Dekubitus - Definition, Ursachen und Symptome

Veröffentlicht am 19.06.2025

Pflegefachkraft hilt älterer Patientin beim Umlegen

Ein Dekubitus kommt vor allem bei Menschen vor, die viel liegen. Quelle: canva.com

Der Dekubitus, oder auch das Druckgeschwür oder Wundliegegeschwür, ist eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes, meist über knöchernen Vorsprüngen. Er entsteht durch anhaltenden Druck oder Druck in Kombination mit Scherkräften. In der Praxis treten Dekubitalulzera vor allem an Körperstellen auf, an denen Knochen dicht unter der Haut liegen und wenig Weichgewebe vorhanden ist.

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Wie entsteht ein Dekubitus genau?

Die Entstehung beginnt auf mikroskopischer Ebene, durch Druck oder Scherkräfte werden kleine Gefäße (Kapillaren) im Gewebe komprimiert. Es kommt zur Minderversorgung mit Sauerstoff (Hypoxie) und zum Absterben von Zellen. Entzündungsprozesse setzen ein, und das geschädigte Gewebe kann sich nicht mehr regenerieren.

Die Schädigung beginnt tief im Gewebe und zeigt sich an der Hautoberfläche oft erst spät, eine besonders betroffene Stelle ist oft das Kreuzbein. Durch den Knochenvorsprung ist das Weichgewebe hier durch Druckbelastung schneller beeinträchtigt und die Blutversorgung wird schneller vernachlässigt.

Dekubitus: Ursachen und Risikofaktoren

Die Hauptursache eines Dekubitus ist anhaltender Druck, der den Kapillardruck überschreitet, welcher ca. 32 mmHg beträgt. Dadurch wird die Blutversorgung lokal unterbrochen. Kommen noch Scherkräfte wie das Hochziehen im Bett oder Feuchtigkeit etwa durch Schwitzen oder Inkontinenz hinzu, steigt das Risiko zusätzlich.

Anna Liebig

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Zu den häufigsten Risikofaktoren zählen:

  • Immobilität (z. B. durch Lähmung, Operation, Koma)
  • Hohes Alter und altersbedingte Hautveränderungen
  • Mangelernährung (besonders Proteinmangel)
  • Dehydratation
  • Inkontinenz (Haut wird durch Urin oder Stuhl aufgeweicht)
  • Sensorische Störungen (z. B. bei Diabetes mellitus oder Rückenmarksverletzungen)
  • Chronische Erkrankungen, wie z. B. Herzinsuffizienz, die die Gewebeperfusion beeinträchtigen

Früherkennung: Welche Symptome deuten auf Dekubitus hin?

Eine nicht-wegdrückbare Rötung über einem knöchernen Vorsprung ist das erste Warnzeichen. Die Symptome eines Dekubitus werden nach Schweregrad in vier Stadien unterteilt. Ein professionelles Hautmonitoring, regelmäßige Umlagerungen und die Einbindung geschulten Pflegepersonals sind entscheidend, um erste Anzeichen frühzeitig zu erkennen.

Gut zu wissen!
In manchen Fällen lassen sich die Schweregrade nur schwer zuordnen – etwa bei verdeckten Wunden oder vermuteten tiefen Gewebeschäden unter intakter Haut.

Übersichtstabelle: Dekubitus – Stadien und Merkmale

Stadium & Hautveränderung Tiefe der Schädigung Typische Symptome
(1) Rötung, intakte Haut Oberflächlich Schmerz, Verhärtung
(2) Blasen, Abschürfung Schädigung der Epidermis/Dermis(Lederhaut) Nässende Wunde, Schmerzen, Blasen
(3) Tiefe Wunde Bis Fettgewebe (vollständiger Hautverlust) Nekrose, starker Schmerz
(4) Offenes Gewebe Tiefgreifender Gewebeverlust bis Knochen/Sehnen Sichtbare Strukturen, Infekt, Odor
Medizinsiche Illustration der Dekubitus Grade
Abb.: Dekubitus Grade (Illustration, Quelle: Pflegia)

Wer ist besonders gefährdet?

Dekubitus kann theoretisch bei jedem Menschen entstehen, wenn starker Druck über längere Zeit einwirkt. Besonders gefährdet sind jedoch:

  • Pflegebedürftige Menschen mit eingeschränkter Mobilität
  • Querschnittgelähmte Personen
  • Patient:innen auf Intensivstationen oder nach größeren Operationen
  • Senior:innen mit Mangelernährung oder chronischen Erkrankungen

Auch im häuslichen Umfeld sollte man bei pflegebedürftigen Angehörigen auf erste Anzeichen achten und Präventionsmaßnahmen frühzeitig umsetzen.

Illustaration der gefährdete Körperstellen für Druckgeschwüre (Dekubitus)
Abb.: Gefährdete Körperstellen für Druckgeschwüre (Dekubitus) (Illustration, Quelle: Pflegia)

Dekubitus in der häuslichen Pflege

In der häuslichen Versorgung spielt die Verhinderung eines Dekubitus eine besonders große Rolle, da pflegende Angehörige oft nicht über ausreichend medizinisches Fachwissen verfügen. Regelmäßige Positionswechsel, die Verwendung von Druckentlastungshilfen wie z. B. Wechseldruckmatratzen oder Sitzkissen und eine sorgfältige Hautinspektion sind hier entscheidend.

Pflegekräfte sollten Angehörige frühzeitig in Prophylaxemaßnahmen einweisen und Hilfsmittel wie Lagerungspläne oder Dokumentationshilfen zur Verfügung stellen. Auch die Zusammenarbeit mit ambulanten Pflegediensten kann helfen, Dekubitalulzera im häuslichen Umfeld effektiv vorzubeugen.

Kleine Positionswechsel haben große Wirkung:
Schon minimale Lageveränderungen im Bett oder Sitzen können den Druck auf gefährdete Körperstellen deutlich reduzieren. In der Pflege gilt deshalb: Häufigkeit der Bewegung ist oft wichtiger als große Mobilisationen.

Welche Rolle spielt die Ernährung in der Dekubitusprophylaxe?

Eine ausgewogene Ernährung ist ein zentraler Bestandteil der Dekubitusprävention und Therapie. Vor allem eine ausreichende Zufuhr von Eiweiß, Vitamin C, Zink und Flüssigkeit ist entscheidend für die Wundheilung und die Regeneration des Gewebes. Bei Risikopatient:innen sollte daher regelmäßig der Ernährungszustand überprüft und gegebenenfalls eine ergänzende enterale oder parenterale Ernährung erwogen werden. Auch spezialisierte Ernährungsberatung kann sinnvoll sein.

Dekubitusprävention ist Teamarbeit:
Vorbeugung funktioniert nur, wenn alle Beteiligten konsequent handeln – Pflege, Angehörige und Betroffene. Kleine Versäumnisse über längere Zeit erhöhen das Risiko deutlich.

Fazit

Ein Dekubitus ist mehr als nur eine Hautwunde – er ist Ausdruck einer tiefgreifenden Gewebeschädigung und kann bei ausbleibender Behandlung zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Mit gezielter Prävention, frühzeitiger Erkennung und professioneller Versorgung lässt sich das Risiko jedoch deutlich reduzieren. Pflegepersonal, Angehörige und Patient:innen selbst sollten gemeinsam an einem Strang ziehen, um Druckgeschwüre zu verhindern.

Häufige Fragen zum Dekubitus

Ist ein Dekubitus heilbar?

Ja, in vielen Fällen lässt sich ein Dekubitus durch gezielte Wundversorgung, Druckentlastung und Behandlung der Grunderkrankung vollständig ausheilen. In fortgeschrittenen Stadien kann jedoch eine lange Behandlungsdauer erforderlich sein.

Welche Komplikationen können auftreten?

Neben lokalen Infektionen kann es zu schwerwiegenden systemischen Folgeerkrankungen wie Sepsis, Osteomyelitis (Knochen/Knochenmarksentzündung) oder Amputationen kommen.

Wie schnell entsteht ein Dekubitus?

Ein Dekubitus kann sich bereits innerhalb weniger Stunden entwickeln, speziell wenn sehr hoher Druck auf eine Stelle wirkt, insbesondere bei bettlägerigen Patient:innen. Deshalb ist konsequente Prophylaxe essenziell.

Welche Maßnahmen helfen zur Vorbeugung?

Regelmäßige Lagerungswechsel, hautfreundliche Pflegeprodukte, druckentlastende Matratzen und eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Flüssigkeit und Eiweiß gehören zu den zentralen präventiven Maßnahmen.

Welche Körperstellen sind besonders gefährdet, auch wenn sie nicht sofort auffallen?

Neben typischen Druckstellen wie Fersen oder Kreuzbein können auch weniger beachtete Bereiche betroffen sein, etwa Ohren, Schulterblätter oder Knieinnenseiten – insbesondere bei ungünstiger Lagerung oder Hilfsmittelkontakt.

Medizinische und rechtliche Hinweise

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Quellen

  1. DFGW – Deutsche Fachgesellschaft Wundheilung Leitlinien zur Dekubitustherapie. Abgerufen 04.06. 2025 von https://register.awmf.org/assets/guidelines/179-008l_S1_Querschnittspezifische_DekubitusbehandlungDekubituspraevention_2017-08-abgelaufen.pdf
  2. pflege.de: Dekubitus – Ursachen, Symptome und Prävention Abgerufen 04.06.2025 von https://www.pflege.de/krankheiten/dekubitus/
  3. Netter, F. H. (2018): Atlas der Anatomie des Menschen (7. Aufl.) Kapitel zu Bewegungsapparat (Wirbelsäule, Becken, Fersenbereich) – Seiten 140–160

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