:
Typ A (autoimmun): Antikörper gegen Belegzellen → Vitamin-B12-Mangel
Typ B (bakteriell): durch Helicobacter pylori, häufigste Form
Typ C (chemisch): z. B. durch Gallenreflux oder Medikamente
Ulcus ventriculi (Magengeschwür)
Das Ulcus ventriculi ist ein Defekt der Magenschleimhaut, der bis in die Muscularis reicht. Ursachen können sein: ein Helicobacter pylori, NSAR, Stress oder Nikotin. Ein typisches Symptom sind epigastrische Schmerzen, vor allem nach dem Essen.
Magenkarzinom
Das Magenkarzinom ist ein bösartiger Tumor des Magens, meist ein Adenokarzinom. Die typischen Risikofaktoren sind die chronische Gastritis Typ B, nitrosaminreiche Ernährung und Rauchen. Nitrosamine entstehen zum Beispiel beim Erhitzen von Produkten, wie gepökelte Fleischwaren. Die Symptome, wie Gewichtsverlust oder Appetitlosigkeit, treten oft sehr spät auf.
Fazit
Der Magen ist ein zentraler Bestandteil des Verdauungstrakts mit einer komplexen anatomischen Struktur, die optimal auf seine vielfältigen Funktionen abgestimmt ist. Insgesamt ist er ein hochdifferenziertes Organ, das entscheidend zur Verdauung und zur Vorbereitung der Nahrung für die weitere Aufnahme im Darm beiträgt.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.