Herzschwäche: Ursachen, Symptome und Behandlung

Veröffentlicht am 25.06.2025

Verschiedene Ursachen können zu einer Herzschwäche führen. Quelle: Canva.de

Herzschwäche – auch Herzinsuffizienz genannt – gehört zu den häufigsten Volkskrankheiten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Meist entwickelt sie sich im höheren Alter, wenn das Herz durch Vorerkrankungen oder altersbedingten Verschleiß geschwächt ist. Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Übergewicht, Stress und Alkoholkonsum begünstigen Bluthochdruck, Diabetes und Arteriosklerose – die Hauptursachen einer Herzinsuffizienz. Doch was genau versteht man unter Herzinsuffizienz – und wie lässt sie sich medizinisch definieren? 

Was ist eine Herzschwäche? 

Bei einer Herzinsuffizienz lässt die Pumpkraft des Herzens nach. Das Herz ist nicht mehr in der Lage, ausreichend Blut in den Körper zu pumpen. Es kommt zu einer Reduktion des Herzzeitvolumens (HZV). Das Herzzeitvolumen ist die Blutmenge, die das Herz pro Minute in den Kreislauf pumpt. Zu der Reduktion kommt es entweder dadurch, dass das Herz zu schwach pumpt (systolisch), sich nicht mehr richtig füllt (diastolisch) oder kompensatorische Systeme mit der Zeit versagen. Die Folge: Organe, Muskeln und wichtige Gewebestrukturen erhalten nicht mehr genügend Sauerstoff.

Eine der häufigsten Todesursachen
Herzinsuffizienz zählt zu den bedeutendsten Volkskrankheiten und ist in Deutschland die häufigste Ursache für Krankenhausaufenthalte sowie die dritthäufigste Todesursache. Rund ein bis zwei Prozent der Erwachsenen leiden im Laufe ihres Lebens daran. Durch die steigende Lebenserwartung nimmt auch die Anzahl der Neuerkrankungen zu.

Häufige Ursachen für eine Herzschwäche

Verschiedene Erkrankungen können den Herzmuskel oder die Blutgefäße schädigen und zu einer Herzschwäche führen. Häufige Ursachen sind:

  • koronare Herzkrankheiten (KHK), Myokardinfarkt oder Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
  • Bluthochdruck oder Diabetes
  • Herzrhythmusstörungen 
  • Herzklappenfehler

Welche Stadien einer Herzinsuffizienz gibt es?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Herzinsuffizienz zu klassifizieren:

  • Die häufigste und wichtigste Klassifikation bei Herzinsuffizienz ist die Einteilung nach der Ejektionsfraktion (EF) des linken Ventrikels. Diese wird vor allem echokardiografisch bestimmt und ist entscheidend für Diagnostik, Therapie und Prognose.
  • Zusätzlich gibt es noch eine Klassifikation nach der Symptomschwere beziehungsweise der Belastbarkeit des Patienten – NYHA-Klassifikation.

Einteilung nach der Ejektionsfraktion:

Typ Abkürzung LVEF (%) Beschreibung
Herzinsuffizienz mit reduzierter EF HFrEF < 40 % Systolische Pumpfunktionsstörung
Herzinsuffizienz mit leicht reduzierter EF HFmrEF 41–49 % Übergangsform, meist mit leichten systolischen Defiziten
Herzinsuffizienz mit erhaltener EF HFpEF ≥ 50 % Diastolische Funktionsstörung, oft durch Steifigkeit des Myokards
Herzinsuffizienz mit verbesserten EF HFimpEF ehemals < 40 %, jetzt > 40 % Wichtige Verlaufsform, z. B. nach Therapieerfolg

NYHA-Klassifikation:

NYHA-Stadium Beschreibung
I keine Beschwerden bei normaler körperlicher Aktivität
II leichte Einschränkungen bei stärkerer Belastung
III Beschwerden schon bei leichter Belastung
IV Beschwerden in Ruhe oder bei minimaler Belastung

NYHA sagt etwas über den klinischen Schweregrad, EF über den Funktionsstatus des Herzens aus.

Anna Liebig

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Weitere Möglichkeiten der Klassifikation können nach Verlauf, nach Pathophysiologie oder nach dem betroffenen Ventrikel sein.

Einteilung nach Verlauf

Akute Herzinsuffizienz: Das ist ein medizinischer Notfall und bezeichnet eine plötzliche oder rasch zunehmende Verschlechterung der Herzfunktion, bei der das Herz nicht mehr in der Lage ist, ausreichend Blut durch den Körper zu pumpen, um den Bedarf der Organe zu decken. Sie kann neu auftreten oder sich als akute Verschlechterung einer bestehenden chronischen Herzinsuffizienz entwickeln.

Chronische Herzinsuffizienz: Das ist ein klinisches Syndrom, bei dem das Herz dauerhaft nicht in der Lage ist, ausreichend Blut zu fördern, um den Stoffwechselbedarf des Körpers zu decken – entweder in Ruhe oder unter Belastung.

Einteilung nach der Pathophysiologie

Systolische Herzinsuffizienz: Das Herz entwickelt nicht mehr ausreichend Kraft, um das Blut effektiv in den Kreislauf zu pumpen. Es liegt also eine reduzierte Pumpfunktion des linken Ventrikels vor.

Diastolische Herzinsuffizienz: Die Füllung der linken Herzkammer ist gestört, obwohl die Pumpfunktion (Ejektionsfraktion) meist normal oder nur leicht reduziert ist.

Einteilung nach dem betroffenen Ventrikel

Linksherzinsuffizienz: Die linke Herzkammer (linker Ventrikel) kann das Blut nicht mehr ausreichend in den Körperkreislauf pumpen.

Rechtsherzinsuffizienz: Der rechte Ventrikel ist nicht mehr in der Lage, das venöse Blut aus dem Körper effizient in die Lunge zu pumpen. Es kommt zu einem Blutrückstau im Körperkreislauf (systemisch).

Globalinsuffizienz: Sowohl das linke als auch das rechte Herz sind betroffen. Es handelt sich um das Endstadium einer chronischen Herzinsuffizienz oder um eine schwere akute Dekompensation.

Symptome

Typische Symptome einer Herzinsuffizienz sind Leistungsminderung, Atemnot (Dyspnoe) und periphere Ödeme. Periphere Ödeme sind Schwellungen, die durch Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe entstehen. Die peripheren Ödeme treten meist schwerkraftabhängig auf – bevorzugt an den Fußrücken und Knöcheln. Die reduzierte Leistungsfähigkeit äußert sich in Form von Abgeschlagenheit, Müdigkeit und einem allgemeinen Schwächegefühl. Betroffene zeigen häufig eine verminderte Belastungstoleranz sowie eine verlängerte Erholungszeit nach körperlicher Anstrengung.

Darüber hinaus gibt es weitere wichtige Symptome wie Gewichtsveränderungen, Asthma cardiale und Hautveränderungen, die nicht übersehen werden sollten. Es kann sich unter anderem eine Zunahme des Körpergewichts bemerkbar machen, da die Nieren nicht mehr in der Lage sind ausreichend Wasser auszuscheiden. Asthma cardiale beschreibt eine linksherzbedingte Atemnot, die sich typischerweise durch nächtliche, anfallsartige Dyspnoe und eine bronchiale Obstruktion infolge einer Lungenstauung äußert. Hautsymptome zeigen sich in Form von Blässe und kalter Haut. In fortgeschrittenen Stadien können auch bläuliche Verfärbung der Haut auftreten.

Diagnose

Körperliche Untersuchung

Zu Beginn nimmt der/die behandelnde Ärzt:in die Krankengeschichte des Patienten auf. Dabei stehen folgende Aspekte im Mittelpunkt: Vorerkrankungen, Dauermedikation, Gewichtszunahme sowie Alkohol- und Drogenkonsum. Daran schließt sich die körperliche Untersuchung an, bei der der gesamte Körper inspiziert wird. Zudem werden Herz und Lunge abgehört und der Puls kontrolliert. Ein EKG (Elektrokardiogramm) wird ebenfalls durchgeführt, um Herzrhythmusstörungen oder frühere Herzinfarkt feststellen zu können.

Labordiagnostik

In der Labordiagnostik spielen die Parameter BNP bzw. NT-proBNP (Brain Natriuretic Peptide bzw. N-terminales proBNP) eine zentrale Rolle. Diese Substanzen werden von den Herzmuskelzellen bei vermehrter Dehnung der Herzkammern freigesetzt und sind wichtige Marker zur Beurteilung einer Herzinsuffizienz.

Bildgebende Diagnostik

Zur bildgebenden Diagnostik zählen die transthorakale Echokardiografie (Herzecho), Röntgenaufnahmen des Thorax, die Computertomografie (CT) sowie ggf. eine Magnetresonanztomografie (MRT). Das Herzecho ist bei der Diagnostik des Herzens entscheidend. Dabei beurteilt der/die Kardiolog:in per Ultraschall die Perikardhöhle, die Herzmuskelmasse, die linksventrikuläre Ejektionsfraktion, Wandbewegungen, die Funktion des rechten Ventrikels, die Herzklappen, der Durchmesser der Herzhöhlen sowie die diastolische Funktion.

Röntgen und Computertomografie (CT) des Thorax dienen zur Beurteilung einer Herzvergrößerung anhand des Herz-Thorax-Quotienten sowie zum Nachweis eines Lungenödems. Im Hinblick auf das Lungenödem werden dabei auch pulmonale Stauungszeichen erfasst. Ein MRT wird vor allem dann eingesetzt, wenn der Verdacht auf eine Myokarditis besteht. Darüber hinaus ermöglicht es eine detaillierte Beurteilung der Herzmorphologie, der Funktion sowie des Blutflusses.

Invasive diagnostische Methoden

Neben den nicht-invasiven Verfahren kommen auch invasive diagnostische Methoden zum Einsatz, insbesondere die Links- und Rechtsherzkatheteruntersuchung. Der Linksherzkatheter dient primär dem Nachweis einer koronaren Herzkrankheit, während mit dem Rechtsherzkatheter Druckmessungen im rechten Herzen und im Lungenkreislauf vorgenommen werden.

Therapie

Die allgemeinen Therapieziele bei einer Herzinsuffizienz ist die Verbesserung der Prognose und der Krankheitskontrolle. Es findet eine Auswahl geeigneter nicht-medikamentöser, medikamentöser sowie gegebenenfalls invasiver Therapieoptionen statt.

Therapie bei chronischer Herzinsuffizienz

Zunächst werden die auslösenden Faktoren einer Herzinsuffizienz gezielt behandelt. Dabei steht vor allem die Beseitigung oder Kontrolle der Ursachen im Vordergrund, um eine Verschlechterung der Herzfunktion zu verhindern oder idealerweise zu verbessern. Bei den allgemeinen Maßnahmen sollte auch die Behandlung einer chronischen Nierenerkrankung nicht vernachlässigt werden.

Darüber hinaus wird körperliche Aktivität empfohlen. Bei chronischer Herzinsuffizienz kann gezieltes Training die Leistungsfähigkeit deutlich steigern. Der therapeutische Nutzen liegt darin, die Belastungstoleranz zu erhöhen, die Durchblutung zu verbessern und die Muskulatur zu stärken – was das Herz entlastet.

Im Gegensatz dazu ist bei einer dekompensierten Herzinsuffizienz Bettruhe angeraten. In dieser akuten Phase ist das Herz überfordert und kann nicht mehr ausreichend Blut durch den Körper pumpen. Körperliche Aktivität würde den Sauerstoff- und Energiebedarf erhöhen, was das geschwächte Herz nicht mehr leisten kann. Durch Bettruhe wird der Energieverbrauch des Körpers minimiert, wodurch das Herz deutlich entlastet wird.

Wichtig!
Dauerhafte Bettruhe ist nicht empfehlenswert, da sie zu Muskelabbau, Thrombosegefahr und Kreislaufinstabilität führen kann. Sobald sich der Zustand stabilisiert, sollte der Patient schrittweise mobilisiert werden – am besten unter physiotherapeutischer Anleitung.

Eine Veränderung des Lebensstils spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung. Eine gesunde Ernährung sowie eine Gewichtsreduktion bei starkem Übergewicht können die Symptome deutlich lindern. Außerdem sollte die Kochsalzaufnahme reduziert werden. Die Flüssigkeitszufuhr ist individuell an den jeweiligen Zustand anzupassen. Wichtig ist zudem, schädliche Substanzen wie Rauchen, Alkohol und Drogen zu meiden.

Medikamentöse Therapie

Medikament Wirkung
ACE-Hemmer Senken den Blutdruck
Angiotensin-Rezeptor/Neprilysin-Inhibitor Angiotensin-Rezeptor-Inhibitor: Senken den Blutdruck und entlasten das Herz
Neprilysin-Inhibitor: Weiten die Gefäße, fördern die Ausscheidung von Wasser und Salz, schützen das Herz
Betablocker Das Herz schlägt langsamer, der Blutdruck sinkt
Mineralocorticoidrezeptor-Antagonisten Weniger Wasser im Körper → Weniger Blutvolumen → Blutdruck sinkt → Herz wird entlastet
SGLT2-Inhibitoren Zucker und Salz wird über den Urin ausgeschieden → Weniger Flüssigkeit im Blut → Weniger Druck in den Gefäßen → Das Herz wird entlastet
Diuretika Mehr Wasser und Salz werden über den Urin ausgeschieden → Weniger Wasser im Körper → Beine werden weniger dick (Ödeme) → Weniger Flüssigkeit in der Lunge → Bessere Atmung → Herz muss weniger pumpen

Therapie bei akuter Herzinsuffizienz 

Im Vordergrund steht zunächst die Behandlung der Ursache der Dekompensation. Zu den sofortigen allgemeinen Maßnahmen gehören die sitzende Lagerung und die Sauerstoffgabe, wenn die Sauerstoffsättigung unter 90 % liegt. 

Medikament Wirkung
Schleifendiuretika Steigerung der Diurese, Volumenentzug
Nitrate Vorlastsenkung durch Dilatation venöser Gefäße
Inotropika und Vasopressoren Inotropika: Steigerung der kardialen Kontraktilität
Vasopressoren: Erhöhung der Nachlast
Analgetika Zur Analgesie oder suffizienten Atemtherapie
Antikoagulation Thromboseprophylaxe

Fazit: Symptome ernst nehmen

Herzschwäche ist heutzutage eine etablierte und ernst genommene chronische Erkrankung, die sowohl medizinisch als auch gesellschaftlich stark im Fokus steht. Sie stellt eine wachsende Herausforderung dar, vor allem im Kontext des demografischen Wandels, und erfordert interdisziplinäre Ansätze in Medizin, Pflege und Gesundheitsbildung.

Medizinische und rechtliche Hinweise:

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Quellen

  1. Arasteh, K. et al. Duale Reihe – Innere Medizin. Kapitel: Kardiologie/Herzinsuffizienz. 5. Auflage, Thieme, 2024.
  2. AMBOSS. Herzinsuffizienz. Abgerufen am 17. Juni 2025, von: https://next.amboss.com/de/article/rS0faf
  3. Maintz, D. C. et al. Referenz Radiologie – Herz. Kapitel: Herzinsuffizienz. 1. Auflage, Thieme, 2024.
  4. Latus, J. et al. Facharztprüfung Innere Medizin. Kapitel: Herz-Kreislauf-Erkrankungen/Herzinsuffizienz. 6. Auflage, Thieme, 2025.

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