Anatomie und Funktion des Magens

Veröffentlicht am 12.06.2025

Medizinische 3D Illustration des Magens

Quelle: canva.com

Der Magen übernimmt eine zentrale Funktion im Verdauungssystem. Er dient nicht nur als Transportorgan, das den über die Speiseröhre aufgenommenen Speisebrei in den Dünndarm weiterleitet, sondern auch als Speicher, Ort der mechanischen Zerkleinerung und der chemischen Aufspaltung der Nahrung. Darüber hinaus erfüllt der Magen eine wichtige Barrierefunktion gegenüber aufgenommenen Mikroorganismen.

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Doch wie gelingt es diesem Organ, so vielfältige Aufgaben zu erfüllen – und welche anatomischen und histologischen Strukturen unterstützen ihn dabei?

Um die Funktionsweise des Magens vollständig zu verstehen, ist ein detaillierter Blick auf seinen Aufbau unerlässlich – von der makroskopischen Gliederung bis hin zur mikroskopischen Struktur.

Topografie

Der Magen liegt intraperitoneal im Oberbauch, überwiegend im linken oberen Quadranten. In Abhängigkeit vom Füllungszustand kann er sich jedoch auch bis in den mittleren oder rechten Oberbauch ausdehnen. Kranial grenzt er an das Zwerchfell, kaudal an das Colon transversum. Anterior wird der Magen teilweise vom linken Leberlappen bedeckt, während er dorsal an die Bursa omentalis angrenzt – einen vom Peritoneum gebildeten Verschieberaum, der die Beweglichkeit der angrenzenden Organe erleichtert.

Anna Liebig

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Makroskopische Einteilung

Der Magen ist ein schlauchförmiges Hohlorgan mit einer Länge von 25 -30 cm und einem Fassungsvermögen von 1200-1600ml. Makroskopisch wird der Magen in unterschiedliche Abschnitte aufgeteilt:

Abschnitt Funktion Besonderheit
Pars cardiaca (Mageneingang) Einmündung des Ösophagus in den Magen Z-Linie (=gastroösophagealer Übergang): Übergang vom mehrschichtigen Plattenepithel zum Zylinderepithel des Magens (makroskopisch sichtbar)
Fundus gastricus (Magenkuppel) Höchste Stelle des Magens Im Stehen sammelt sich dort Luft an, die im Röntgenbild als sog. Magenblase sichtbar ist
Corpus gastricum (Magenkörper) Hauptabschnitt des Magens
Pars pylorica (Magenausgang) Übertritt des Speisebreis in das Duodenum (Dünndarm) Drei Abschnitte: 1. Antrum pyloricum 2. Canalis pyloricus 3. Pylorus

Am Magen lassen sich zwei anatomisch bedeutsame Krümmungen unterscheiden. Die große Kurvatur (Curvatura gastrica major) verläuft konvex entlang der kaudalen Seite des Magenkorpus und bildet den äußeren Rand des Organs. Die kleine Kurvatur (Curvatura gastrica minor) befindet sich kranial am Korpus und zeigt ebenfalls eine leichte konvexe Form.

Im unteren Drittel der kleinen Kurvatur liegt ein markanter Einschnitt, die sogenannte Incisura angularis. Sie markiert den Übergang vom Magenkorpus zur Pars pylorica und stellt damit einen wichtigen Orientierungspunkt in der Magenanatomie dar.

Medizinische Illustration der Anatomie des Magens
Abb.: Anatomie des menschlichen Magens (Illustration, Quelle: Pflegia)

Bauchnetze

Die Bauchnetze sind Duplikaturen des Bauchfells. Eine wichtige Funktion ist die Immunabwehr, sowie die Speicherung von Fett und der Schutz der Bauchorgane.

Bauchnetz Aufbau Verlauf
Omentum majus Große, fettgewebsreiche Peritonealduplikatur Von der großen Kurvatur des Magens zieht sie schützendartig kaudal über die Dünndarmschlingen
Omentum minus Dünne, seröse Peritonealduplikatur Zwischen der kleinen Kurvatur des Magens und der Unterfläche der Leber

Arterielle Gefäßversorgung

Die arterielle Versorgung des Magens ist anatomisch komplex und geht hauptsächlich vom Truncus coeliacus, einem Ast der Bauchaorta, aus. Aus dem Truncus coeliacus entspringen drei große Arterien: die Arteria gastrica sinistra, die Arteria hepatica communis und die Arteria splenica (auch Arteria lienalis genannt).

Die kleine Kurvatur des Magens wird vorwiegend durch zwei Arterien versorgt: die Arteria gastrica sinistra, die direkt aus dem Truncus coeliacus hervorgeht, sowie die Arteria gastrica dextra, die aus der Arteria hepatica propria stammt. Diese wiederum ist ein Ast der Arteria hepatica communis, die ebenfalls dem Truncus coeliacus entspringt. Beide Arterien verlaufen entlang der kleinen Kurvatur und bilden dort eine Anastomose.

Die große Kurvatur erhält ihr Blut über zwei ebenfalls anastomosierende Gefäße: die Arteria gastroomentalis sinistra, die aus der Arteria splenica entspringt, und die Arteria gastroomentalis dextra, die aus der Arteria gastroduodenalis hervorgeht. Diese ist ein Abzweig der Arteria hepatica communis.

Der Fundus des Magens wird durch die Arteriae gastricae breves versorgt, kleine Gefäße, die ebenfalls aus der Arteria splenica stammen.

Zusätzlich wird die Hinterwand des Magens von der Arteria gastrica posterior durchblutet, einem weiteren Ast der Arteria splenica.

Venöser Abfluss

Die venösen Gefäße des Magens verlaufen weitgehend parallel zu den arteriellen Gefäßen. Sie münden alle in das portale Venensystem.

Versorgungsgebiet Venen
Kleine Kurvatur Vena gastrica sinistra: verläuft entlang der kleinen Kurvatur und mündet direkt in die Vena portae.
Vena gastrica dextra: verläuft ebenfalls entlang der kleinen Kurvatur und mündet in die Vena portae.
Große Kurvatur Vena gastroomentalis dextra: begleitet die gleichnamige Arterie und mündet in die Vena mesenterica superior.
Vena gastroomentalis sinistra: mündet in die Vena splenica.
Fundus Venae gastricae breves: leiten das Blut in die Vena splenica.
Hinterwand Vena gastrica posterior: leitet das Blut in die Vena splenica.

Magendrüsen

Makroskopisch liegen die Magendrüsen eingebettet in die Schleimhautfalten des Magens, die als Plicae gastricae bezeichnet werden. Diese Falten verlaufen in Längsrichtung der Magenwand und sind besonders im Corpus und Fundus ausgeprägt.

Mikroskopisch zeigt die Magenoberfläche ein mosaikartiges Muster aus Areae gastricae – kleinen, pflastersteinartigen Feldern. In diese Felder eingesenkt finden sich zahlreiche Foveolae gastricae (Magengrübchen), die die Öffnungen der Magendrüsen darstellen.

Von den Foveolae gastricae ausgehend ziehen die tubulären Magendrüsen tief in die Lamina propria der Tunica mucosa und enthalten verschiedene spezialisierte Zelltypen, abhängig vom jeweiligen Magenabschnitt.

Histologische Besonderheiten

Die Magenwand folgt grundsätzlich der klassischen Wandschichtung des Gastrointestinaltrakts.

1. Tunica mucosa

Die innere Schleimhautschicht besteht aus drei Komponenten:

  • Epithel: einschichtiges, hochprismatisches Epithel, das die Magenoberfläche auskleidet und Muzin produziert.
  • Lamina propria: lockeres Bindegewebe, das das Epithel stützt und zahlreiche Drüsen enthält.
  • Lamina muscularis mucosae: dünne Schicht glatter Muskulatur, die für die Bewegung der Schleimhaut verantwortlich ist.

Diese drei Schichten bilden zusammen die Tunica mucosa, die funktionell für Sekretion, Resorption und Immunabwehr zuständig ist.

2. Submukosa

Die Submukosa besteht aus lockerem Bindegewebe und dient mehreren Zwecken:

  • Ermöglicht die Verschieblichkeit der Tunica mucosa gegenüber der darunterliegenden Muskulatur.
  • Enthält Blutgefäße, Lymphgefäße und Nervenplexus (Plexus submucosus, Meissner-Plexus).
  • Spielt eine Rolle in der lokalen Regulation der Verdauung.

3. Tunica muscularis

Im Gegensatz zu anderen Abschnitten des Verdauungstrakts besitzt die Magenmuskulatur drei Schichten (v. a. im Fundus und Korpus):

  • Fibrae obliquae (innere, schräge Muskelfasern)
  • Stratum circulare (mittlere, ringförmige Muskelschicht)
  • Stratum longitudinale (äußere, längsverlaufende Muskelschicht)

Diese besondere Muskelschichtung dient der intensiven Durchmischung und Weiterbeförderung des Speisebreis.

4. Tunica serosa

Die äußerste Schicht, die Tunica serosa, besteht aus einem dünnen Mesothel (Teil des Peritoneums) und bildet einen serösen Flüssigkeitsfilm, der die äußere Oberfläche des Magens überzieht und dessen Beweglichkeit im Bauchraum gewährleistet.

In der Lamina propria der Tunica mucosa sind Drüsen, die mit den spezialisierten Zellen ausgekleidet sind:

Hauptzellen Nebenzellen Belegzellen
Sekret Pepsinogene Mucine Magensäure (HCl), Intrinsic-Faktor
Funktion Spaltung von Proteinen, die über die Nahrung aufgenommen wurden Bildung eines Schleims als Schutz Sekretion in das Magenlumen und Resorption von Vitamin B12

Neben diesen Zellen gibt es noch die enteroendokrinen Zellen (ECL-Zellen). Sie können Hormone sezernieren, die die Steuerung der Verdauung unterstützen.

Funktion des Magens

Die Magenmotorik hat drei zentrale Aufgaben:

  1. Durchmischen: Der Speisebrei wird mit dem Magensaft durchmischt.
  2. Zerkleinern: Die Muskelkontraktionen unterstützen die Nahrung zu zerkleinern und in einen optimalen Zustand für den Weitertransport zu bringen.
  3. Transport: Der Speisebrei wird vom Magen in Richtung Duodenum (Dünndarm) transportiert.

Die Steuerung der gastrointestinalen Motilität wird von dem enterischen Nervensystem übernommen. Das enterische Nervensystem besteht aus zwei wesentlichen Plexus, der Plexus submucosus und der Plexus myentericus.

Der Plexus submucosus ist in der Tela submucosa lokalisiert. Er innerviert die Lamina muscularis mucosae und die Drüsen. Seine Funktionen sind die Schleimhautfaltung, die Sekretion der Drüsen und die Regulation der Durchblutung.

Der Plexus myentericus befindet sich in der Tunica muscularis, zwischen Stratum circulare und Stratum longitudinale. Er übernimmt die Innervation der Tunica muscularis. Seine Funktion ist die propulsive Peristaltik. Das ist eine Art der Darmbewegung, den Speisebrei von oral nach aboral zu befördern.

Krankheiten des Magens

Gastritis (Magenschleimhautentzündung)

Akut: meist durch Medikamente (z. B. NSAR), Alkohol oder Infektionen verursacht

Chronisch:

  • Typ A (autoimmun): Antikörper gegen Belegzellen → Vitamin-B12-Mangel
  • Typ B (bakteriell): durch Helicobacter pylori, häufigste Form
  • Typ C (chemisch): z. B. durch Gallenreflux oder Medikamente

Ulcus ventriculi (Magengeschwür)

Das Ulcus ventriculi ist ein Defekt der Magenschleimhaut, der bis in die Muscularis reicht. Ursachen können sein: ein Helicobacter pylori, NSAR, Stress oder Nikotin. Ein typisches Symptom sind epigastrische Schmerzen, vor allem nach dem Essen.

Magenkarzinom

Das Magenkarzinom ist ein bösartiger Tumor des Magens, meist ein Adenokarzinom. Die typischen Risikofaktoren sind die chronische Gastritis Typ B, nitrosaminreiche Ernährung und Rauchen. Nitrosamine entstehen zum Beispiel beim Erhitzen von Produkten, wie gepökelte Fleischwaren. Die Symptome, wie Gewichtsverlust oder Appetitlosigkeit, treten oft sehr spät auf.

Fazit

Der Magen ist ein zentraler Bestandteil des Verdauungstrakts mit einer komplexen anatomischen Struktur, die optimal auf seine vielfältigen Funktionen abgestimmt ist. Insgesamt ist er ein hochdifferenziertes Organ, das entscheidend zur Verdauung und zur Vorbereitung der Nahrung für die weitere Aufnahme im Darm beiträgt.

Medizinische und rechtliche Hinweise:

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Quellen:

  1. AMBOSS SE, Kapitel: Magen (Kapitel zuletzt aktualisiert am: 26.03.2025, Stand: 11.06.2025), https://next.amboss.com/de/article/XK09US?q=Magen
  2. Lüllmann-Rauch, R. et al., Taschenlehrbuch Histologie (2024), Thieme, 7. Auflage, Kapitel: Speiseröhre und Magen-Darm-Kanal, S. 405-431
  3. Gabriela Aust. et al.: Duale Reihe Anatomie (2024), Thieme, 6. Auflage, Kapitel: Verdauungssystem, S. 1057 bis 1103

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