Was versteht man unter SIS-Pflege?

Veröffentlicht am 13.06.2026

Ein Stift liegt auf einem Schreibblock.

SIS steht für eine strukturierte Informationssammlung. Bildquelle: Canva.com mittels KI

Die Abkürzung SIS begegnet vielen Menschen erstmals im Zusammenhang mit Pflegedokumentation, Pflegeplanung oder Qualitätsprüfungen. Gemeint ist die Strukturierte Informationssammlung, die in der Pflege dazu dient, die Situation einer pflegebedürftigen Person fachlich einzuschätzen und übersichtlich zu dokumentieren.

Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Informationen zu sammeln. Entscheidend ist, was für die Pflege wirklich relevant ist: Was kann die pflegebedürftige Person selbst? Wo braucht sie Unterstützung? Welche Risiken bestehen? Welche Wünsche, Gewohnheiten und Ressourcen sollen im Pflegealltag berücksichtigt werden? Wer versteht, wie die SIS in der Pflege funktioniert, erkennt schnell, dass sie mehr ist als ein Formular. Sie ist die Grundlage für eine individuelle, nachvollziehbare und alltagsnahe Pflege.

Was bedeutet SIS in der Pflege?

SIS steht für Strukturierte Informationssammlung. Sie ist ein zentrales Element des Strukturmodells zur Pflegedokumentation. Dieses Modell wurde entwickelt, um die Pflegedokumentation zu verschlanken und gleichzeitig fachlich aussagekräftig zu halten.

Früher wurden in vielen Einrichtungen sehr umfangreiche Pflegeplanungen geführt, die zwar viel Papier erzeugten, im Alltag aber nicht immer hilfreich waren. Die SIS setzt an einem anderen Punkt an. Sie soll die wesentlichen Informationen so erfassen, dass Pflegefachpersonen daraus konkrete Maßnahmen ableiten können. Der Blick richtet sich stärker auf die Person selbst, ihre Lebenssituation und die fachliche Einschätzung der Pflege.

Anna Liebig

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Wichtig ist dabei:
Die SIS ersetzt nicht das professionelle Denken der Pflegefachperson. Im Gegenteil. Sie verlangt, dass Informationen eingeordnet, Risiken erkannt und Prioritäten gesetzt werden. Nicht jede Beobachtung muss ausführlich beschrieben werden, aber relevante Besonderheiten müssen klar erkennbar sein.

Welche Ziele verfolgt die SIS in der Pflege?

Die SIS soll Pflege verständlicher, individueller und praxistauglicher dokumentieren. Sie unterstützt Pflegefachpersonen dabei, nicht nur Defizite zu erfassen, sondern auch Fähigkeiten, Gewohnheiten und Wünsche der pflegebedürftigen Person einzubeziehen.

Zentrale Ziele der SIS sind:

Ziel Bedeutung für die Pflegepraxis
Übersichtlichkeit schnelle Erfassung der wichtigsten Informationen
Personenorientierung stärkere Berücksichtigung von Wünschen und Gewohnheiten
Fachlichkeit nachvollziehbare Einschätzung durch Pflegefachpersonen
Entbürokratisierung weniger unnötige Wiederholungen
Risikomanagement frühzeitiges Erkennen pflegerelevanter Risiken
Maßnahmenbezug klare Grundlage für die weitere Pflegeplanung

Gerade im Pflegealltag ist dieser Ansatz wichtig. Eine gute SIS hilft nicht nur bei Prüfungen oder Dokumentationspflichten, sondern vor allem im Team. Neue Mitarbeitende, Vertretungen oder externe Beteiligte können schneller verstehen, worauf es bei einer Person ankommt.

Was gehört in die SIS-Pflege?

In die SIS gehören alle Informationen, die für Pflege, Betreuung und Versorgung wesentlich sind. Dazu zählen die Selbsteinschätzung der pflegebedürftigen Person, die fachliche Einschätzung der Pflegefachperson und die Einschätzung relevanter Risiken.

Die Struktur orientiert sich an sechs Themenbereichen. Diese helfen dabei, die Lebenssituation nicht zufällig, sondern systematisch zu betrachten.

Themenbereich Inhaltlicher Fokus
Kognitive und kommunikative Fähigkeiten Orientierung, Verstehen, Kommunikation, Entscheidungen
Mobilität und Beweglichkeit Bewegung, Positionswechsel, Transfers, Sturzrisiko
Krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen Erkrankungen, Medikamente, Schmerzen, Therapien
Selbstversorgung Körperpflege, Ernährung, Ausscheidung, Ankleiden
Leben in sozialen Beziehungen Kontakte, Tagesgestaltung, Teilhabe, Verhalten
Haushaltsführung oder Wohnen und Häuslichkeit je nach Versorgungsform häusliche Versorgung oder Wohnumfeld

In der ambulanten Pflege spielt beispielsweise die häusliche Situation eine besonders große Rolle. Wer eine SIS in der ambulanten Pflege schreibt, sollte deshalb nicht nur den Pflegebedarf beschreiben, sondern auch das Wohnumfeld, vorhandene Hilfsmittel, Angehörige, Routinen und mögliche Risiken im Haushalt berücksichtigen. In der stationären Pflege stehen dagegen stärker das Leben in der Einrichtung, Gewohnheiten, Tagesstruktur und das Gefühl von Häuslichkeit im Vordergrund.

Was ist der Unterschied zwischen SIS und Pflegeplanung?

SIS und Pflegeplanung gehören zusammen, sind aber nicht dasselbe. Die SIS ist der Einstieg in den Pflegeprozess. Sie sammelt und bewertet die wichtigsten Informationen zur Situation der pflegebedürftigen Person. Aus diesen Informationen wird anschließend die Maßnahmenplanung abgeleitet.

Vereinfacht gesagt:
Die SIS beschreibt, was fachlich relevant ist. Die Pflegeplanung beziehungsweise Maßnahmenplanung beschreibt, was konkret getan wird.

Ein Beispiel macht den Unterschied deutlich. In der SIS kann stehen, dass eine Person unsicher geht, nachts häufig zur Toilette muss und Sturzangst äußert. In der Maßnahmenplanung wird daraus abgeleitet, welche konkreten Unterstützungsmaßnahmen notwendig sind, etwa ein Nachtlicht, ein Toilettenstuhl, Begleitung bei Bedarf oder regelmäßige Beobachtung bei veränderter Mobilität.

Eine gute SIS ist deshalb keine lose Sammlung von Informationen. Sie muss so formuliert sein, dass daraus pflegerisches Handeln nachvollziehbar wird.

Wie schreibt man eine SIS in der Pflege?

Eine gute SIS sollte übersichtlich, individuell und fachlich aussagekräftig sein. Sie muss nicht besonders lang sein, sondern die Informationen enthalten, die für die Pflege wirklich wichtig sind. Im Mittelpunkt stehen die pflegebedürftige Person, ihre Ressourcen, ihr Unterstützungsbedarf und mögliche Risiken.

Beim Schreiben helfen drei Leitfragen:

  • Was kann die Person noch selbstständig?
  • Wobei benötigt sie Unterstützung?
  • Welche Risiken oder Besonderheiten müssen beachtet werden?

Zunächst wird die Perspektive der pflegebedürftigen Person aufgenommen. Dazu gehören Wünsche, Gewohnheiten, Unsicherheiten und persönliche Ziele. Anschließend ergänzt die Pflegefachperson ihre fachliche Einschätzung anhand der sechs Themenbereiche der SIS.

Besonders wichtig sind konkrete und alltagsnahe Formulierungen. Allgemeine Aussagen wie „eingeschränkt mobil“ oder „benötigt Hilfe bei der Körperpflege“ sind oft zu ungenau. Besser ist es, kurz zu beschreiben, wie sich der Unterstützungsbedarf im Alltag zeigt.

Beispiele für konkretere Formulierungen:

  • statt „Bewohner:in ist eingeschränkt mobil“: Bewohner:in geht kurze Strecken mit Rollator, benötigt beim Aufstehen verbale Anleitung.
  • statt „Patient:in ist sturzgefährdet“: Patient:in steht nachts häufig ohne Klingel auf und wirkt dabei unsicher.
  • statt „Bewohner:in benötigt Hilfe bei der Körperpflege“: Bewohner:in wäscht Gesicht und Oberkörper selbstständig, benötigt Unterstützung bei Rücken und Unterkörper.

Formulierungshilfen und Beispiele zur SIS können beim Einstieg unterstützen. Auch ein Muster oder eine PDF-Vorlage zur SIS-Pflegeplanung kann hilfreich sein, um den Aufbau besser zu verstehen. Wichtig bleibt jedoch, dass solche Vorlagen nicht einfach übernommen werden. Eine SIS ist nur dann sinnvoll, wenn sie zur konkreten Person passt und die individuelle Pflegesituation nachvollziehbar beschreibt.

Wer schreibt die SIS in der Pflege?

Die SIS wird von einer Pflegefachperson erstellt. Sie trägt die fachliche Verantwortung dafür, dass die Informationen richtig eingeordnet und pflegerelevante Risiken erkannt werden. Dabei bedeutet das nicht, dass die Pflegefachperson alle Informationen allein erheben muss.

Angehörige, Betreuungspersonen, Ärzt:innen, Therapeut:innen oder Pflegeassistenzkräfte können wichtige Hinweise geben. Besonders wertvoll sind Beobachtungen aus dem Alltag: verändertes Essverhalten, Unsicherheit beim Gehen, Rückzug, Schmerzen oder Schwierigkeiten bei der Medikamenteneinnahme. Die fachliche Bewertung und Dokumentation in der SIS bleibt jedoch Aufgabe der Pflegefachperson.

In der Praxis ist auch wichtig, die SIS nicht als einmaliges Dokument zu verstehen. Sie muss angepasst werden, wenn sich die Situation verändert. Das kann nach einem Krankenhausaufenthalt, einem Sturz, einer deutlichen Verschlechterung, einer neuen Diagnose oder einer veränderten Versorgungssituation notwendig werden.

Ist die SIS in der Pflege Pflicht?

Die SIS ist nicht in dem Sinne Pflicht, dass jede Einrichtung zwingend genau dieses Modell verwenden muss. Pflegeeinrichtungen müssen jedoch eine fachlich nachvollziehbare Pflegedokumentation führen. Wenn eine Einrichtung mit dem Strukturmodell arbeitet, sollte die SIS vollständig, korrekt und nach den vorgesehenen Grundsätzen angewendet werden.

Für die Praxis ist deshalb weniger entscheidend, ob die SIS abstrakt „Pflicht“ ist. Wichtiger ist, ob die Dokumentation fachlich trägt. Sie muss zeigen, wie der Pflegebedarf eingeschätzt wurde, welche Risiken bestehen und warum bestimmte Maßnahmen geplant sind. Eine unvollständige oder oberflächliche SIS kann im Alltag problematisch sein, weil sie weder das Team sicher anleitet noch die Versorgung nachvollziehbar macht.

Grundprinzipien einer guten SIS

Eine gute SIS lebt von fachlicher Klarheit. Sie ist weder ein Roman noch eine reine Checkliste. Sie beschreibt die pflegebedürftige Person so konkret, dass daraus eine passende Versorgung entstehen kann.

Wichtige Grundprinzipien sind:

  • individuelle Perspektive
  • pflegefachliche Einschätzung
  • Ressourcenorientierung
  • Risikobewertung
  • kompakte Formulierungen
  • Bezug zur Maßnahmenplanung
  • regelmäßige Aktualisierung

Besonders wichtig ist die Ressourcenorientierung. Pflege bedeutet nicht nur, Hilfe zu leisten, sondern vorhandene Fähigkeiten zu erhalten und zu fördern. Wenn eine Person sich beispielsweise mit Anleitung selbst waschen kann, sollte das in der SIS sichtbar werden. Sonst besteht die Gefahr, dass Pflege zu viel übernimmt und Selbstständigkeit verloren geht.

Fazit: SIS macht Pflegebedarf verständlich und handlungsnah

Die SIS ist ein zentrales Instrument, um Pflegebedarf strukturiert, individuell und fachlich nachvollziehbar zu erfassen. Sie zeigt, was eine pflegebedürftige Person selbst kann, wobei sie Unterstützung benötigt und welche Risiken im Pflegealltag beachtet werden müssen.

Ihr größter Nutzen liegt darin, Informationen nicht nur zu sammeln, sondern für die Praxis brauchbar zu machen. Aus einer guten SIS entsteht eine sinnvolle Maßnahmenplanung. Sie unterstützt Pflegefachpersonen, erleichtert die Zusammenarbeit im Team und hilft dabei, Pflege nicht schematisch, sondern personenorientiert zu gestalten.

Entscheidend ist deshalb nicht, möglichst viel zu schreiben. Entscheidend ist, das Richtige zu schreiben: klar, individuell, fachlich begründet und so konkret, dass daraus gute Pflege entstehen kann.

Häufige Fragen zur SIS in der Pflege

Was bedeutet SIS in der Pflege genau?

SIS steht für Strukturierte Informationssammlung. Sie dient dazu, die pflegerelevante Situation einer Person systematisch zu erfassen und daraus passende Maßnahmen abzuleiten.

Welche sechs Themenbereiche gibt es in der SIS?

Die SIS betrachtet kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Mobilität, krankheitsbezogene Anforderungen, Selbstversorgung, soziale Beziehungen sowie Haushaltsführung oder Wohnen und Häuslichkeit. Der sechste Bereich unterscheidet sich je nach ambulanter oder stationärer Versorgung.

Was ist der Unterschied zwischen SIS und Pflegeplanung?

Die SIS beschreibt die Ausgangssituation und die pflegefachliche Einschätzung. Die Pflegeplanung beziehungsweise Maßnahmenplanung legt fest, welche konkreten Hilfen, Abläufe und Maßnahmen daraus folgen.

Wie schreibe ich eine gute SIS in der Pflege?

Eine gute SIS ist konkret, verständlich und individuell. Sie beschreibt Ressourcen, Unterstützungsbedarf, Risiken und Besonderheiten so, dass Pflegekräfte daraus sicher handeln können.

Gibt es Muster-PDFs für die SIS-Pflegeplanung?

Ja, es gibt offizielle Vorlagen und Muster zur Orientierung. Sie sollten jedoch nur als Strukturhilfe dienen, weil jede SIS individuell zur pflegebedürftigen Person passen muss.

Sind Formulierungshilfen für die SIS sinnvoll?

Formulierungshilfen können helfen, klarer und fachlicher zu schreiben. Wichtig ist aber, dass Beispiele nicht ungeprüft übernommen werden, sondern immer an die konkrete Pflegesituation angepasst werden.

Wer darf die SIS schreiben?

Die SIS wird von einer Pflegefachperson geschrieben. Andere Berufsgruppen oder Angehörige können wichtige Informationen beitragen, die fachliche Einschätzung bleibt jedoch Aufgabe der Pflegefachperson.

Wann muss eine SIS aktualisiert werden?

Eine Aktualisierung ist notwendig, wenn sich der Pflegebedarf oder die Lebenssituation verändert. Typische Anlässe sind Stürze, Krankenhausaufenthalte, neue Diagnosen, veränderte Mobilität oder ein deutlich anderer Unterstützungsbedarf.

Medizinische und rechtliche Hinweise:

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Quellen

  1. Bundesministerium für Gesundheit (BMG) (2026). Entbürokratisierung der Pflegedokumentation [Internet]. Berlin: 2026, abgerufen am 27. Mai 2026, Verfügbar unter: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/e/entbuerokratisierung-der-pflegedokumentation
  2. Einführung des Strukturmodells zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation (EinSTEP) (o. J.). Downloads [Internet]. Berlin: o. J., abgerufen am 27. Mai 2026, Verfügbar unter: https://www.ein-step.de/downloads
  3. Einführung des Strukturmodells zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation (EinSTEP) (o. J.). Häufige Fragen [Internet]. Berlin: o. J., abgerufen am 27. Mai 2026, Verfügbar unter: https://www.ein-step.de/haufige-fragen
  4. Einführung des Strukturmodells zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation (EinSTEP) (o. J.). Schulungsunterlagen [Internet]. Berlin: o. J., abgerufen am 27. Mai 2026, Verfügbar unter: https://www.ein-step.de/schulungsunterlagen
  5. Einführung des Strukturmodells zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation (EinSTEP) (o. J.). Struktur und Funktionsweise [Internet]. Berlin: o. J., abgerufen am 27. Mai 2026, Verfügbar unter: https://www.ein-step.de/strukturen
  6. Medizinischer Dienst Bund (2024). Weniger Bürokratie durch mehr Effizienz [Internet]. Essen: 2024, abgerufen am 27. Mai 2026, Verfügbar unter: https://md-bund.de/themen/pflegequalitaet/entbuerokratisierung.html

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