Wundmanagement: Definition und Einsatzbereiche

Veröffentlicht am 31.07.2025

Ein Patient mit Wunde am Fuß.

Ein umfassendes Wundmanagement ist wichtig für die Genesung der Patient:innen.

Wunden gehören im medizinischen Alltag zu den häufigsten Problemen – sei es durch einen Sturz, eine Operation oder im Rahmen chronischer Erkrankungen wie Diabetes mellitus. Doch nicht jede Wunde heilt von allein. Vor allem bei chronischen oder schlecht heilenden Wunden ist eine gezielte, fachgerechte Versorgung wichtig. Ein umfassendes Wundmanagement ist therapieentscheidend. Hierbei handelt es sich um ein strukturiertes Konzept, das weit über das reine Verbinden von Wunden hinausgeht.

Was ist Wundmanagement?

Beim Wundmanagement werden Wunden ganzheitlich und strukturiert versorgt. Dabei arbeiten verschiedene Fachkräfte interdisziplinär zusammen. Das Ziel besteht darin, die Wundheilung zu fördern, Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität der Betroffenen zu steigern. Das Wundmanagement beginnt mit der Anamnese, umfasst die Behandlung und Pflege der Wunde, die Schmerztherapie und die dokumentierte Verlaufskontrolle und endet oft erst mit der vollständigen Abheilung der Wunde.

Ein professionelles Wundmanagement ist besonders bei chronischen Wunden, die länger als acht Wochen bestehen, unverzichtbar. Wundexperten oder Wundmanager sind Pflegefachkräfte mit spezieller Weiterbildung, die hierbei eine Schlüsselrolle übernehmen.

Ziele des Wundmanagements

Ein effektives Wundmanagement verfolgt mehrere übergeordnete Ziele:

  • Verkürzung des Wundheilungsprozesses
  • Erhöhung der Heilungsrate
  • Anpassung der Behandlung an das jeweilige Wundstadium
  • Vermeidung von Komplikationen wie Infektionen
  • Reduzierung von Schmerzen
  • Verbesserung der interprofessionellen Zusammenarbeit
  • Förderung der Lebensqualität der Patient:innen
  • Lückenlose Dokumentation zur Qualitätssicherung

Formen der Wundversorgung

Im Rahmen des Wundmanagements werden zwei Hauptformen der Wundversorgung unterschieden:

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Traditionelle Wundversorgung

Dabei kommen trockene Wundauflagen wie Mullkompressen oder Pflaster zum Einsatz. Diese Methode eignet sich vor allem zur Erstversorgung akuter Wunden. Bei chronischen Wunden kann sie jedoch problematisch sein, da trockene Verbände mit der Wunde verkleben können. Dies kann Schmerzen verursachen und das Wundmilieu austrocknen. Dies könnte die Heilung erheblich verzögern.

Moderne Wundversorgung

Bei der modernen (feuchten) Wundversorgung werden dagegen hydroaktive Wundauflagen verwendet. Diese schaffen ein feuchtes Wundklima, das die natürlichen Heilungsprozesse unterstützt. Solche Verbände sind in der Regel einfach zu handhaben, erleichtern den Verbandswechsel und führen häufig zu besseren Heilungsraten.

Phasen der Wundheilung

Der Heilungsprozess einer Wunde ist komplex und erfolgt in mehreren Phasen:

  1. Exsudationsphase (Reinigungsphase): Die Wunde scheidet Flüssigkeit (Exsudat) aus, um Fremdkörper und abgestorbene Zellen zu entfernen. Diese Phase ist geprägt von Schwellung, Rötung und gegebenenfalls leichten Schmerzen.
  2. Granulationsphase (Aufbauphase): Es bildet sich neues Gewebe (Granulationsgewebe). Es füllt den Defekt aus und stellt die Durchblutung wieder her.
  3. Epithelisierungsphase (Wiederaufbau): Neue Hautzellen wachsen vom Wundrand aus in die Mitte und schließen die Wunde.
  4. Regenerationsphase (Reifung): Das neue Gewebe wird stabilisiert. Es kommt zum Kollagenumbau und zur Bildung einer belastbaren Narbe.

Diese Phasen können sich insbesondere bei größeren oder chronischen Wunden überschneiden.

Primäre und sekundäre Wundheilung

Je nach Art und Zustand der Wunde unterscheidet man:

  • Primäre Wundheilung: Glatte, saubere Wunden ohne Infektion schließen sich schnell und komplikationslos. Zurück bleibt meist nur eine feine Narbe.
  • Sekundäre Wundheilung: Offene oder entzündete Wunden mit Gewebeverlust heilen langsamer und oft mit deutlich sichtbarer Narbenbildung. Dies ist häufig bei chronischen Wunden der Fall.

Wundheilungsstörungen: Ursachen und Risiken

Nicht jede Wunde heilt wie gewünscht. Kommt es zu Entzündungen, Eiterbildung, Blutungen oder einer Stagnation im Heilungsverlauf, spricht man von einer Wundheilungsstörung. Die Ursachen sind vielfältig und können lokal oder systemisch sein:

  • Lokale Faktoren: Infektionen, Nekrosen, trockene Wundränder, Fremdkörper, mechanische Reizung
  • Systemische Faktoren: Diabetes mellitus, Durchblutungsstörungen, Mangelernährung, Rauchen, Alter, Medikamente wie Kortison oder Immunsuppressiva

Professionelle Wundversorgung: Der Ablauf

Ein professioneller Verbandswechsel, insbesondere im ambulanten Bereich, folgt klaren Regeln:

  1. Händehygiene und Desinfektion
  2. Information des Patienten über die geplanten Maßnahmen
  3. Sterile Arbeitsweise (Einmalhandschuhe, sterile Materialien)
  4. Abnahme und Entsorgung des alten Verbandes
  5. Inspektion der Wunde
  6. Wundreinigung und ggf. Débridement (=Wundreinigung)
  7. Anlage eines neuen Verbandes
  8. Dokumentation des Wundverlaufs

Diese Schritte stellen sicher, dass die Wunde hygienisch versorgt wird, Veränderungen frühzeitig erkannt werden und die Heilungsprozesse nachvollziehbar dokumentiert werden.

Débridement: Reinigung als Voraussetzung

Ein wichtiger Bestandteil der Wundbehandlung ist das Débridement. Es ist auch bekannt als Wundtoilette. Dabei wird abgestorbenes Gewebe, Beläge oder Fremdkörper gezielt entfernt. Es kann auf unterschiedliche Weise erfolgen:

  • Autolytisch (durch körpereigene Enzyme)
  • Mechanisch (z. B. mit speziellen Tupfern)
  • Chirurgisch (operative Entfernung)
  • Enzymatisch (durch Enzyme in Salben)
  • Biochirurgisch (z. B. mit medizinischen Maden)

Erst eine gründlich gereinigte Wunde kann optimal abheilen.

Dokumentation: Die Basis für Qualität

Ein wesentlicher Bestandteil des Wundmanagements ist die lückenlose Dokumentation. Diese erfasst unter anderem:

  • Größe, Tiefe und Zustand der Wunde
  • Veränderungen im Wundverlauf
  • verwendete Verbandmaterialien
  • Schmerzen und andere Symptome
  • Reaktionen auf Therapien

Die Dokumentation bildet die Grundlage für die Bewertung der Behandlung sowie für den Austausch zwischen den beteiligten Fachkräften.

Fazit: Wundmanagement ist mehr als Verbände wechseln

Ein professionelles Wundmanagement verfolgt einen ganzheitlichen und patientenorientierten Ansatz, der eine individuelle Betreuung umfasst. Eine umfassende interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Fachkräften ist hierfür unerlässlich.

Ob bei akuten Verletzungen oder chronischen Leiden: Die richtige Versorgung einer Wunde ist entscheidend für den Heilungserfolg. Dies gelingt nur durch den Einsatz von fachlichem Wissen, modernen Materialien und Methoden sowie einer strukturierten Herangehensweise aller Beteiligten. Jede Wunde benötigt ein individuelles Wundmanagement für eine optimale Versorgung.

Medizinische und rechtliche Hinweise: 

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Quellen

  1. Doccheck. Flexikon. Wundmanagement. Abgerufen am 11. Juli 2025, von: https://flexikon.doccheck.com/de/Wundmanagement
  2. Draco. Wundwissen Wundmanagement. Abgerufen am 11. Juli 2025, von: https://www.draco.de/wundmanagement/
  3. Standards der ICW. Diagnostik und Therapie Chronischer Wunden. Stand 2023. Abgerufen am 11. Juli 2025, von: https://www.icwunden.de/wp-content/uploads/2023/09/230803_Broschuere_Standards_Chronische_Wunden.pdf
  4. Thieme. Wundmanagement – Wundversorgung in der täglichen Praxis. Bode T, Horn T, Schüning A, Hrsg. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2021.
  5. Thieme. Chirurgie für die Pflege - Wundmanagement. Paetz B, Hrsg. 24., Auflage. Stuttgart: Thieme; 2021.

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