Beleghebamme – Studium und Beruf
Veröffentlicht am 08.07.2025

Als Beleghebamme begleitest du Schwangere besonders intensiv – von der Vorsorge über die Geburt bis in die Wochen nach der Entbindung. Du bist nicht einfach eine von vielen, sondern die Bezugsperson rund um dieses lebensverändernde Ereignis. Du bist für die werdende Familie eine feste Ansprechperson – nicht nur eine Hebamme „im Dienst“.
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Diese persönliche Betreuung ist etwas sehr Wertvolles, aber sie bringt auch besondere Anforderungen mit sich: viel Eigenverantwortung, Organisationstalent und die Bereitschaft, in Rufbereitschaft zu stehen. Deshalb ist die Beleghebammentätigkeit nicht für jede:n der richtige Weg – aber für viele genau das, was sie sich unter echter Hebammenarbeit vorstellen.
Wenn du dir vorstellen kannst, diesen Weg einzuschlagen, erfährst du hier, was dich erwartet – vom Studium bis zum Berufsalltag.
Was macht eine Beleghebamme?
Als Beleghebamme begleitest du Schwangere ganz individuell – oft über mehrere Monate hinweg. Dein Fokus liegt dabei auf kontinuierlicher, persönlicher Betreuung. Anders als angestellte Hebammen im Schichtdienst bist du für „deine“ Schwangeren in der Regel von Anfang an da – und bleibst es auch nach der Geburt.

Anna Liebig
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| Phase | Was du tust | Was das bedeutet |
|---|---|---|
| Vor der Geburt | Schwangere regelmäßig untersuchen, Gespräche führen, Tipps zu Gesundheit geben | Du schaust, ob mit der Schwangerschaft alles in Ordnung ist – z. B. Herzschlag des Babys, Blutdruck, Urin. Du nimmst dir Zeit für Fragen, Ängste und gibst hilfreiche Ratschläge, z. B. gegen Rückenschmerzen oder Übelkeit. |
| Geburtsvorbereitung | Kurse geben oder empfehlen, die Geburt gemeinsam planen, aufklären | Du hilfst der Schwangeren (und oft auch ihrem Partner), sich körperlich und mental auf die Geburt vorzubereiten. Ihr sprecht z. B. darüber, wie die Geburt ablaufen kann, was sie sich wünscht und wie du sie unterstützen wirst. |
| Geburt | Rund um die Uhr erreichbar sein, mit zur Geburt gehen, Frau begleiten, Baby versorgen | Ab dem Ende der Schwangerschaft bist du „auf Abruf“ – und fährst mit der Schwangeren z. B. in die Klinik. Du bleibst die ganze Zeit bei ihr, hilfst beim Atmen, gibst Halt, unterstützt bei Entscheidungen. Nach der Geburt kümmerst du dich um Mutter und Kind. |
| Die ersten Wochen nach der Geburt | Hausbesuche machen, beim Stillen oder Füttern helfen, auf Mutter und Baby achten, Ansprechpartnerin sein | Du kommst nach Hause, wenn die Familie noch ganz frisch ist – und hilfst z. B. beim Stillen, schaust, wie sich der Körper der Mutter erholt und ob das Baby gut gedeiht. Viele Eltern sind in dieser Zeit froh, eine erfahrene Begleitung zu haben. |
| Später (wenn gewünscht) | Rückbildungskurse anbieten, ansprechbar bleiben, weitervermitteln | Auch nach den ersten Wochen bleibst du manchmal noch Ansprechpartnerin. Wenn es neue Fragen gibt, kannst du helfen – oder weißt, wer weiterhilft, z. B. bei Stillproblemen oder psychischen Belastungen. |
Der größte Unterschied zur angestellten Hebamme ist die kontinuierliche Beziehung. Die Gebärende kennt dich meist schon gut, wenn die Wehen einsetzen. Ihr habt Vertrauen aufgebaut, wichtige Fragen geklärt und könnt gemeinsam in die Geburt gehen – ohne Wechsel im Betreuungsteam.
Viele Beleghebammen beschreiben das als besonders erfüllend, weil sie wirklich „ihre“ Arbeit machen können: mit Ruhe, mit Zeit, mit Nähe.
Was ist der Unterschied zwischen einer Beleghebamme und einer angestellten Hebamme?
Wenn du Hebamme wirst, hast du verschiedene Möglichkeiten zu arbeiten. Zwei wichtige Modelle sind:
- angestellte Hebamme (z. B. im Krankenhaus)
- Beleghebamme (selbstständig, mit eigener Betreuung)
Beides sind Hebammen – aber der Alltag und die Arbeitsweise unterscheiden sich deutlich.
| Bereich | Angestellte Hebamme | Beleghebamme |
|---|---|---|
| Arbeitsform | Fest angestellt mit Arbeitsvertrag, festem Lohn und festen Arbeitszeiten. | Selbstständig, arbeitet auf eigene Rechnung, Vertragsbindung mit Kliniken oder Geburtshäusern. |
| Arbeitsort | Im Kreißsaal der Klinik, Betreuung mehrerer Frauen gleichzeitig. | Begleitung in Klinik, Geburtshaus oder zu Hause – individuell vereinbart. |
| Betreuungsmodell | Betreuung je nach Schicht, Frau kennt die Hebamme vorher meist nicht. | Individuelle, persönliche Betreuung über längere Zeit. |
| Kontakt zur Schwangeren | Meist nur kurz während der Geburt, Wechsel nach Schichtende. | Mehrere Kontakte vor Geburt, enge Beziehung. |
| Geburtsbegleitung | Begleitung während der Schicht, Übergabe bei Schichtende. | Begleitung ab Wehenbeginn bis nach der Geburt – durchgehend. |
| Arbeitszeit | Schichtarbeit (Früh-, Spät-, Nachtdienst), ca. 3–4 pro Woche. | Rufbereitschaft rund um den Geburtstermin, Handy immer an. |
| Freizeitplanung | Freie Tage nach Plan, Urlaube im Team abgesprochen. | Selbst geplant, abhängig von Geburtsterminen, Urlaub nur in freien Phasen. |
| Verantwortung | Teamarbeit, Verantwortung wird geteilt. | Viel Eigenverantwortung für Organisation, Termine, Abrechnung. |
| Bezahlung | Fester Lohn, meist nach Tarifvertrag. | Abrechnung jeder Leistung einzeln, Einkommen abhängig vom Arbeitspensum. |
| Sicherheit | Sozial abgesichert (Krankheit, Rente, Arbeitslosigkeit). | Selbstverantwortung für Absicherung (Versicherung, Rente, Steuern). |
| Arbeitsbelastung | Schichtdienst, Zeitdruck, Betreuung mehrerer Frauen gleichzeitig. | Rufbereitschaft, Verantwortung, Eigenorganisation – eigenes Tempo. |
| Teamarbeit | Teil eines festen Teams, geregelter Arbeitsalltag. | Arbeitet meist allein, punktuell mit Ärzt:innen in Kliniken. |
| Beziehung zur Familie | Oberflächliche Bindung, mehrere Hebammen pro Frau. | Enge, vertrauensvolle Beziehung durch lange Begleitung. |
| Typische Anzahl betreuter Frauen | Mehrere Geburten pro Tag oder Kreißsäle gleichzeitig. | 1–2 Frauen pro Monat, aber intensive Betreuung. |
| Beispiel aus dem Alltag | 5 Stunden Begleitung, dann Schichtende, Kollegin übernimmt. | 12 Stunden oder mehr durchgehende Begleitung, auch Nachsorge zu Hause. |
Wie werde ich Beleghebamme?
Früher: Die klassische Hebammenausbildung
Bis Ende 2019 war der Weg zur Hebamme in Deutschland über eine klassische Berufsausbildung an einer Hebammenschule möglich. Diese Ausbildung dauerte drei Jahre, bestand aus Theorie und Praxis und fand meistens an einem Krankenhaus statt. Es war ein anerkannter Gesundheitsberuf, ähnlich wie z. B. die Ausbildung zur Krankenpfleger:in.
Viele Hebammen haben diesen Weg gewählt und arbeiten noch heute erfolgreich in ihrem Beruf. Allerdings haben sich die Anforderungen an die Geburtshilfe stark verändert: Medizinisches Wissen, wissenschaftliche Grundlagen und internationale Standards wurden immer wichtiger.
Heute: Das duale Studium zur Hebamme
Seit dem 1. Januar 2020 ist die Hebammenausbildung in Deutschland ein akademischer Studiengang. Das heißt: Wenn du heute Hebamme werden willst, musst du ein Studium absolvieren.
Genauer gesagt: ein duales Studium. Das bedeutet:
| Was „duales Studium“ heißt | Was das für dich bedeutet |
|---|---|
| „Dual“ = Theorie + Praxis | Du bist an einer Hochschule (z. B. Fachhochschule oder Universität) eingeschrieben und gleichzeitig viel in Kliniken und bei Hebammen im Einsatz. |
| Bachelorabschluss | Du machst einen Bachelor of Science in Hebammenwissenschaft – also einen richtigen akademischen Abschluss. |
| Staatlich anerkannt | Mit dem Studienabschluss bekommst du automatisch die staatliche Berufszulassung als Hebamme – du darfst also in allen Bereichen arbeiten. |
Warum das Studium eingeführt wurde:
- Die Anforderungen an den Beruf sind gestiegen: Du brauchst heute mehr Wissen über Medizin, Psychologie, Ethik und Forschung.
- In vielen anderen Ländern ist das Hebammenstudium längst Standard – Deutschland hat nachgezogen.
- Die Akademisierung soll die Qualität der Betreuung verbessern – und Hebammen besser auf komplexe Situationen vorbereiten.
Auch wenn du später Beleghebamme werden möchtest – du musst erst das Hebammenstudium absolvieren, genau wie alle anderen Hebammen. Die Spezialisierung als Beleghebamme kommt erst danach, durch Berufserfahrung und passende Strukturen (z. B. Klinikverträge).
Voraussetzungen: Was du mitbringen musst, um Hebamme zu studieren
Damit du Hebamme werden kannst – und später vielleicht Beleghebamme –, musst du bestimmte formale Voraussetzungen erfüllen. Genauso wichtig sind aber auch persönliche Eigenschaften, die dir den Beruf erleichtern.
Formale Voraussetzungen
| Voraussetzung | Was das bedeutet | Wie du das bekommst / worauf du achten musst |
|---|---|---|
| Allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife oder medizinische Berufsausbildung | Du brauchst Abitur (allgemeine Hochschulreife) oder Fachabitur (Fachhochschulreife). Alternativ: Absolvierte Berufsausbildung zur:m: - Gesundheits- und Krankenpfleger:in - Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger:in - Pflegefachfrau/-mann - Krankenschwester/-pfleger (EU-Ausland, mit EU-konformer Ausbildung) |
Hast du dein Abitur oder Fachabitur bereits gemacht? Dann erfüllst du diesen Punkt. Manche Hochschulen lassen auch Bewerber:innen mit abgeschlossener Pflegeausbildung zu („berufliche Qualifikation als Hochschulzugang“). Frag gezielt bei der Hochschule nach, ob das für dich gilt. |
| Gesundheitliche Eignung | Du musst nachweisen, dass du körperlich und psychisch für den Hebammenberuf geeignet bist – z. B. keine ansteckenden Krankheiten oder chronischen Beschwerden hast, die dich stark einschränken würden. | Du brauchst ein ärztliches Attest, meist von deiner Hausärzt:in. Das Attest darf nicht älter als 3 Monate sein. Die Hochschule gibt meist ein Formular vor oder genaue Vorgaben (z. B. Impfstatus, Belastbarkeit, Sehstärke). |
| Polizeiliches Führungszeugnis | Offizielles Dokument, das zeigt, ob du vorbestraft bist oder nicht. In Gesundheitsberufen – besonders bei Arbeit mit Schwangeren, Neugeborenen und Familien – Pflicht. | Beantrage das Führungszeugnis beim Einwohnermeldeamt oder online beim Bundesamt für Justiz. Kosten: ca. 13 €, Dauer: 1–2 Wochen. Du brauchst die Variante „zur Vorlage bei einer Behörde“. Manche Hochschulen wollen es direkt bei Bewerbung, andere erst nach Zulassung. |
| Nachweis über einen Erste-Hilfe-Kurs (nicht immer erforderlich) | Ein Basiswissen über Erste Hilfe – besonders für Säuglinge – wird an manchen Hochschulen erwartet. |
Persönliche Voraussetzungen
| Eigenschaft | Warum sie wichtig ist |
|---|---|
| Einfühlungsvermögen | Du begleitest Menschen in einer sehr sensiblen Lebensphase. Zuhören, beruhigen, Mut machen – das ist genauso wichtig wie Fachwissen. |
| Verantwortungsbewusstsein | Als Hebamme trägst du viel Verantwortung für Mutter und Kind. Entscheidungen müssen sicher und überlegt getroffen werden – auch in stressigen Momenten. |
| Belastbarkeit | Geburten können viele Stunden dauern. Du musst auch in der Nacht, unter Druck oder in emotionalen Situationen einen klaren Kopf behalten. |
| Kommunikationsstärke | Du sprichst mit sehr unterschiedlichen Menschen – und musst medizinische Inhalte einfach erklären können. |
| Organisationstalent | Besonders als Beleghebamme später brauchst du einen guten Überblick über Termine, Dokumentation und deinen Alltag. |
| Interesse an Medizin und Pflege | Du brauchst keine Ärztin zu sein – aber medizinisches Verständnis, Lernbereitschaft und Interesse an körperlichen Vorgängen sind wichtig. |
Was lernt man im Hebammenstudium?
Das Hebammenstudium bereitet dich Schritt für Schritt auf deine spätere Arbeit vor – egal ob du angestellt arbeitest oder später Beleghebamme wirst. Du lernst alles, was du brauchst, um Schwangere, Gebärende, Mütter und Neugeborene selbstständig und sicher zu betreuen.
Das Studium dauert 3 Jahre und endet mit dem Bachelor of Science (B.Sc.) in Hebammenwissenschaft. Es ist ein duales Studium, d. h. du verbringst einen Teil deiner Zeit an der Hochschule (Theorie) und einen Teil im echten Berufsalltag (Praxis).
Hebammenstudium - Theorieteil
Im Theorieteil bekommst du ein breites medizinisches, psychologisches und sozialwissenschaftliches Fundament. Ziel ist es, dass du alle Situationen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett verstehst, einordnen und verantwortungsvoll begleiten kannst.
| Themenbereich | Was du lernst | Warum das wichtig ist für dich als Hebamme |
|---|---|---|
| Der Körper der Frau & des Babys | Wie der Körper in der Schwangerschaft funktioniert: z. B. wie das Baby wächst, was Wehen sind, wie sich Organe verändern. | Damit du weißt, was normal ist – und wann etwas nicht stimmt. So kannst du Frauen sicher begleiten. |
| Wie eine Geburt abläuft | Du lernst Schritt für Schritt, wie eine Geburt losgeht, wie du helfen kannst und was du bei Problemen tun musst. | Damit du Frauen sicher durch eine Geburt führen kannst – mit Ruhe, Wissen und richtigen Entscheidungen. |
| Was tun, wenn etwas nicht nach Plan läuft | Du erfährst, was bei Komplikationen passieren kann – z. B. wenn die Geburt zu lange dauert oder ein Baby früher kommt. | Damit du erkennst, wann du von Ärzt:innen Hilfe brauchst – und wie du trotzdem für die Familie da sein kannst. |
| Wie man sich nach der Geburt um Mutter & Kind kümmert | Du lernst, wie du stillen hilfst, auf die Heilung nach der Geburt achtest und wie du mit Neugeborenen umgehst. | Damit du im Wochenbett eine echte Stütze bist – fachlich und menschlich. |
| Wie man gut mit Menschen spricht | Du übst, wie du Ängste ernst nimmst, schwierige Themen ansprichst und auch in heiklen Momenten ruhig bleibst. | Vertrauen ist das A und O – und du wirst oft mit starken Gefühlen zu tun haben. |
| Wie man neues Wissen versteht und anwendet | Du lernst, wie man Studien liest und wie du später im Beruf dein Wissen immer aktuell hältst. | Damit du immer auf dem neuesten Stand bleibst – für sichere und moderne Betreuung. |
Hebammenstudium - Praxisteil
Der Praxisteil ist das Herzstück des Hebammenstudiums. Du arbeitest in echten Einrichtungen – z. B. Geburtskliniken, Wochenbettstationen, Geburtshäusern oder mit freiberuflichen Hebammen.
Du lernst nicht nur durch Zuschauen, sondern darfst Schritt für Schritt selbst mitarbeiten – erst unter Anleitung, später eigenständiger.
| Einsatzort | Was du dort erlebst und lernst |
|---|---|
| Kreißsaal (Klinik) | Hier siehst du echte Geburten – viele verschiedene Situationen: normale, schnelle, lange, herausfordernde. Du hilfst bei der Betreuung, beobachtest, dokumentierst, nimmst Kontakt zu Gebärenden auf. Nach und nach begleitest du eigene Geburten (unter Supervision). |
| Wochenbettstation | Hier lernst du, wie Frauen sich nach der Geburt körperlich und emotional erholen. Du kontrollierst z. B. die Gebärmutterrückbildung, hilfst beim Stillen und erklärst Babypflege. |
| Neugeborenenstation / Kinderklinik | Du beobachtest, wie Frühgeborene oder kranke Babys versorgt werden. Du lernst das Verhalten von Neugeborenen einzuschätzen, Frühwarnzeichen zu erkennen und medizinisches Fachpersonal zu unterstützen. |
| Ambulante Hebammenarbeit / Hausbesuche | Du begleitest freiberufliche Hebammen bei Vorsorgeuntersuchungen und Nachsorgebesuchen zu Hause. Du lernst, wie man Familien individuell betreut – außerhalb des Klinikalltags. |
| Gynäkologische Stationen | Du erlebst, wie Frauen mit Schwangerschaftsproblemen, Fehlgeburten oder Operationen betreut werden. Auch das ist Teil der Realität – sensibel und professionell zu begleiten. |
| Geburtshäuser / alternative Einrichtungen | Hier erlebst du natürliche Geburten ohne Klinikbetrieb – mit mehr Ruhe und persönlicher Atmosphäre. Das ist besonders spannend für alle, die später Beleghebamme werden oder außerklinisch arbeiten möchten. |
Laut Hebammengesetz musst du mindestens 40 Geburten aktiv mitbetreut haben – viele Studierende erleben sogar mehr.
Hebammenstudium - Abschluss
Am Ende deines Studiums kommt ein ganz wichtiger Schritt: Dein Abschluss. Nach 3 Jahren hast du nicht nur viele Geburten begleitet, Theorie gelernt und Hausbesuche gemacht – du wirst jetzt offiziell zur Hebamme.
Das bekommst du:
- Deinen Bachelorabschluss: Du erhältst den Titel „Bachelor of Science in Hebammenwissenschaft“. Das ist ein anerkannter Studienabschluss – wie bei vielen anderen Gesundheitsberufen auch.
- Die staatliche Berufszulassung als Hebamme: Damit darfst du ganz offiziell arbeiten, selbstständig oder angestellt – überall in Deutschland.
Wie schließt du dein Hebammenstudium erfolgreich ab?
Am Ende des Studiums musst du mehrere Prüfungen bestehen. Sie zeigen, dass du bereit bist, Verantwortung zu übernehmen – für Schwangere, Gebärende, Babys und Familien. Keine Sorge: Du wirst in deinem Studium bestens darauf vorbereitet.
1. Die Bachelorarbeit (wissenschaftliche Abschlussarbeit)
Du schreibst eine schriftliche Arbeit über ein Thema, das mit Hebammenarbeit zu tun hat – zum Beispiel:
- Wie erleben Frauen Hausgeburten?
- Welche Rolle spielt die Hebamme bei Frühgeborenen?
- Warum ist gute Kommunikation im Kreißsaal so wichtig?
- Wie kann man Stillprobleme besser erkennen?
Du suchst dir ein Thema aus, liest Fachtexte und Studien dazu, sprichst vielleicht mit Hebammen oder Müttern und schreibst am Ende eine Arbeit (meist 20–40 Seiten), in der du deine Ergebnisse erklärst.
2. Die praktische Prüfung
Hier wirst du in einer echten oder nachgestellten Situation geprüft. Zum Beispiel:
- Du begleitest eine simulierte Geburt (mit Schauspielerin oder Puppe) und musst zeigen, wie du vorgehst.
- Du führst ein Aufklärungsgespräch mit einer „Patientin“ über eine Geburt oder einen Stillstart.
- Du untersuchst ein Neugeborenes und erklärst, worauf du achtest.
Du wirst dabei von Prüfer:innen beobachtet. Sie achten nicht nur darauf, was du fachlich tust, sondern auch:
- wie du sprichst,
- wie ruhig und professionell du wirkst,
- wie du mit Emotionen umgehst.
3. Die mündliche Prüfung
In einem Prüfungsgespräch (meist 30–45 Minuten) bekommst du Fragen gestellt – z. B.:
- Wie läuft eine normale Geburt ab?
- Was machst du, wenn eine Frau hohes Fieber hat im Wochenbett?
- Wie gehst du mit einer Frau um, die große Angst vor der Geburt hat?
- Wann musst du eine:n Ärzt:in hinzuziehen?
Das klingt nach viel – aber: Du hast das alles im Studium gelernt und viele Situationen schon erlebt. Die Prüfer:innen wollen sehen, ob du Zusammenhänge verstehst und verantwortungsvoll denkst.
Wie werde ich nach dem Studium Beleghebamme?
Nachdem du dein Hebammenstudium abgeschlossen hast, darfst du offiziell als Hebamme arbeiten. Doch wie wirst du nun Beleghebamme – also jemand, die Frauen individuell und persönlich durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett begleitet?
Die Antwort: Es gibt keine eigene Ausbildung zur Beleghebamme. Du wirst Beleghebamme, indem du dich bewusst für diese Arbeitsform entscheidest – und dich Schritt für Schritt darauf vorbereitest:
| Schritt | Was das bedeutet |
|---|---|
| 1. Erfahrungen sammeln (oft im Krankenhaus) | Viele Hebammen arbeiten nach dem Studium erst einmal angestellt, z. B. im Kreißsaal einer Klinik. Dort kannst du dein Wissen vertiefen, Sicherheit gewinnen und mit anderen im Team lernen. Das ist kein Muss – aber sehr hilfreich. |
| 2. Entscheidung für die Belegarbeit treffen | Du fragst dich: Will ich eigenständig arbeiten? Bin ich bereit für Rufbereitschaft und Selbstorganisation? Will ich Frauen persönlich begleiten – von Anfang bis Ende? Wenn du das mit „ja“ beantworten kannst, passt die Belegarbeit gut zu dir. |
| 3. Passende Klinik oder Geburtseinrichtung finden | Beleghebammen arbeiten mit bestimmten Kliniken oder Geburtshäusern zusammen. Du brauchst eine Kooperationsvereinbarung mit einer Einrichtung, die Beleghebammen zulässt. Manche Kliniken suchen gezielt nach Beleghebammen – andere arbeiten nur mit angestellten Kräften. |
| 4. Selbstständig machen (Freiberuflichkeit) | Als Beleghebamme arbeitest du auf eigene Rechnung. Das heißt: Du brauchst ein Gewerbe bzw. Freiberuflerstatus, meldest dich beim Finanzamt an, kümmerst dich um Versicherungen und Abrechnungen. Keine Sorge – viele Hebammenverbände unterstützen dich dabei. |
| 5. Rufbereitschaft & Betreuung planen | Du legst gemeinsam mit „deinen“ Schwangeren fest, ab wann du erreichbar bist (meist ab Schwangerschaftswoche 37). In dieser Zeit musst du rund um die Uhr erreichbar sein – denn das Baby kann jederzeit kommen. Dafür bestimmst du selbst, wie viele Frauen du gleichzeitig betreust. |
| 6. Organisation, Dokumentation, Abrechnung | Alles, was du leistest – Vorsorge, Geburt, Nachsorge – musst du selbst dokumentieren und mit der Krankenkasse abrechnen. Dafür gibt es Hilfsmittel, Software und Hilfe von Hebammenpraxen oder Abrechnungsstellen. |
| 7. Vernetzung & Fortbildungen nutzen | Viele Beleghebammen schließen sich mit Kolleg:innen zusammen – z. B. in Hebammenpraxen oder Beleghebammenteams. Auch Fortbildungen helfen dir, dein Wissen aktuell zu halten und neue Themen (z. B. Hausgeburten, Stillberatung) zu vertiefen. |
Fazit: Beleghebamme – Beruf mit Herz, Verantwortung und Tiefe
Der Beruf der Beleghebamme ist viel mehr als ein Job – er ist eine Lebensentscheidung. Wenn du Frauen und Familien individuell, persönlich und über einen längeren Zeitraum begleiten möchtest, findest du in dieser besonderen Form der Hebammentätigkeit etwas sehr Erfüllendes.
Du bist nicht eine von vielen im Schichtdienst – du bist ihre Hebamme. Das bedeutet Nähe, Vertrauen und oft eine Verbindung, die weit über die Geburt hinausgeht. Aber es bedeutet auch: Verantwortung, Organisation, Erreichbarkeit und die Bereitschaft, dich auf Menschen wirklich einzulassen.
Beleghebamme zu sein passt nicht zu jeder Person – aber wenn du dir wünschst, echte Zeit für Familien zu haben, mit deinen Entscheidungen wirklich etwas zu bewirken, und deine Arbeit mit viel Eigenverantwortung gestalten möchtest, dann ist dieser Weg vielleicht genau der richtige für dich.
Die wichtigsten Fragen zum Berufsbild
Was macht eine Beleghebamme?
Eine Beleghebamme begleitet Frauen und Familien ganz persönlich – von der Schwangerschaft über die Geburt bis ins Wochenbett. Im Gegensatz zu angestellten Hebammen arbeitet sie freiberuflich und betreut immer dieselbe Frau über einen längeren Zeitraum.
Beleghebammen:
- machen Vorsorgeuntersuchungen,
- sind rund um den Geburtstermin rund um die Uhr erreichbar,
- begleiten die Geburt z. B. in einer Klinik, wo sie mitarbeiten dürfen,
- machen Hausbesuche nach der Geburt.
Viele Frauen schätzen Beleghebammen, weil sie nicht ständig wechselnde Betreuungspersonen haben, sondern eine vertraute Ansprechpartnerin von Anfang bis Ende.
Wie kann man Beleghebamme werden?
Der Weg zur Beleghebamme besteht aus zwei Teilen:
- Zuerst machst du das duale Hebammenstudium (ca. 3 Jahre).
- Danach entscheidest du dich für die Belegarbeit. Das ist kein eigener Studiengang, sondern eine besondere Arbeitsform: Du arbeitest selbstständig und schließt einen Vertrag mit einer Klinik oder einem Geburtshaus, in dem du Geburten begleiten darfst. Du musst dich selbst organisieren, bereit sein für Rufbereitschaft und alle Leistungen selbst abrechnen.
Viele Beleghebammen arbeiten zunächst angestellt, um Erfahrung zu sammeln – das ist aber kein Muss.
Wie viele Jahre studiert man Hebamme?
Das Hebammenstudium dauert in der Regel 3 Jahre. Es ist ein duales Studium, also eine Kombination aus Hochschule (Theorie) und Praxiseinsätzen (z. B. im Krankenhaus oder bei freiberuflichen Hebammen).
Welchen Abschluss braucht man für den Beruf Hebamme?
Du brauchst einen Bachelorabschluss in Hebammenwissenschaft – dieser Studiengang ist seit 2020 in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Früher konnte man auch über eine Ausbildung Hebamme werden, aber das geht heute nicht mehr neu.
Quellen
- Bundesministerium für Gesundheit. (o. D.). Hebammen in Deutschland – Berufsbild Hebamme. Abgerufen am 5. Juli 2025, von www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/gesundheitswesen/gesundheitsberufe/hebammen.html
- Bundesagentur für Arbeit. (o. D.). Berufsprofil Hebamme / Entbindungspfleger – BERUFENET. Abgerufen am 5. Juli 2025, von arbeitsagentur.de/berufenet/beruf/8838
- Deutscher Hebammenverband e. V. (o. D.). Wie arbeiten Hebammen? Abgerufen am 5. Juli 2025, von hebammenverband.de/hebamme-werden-und-sein/wie-arbeiten-hebammen
- Bundesministerium der Justiz. (o. D.). Hebammengesetz (HebG). Abgerufen am 5. Juli 2025, von www.gesetze-im-internet.de/hebg_2020/











