Sepsis erkennen: Typische Symptome, Dauer und Ausbruch
Veröffentlicht am 18.08.2025

Eine Sepsis kann im schlimmsten Fall tödlich enden, eine schnelle Behandlung ist daher besonders wichtig. Quelle: Canva.de
Die Sepsis, umgangssprachlich auch als "Blutvergiftung" bekannt, stellt eine der schwerwiegendsten medizinischen Notfallsituationen dar und ist weltweit eine der häufigsten Todesursachen. Sie entsteht durch eine überschießende und fehlgesteuerte Immunreaktion auf eine Infektion, bei der der Körper nicht nur die Erreger bekämpft, sondern auch eigenes Gewebe und Organe schädigt. Trotz moderner medizinischer Möglichkeiten bleibt die Sepsis oft unerkannt oder wird zu spät behandelt – was schwerwiegende, mitunter tödliche Folgen haben kann. Die frühzeitige Erkennung und sofortige Behandlung sind entscheidend für die Überlebenschancen der Betroffenen.
Sepsis – Defintion
Sepsis ist eine sehr gefährliche Reaktion des Körpers auf eine Infektion. Normalerweise bekämpft das Immunsystem Krankheitserreger gezielt. Bei einer Sepsis jedoch reagiert der Körper über, was dazu führt, dass auch gesundes Gewebe und Organe geschädigt werden. In einer schweren Sepsis kann es zu Organversagen kommen, und im schlimmsten Fall endet die Sepsis tödlich. Sie entwickelt sich oft aus zunächst harmlos wirkenden Infektionen, zum Beispiel einer Lungenentzündung, Harnwegsinfektion oder einer Wunde. Eine Sepsis ist ein medizinischer Notfall – je schneller sie erkannt und behandelt wird, desto höher sind die Überlebenschancen.
Eine Sepsis kann jeden treffen – auch junge und zuvor gesunde Menschen. Besonders gefährdet sind jedoch Säuglinge, ältere Menschen, Schwangere sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Erkrankungen. Verlauf Sepsis - anfangs oft unspezifisch, mit Symptomen wie Fieber, Schwäche, Verwirrtheit oder schneller Atmung. Deshalb wird sie häufig zu spät erkannt. Eine Impfung gegen bestimmte Infektionskrankheiten wie Pneumokokken oder Grippe kann helfen, das Risiko einer Sepsis zu verringern.

Epidemiologie
Laut der Sepsis-Stiftung erkranken in Deutschland jedes Jahr rund 500.000 Menschen an einer Sepsis. Etwa 80 Prozent dieser Fälle entstehen außerhalb des Krankenhauses, zum Beispiel zu Hause oder in Pflegeeinrichtungen. 211.000 Betroffene sterben jährlich an den Folgen – die Mehrheit dieser Todesfälle wäre durch rechtzeitige Erkennung und Behandlung vermeidbar. Von den 289.000 Überlebenden leiden rund 75 Prozent an langfristigen Folgen, darunter Gedächtnisstörungen, chronische Erschöpfung oder psychische Beschwerden.

Anna Liebig
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Ursachen
Folgende Ursachen können mit einer Sepsis im Zusammenhang stehen:
| Infektionsquelle | Beispiel |
|---|---|
| Lunge | Lungenentzündung (Pneumonie) |
| Harnwege | Harnwegsinfektion, Nierenbeckenentzündung |
| Haut und Weichteile | Wundinfektion, Abszesse, infizierte Verletzungen, Druckgeschwüre |
| Bauchraum | Blinddarmentzündung, Gallenblasenentzündung, Darminfektion |
| Zahn- und Mundraum | Vereiterte Zähne, Entzündung des Zahnhalteapparates (Parodontitis) |
| Zentralnervensystem | Hirnhautentzündung (Meningitis), Gehirnentzündung (Enzephalititis) |
| Katheter und medizinische Zugänge | Infektionen durch venöse Zugänge, Blasenkatheter, Drainagen |
| Postoperative Infektionen | Infektionen nach Operationen oder Eingriffen |
Zu den Erregern, die eine Sepsis auslösen können, zählen:
| Erregertyp | Beispiele |
|---|---|
| Bakterien | E. coli, Staphylococcus aureus, Streptokokken |
| Viren | Influenza (Grippe), SARS-CoV-2 |
| Pilze | Candida-Arten (v.a. bei Immunschwäche) |
| Parasiten | Plasmodien (Malaria), eher selten in Deutschland |
Wie erkennt man eine Sepsis? – Warnzeichen und Symptome
Eine Sepsis ist schwer zu erkennen, da sie kein typisches Leitsymptom hat, das eindeutig auf sie hinweist. Bei der Sepsis Früherkennung ist es Stattdessen wichtig, auf das Gesamtbild der Beschwerden zu achten – vor allem, wenn sich jemand plötzlich stark krank fühlt oder sich der Zustand sehr schnell verschlechtert.
Ein erster Hinweis auf eine Sepsis kann ein auffallend schlechter Allgemeinzustand sein – also, wenn sich jemand ungewöhnlich schwach, verwirrt oder „ganz anders als sonst“ fühlt.
Häufige Warnzeichen einer Sepsis sind:
- Hohes Fieber, manchmal auch Schüttelfrost – seltener tritt auch Untertemperatur (Kältezustand) auf
- Verwirrtheit, Schläfrigkeit oder Bewusstseinsveränderungen
- Schneller Puls (Herzrasen) und niedriger Blutdruck
- Beschleunigte Atmung (schneller als normal)
- Kalte, fleckige Haut oder Kälteschauer im weiteren Verlauf
- Ödeme (Schwellungen), z. B. an Händen oder Füßen, durch Flüssigkeitsaustritt aus den Gefäßen
- Hautblutungen (kleine rote Punkte, sog. Petechien) in schweren Fällen
Weitere Hinweise je nach Infektionsort:
- Harnwegsinfektion (Urosepsis): Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, Schmerzen in der Nierengegend
- Lungenentzündung (Pneumonie): Atemnot, Husten, Schmerzen beim Atmen
- Hirnhautentzündung (Meningitis): Starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit
- Infektion durch Katheter/Fremdkörper: Rötung, Schwellung oder Eiter an der Einstichstelle
- Bauchinfektion (z.B. Blinddarmentzündung): Starke Bauchschmerzen, "akutes Abdomen"
Diagnostik
Anzeichen einer Sepsis erkennen
Bei Verdacht auf eine Sepsis ist eine schnelle Ersteinschätzung wichtig. Dabei werden Blutdruck, Puls, Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung und Körpertemperatur gemessen. Außerdem achtet man auf typische Anzeichen wie Schüttelfrost, schnelle Atmung, Verwirrtheit, schnellen Herzschlag und niedrigen Blutdruck. Diese Werte und Symptome helfen, die Sepsis früh zu erkennen und sofort zu behandeln.
Für die Beurteilung ist die klinische Untersuchung wichtig, die durch spezielle Sepsis-Scores ergänzt werden kann.
qSOFA-Score – Schnelltest für mögliche Sepsis
Der qSOFA-Score (quick Sequential Organ Failure Assessment) ist ein kurzer Test, den Ärzte schnell am Bett durchführen können, um zu erkennen, ob jemand möglicherweise eine Sepsis hat und besonders gefährdet ist.
Der Test überprüft drei einfache Dinge:
- Wie schnell atmet die Person? (mehr als 22 Atemzüge pro Minute)
- Wie ist der Blutdruck? (systolischer Wert unter 100 mmHg)
- Wie ist der geistige Zustand? (Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen)
Wenn bei zwei oder mehr dieser Punkte Auffälligkeiten vorliegen, besteht ein erhöhtes Risiko für eine schwere Sepsis, und es sollte schnell gehandelt werden.
Ursachensuche und Erregerbestimmung
Um herauszufinden, wo die Infektion im Körper liegt und welcher Keim sie verursacht, fragen Ärzte zuerst nach den Beschwerden und der Krankengeschichte. Dabei ist wichtig zu wissen, ob Vorerkrankungen oder Fremdkörper wie Katheter vorhanden sind. Anschließend erfolgt eine gründliche körperliche Untersuchung, bei der besonders die Lunge, der Bauch, die Harnwege, die Haut und mögliche Fremdkörper genau geprüft werden. Auch wird untersucht, ob Anzeichen einer Hirnhautentzündung vorliegen. Zusätzlich werden Blutproben genommen, um die Erreger im Labor zu bestimmen. Je nach Ergebnis folgen weitere Untersuchungen.
Bevor mit Antibiotika begonnen wird, nehmen Ärzte mindestens zweimal Blutkulturen ab, um im Labor herauszufinden, welche Keime die Infektion verursachen. Diese Untersuchung hilft, die Sepsis Ursache herauszufinden und die richtige Behandlung auszuwählen.
Labortests – Was wird untersucht?
Bei einer Sepsis helfen Bluttests, vor allem Blutkulturen, herauszufinden, wie schwer die Infektion ist und ob Organe betroffen sind. Dabei werden verschiedene Werte geprüft:
- Procalcitonin (PCT): Zeigt an, ob eine bakterielle Infektion vorliegt. Es ist der beste Marker für eine Sepsis.
- CRP: Ein allgemeiner Entzündungswert, der aber nicht so genau ist wie PCT.
- Blutbild: Zeigt, wie viele weiße Blutkörperchen (für die Abwehr wichtig) und Blutplättchen vorhanden sind. Wenig Blutplättchen können ein frühes Zeichen für eine schwere Sepsis sein.
- Laktat: Ein Wert, der anzeigt, ob der Körper schlecht mit Sauerstoff versorgt wird, was bei einem schweren Schock passiert.
- Gerinnungswerte: Diese zeigen, ob das Blut richtig gerinnt oder ob eine gefährliche Störung vorliegt, die bei Sepsis häufig ist.
Therapie
Behandlung mit Antibiotika
Bei einer Sepsis ist eine schnelle Behandlung mit Breitband-Antibiotika sehr wichtig – idealerweise schon in der ersten Stunde. Diese wirken gegen viele verschiedene Bakterienarten, auch wenn der genaue Erreger noch nicht bekannt ist.
Je nach vermuteter Infektionsquelle (z. B. Lunge, Harnwege, Bauch) und Risikofaktoren (z. B. Krankenhauskeime wie MRSA) wählen Ärzte passende Medikamente aus.
Sobald Laborergebnisse vorliegen oder sich der Zustand ändert, wird die Behandlung regelmäßig überprüft und – wenn nötig – angepasst. Meist dauert die Antibiotikatherapie 7 bis 10 Tage.
Wenn sich der Zustand des Patienten nach 2–3 Tagen deutlich verbessert, kann oft von einer Kombination auf ein einzelnes Antibiotikum umgestellt werden.
Kreislaufstabilisierung
Bei einer Sepsis kann der Kreislauf zusammenbrechen. Deshalb wird sofort Flüssigkeit über die Vene gegeben, um den Blutdruck zu stabilisieren. Reicht das nicht aus, bekommen Betroffene Medikamente, die das Herz und die Blutgefäße unterstützen (z. B. Noradrenalin).
Der Kreislauf wird laufend überwacht – durch Blutdruckmessung, Urinmenge, Bewusstseinslage oder spezielle Geräte. Wenn nötig, erhalten Patienten auch Bluttransfusionen.
Außerdem müssen Infektionsherde im Körper beseitigt werden – etwa durch das Entfernen von Kathetern oder das Operieren von entzündeten Wunden oder Abszessen.
Weitere Maßnahmen
| Therapie | Was passiert? |
|---|---|
| Sauerstoffgabe | Wenn der Körper nicht genug Sauerstoff bekommt, wird extra Sauerstoff über eine Nasensonde oder Maske gegeben. |
| Blutzuckerkontrolle | Der Blutzucker wird genau überwacht und mit Insulin eingestellt, damit er nicht zu hoch oder zu niedrig ist. |
| Thromboseprophylaxe | Um gefährliche Blutgerinnsel zu verhindern, bekommt man spezielle Strümpfe und manchmal Medikamente. |
| Magenschutz | Bei Risiko für Magenblutungen gibt es Medikamente, die den Magen schützen. |
| Ernährung | Der Körper wird vorsichtig mit Essen oder Nährlösungen versorgt, auch wenn man nicht selbst essen kann. |
| Nierenersatzverfahren | Wenn die Nieren nicht mehr richtig arbeiten, reinigt eine Maschine das Blut. |
| Kortisongabe | Bei sehr schwerem Schock können Kortison-Medikamente helfen, wenn andere Behandlungen nicht ausreichen. |
| Bicarbonattherapie | Bei starkem Säureüberschuss im Blut wird ein Mittel gegeben, um das Gleichgewicht wiederherzustellen. |
Was ist ein septischer Schock?
Wenn eine Sepsis nicht rechtzeitig erkannt oder wirksam behandelt wird, kann sie in einen septischen Schock übergehen – eine besonders gefährliche Verlaufsform. Dabei handelt es sich um einen schweren Kreislaufzusammenbruch, der durch eine starke Entzündungsreaktion im gesamten Körper ausgelöst wird.
Trotz ausreichender Flüssigkeitsgabe bleibt der Blutdruck stark erniedrigt, sodass zusätzlich kreislaufunterstützende Medikamente (sogenannte Katecholamine) nötig werden. Typische Anzeichen sind unter anderem hohes Fieber oder Unterkühlung, niedriger Blutdruck, beschleunigter Herzschlag, schnelle Atmung und stark erhöhte Entzündungswerte im Blut.
In dieser Situation muss schnell und gezielt mit einer hochdosierten Antibiotikatherapie begonnen werden, um die Infektion zu bekämpfen und lebensbedrohliche Organschäden zu verhindern.
Langzeitfolgen nach überstandener Sepsis
- Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Depressionen oder Ängste
- Eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit
Vorbeugen ist möglich
- Impfungen (z. B. gegen Grippe, Pneumokokken oder COVID-19) können helfen, schwere Infektionen zu vermeiden.
- Gute Wundhygiene und rechtzeitige Behandlung von Infekten sind wichtig.
- Bei Risikopatienten: regelmäßige ärztliche Kontrolle
Fazit: Sepsis kann jeden treffen
Sepsis ist eine der häufigsten und gefährlichsten medizinischen Notfälle unserer Zeit – und dennoch in der breiten Bevölkerung kaum bekannt. Jährlich erkranken in Deutschland rund 500.000 Menschen, über 200.000 sterben daran. Viele dieser Todesfälle wären mit rechtzeitiger Erkennung und Behandlung vermeidbar. Doch genau daran scheitert es häufig.
Die größte Herausforderung heute ist nicht der Mangel an Behandlungsmöglichkeiten – sondern das fehlende Bewusstsein. Sepsis wird oft zu spät erkannt, sowohl von Betroffenen als auch im medizinischen Alltag. Symptome wie Fieber, Verwirrtheit oder Atemnot sind unspezifisch und werden häufig falsch gedeutet oder unterschätzt.
Gerade in einer Zeit, in der Infektionen durch multiresistente Keime zunehmen und unser Gesundheitssystem unter zunehmendem Druck steht, wird die schnelle Identifikation und Behandlung von Sepsis zur immer größeren Herausforderung.
Sepsis ist keine seltene Ausnahmeerscheinung – sie ist alltäglich, aber oft unsichtbar. Es braucht mehr Aufklärung, gezieltes medizinisches Handeln, strukturierte Nachsorge und öffentliche Aufmerksamkeit.
Denn: Sepsis kann jeden treffen – jederzeit. Aber schnelles Handeln kann Leben retten.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellen
- Sepsis Stiftung, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Sepsis nimmt bei den Todesursachen in Deutschland einen Spitzenplatz ein., abgerufen am 09.08.2025 von https://sepsis-stiftung.de/de
- AWMF-Leitlinie, S3-Leitlinie (2025), Deutschen Sepsis-Gesellschaft e. V et al., Sepsis – Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge, abgerufen am 09.08.2025 von https://register.awmf.org/assets/guidelines/079-001l_S3_Sepsis-Praevention-Diagnose-Therapie-Nachsorge_2025-07.pdf
- AMBOSS SE, Kapitel: Sepsis, Kapitel zuletzt aktualisiert am18.06.2025, Stand: 09.08.2025; https://next.amboss.com/de/article/xm0E3g?q=sepsis











