Hitze und Pflege: Unterwegs bei warmen Temperaturen
Veröffentlicht am 12.07.2026

Pflegebedürftige Menschen nehmen Beschwerden, die durch die Hitze verursacht werden, häufig selbst nicht wahr. Pflegekräfte sollten Betroffene daher im Auge behalten. Bildquelle: Canva.de
Wenn die Temperaturen steigen, wird der Pflegealltag schnell zur Herausforderung. Bei pflegebedürftigen Menschen kann Hitze den Kreislauf schwächen, zu Erschöpfung führen oder bestehende Erkrankungen verschlimmern, besonders unterwegs. Mit der richtigen Vorbereitung, ausreichend Flüssigkeit und gezielten Anpassungen im Tagesablauf kannst du dafür sorgen, dass Ausflüge, Arzttermine und Spaziergänge auch im Sommer sicher und angenehm bleiben.
Warum Hitze für Pflegebedürftige gefährlich werden kann
Durch den Klimawandel treten Hitzewellen heute häufiger, länger und intensiver auf. Was früher einzelne heiße Tage waren, gehört mittlerweile vielerorts zum Sommeralltag. Damit gewinnt Hitzeschutz in der Pflege zunehmend an Bedeutung. Denn ältere Menschen reagieren besonders empfindlich auf hohe Temperaturen, weil sich der Körper im Alter schlechter an Wärme anpassen kann. Gleichzeitig belastet Hitze den Kreislauf stärker, erhöht den Flüssigkeitsverlust und kann bestehende Erkrankungen zusätzlich verschlimmern. Unterwegs steigt das Risiko zusätzlich. Lange Wege, direkte Sonneneinstrahlung oder überfüllte Verkehrsmittel belasten den Körper erheblich. Schon kurze Aufenthalte in der Hitze können zudem Schwindel, Erschöpfung oder Kreislaufprobleme auslösen.
Wer ist besonders gefährdet?
Nicht alle pflegebedürftigen Menschen sind gleich betroffen. Folgende Gruppen tragen ein besonders hohes Risiko:
- Ältere Menschen: Wärmeregulation, Durstgefühl und Kreislaufstabilität nehmen mit dem Alter ab.
- Menschen mit Demenz oder kognitiven Einschränkungen: Sie bemerken Hitze oft zu spät, können Beschwerden nicht klar äußern und vergessen das Trinken.
- Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Hohe Temperaturen belasten das Herz zusätzlich und können bestehende Beschwerden verstärken.
- Menschen mit eingeschränkter Mobilität: Sie können kühlere Orte nicht selbstständig aufsuchen und sind stärker auf deine Unterstützung angewiesen.
- Pflegebedürftige mit chronischen Erkrankungen: Diabetes, Atemwegs- oder neurologische Erkrankungen können sich bei Hitze verschlechtern.
- Menschen mit umfangreicher Medikation: Entwässernde oder kreislaufwirksame Medikamente erhöhen das Risiko für Flüssigkeitsmangel und Kreislaufprobleme.
- Alleinlebende Personen: Ohne regelmäßige Begleitung bleiben Warnzeichen oft länger unbemerkt.
Je besser du diese Risikofaktoren kennst, desto früher kannst du Belastungen erkennen und gefährliche Situationen verhindern.

Anna Liebig
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Warnzeichen erkennen – von leicht bis kritisch
Pflegebedürftige Menschen können Beschwerden häufig nicht selbst wahrnehmen oder ansprechen. Achte deshalb auf folgende Zeichen, die sich schrittweise verschlechtern können:
- Vermehrtes Schwitzen, Durst
Der Körper versucht, sich abzukühlen. Zu wenig Trinken führt schnell zu Flüssigkeitsmangel. - Müdigkeit, Antriebslosigkeit, verlangsamte Reaktion
Der Kreislauf ist bereits belastet. - Kopfschmerzen, Schwindel
Flüssigkeitsverlust und niedriger Blutdruck erhöhen die Sturzgefahr, besonders beim Aufstehen. - Muskelkrämpfe, Schwächegefühl
Zeichen für Mineralstoffverlust und eingeschränkte körperliche Belastbarkeit. - Übelkeit, starke Erschöpfung, Verwirrtheit
Mögliche Anzeichen einer Hitzeerschöpfung. Jetzt sofort: Ruhe, Kühlung, Flüssigkeit. - Atemnot, Bewusstseinsstörungen, Kreislaufzusammenbruch
Das ist ein medizinischer Notfall. Sofort den Notruf rufen.
Hitze und Pflege: Gut vorbereitet unterwegs
Viele Belastungen an heißen Tagen lassen sich mit einer vorausschauenden Planung vermeiden. Diese Maßnahmen können helfen:
- Termine auf den Vormittag legen
Zwischen 11 und 17 Uhr ist die Hitzebelastung am höchsten. Nutze die kühleren Morgenstunden für Arztbesuche, Einkäufe oder Spaziergänge. - Vor dem Losgehen trinken lassen
Nicht auf das Durstgefühl warten. Ein Glas Wasser vor dem Verlassen der Wohnung hilft dem Körper, besser mit der Wärme umzugehen. - Passende Kleidung wählen
Luftige Stoffe wie Baumwolle oder Leinen in hellen Farben fördern die Kühlung und heizen sich weniger auf. - Sonnenschutz einplanen
Kopfbedeckung, Sonnenbrille und Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor gehören immer dazu. - Getränke mitnehmen
Kleine Wasserflaschen oder ungesüßter Tee in einer Kühltasche sind praktische Begleiter. - Pausen aktiv einplanen
Suche regelmäßig schattige oder klimatisierte Orte auf, um den Kreislauf zu entlasten. - Verkehr und Wartezeiten mitdenken
Überfüllte Busse und lange Aufenthalte in der Sonne können schnell anstrengend werden. Plane kurze Wege und ausreichend Zeit ein. - Kühlende Hilfsmittel nutzen
Feuchte Tücher, kleine Handventilatoren oder Kühlpacks schaffen schnell Erleichterung. - Hitzewarnungen beachten
Wetter-Apps und offizielle Warnmeldungen helfen dir, riskante Tage frühzeitig zu erkennen und Aktivitäten anzupassen. Der Deutsche Wetterdienst informiert regelmäßig über aktuelle Hitzewarnungen.
In der Hitze ausreichend trinken – aber richtig
An heißen Tagen verliert der Körper deutlich mehr Flüssigkeit als gewöhnlich. Pflegebedürftige trinken jedoch häufig zu wenig, weil das Durstgefühl nachlässt oder das Trinken schlicht vergessen wird. Die Folgen können Kreislaufprobleme, Verwirrtheit oder körperliche Schwäche sein.
Sorge dafür, dass die Flüssigkeitsaufnahme gleichmäßig über den Tag verteilt wird. Kleine, regelmäßige Portionen sind sinnvoller als große Mengen auf einmal. Am besten geeignet sind Wasser, ungesüßte Tees oder stark verdünnte Saftschorlen. Sehr süße oder koffeinhaltige Getränke können den Kreislauf zusätzlich belasten.
Orientierung für einen warmen Tag:
| Uhrzeit | Trinkmenge | Beispiel |
|---|---|---|
| Nach dem Aufstehen | 1 Glas | Wasser oder lauwarmer Tee |
| Zum Frühstück | 1 Tasse / 1 Glas | Tee oder Saftschorle |
| Vormittag | 1 Glas | Wasser |
| Zum Mittagessen | 1 Glas | Wasser oder leichte Schorle |
| Nachmittag | 1–2 Gläser | Wasser oder ungesüßter Eistee |
| Vor einem Termin oder Spaziergang | 1 kleines Glas | Wasser |
| Zum Abendessen | 1 Glas | Wasser |
| Am Abend | 1 kleines Glas | Wasser oder Tee |
Medikamente und Hitze: Was muss ich beachten?
Hohe Temperaturen können die Wirkung von Medikamenten verändern. Viele Arzneimittel greifen in den Flüssigkeits- und Kreislaufhaushalt ein, wodurch das Risiko für Schwindel, Kreislaufprobleme oder Erschöpfung steigt. Besonders betroffen sind Medikamente gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder psychische Erkrankungen.
Darauf solltest du achten:
- Niemals eigenmächtig Medikamente absetzen oder anpassen
Änderungen immer mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin oder der Apotheke abstimmen. - Beipackzettel prüfen
Manche Medikamente erhöhen die Empfindlichkeit gegenüber Sonne oder Wärme. - Richtig lagern
Arzneimittel kühl, trocken und lichtgeschützt aufbewahren. Niemals im heißen Auto lassen. - Veränderungen beobachten
Treten Schwindel, Verwirrtheit, starke Müdigkeit oder Kreislaufprobleme auf, kann die Kombination aus Hitze und Medikamenten eine Rolle spielen. Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin halten. - Auf ausreichende Flüssigkeit achten
Besonders bei entwässernden Medikamenten ist regelmäßiges Trinken wichtig, sofern keine ärztlichen Einschränkungen bestehen. - Hitzeempfindliche Medikamente schützen
Insulin und ähnliche Arzneimittel für unterwegs in einer Kühltasche transportieren.
Hitze in der Pflege: Notfälle vermeiden und richtig reagieren
Gesundheitliche Probleme entstehen an heißen Tagen oft nicht plötzlich, sondern entwickeln sich schrittweise. Achte deshalb auf frühe Zeichen: Wirkt die betreute Person ungewohnt ruhig, reagiert sie langsamer oder läuft unsicher? Zeigt sich gerötete Haut, schnelle Atmung oder ungewöhnliche Unruhe? Das sind Hinweise, dass der Körper mit der Wärme nicht mehr gut zurechtkommt.
Mit diesen einfachen Maßnahmen lassen sich viele Notfälle verhindern:
- Räume früh morgens oder spät abends lüften
- Direkte Sonneneinstrahlung in Wohnräumen durch Rollläden oder Vorhänge blockieren
- Körperliche Anstrengung auf ein Minimum reduzieren
- Aufenthalte im Freien kurz halten
- Kühlende Waschungen oder feuchte Tücher einsetzen
- Bei bekannten Kreislaufproblemen nicht allein unterwegs sein
Kommt es dennoch zu Beschwerden, bring die betroffene Person sofort an einen kühlen Ort, lockere enge Kleidung und sorge für langsame Abkühlung. Kleine Schlucke Wasser können helfen, sofern die Person bei Bewusstsein ist und sicher schlucken kann.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung: Bei einer Hitzeerschöpfung ist die betroffene Person noch ansprechbar, Ruhe, Kühlung und Flüssigkeit sind hier die richtigen Sofortmaßnahmen. Ein Hitzschlag dagegen ist lebensbedrohlich. Bewusstseinsstörungen, plötzliche Orientierungslosigkeit oder Atemnot sind klare Notfallzeichen, dann sofort den Notruf rufen. Gerade bei pflegebedürftigen Menschen kann sich der Zustand innerhalb weniger Minuten kritisch verschlechtern.
Hitzeschutzpläne: Struktur für heiße Tage
Viele Pflegeeinrichtungen und Gesundheitsdienste setzen inzwischen auf feste Hitzeschutzpläne, mit frühzeitigen Warnmeldungen, angepassten Tagesabläufen, zusätzlichen Trinkangeboten und klaren Handlungsabläufen für Extremhitze. Auch im ambulanten Pflegealltag lohnt es sich, einen einfachen Plan für heiße Tage zu etablieren: feste Trinkzeiten, angepasste Terminplanung und klare Absprachen im Team sorgen für mehr Sicherheit, sowohl für die Pflegebedürftigen als auch für dich.
Fazit: Hitzeschutz ist Fürsorge
Heiße Tage werden durch den Klimawandel zur festen Größe im Pflegealltag. Für pflegebedürftige Menschen bedeutet das ein real steigendes Gesundheitsrisiko und für dich als Pflegekraft wachsende Verantwortung. Doch mit vorausschauender Planung, einem guten Blick für frühe Warnzeichen und einfachen Schutzmaßnahmen kannst du vieles abfedern. Ausreichend Flüssigkeit, angepasste Tagesabläufe und ein offenes Ohr für Veränderungen machen oft den entscheidenden Unterschied. Hitzeschutz ist kein Extra, er gehört zur guten Pflege dazu.
Häufige Fragen zu Hitze und Pflege
Ab welcher Temperatur wird Hitze für pflegebedürftige Menschen gefährlich?
Ab etwa 30 °C Außentemperatur steigt das gesundheitliche Risiko für pflegebedürftige Menschen deutlich an. Besonders kritisch wird es, wenn die Temperaturen auch nachts nicht unter 20 °C sinken und sich der Körper nicht erholen kann.
Wie viel sollten pflegebedürftige Menschen an heißen Tagen trinken?
Als grobe Orientierung gelten an heißen Tagen mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit, verteilt über den gesamten Tag in kleinen Portionen. Die genaue Menge hängt immer vom individuellen Gesundheitszustand und ärztlichen Vorgaben ab, besonders bei Herz- oder Nierenerkrankungen.
Was ist der Unterschied zwischen Hitzeerschöpfung und Hitzschlag?
Bei einer Hitzeerschöpfung ist die Person noch bei Bewusstsein und zeigt Symptome wie starke Müdigkeit, Schwindel oder Übelkeit, sie braucht sofort Ruhe, Kühlung und Flüssigkeit. Ein Hitzschlag ist ein lebensbedrohlicher Notfall mit Bewusstseinsstörungen oder Orientierungslosigkeit, bei dem sofort der Notruf gerufen werden muss.
Dürfen Medikamente einfach reduziert werden, wenn jemand bei Hitze schlecht verträgt?
Nein, Medikamente dürfen niemals eigenmächtig abgesetzt oder in der Dosis verändert werden. Bei Auffälligkeiten oder Unverträglichkeiten im Zusammenhang mit Hitze muss immer Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder behandelnden Ärztin gehalten werden.
Was tun, wenn eine betreute Person bei Hitze verwirrt wirkt?
Verwirrtheit an heißen Tagen ist ein ernstes Warnzeichen und sollte nie abgewartet werden. Bringe die Person sofort in einen kühlen Raum, biete vorsichtig kleine Schlucke Wasser an und beobachte den Zustand genau, verschlechtert er sich, sofort den Notruf rufen.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellen
- Stiftung ZQP, Zentrum für Qualität in der Pflege, Hitze und Pflege; aufgerufen am 19.05.2026 von https://pflegenetzwerk-deutschland.de/thema-hitzeschutz
- Bundesministerium für Gesundheit, Pflege-Netzwerk Deutschland, Bundeseinheitliche Empfehlung des Qualitätsausschusses Pflege zum Einsatz von Hitzeschutzplänen in Pflegeeinrichtungen und –diensten vom 28.03.2024, geändert am 11.12.2024; aufgerufen am 19.05.2026 von https://www.gs-qsa-pflege.de/wp-content/uploads/2025/01/20241211_Bundeseinheitliche-Empfehlung-Hitzeschutzplaene-gem.-%C2%A7113b-Abs.-4-Satz-3-SGB-XI.pdf
- Bundesministerium für Gesundheit, Roadmap zur Weiterentwicklung des „Hitzeschutzplans für Gesundheit“ des BMG; aufgerufen am 19.05.2026 von https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/H/Hitzeschutzplan/BMG_Roadmap_Hitzeschutzplanung_Sommer_2025.pdf?utm_source=chatgpt.com
- RheinlandPfalz, Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen, Hitze und Hitzewellen; aufgerufen am 19.05.2026 von https://www.klimawandel.rlp.de/klimawandel/klimatische-aenderungen/hitze-und-hitzewellen#:~:text=Die%20klimatische%20Entwicklung%20bis%20zum,Jahr%20(1991%2D2020).










