Dauernachtwache: Wie gefährlich sind langfristige Nachtdienste wirklich?

Veröffentlicht am 26.05.2025

Dauernachtwache: Pflegekraft sitzt im Dunkeln vor dem Computer

Quelle: canva.com

Künstliches Licht leuchtet die Gänge auf der Station aus, es scheint ruhig – zumindest auf den ersten Blick. Doch wer als Dauernachtwache arbeitet, weiß genau, auch nachts gibt es vieles zu tun. Die Mischung aus Arbeitsbelastung und Verschiebung des natürlichen Biorhythmus kann Folgen haben. Doch wie schädlich ist die permanente nächtliche Arbeit tatsächlich? Fest steht: Studien liefern viele Hinweise, weisen aber manchmal Schwächen auf. Lass uns gemeinsam einen genauen Blick auf die gesundheitlichen Risiken werfen. Außerdem geben wir die Tipps, wie Du Dein Wohlbefinden trotz Nachtdienst aufrechterhältst. 

Auf den Punkt gebracht 

  • Die permanente Nachtarbeit kann zu Problemen mit dem Herz-Kreislauf-System, der Verdauung und dem Schlafverhalten führen. 
  • Dauernachtwache macht nicht automatisch krank – bei einigen Pflegekräften zeigen sich keine großen Auswirkungen. 
  • Oft führt ein Bündel verschiedener Faktoren zu Gesundheitsproblemen: Schlechte Ernährung, hohe Arbeitsbelastung und unzureichender Tagesschlaf können dazu beitragen. 
  • Für das Wohlbefinden sind ein geregelter Alltag, eine gesunde Lebensweise und regelmäßige Entspannung wichtig. 

Warum entscheiden sich Pflegekräfte für die Dauernachtwache? 

Die Arbeitszeit beginnt in der Regel pünktlich um 23 Uhr und erstreckt bis 6 Uhr morgens – das ist bei der Dauernachtwache keine Ausnahme, sondern Alltag. Hier gibt es keine Wechselschichten und somit kein Ausweichen auf den Tag: Pflegekräfte treten ausschließlich nachts in Aktion. Das Internet ist voll mit Einrichtungen, die mit einer Stelle als Dauernachtwache werben.

Und tatsächlich: Häufig existiert das perfekte Match – Menschen, die bereit sind, nachts zu arbeiten und Arbeitgeber, die das entsprechend honorieren. Was Personen dazu bewegt, den Nachtdienst zu übernehmen, ist verschieden. Zum einen locken die finanziellen Anreize in Form von Nachtarbeitszulagen.

Zudem verleiht die Dauernachtwache dem Alltag von Pflegekräften einen festen Rahmen – hier musst Du Dir keine Gedanken darüber machen, wie Du die Wechselschichten beispielsweise mit Deinem Familienleben vereinbarst. Apropos Familie: Einige Pflegepersonen arbeiten bevorzugt in der Nachtschicht, um sich tagsüber um ihre Kinder oder andere Familienangehörige zu kümmern.

Gut zu wissen!
Wenn Du bereits als Dauernachtwache tätig bist, gehörst Du womöglich zu den Nachteulen und arbeitest gerne spät. 

Anna Liebig

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Dauernachtwache: Die Arbeitsbelastung schläft nicht 

Der Nachtdienst wird von Außenstehenden geradezu romantisiert: „Das ist bestimmt toll, dann hast Du nachts kaum was zu tun, und kannst auch mal ein Nickerchen machen“. Diese Vorstellung und die Wahrheit klaffen jedoch weit auseinander. Das Tätigkeitsfeld bei der Nachtwache ist vielfältig: Es reicht von der Schmerzmedikation über die Lagerung von Bettlägerigen bis hin zum Austausch von Windeln.

Dazu kommen verschiedene Überwachungsmaßnahmen und regelmäßige Kontrollgänge. Was genau anfällt, hängt von der Einrichtung ab – im Pflegeheim gehört auch die Betreuung demenzkranker Personen dazu, die nachts oft unruhig sind und umherwandern. Trotz der vielen Arbeitsbereiche steht für den Nachtdienst weniger Personal bereit als tagsüber.

Gut zu wissen!
Durchschnittlich kümmert sich eine Pflegekraft in den Nachtstunden um 26 Menschen – Zeit für regelmäßige Pausen oder gar ein Nickerchen bleibt also nicht.

Stattdessen rennst Du bei der Dauernachtwache eng getakteten Pflegeabläufen hinterher und hast dabei Deinen biologischen Rhythmus im Weg. 

Leerer Aufenhaltsraum im Krankenhaus in der Nacht
Quelle: canva.com

Nachtdienste bringen die innere Uhr aus dem Takt 

Menschen sind tagaktive Wesen. Unser Körper ist tagsüber auf Aktivität und nachts auf Erholung gepolt. Das ermöglichen hormonelle Einflüsse, wie die Ausschüttung von Melatonin bei Dunkelheit und die Freisetzung von Serotonin bei Licht. Wenn Du nachts arbeitest, bist Du wach, wenn Dein Körper auf Schlaf eingestellt ist – Du ignorierst damit also gewissermaßen die innere Uhr.

Doch was ist mit den berühmten Lerchen und Eulen? Mittlerweile weiß man zwar, dass einige Menschen einen anderen Rhythmus haben, ihre Uhr tickt langsamer, der Zeitmesser hinkt aber scheinbar höchstens ein bis zwei Stunden hinterher – bei der Nachtschicht hast Du deutlich mehr Verzögerung. Demnach starten Eulen vermutlich besser in die Nachtschicht, geraten dann aber auch aus dem Takt. Einen vollständigen Gewöhnungseffekt gibt es nicht.

Übrigens:
Die Anpassung der biologischen Rhythmen gelingt selbst bei dauerhaften Nachtschichten nur teilweise – sie sind und bleiben eine Belastung für den Körper.

Um der Müdigkeit entgegenzuwirken, greifst vielleicht auch Du zu ungesunden Verhaltensweisen: etwa einem extremen Kaffeekonsum, einer hohen Kalorienaufnahme, zu Energy-Getränken oder Ablenkungen wie Rauchen. 

Mögliche Folgen der Dauernachtwache 

Forschende bringen Nachtschichten mit Nachteilen für die Gesundheit in Verbindung. In vielen Fällen hängen die Gesundheitsprobleme mit der Verschiebung der inneren Uhr zusammen. 

  • Schlafstörungen: Dabei handelt es sich um ein weitverbreitetes Problem bei Menschen mit Nachtschichten. Sie kommen häufig auf weniger Schlafstunden als Tagarbeitende. Außerdem ist der Schlaf am Tag nicht so produktiv. Pflegepersonen können sich nach der Dauernachtwache deshalb müde und abgeschlagen fühlen. 
  • Magen-Darm-Probleme: Bei Pflegekräften, die überwiegend oder ausschließlich nachts arbeiten, kann sich der Magen-Darm-Trakt melden. Verdauungsprobleme, Blähungen, Sodbrennen oder ein verringerter Appetit sind möglich. Auf lange Sicht können sich ernstzunehmende Beschwerden wie Darmentzündungen oder Magengeschwüre entwickeln. Bei den Magen-Darm-Problemen spielt die Ernährung eine wichtige Rolle: Sehr kalorienreiche und einseitige Speisen begünstigen Probleme. 
  • Störungen des Herz-Kreislauf-Systems: Der Nachtdienst ist ein Risikofaktor bei verschiedenen Erkrankungen und bei Bluthochdruck. Daran sind wahrscheinlich mehrere Ursachen beteiligt, etwa die hohe Arbeitsbelastung, der Zeitdruck, eine schlechte Ernährung und die ungewöhnlichen Schlafenszeiten. 
  • Soziale/psychische Probleme: In Verbindung mit der Dauernachtwache liest Du oft von körperlichen Risikofaktoren, doch der Nachtdienst kann sich auch auf das Sozialleben und die Psyche auswirken. Wahrscheinlich nimmst Du durch Deinen Dienst nur selten an Abendveranstaltungen teil und kannst mit Deinem oder Deiner Lebenspartner:in nicht gemeinsam zu Bett gehen – das ist nicht immer einfach. Bei manchen Pflegekräften kommen psychische Beschwerden wie innere Unruhe oder depressive Stimmungslagen hinzu.  
Gut zu wissen! 
Nachtschichten werden wiederholt in Zusammenhang mit einem gesteigerten Krebsrisiko gebracht. So soll sich beispielsweise das Risiko für Brust-, Lungen- und Hautkrebs erhöhen. Allerdings weisen die Studien häufig Schwächen auf. Fragen wie: Rauchten die Betroffenen, wie ernährten sie sich und wie viele Nachtschichten haben sie geleistet, blieben unbeantwortet.

Trostpflaster: Nicht jeder Körper ist gleich 

Zugegeben, es klingt nicht so, als wenn die Dauernachtwache nicht gut für die Gesundheit ist. Tatsächlich gibt es kaum jemanden, an dem die Nachtschichten spurlos vorbeigehen. Das bedeutet aber nicht, dass Du automatisch erkrankst oder Dich ständig schlecht fühlst.

Einige Pflegekräfte genießen ihren Nachtdienst und haben kaum Probleme mit den Schlaf-Verschiebungen. Daher gibt es auch nicht so etwas wie ein „Dauernachtwache-Syndrom“. Es ist aber wichtig, dass Du Deinen Körper aufmerksam beobachtest.

Spürst Du, dass Du zunehmend unter den Nachtschichten leidest und Gegenmaßnahmen nicht helfen, ziehe das Wechselmodell in Betracht – allerdings kann es auch hier zu negativen Auswirkungen kommen. Schließlich muss der Körper hier besonders anpassungsfähig sein. Mit den Dienstzeiten ist es so, wie mit vielem im Gesundheitsbereich: Du musst das optimale Maß für Dich herausfinden – ganz individuell. 

Pflegekraft entspannt sich nach der Schicht und liest ein Buch
Quelle: Pflegia

Mit diesen Tipps unterstützt Du Dein Wohlbefinden 

Du findest, die Dauernachtwache ist bis auf kleine Zugeständnisse das optimale Arbeitsmodell für Dich oder Du kannst gerade nicht aussteigen? Dann beherzige unsere Tipps, um Dein Wohlbefinden zu stärken. 

  1. Mach dunkel: Wenn Du nachts nicht schläfst, musst Du das tagsüber nachholen, und zwar richtig. Dabei ist nicht nur die Dauer, sondern auch die Qualität entscheidend. Dunkelheit ist dabei der Schlüssel. Anstatt ein Nickerchen auf dem Sofa zu halten, ziehe Dich in Dein Schlafzimmer zurück. Hier sollte es ruhig und vor allem dunkel sein. So durchläufst Du die verschiedenen Schlafphasen und steigerst Deine Schlafqualität. 
  2. Entspanne nach dem Dienst: Viele Pflegekräfte kennen das: Körperlich ist man müde, doch der Geist läuft auf Hochtouren. Um nach dem Dienst abschalten zu können, sind geführte Meditationen besonders gut geeignet. Dafür gibt es spezielle Apps. 
  3. Iss regelmäßig: Am besten planst Du vor einer Schicht zwei Hauptmahlzeiten ein: Eine mittags und eine am frühen Abend, so gegen 17:00 Uhr. Mit einer gesunden Ernährung im Schichtdienst verhinderst Du ein Absinken Deines Blutzuckerspiegels. Wichtig: Schlage Dir den Magen nicht mit fettigen Speisen voll – nachts ist der Verdauungstrakt im Ruhemodus. 
  4. Trinke Wasser statt Aufputschgetränke: Kaffee und Energy-Getränke scheinen wie der rettende Strohhalm im Müdigkeitstief, doch Koffein wirkt erst nach Stunden gänzlich. Das kann dafür sorgen, dass Du nach dem Nachtdienst wachliegst. Wie wäre es stattdessen mit Mineralwasser – angereichert mit Limette oder Zitrone bekommst Du einen Frischekick. 
  5. Nimm an Vorsorgeuntersuchungen teil: Bei Beschwerden ist ärztlicher Rat sinnvoll, das ist klar. Zudem solltest Du Vorsorgeuntersuchungen beanspruchen, etwa den Check-up ab 35 – er kann Gesundheitsprobleme aufdecken. Auch die Teilnahme an arbeitsmedizinischen Untersuchungen ist ratsam.  

Fazit

Langfristige Nachtarbeit in der Pflege ist kein rein organisatorisches, sondern vor allem ein gesundheitliches Thema. Studien und Erfahrungsberichte zeigen, dass der dauerhaft verschobene Schlaf-Wach-Rhythmus den Körper belastet und die Regeneration erschwert – besonders dann, wenn Nachtdienste über Jahre hinweg ohne ausreichende Ausgleichsphasen geleistet werden.

Gleichzeitig hat das Modell der Dauernachtwache auch strukturelle Vorteile: weniger Dienstwechsel, planbarere Abläufe und häufig ruhigere Arbeitsbedingungen im Vergleich zum Schichtsystem. Entscheidend ist daher weniger die reine Frage nach „gut oder schlecht“, sondern die individuelle Belastbarkeit, die Gestaltung der freien Zeiten und die langfristige Vereinbarkeit mit dem eigenen Leben.

Häufige Fragen zur Dauernachtwache 

Macht Dauernachtwache krank? 

Das kann man nicht pauschal beantworten. Während einige Pflegepersonen keine Auswirkungen spüren, haben andere mit verschiedenen Beschwerden zu kämpfen, wie Schlafstörungen oder Verdauungsproblemen. 

Wie hoch ist das Krebsrisiko bei Nachtschichtarbeit? 

Es gibt Hinweise darauf, dass die Nachtschichtarbeit das Risiko für Krebs erhöht – ob das tatsächlich der Fall ist und wie stark der Risikofaktor Nachtdienst tatsächlich ist, wird noch untersucht.

Wie kann ich mein Wohlbefinden bei der Dauernachtwache stärken? 

Routinen sind besonders wichtig – schlafe, iss und entspanne regelmäßig. Dabei kann Dir ein Lebensstil-Tagebuch helfen. 

Medizinische und rechtliche Hinweise:

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Arztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Quellen

  1. Praktischarzt. (o. D.). Nachtarbeit: Wie schädlich ist sie wirklich?
    Abgerufen am 10.05.2025, von https://www.praktischarzt.de/magazin/article/nachtarbeit-schaedlich/
  2. KomNet NRW. (o. D.). Wie wirkt sich Nachtschichtarbeit auf die Gesundheit aus?
    Abgerufen am 10.05.2025, von https://www.komnet.nrw.de/_sitetools/dialog/1832
  3. Gesundheit.gv.at. (o. D.). Schichtarbeit und Nachtarbeit.
    Abgerufen am 10.05.2025, von https://www.gesundheit.gv.at/leben/lebenswelt/beruf/arbeitsplatz/schichtachtarbeit.html
  4. Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen. (2000). Schichtarbeit in Europa: Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse.
    Abgerufen am 10.05.2025, von https://edz.bib.uni-mannheim.de/www-edz/pdf/ef/00/ef0009de.pdf
  5. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). (o. D.). Dauernachtarbeit – Eine Herausforderung für die Gesundheit.
    Abgerufen am 10.05.2025, von https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Bericht-kompakt/Dauernachtarbeit.pdf
  6. Pflegenot Deutschland. (o. D.). Nachtdienst in der Pflege – Herausforderungen und Belastungen.
    Abgerufen am 10.05.2025, von https://www.pflegenot-deutschland.de/pflegekraefte/nachtdienst-pflege/
  7. SpringerLink. (2018). Kardiovaskuläre Risiken durch Schichtarbeit.
    Abgerufen am 10.05.2025, von https://link.springer.com/article/10.1007/s00058-018-3343-8
  8. Rechtsdepesche. (o. D.). Wie viele Rundgänge sind im Nachtdienst zu leisten?
    Abgerufen am 10.05.2025, von https://www.rechtsdepesche.de/wie-viele-rundgaenge-im-nachtdienst/
  9. Wissenschaft.de. (o. D.). Das Nachteulen-Gen: Warum manche besser nachts arbeiten können.
    Abgerufen am 10.05.2025, von https://www.wissenschaft.de/erde-umwelt/das-nachteulen-gen/

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