Pflegewissenschaftler:in – Ausbildung und Beruf

Veröffentlicht am 01.04.2026

Eine dunkelhaarige Frau sitzt an einem Schreibtisch und lächelt in die Kamera.
AusbildungstypStudium
Ausbildungsdauer3-4 Jahre
VorraussetzungHochschulreife

Die Pflegewissenschaft beschäftigt sich mit der Frage, wie Pflege verbessert werden kann. Dabei geht es zum Beispiel darum, welche Pflegemethoden besonders wirksam sind, wie Pflegekräfte entlastet werden können oder wie Patient:innen besser versorgt werden. Pflegewissenschaftler:innen untersuchen solche Fragen mit wissenschaftlichen Methoden, werten Daten aus und entwickeln neue Konzepte für die Praxis.

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Pflegewissenschaftler:innen arbeiten daran, die Qualität der Pflege zu verbessern, neue Standards zu entwickeln oder Pflegeeinrichtungen bei Veränderungen zu beraten. Ihre Arbeit trägt dazu bei, dass die Pflege langfristig besser organisiert, wirksamer und sicherer wird. Für viele Menschen ist dieser Beruf besonders interessant, wenn sie sich für Gesundheit, Pflege und wissenschaftliches Arbeiten interessieren. Anders als bei vielen klassischen Pflegeberufen steht hier nicht die tägliche Pflege am Bett im Mittelpunkt, sondern die Analyse, Planung und Weiterentwicklung von Pflege.

Was ist ein:e Pflegewissenschaftler:in?

Ein:e Pflegewissenschaftler:in beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Thema Pflege. Das bedeutet: Er oder sie untersucht, wie Pflege funktioniert, wie sie verbessert werden kann und welche Methoden in der Praxis am besten helfen.

Während Pflegefachpersonen vor allem direkt mit Patient:innen arbeiten, haben Pflegewissenschaftler:innen eine andere Aufgabe. Sie schauen sich Pflege aus einer übergeordneten Perspektive an. Sie analysieren zum Beispiel Abläufe in Pflegeeinrichtungen, untersuchen die Wirkung bestimmter Pflegemaßnahmen oder entwickeln neue Konzepte, die Pflege in Zukunft besser machen sollen.

Anna Liebig

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Die Grundlage dafür ist die Pflegewissenschaft. Sie gehört zu den Gesundheitswissenschaften und verbindet Wissen aus verschiedenen Bereichen:

Das Ziel der Pflegewissenschaft ist es, die Pflege systematisch zu verstehen und weiterzuentwickeln. Statt nur nach Erfahrung zu handeln, sollen Entscheidungen möglichst auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Man spricht hier auch von evidenzbasierter Pflege. Das bedeutet: Pflegemaßnahmen werden anhand von Studien, Daten und Forschungsergebnissen bewertet.

Ein Beispiel: In vielen Krankenhäusern stellt sich die Frage, wie Druckgeschwüre bei bettlägerigen Patient:innen verhindert werden können. Pflegewissenschaftler:innen können dazu Studien auswerten, neue Pflegemethoden testen und anschließend Empfehlungen entwickeln, welche Maßnahmen besonders wirksam sind.

Pflegewissenschaftler:innen tragen also dazu bei, dass Pflege:

  • sicherer wird
  • besser organisiert ist
  • auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert
  • sich an neuen Herausforderungen im Gesundheitssystem anpasst

Oft arbeiten sie eng mit Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Hochschulen oder Gesundheitsorganisationen zusammen. Ihre Aufgabe ist es dabei, Wissen aus der Forschung in die praktische Pflege zu übertragen.

Welche Aufgaben hat ein:e Pflegewissenschaftler:in?

Der Beruf Pflegewissenschaftler:in ist sehr vielseitig. Anders als Pflegefachpersonen arbeiten Pflegewissenschaftler:innen nicht direkt mit Patient:innen, sondern beschäftigen sich mit der Analyse, Entwicklung und Verbesserung von Pflege. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit besteht darin, Fragen rund um Pflege systematisch zu untersuchen. Dazu gehören zum Beispiel Themen wie:

  • Wie kann die Pflegequalität verbessert werden?
  • Welche Pflegemaßnahmen wirken besonders gut?
  • Wie können Pflegekräfte entlastet werden?
  • Wie lassen sich Pflegeabläufe besser organisieren?

Um solche Fragen zu beantworten, arbeiten Pflegewissenschaftler:innen häufig mit Daten, Studien und wissenschaftlichen Methoden. Sie analysieren Pflegeprozesse, führen Untersuchungen durch oder entwickeln neue Konzepte für Pflegeeinrichtungen.

Die konkreten Aufgaben können je nach Arbeitsplatz sehr unterschiedlich sein. In einer Hochschule steht zum Beispiel die Forschung im Mittelpunkt, während in einem Krankenhaus eher die Verbesserung von Pflegeabläufen eine Rolle spielt.

Aufgabe Was bedeutet das genau? Beispiel aus dem Arbeitsalltag
Pflegeforschung durchführen Pflegewissenschaftler:innen untersuchen wissenschaftlich, welche Pflegemaßnahmen besonders wirksam sind. Dafür planen sie Studien, sammeln Daten und werten diese mit wissenschaftlichen Methoden aus. Ziel ist es, herauszufinden, welche Pflegepraktiken wirklich helfen und welche vielleicht verbessert werden sollten. Eine Pflegewissenschaftlerin untersucht in mehreren Krankenhäusern, welche Maßnahmen Druckgeschwüre bei bettlägerigen Patient:innen am besten verhindern. Dafür vergleicht sie verschiedene Lagerungstechniken und wertet die Ergebnisse aus.
Pflegequalität analysieren Pflegewissenschaftler:innen prüfen systematisch, wie gut Pflege in einer Einrichtung funktioniert. Dabei schauen sie sich zum Beispiel Pflegeabläufe, Dokumentationen oder Patient:innenrückmeldungen an. So können sie erkennen, wo Probleme entstehen und wo Verbesserungen möglich sind. In einem Krankenhaus wird untersucht, warum es auf einer Station häufiger zu Stürzen von Patient:innen kommt. Durch die Analyse stellt sich heraus, dass nachts zu wenig Personal eingeplant ist. Daraufhin wird der Dienstplan angepasst.
Neue Pflegekonzepte entwickeln Wenn sich Anforderungen im Gesundheitswesen verändern, müssen auch Pflegemethoden angepasst werden. Pflegewissenschaftler:innen entwickeln neue Konzepte, die Pflege effizienter, sicherer oder patient:innenfreundlicher machen sollen. Ein neues Betreuungskonzept für Menschen mit Demenz wird entwickelt. Dabei wird getestet, ob bestimmte Beschäftigungsangebote dazu beitragen können, Unruhe und Angst bei Patient:innen zu reduzieren.
Projekte im Gesundheitswesen planen und begleiten Viele Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen starten Projekte, um Abläufe zu verbessern oder neue Systeme einzuführen. Pflegewissenschaftler:innen helfen dabei, diese Projekte zu planen, umzusetzen und wissenschaftlich zu begleiten. Ein Krankenhaus führt ein digitales Dokumentationssystem für Pflege ein. Eine Pflegewissenschaftlerin begleitet das Projekt und untersucht, ob dadurch Zeit gespart wird und die Pflegekräfte entlastet werden.
Leitlinien und Handlungsempfehlungen erstellen Forschungsergebnisse müssen so aufbereitet werden, dass Pflegekräfte sie im Alltag anwenden können. Pflegewissenschaftler:innen entwickeln deshalb Leitlinien und Handlungsempfehlungen. Diese beschreiben Schritt für Schritt, wie bestimmte Pflegemaßnahmen durchgeführt werden sollten. Eine Leitlinie erklärt, wie Druckgeschwüre verhindert werden können. Darin steht zum Beispiel, wie häufig Patient:innen umgelagert werden sollten und welche Hilfsmittel eingesetzt werden können.
Pflegepersonal beraten Pflegewissenschaftler:innen unterstützen Pflegeeinrichtungen dabei, neue Erkenntnisse aus der Forschung im Alltag umzusetzen. Sie beraten Pflegeleitungen und Teams bei Veränderungen von Pflegeprozessen. Eine Pflegeeinrichtung möchte ihre Schmerztherapie verbessern. Ein Pflegewissenschaftler analysiert die aktuellen Abläufe und entwickelt Vorschläge für eine bessere Dokumentation von Schmerzen.
Schulungen und Fortbildungen organisieren Neue Pflegemethoden oder Leitlinien müssen oft erst erklärt und eingeübt werden. Pflegewissenschaftler:innen entwickeln deshalb Schulungsprogramme für Pflegepersonal. Pflegekräfte werden in einer Fortbildung darin geschult, wie sie frühzeitig Anzeichen von Delir bei älteren Patient:innen erkennen können.
Pflegedaten auswerten In vielen Einrichtungen werden große Mengen an Daten über Pflegeprozesse gesammelt. Pflegewissenschaftler:innen analysieren diese Daten, um Muster zu erkennen und Probleme frühzeitig zu identifizieren. Die Auswertung zeigt, dass Patient:innen besonders häufig nachts stürzen. Daraufhin werden zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen eingeführt, zum Beispiel bessere Beleuchtung oder Sensormatten.
Gut zu wissen!
Durch diese Aufgaben tragen Pflegewissenschaftler:innen dazu bei, dass Pflege nicht nur auf Erfahrung beruht, sondern auch auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und überprüfbaren Ergebnissen.

Wo arbeiten Pflegewissenschaftler:innen?

Anders als klassische Pflegeberufe sind Pflegewissenschaftler:innen nicht nur in Krankenhäusern oder Pflegeheimen tätig. Ihre Aufgaben liegen häufig in Bereichen, in denen Pflege geplant, analysiert, verbessert oder erforscht wird.

Das bedeutet: Pflegewissenschaftler:innen arbeiten oft dort, wo Entscheidungen über Pflege getroffen werden oder wo neue Ideen für die Pflege entstehen. Sie können zum Beispiel in der Forschung arbeiten, Pflegeeinrichtungen beraten oder dabei helfen, neue Standards für die Pflege zu entwickeln.

Viele Arbeitsplätze befinden sich im Gesundheitswesen, in Bildungseinrichtungen oder in Organisationen, die sich mit der Entwicklung von Pflege beschäftigen.

Arbeitsort Was Pflegewissenschaftler:innen dort machen Beispiel aus der Praxis
Hochschulen und Universitäten An Hochschulen beschäftigen sich Pflegewissenschaftler:innen vor allem mit Forschung und Lehre. Sie untersuchen neue Fragen rund um Pflege, veröffentlichen wissenschaftliche Studien und bilden zukünftige Pflegefachpersonen oder Pflegewissenschaftler:innen aus. Eine Pflegewissenschaftlerin führt eine Studie über die Versorgung von Menschen mit Demenz durch und unterrichtet gleichzeitig Studierende im Studiengang Pflegewissenschaft.
Krankenhäuser In Krankenhäusern arbeiten Pflegewissenschaftler:innen häufig an der Verbesserung von Pflegeprozessen. Sie analysieren Abläufe, entwickeln neue Konzepte und unterstützen Pflegeleitungen bei organisatorischen Entscheidungen. Ein Pflegewissenschaftler untersucht, wie die Zusammenarbeit zwischen Pflegepersonal und Ärzt:innen verbessert werden kann, um Behandlungsfehler zu vermeiden.
Pflegeheime und Pflegeeinrichtungen Auch in stationären Pflegeeinrichtungen können Pflegewissenschaftler:innen tätig sein. Dort helfen sie zum Beispiel dabei, Pflegequalität zu messen und neue Pflegekonzepte einzuführen. In einem Pflegeheim wird ein neues Konzept für die Betreuung von Menschen mit Demenz entwickelt und wissenschaftlich begleitet.
Forschungsinstitute In Forschungsinstituten steht die wissenschaftliche Arbeit im Mittelpunkt. Pflegewissenschaftler:innen entwickeln Studien, analysieren Daten und veröffentlichen Forschungsergebnisse. Ein Forschungsteam untersucht, wie sich digitale Technologien auf die Arbeit von Pflegekräften auswirken.
Gesundheitsorganisationen und Verbände Organisationen im Gesundheitswesen beschäftigen Pflegewissenschaftler:innen, um Konzepte für die Weiterentwicklung der Pflege zu erarbeiten oder politische Entscheidungen vorzubereiten. Ein Verband entwickelt Empfehlungen zur Verbesserung der Pflege in Krankenhäusern. Pflegewissenschaftler:innen arbeiten an der wissenschaftlichen Grundlage dieser Empfehlungen.
Ministerien und Behörden Auch staatliche Einrichtungen beschäftigen Pflegewissenschaftler:innen. Dort unterstützen sie zum Beispiel bei der Entwicklung von Gesetzen, Programmen oder Strategien für das Gesundheitswesen. Eine Behörde entwickelt ein Programm zur Verbesserung der Pflegequalität in Pflegeeinrichtungen. Pflegewissenschaftler:innen liefern Daten und wissenschaftliche Analysen.
Übrigens:
Je nach Arbeitsplatz kann der Berufsalltag von Pflegewissenschaftler:innen also sehr unterschiedlich aussehen. Manche arbeiten vor allem in der Forschung, andere stärker in der Praxisentwicklung oder Beratung von Einrichtungen.

Gemeinsam haben diese Tätigkeiten jedoch ein Ziel: Pflegewissenschaftler:innen helfen dabei, die Pflege langfristig zu verbessern und an neue Herausforderungen im Gesundheitssystem anzupassen.

Wie wird man Pflegewissenschaftler:in?

Wenn du Pflegewissenschaftler:in werden möchtest, führt der Weg über ein Studium der Pflegewissenschaft. Dieses Studium wird an Hochschulen und Universitäten angeboten und gehört zu den Studiengängen im Gesundheitsbereich.

Im Studium lernst du, Pflege wissenschaftlich zu untersuchen, zu analysieren und weiterzuentwickeln. Dabei geht es nicht nur um praktische Pflege, sondern auch um Forschung, Organisation von Pflege und die Entwicklung neuer Konzepte für das Gesundheitswesen. Das Studium vermittelt dir deshalb sowohl fachliches Wissen über Pflege als auch wissenschaftliche Methoden, mit denen du Probleme im Gesundheitswesen untersuchen kannst.

Viele Pflegewissenschaftler:innen haben zuvor eine Ausbildung in einem Pflegeberuf gemacht, zum Beispiel als Pflegefachperson. Das ist jedoch nicht immer zwingend erforderlich. Einige Hochschulen ermöglichen auch den direkten Einstieg ins Studium, wenn du eine Hochschulzugangsberechtigung hast.

Bachelorstudium als Einstieg

Der Einstieg erfolgt meistens über ein Bachelorstudium der Pflegewissenschaft. Der Bachelor ist der erste akademische Abschluss an einer Hochschule oder Universität.

Im Bachelorstudium beschäftigst du dich mit den Grundlagen der Pflegewissenschaft. Dazu gehören unter anderem:

  • wissenschaftliche Grundlagen der Pflege
  • Forschung im Gesundheitswesen
  • Organisation von Pflegeeinrichtungen
  • Analyse von Pflegedaten
  • Entwicklung von Pflegekonzepten

Im Laufe des Studiums lernst du auch, wissenschaftliche Texte zu lesen, Studien zu verstehen und selbst kleine Forschungsprojekte durchzuführen.

Der Studiengang schließt mit einer Bachelorarbeit ab. In dieser wissenschaftlichen Arbeit untersuchst du selbst eine Fragestellung aus dem Pflegebereich. Dabei wertest du zum Beispiel Daten aus oder führst eine Befragung durch.

Masterstudium zur Vertiefung

Nach dem Bachelorstudium kannst du ein Masterstudium der Pflegewissenschaft anschließen. Der Master ist ein weiterführender Studienabschluss. Hier beschäftigst du dich intensiver mit bestimmten Themen der Pflegewissenschaft:

  • Pflegeforschung
  • Qualitätsentwicklung in der Pflege
  • Gesundheitsmanagement
  • Pflegepädagogik
  • Pflegepolitik

Im Masterstudium arbeitest du stärker an wissenschaftlichen Projekten. Du lernst, komplexe Studien zu planen und Forschungsergebnisse zu veröffentlichen. Ein Masterabschluss ist besonders wichtig, wenn du später in Bereichen arbeiten möchtest wie:

  • Forschung
  • Hochschullehre
  • Projektleitung im Gesundheitswesen
  • Entwicklung von Pflegekonzepten auf Leitungsebene
Gut zu wissen!
Auch der Masterstudiengang endet mit einer umfangreichen wissenschaftlichen Abschlussarbeit, der sogenannten Masterarbeit.

Studium der Pflegewissenschaft – Dauer

Die genaue Dauer des Studiums der Pflegewissenschaft hängt davon ab, ob du nur den Bachelorabschluss machst oder zusätzlich ein Masterstudium anschließt.

Studienabschluss Dauer Was in dieser Zeit passiert
Bachelorstudium Pflegewissenschaft meist sechs bis acht Semester Du lernst die wissenschaftlichen Grundlagen der Pflege, beschäftigst dich mit Forschungsmethoden und schreibst am Ende eine Bachelorarbeit.
Masterstudium Pflegewissenschaft meist zwei bis vier Semester Du vertiefst dein Wissen, spezialisierst dich auf bestimmte Themen und führst eigene wissenschaftliche Projekte durch.

Ein Bachelorstudium dauert also normalerweise etwa drei bis vier Jahre. Wenn du anschließend ein Masterstudium absolvierst, verlängert sich die gesamte Studiendauer auf etwa vier bis sechs Jahre.

Viele Studiengänge sind als Vollzeitstudium aufgebaut. Das bedeutet, dass Studierende mehrere Vorlesungen, Seminare und Projekte pro Woche besuchen.

Es gibt jedoch auch berufsbegleitende Studiengänge. Diese richten sich vor allem an Menschen, die bereits eine Ausbildung in einem Pflegeberuf haben und neben ihrer Arbeit studieren möchten. In solchen Studiengängen finden Lehrveranstaltungen zum Beispiel:

  • an Wochenenden
  • in Blockseminaren
  • oder teilweise online

statt. Dadurch können Pflegekräfte sich weiterqualifizieren, ohne ihre berufliche Tätigkeit vollständig aufzugeben.

Studium der Pflegewissenschaft – Inhalte

Das Studium der Pflegewissenschaft ist sehr interdisziplinär und verbindet Wissen aus verschiedenen Fachgebieten wie der Pflege, Medizin, Sozialwissenschaften und Statistik.

Studienbereich Was du im Studium konkret lernst Beispiel aus der Praxis
Pflegewissenschaftliche Theorien und Modelle In diesem Bereich lernst du grundlegende wissenschaftliche Modelle der Pflege kennen. Diese Modelle beschreiben zum Beispiel, wie Pflegebedürfnisse entstehen, wie Pflege organisiert werden kann oder welche Faktoren die Gesundheit von Patient:innen beeinflussen. Du beschäftigst dich mit verschiedenen theoretischen Ansätzen und lernst, Pflege aus einer wissenschaftlichen Perspektive zu verstehen. Ein Modell beschreibt, wie körperliche, psychische und soziale Faktoren zusammenwirken, wenn Menschen pflegebedürftig werden. Solche Modelle helfen Pflegewissenschaftler:innen später dabei, Pflegekonzepte zu entwickeln.
Forschungsmethoden in der Pflege Du lernst, wie wissenschaftliche Studien geplant und durchgeführt werden. Dazu gehört zum Beispiel, wie man Forschungsfragen formuliert, Daten sammelt und Ergebnisse systematisch auswertet. Du beschäftigst dich mit verschiedenen Methoden, zum Beispiel Interviews, Fragebögen, Beobachtungen oder Datenauswertungen. Eine Studie untersucht, wie sich bestimmte Bewegungsprogramme auf die Mobilität älterer Patient:innen auswirken. Dafür werden Patient:innen befragt und ihre Fortschritte über mehrere Monate dokumentiert.
Statistik und Datenauswertung Statistik ist ein wichtiges Werkzeug in der Forschung. Du lernst, wie große Datenmengen ausgewertet werden können und wie man erkennt, ob Ergebnisse zuverlässig sind. Dazu gehören zum Beispiel statistische Tests, Diagramme oder Tabellen zur Darstellung von Forschungsergebnissen. Eine Auswertung zeigt, dass Patient:innen mit einer bestimmten Lagerungstechnik deutlich seltener Druckgeschwüre entwickeln. Diese Ergebnisse können anschließend in neue Pflegeleitlinien einfließen.
Evidenzbasierte Pflege In diesem Studienbereich lernst du, wissenschaftliche Studien kritisch zu lesen und ihre Ergebnisse auf die Pflegepraxis zu übertragen. Evidenzbasierte Pflege bedeutet, dass Entscheidungen möglichst auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und nicht nur auf Erfahrung. Eine Pflegeeinrichtung möchte wissen, welche Maßnahmen Stürze von Patient:innen verhindern können. Pflegewissenschaftler:innen prüfen dazu aktuelle Studien und entwickeln auf dieser Grundlage neue Empfehlungen für die Praxis.
Gesundheits- und Pflegesysteme Du beschäftigst dich mit der Organisation des Gesundheitswesens. Dabei lernst du, wie Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Krankenkassen und politische Institutionen zusammenarbeiten. Auch gesetzliche Regelungen und Finanzierungssysteme spielen eine Rolle. Wenn neue Pflegegesetze eingeführt werden, müssen Pflegeeinrichtungen ihre Abläufe anpassen. Pflegewissenschaftler:innen können analysieren, welche Auswirkungen solche Veränderungen auf die Versorgung haben.
Qualitätsmanagement in der Pflege In diesem Bereich lernst du, wie die Pflegequalität gemessen und verbessert werden kann. Du beschäftigst dich mit Qualitätsindikatoren, Evaluationen und verschiedenen Methoden zur Qualitätssicherung in Pflegeeinrichtungen. Eine Klinik möchte wissen, ob ihre Pflegequalität verbessert werden kann. Pflegewissenschaftler:innen analysieren Daten über Komplikationen, Patient:innenzufriedenheit und Pflegeabläufe.
Ethik im Gesundheitswesen Pflege wirft häufig schwierige moralische Fragen auf. Im Studium lernst du, solche Situationen zu analysieren und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Themen können zum Beispiel Selbstbestimmung von Patient:innen, Sterbebegleitung oder der Umgang mit besonders vulnerablen Menschen sein. Ein Team muss entscheiden, ob eine medizinische Behandlung bei einer schwer kranken Person noch sinnvoll ist. Pflegewissenschaftler:innen können solche Entscheidungsprozesse wissenschaftlich begleiten und ethische Leitlinien entwickeln.
Projektmanagement im Gesundheitswesen Viele Verbesserungen in der Pflege werden über Projekte umgesetzt. Im Studium lernst du, wie Projekte geplant, organisiert und durchgeführt werden. Dazu gehört auch, Ergebnisse zu dokumentieren und zu bewerten. Ein Krankenhaus führt ein neues digitales Dokumentationssystem ein. Pflegewissenschaftler:innen begleiten das Projekt und untersuchen, ob die neue Technik die Arbeit des Pflegepersonals erleichtert.
Pflegepraxis und Versorgungsforschung In einigen Studiengängen werden auch praktische Pflegeprozesse untersucht. Dabei geht es zum Beispiel um Fragen der Versorgung von Patient:innen in verschiedenen Lebenssituationen, etwa im Krankenhaus, im Pflegeheim oder in der häuslichen Pflege. Eine Studie untersucht, wie gut ältere Menschen nach einer Operation zu Hause versorgt werden und welche Unterstützung sie benötigen.

Das Studium bereitet dich darauf vor, Probleme im Pflegealltag zu analysieren, Forschungsergebnisse zu verstehen und neue Lösungen für die Pflegepraxis zu entwickeln.

Studium der Pflegewissenschaft – Voraussetzungen

Um Pflegewissenschaft studieren zu können, brauchst du in Deutschland grundsätzlich eine Hochschulzugangsberechtigung. Damit ist ein Schulabschluss gemeint, der dich zum Studium an einer Hochschule oder Universität berechtigt.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Abitur (allgemeine Hochschulreife)
  • Fachhochschulreife
  • eine berufliche Qualifikation mit Berufserfahrung

Auch Menschen, die bereits eine Ausbildung in einem Pflegeberuf abgeschlossen haben, können unter bestimmten Voraussetzungen ein Studium beginnen. Manche Hochschulen ermöglichen zum Beispiel ein Studium, wenn du:

  • eine abgeschlossene Ausbildung als Pflegefachperson hast
  • mehrere Jahre Berufserfahrung in der Pflege gesammelt hast

In einigen Studiengängen wird eine pflegerische Ausbildung sogar empfohlen, weil praktische Erfahrung im Pflegealltag für das Verständnis vieler Studieninhalte hilfreich ist.

Übrigens:
Welche Voraussetzungen genau gelten, hängt immer von der jeweiligen Hochschule ab.

Neben formalen Voraussetzungen spielen auch persönliche Eigenschaften eine wichtige Rolle:

Eigenschaft Warum sie im Studium wichtig ist Beispiel aus Studium oder Beruf
Interesse an Pflege und Gesundheit Im Studium beschäftigst du dich intensiv mit Themen rund um Pflege, Krankheit, Gesundheitssysteme und Versorgung von Patient:innen. Ohne echtes Interesse fällt es oft schwer, sich langfristig mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Du untersuchst im Studium zum Beispiel, wie Pflege für Menschen mit Demenz verbessert werden kann oder welche Maßnahmen Stürze im Krankenhaus verhindern.
Interesse an wissenschaftlichem Arbeiten Pflegewissenschaft ist ein akademisches Fach. Du liest wissenschaftliche Texte, analysierst Studien und führst selbst kleinere Forschungsprojekte durch. Im Studium wertest du Daten aus einer Befragung von Pflegekräften aus und schreibst darüber eine wissenschaftliche Arbeit.
Analytisches Denken Pflegewissenschaftler:innen müssen komplexe Probleme verstehen und Lösungen entwickeln. Dafür ist es wichtig, Zusammenhänge zu erkennen und systematisch zu denken. Du analysierst zum Beispiel, warum Patient:innen auf einer Station besonders häufig stürzen und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen.
Genauigkeit und sorgfältiges Arbeiten In der Forschung müssen Daten korrekt erhoben und ausgewertet werden. Kleine Fehler können Ergebnisse verfälschen. Deshalb ist sorgfältiges Arbeiten besonders wichtig. Bei einer Studie musst du alle Daten genau dokumentieren und statistisch korrekt auswerten.
Kommunikationsfähigkeit Pflegewissenschaftler:innen arbeiten häufig mit verschiedenen Berufsgruppen zusammen, zum Beispiel mit Pflegepersonal, Ärzt:innen oder Forschenden. Ergebnisse müssen verständlich erklärt werden. Du präsentierst die Ergebnisse eines Projekts vor einer Gruppe von Pflegekräften und erklärst, welche Veränderungen empfohlen werden.
Interesse an gesellschaftlichen Fragen Pflege ist eng mit gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden, zum Beispiel mit dem demografischen Wandel oder dem Fachkräftemangel in der Pflege. Du beschäftigst dich im Studium damit, wie Pflege in einer alternden Gesellschaft organisiert werden kann.
Geduld und Ausdauer Wissenschaftliche Projekte dauern oft lange und erfordern viel Recherche, Analyse und Schreiben. Geduld und Ausdauer sind deshalb wichtige Eigenschaften. Für deine Abschlussarbeit arbeitest du mehrere Monate an einer Forschungsfrage und wertest umfangreiche Daten aus.

Diese Eigenschaften musst du natürlich nicht von Anfang an mitbringen, bevor du das Studium beginnst. Viele Fähigkeiten entwickelst du erst im Laufe des Studiums. Wenn du jedoch Interesse an Pflege, Forschung und gesellschaftlichen Themen im Gesundheitswesen hast, kann das Studium der Pflegewissenschaft sehr gut zu dir passen.

Fazit

Pflegewissenschaftler:innen spielen eine wichtige Rolle für die Weiterentwicklung der Pflege. Während Pflegefachpersonen vor allem direkt mit Patient:innen arbeiten, beschäftigen sich Pflegewissenschaftler:innen damit, Pflege zu analysieren, zu verbessern und neue Konzepte zu entwickeln.

Durch wissenschaftliche Studien, Datenauswertungen und Forschungsprojekte tragen sie dazu bei, dass Pflege auf verlässlichen Erkenntnissen basiert. So können Pflegemethoden verbessert, Pflegeeinrichtungen besser organisiert und die Versorgung von Patient:innen langfristig weiterentwickelt werden.

Der Weg in diesen Beruf führt über ein Studium der Pflegewissenschaft. Im Studium lernst du, Pflege aus einer wissenschaftlichen Perspektive zu betrachten, Forschung durchzuführen und Lösungen für Herausforderungen im Gesundheitswesen zu entwickeln.

Wenn du dich für Pflege, Gesundheit und wissenschaftliches Arbeiten interessierst und gerne analytisch denkst, kann der Beruf Pflegewissenschaftler:in eine spannende Möglichkeit sein. Gerade in Zeiten des demografischen Wandels und steigender Pflegebedarfe wird es immer wichtiger, Pflege wissenschaftlich zu untersuchen und kontinuierlich zu verbessern.

Häufige Fragen zum Beruf Pflegewissenschaftler:in

Was macht ein:e Pflegewissenschaftler:in?

Ein:e Pflegewissenschaftler:in beschäftigt sich wissenschaftlich mit Pflege. Ziel ist es, Pflege zu analysieren, zu verbessern und neue Konzepte für die Versorgung von Patient:innen zu entwickeln. Pflegewissenschaftler:innen führen zum Beispiel Studien durch, werten Daten aus, entwickeln Leitlinien für Pflegeeinrichtungen oder begleiten Projekte zur Verbesserung der Pflegequalität.

Wie viel verdient man als Pflegewissenschaftler:in?

Das Gehalt hängt stark davon ab, wo du arbeitest und welche Position du hast. In vielen Fällen liegt das Einstiegsgehalt bei etwa 3.500 bis 4.500 Euro brutto im Monat. Mit mehr Berufserfahrung oder in leitenden Positionen kann das Gehalt auch über 5.000 Euro brutto monatlich liegen, besonders in großen Einrichtungen, Forschungsprojekten oder im öffentlichen Dienst.

Was kann man mit Pflegewissenschaften machen?

Mit einem Studium der Pflegewissenschaft kannst du in verschiedenen Bereichen arbeiten. Dazu gehören zum Beispiel Pflegeforschung, Qualitätsmanagement in Krankenhäusern, Beratung von Pflegeeinrichtungen, Projektarbeit im Gesundheitswesen oder Tätigkeiten in Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Wo arbeiten Pflegewissenschaftler:innen?

Pflegewissenschaftler:innen arbeiten in unterschiedlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens. Typische Arbeitsorte sind zum Beispiel Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Hochschulen, Forschungsinstitute, Gesundheitsorganisationen oder Behörden. Dort beschäftigen sie sich mit der Analyse und Weiterentwicklung von Pflege.

Quellen

Bundesagentur für Arbeit. (o. D.). BERUFENET – Pflegewissenschaftler:in. Abgerufen am 14. März 2026, von https://web.arbeitsagentur.de/berufenet/beruf/58766#ueberblick

Deutscher Caritasverband e. V. (o. D.). Pflegewissenschaftler:in. Abgerufen am 14. März 2026, von https://www.caritas.de/fuerprofis/arbeitenbeidercaritas/sozialeberufe/pflegewissenschaftler/in/pflegewissenschaftler.aspx

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