Interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Pflege: So gelingt die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen

Veröffentlicht am 25.08.2025

Ein Team aus Pflegekräften plant gemeinsam

Kommunikation in der Pflege ist besonders wichtig - nur mithilfe guter Kommunikation kann eine gute Betreuung gewährleistet werden. Quelle: Canva.de

Als Pflegekraft bist du oft das Bindeglied zwischen Pflegebedürftigen, Angehörigen, Ärzt:innen und Therapeut:innen. In vielen Fällen hängt eine erfolgreiche Betreuung und Behandlung der Pflegebedürftigen von der gut organisierten Zusammenarbeit dieser verschiedenen Akteur:innen ab. Dafür müssen alle daran interessiert sein, laufend Informationen auszutauschen, gemeinsame Lösungen zu finden und letztendlich so den Patient:innen die bestmögliche Versorgung zukommen zu lassen.  

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Doch im Pflegealltag stehen diesem Ziel häufig Zeitmangel, Kommunikationsprobleme sowie unklare Zuständigkeiten im Weg. Was du als Pflegekraft für ein gelungenes interdisziplinäres Zusammenspiel tun kannst und wie du typische Hürden überwindest.

Wie funktioniert die interdisziplinäre Zusammenarbeit?

Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist mehr als ein Mode-Begriff aus der Managementsprache. Sie ist eine entscheidende Voraussetzung für eine professionelle, sichere und effiziente Patient:innenversorgung. Jeder Berufsgruppe kommt dabei eine spezielle Rolle zu.

Durch eine gute Abstimmung im Team können Behandlungen besser koordiniert, Risiken und Fehler minimiert und unnötige Doppelarbeiten vermieden werden. Das wiederum verbessert nicht nur die Situation der Pflegebedürftigen, sondern reduziert auch den Stress für alle Beteiligten.

Anna Liebig

Pflegia Karriereberaterin

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Zusammengefasst bringt gute Zusammenarbeit:

  • Höhere Patientensicherheit 
  • Bessere Behandlungsergebnisse 
  • Zufriedenere Patient:innen und Angehörige 
  • Effizientere Arbeitsabläufe 
  • Weniger Konflikte und Missverständnisse im inneren und äußeren Team 

Interdisziplinäre Zusammenarbeit - Herausforderungen über Fachgrenzen hinweg

In der Realität läuft die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen zuständigen Stationen leider häufig nicht ganz reibungslos. Besonders oft treten auf:

  • Kommunikationsprobleme:  Ein häufiges Problem. Da ist jemand nicht erreichbar oder reagiert nicht auf Rückrufwünsche oder Mailanfragen. Dazu kommen unterschiedliche Fachsprachen und Ausdrucksweisen, die an anderer Stelle falsch oder anders gedeutet werden können. An je mehr Stellen Informationen weitergegeben werden, desto mehr steigt das Risiko, dass wichtige Bestandteile verloren gehen.
  • Zeitmangel: Üblicherweise stehen alle Beschäftigten im Gesundheitswesen unter großem Zeitdruck. Für detaillierten Austausch gibt es häufig wenig Gelegenheiten.
  • Unklare Strukturen: Wer ist wofür verantwortlich? Wer entscheidet was? Gerade in komplexen Behandlungssituationen sind diese Fragen nicht immer klar geregelt, was zu Unsicherheiten oder sogar zu Konflikten führen kann.  

Gute Organisation für eine bessere Teamarbeit

Grundsätzliche Strukturen und Prozesse liegen in der Hand der Vorgesetzten oder Leitungen. Doch auch als Pflegekraft kannst du dazu beitragen, dass bestimmte Abläufe reibungsloser laufen. Wichtig dabei sind Offenheit, Verständnis für die Position der anderen und eine umfassende Fachkompetenz. Neben der bestmöglichen Versorgung der Patient:innen sollte das Ziel sein, dass sich alle Beteiligten bei der Zusammenarbeit sicher und ernst genommen fühlen. Dazu gehört auch ein verständnisvoller, lösungsorientierter Umgang mit Fehlern oder Missverständnissen.

Die gleiche Sprache sprechen

Sicher kennst du das Problem, dass unter Pflegekräften andere Begriffe oder Formulierungen üblich sind als z. B. in Arztpraxen oder bei anderen therapeutischen Anbietern. Das kann vor allem für Angehörige schwierig werden, da sie meistens mit keiner der „Fachsprachen“ vertraut sind. Achte daher immer auf eine klare, verständliche Ausdrucksweise. Wenn du mit den Pflegebedürftigen oder Angehörigen sprichst, bist du häufig auch in der Rolle des „Übersetzenden“, der medizinische oder pflegerische Fachbegriffe laienverständlich erklären kann.  Um sicherzustellen, dass das Gegenüber alles richtig verstanden hat, kann die Aufforderung sinnvoll sein, alles noch einmal in eigenen Worten widerzugeben.

Hierarchien überwinden

Auch wenn interdisziplinäre Teams heute oft auf Augenhöhe arbeiten sollen: Im Alltag spürst du sicherlich hin und wieder, dass Hierarchien Einfluss auf Kommunikation und Entscheidungsprozesse nehmen. Das kann einschüchternd sein und dazu führen, dass man seine eigene Meinung lieber für sich behält. Doch als Fachkraft hat deine Einschätzung hohes Gewicht, vor allem, weil du deine Patient:innen meistens sehr gut kennst. Daher: bleibe respektvoll, aber vertrete deine Ansichten selbstbewusst.

Zeit für Austausch

Hier ist erstmal euer internes Team gefragt. Plane genug Zeit für Übergaben ein, dazu regelmäßige Termine, in denen geänderte Therapiepläne, neue Diagnosen usw. besprochen werden können. Hier können auch Unklarheiten, Fragen oder Verbesserungsvorschläge abgeklärt werden. Digitale Tools können dich dabei unterstützen, wenn die Zeit sehr knapp ist.

Mit externen Stellen wie Arztpraxen usw. kann es ebenfalls möglich sein, feste Termine zum Austausch auszumachen. Diese Zeiten können, je nach aktuellem Bedarf, auch flexibel geändert werden. Auch sogenannte „runde Tische“ haben sich bei komplexen Fällen bewährt. Hier kommen an einem Termin alle Beteiligten zusammen, z. B. du als Pflegekraft, behandelnde Ärzt:innen und Angehörige.  

Tipp: Die SBAR-Methode 

Ein bewährtes Werkzeug für strukturierte Kommunikation ist die sogenannte SBAR-Methode. Sie hilft dabei, Informationen präzise und nachvollziehbar weiterzugeben: 

  • Situation: Was ist passiert? 
  • Background (Hintergrund): Welche Vorgeschichte ist relevant? 
  • Assessment (Einschätzung): Was ist dein fachlicher Eindruck? 
  • Recommendation (Empfehlung): Was schlägst du vor? 

Du kannst für diese Fragen auch ein Formular anlegen, dass jeweils immer nur noch ausgefüllt werden muss. Das spart Zeit und jeder weiß, an welcher Position welche Information zu finden ist.

Gelungene Kommunikation

Kleine Unstimmigkeiten oder Missverständnisse lassen sich leichter klären, wenn sie direkt angesprochen werden. Warte nicht, bis sich Frust anstaut. Freundlicher, konstruktiver Austausch stärkt das interdisziplinäre Team. Jede Berufsgruppe bringt ihre Expertise ein. Wertschätzung, Respekt und Verständnis für die Arbeit und Bedürfnisse der anderen sind die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit.

Sorgsame Dokumentation

Eine gut gepflegte digitale Dokumentation erleichtert den Informationsaustausch. So finden alle Beteiligten relevante Daten, ärztliche Anordnungen, Therapieberichte oder Pflegebeobachtungen an einem Ort. Das senkt das Risiko für Missverständnisse oder verloren gegangene Informationen enorm.

Interdisziplinäre Schulungen

Fortbildungen, an denen alle Berufsgruppen teilnehmen, stärken das Verständnis füreinander. Themen wie Kommunikation, Schmerzmanagement oder Entlassungsplanung sind für alle wichtig.

Eigenes Fachwissen erweitern

Aktuelle pflegewissenschaftliche Erkenntnisse, Wissen über Krankheitsbilder oder therapeutische Ansätze machen dich zu einer kompetenten Ansprechpartnerin im Team und untermauern deine Argumente und Vorschläge.

Netzwerke aufbauen

Pflege ist Teamarbeit - auch über die eigene Station hinaus. Nutze Fortbildungen, Qualitätszirkel oder Fachforen, um dich mit anderen zu vernetzen und von ihren Erfahrungen zu profitieren. Auch gute Kontakte zu fachärztlichen Praxen oder Therapeut:innen solltest du knüpfen, erhalten und pflegen.

Fazit

Erfolgreiche interdisziplinäre Zusammenarbeit ist kein Selbstläufer. Sie braucht Engagement, Offenheit und manchmal auch Geduld. Aber sie lohnt sich für alle Beteiligten: 

  • Für die Patient:innen, weil sie besser und sicherer versorgt werden. 
  • Für die Angehörigen, weil sie ihr Familienmitglied in guten Händen wissen. 
  • Für die Pflegekräfte, weil der Austausch mit Kolleg:innen andere Perspektiven eröffnet, das Arbeiten erleichtert und den eigenen Beitrag sichtbarer macht. 
  • Für das gesamte Team, weil reibungslose Abläufe Zeit, Nerven und Ressourcen sparen. 

Als Pflegekraft kannst du aktiv dazu beitragen, dass dein Team gut zusammenarbeitet. Durch klare Kommunikation, selbstbewusstes Auftreten und kontinuierliche Weiterbildung stärkst du deine Rolle im Team und sorgst für die reibungslose Zusammenarbeit.

Die wichtigsten Fragen zur interdisziplinären Zusammenarbeit

Was bedeutet interdisziplinäre Zusammenarbeit? 

Interdisziplinäre Zusammenarbeit bezeichnet die enge Kooperation verschiedener Berufsgruppen im Gesundheitswesen - etwa Pflegekräfte, Ärzt:innen, Therapeut:innen, Sozialdienste und andere Fachbereiche. Ziel ist es, die Versorgung von Patient:innen gemeinsam zu planen, durchzuführen und kontinuierlich abzustimmen. Jede Berufsgruppe bringt ihre spezifische Perspektive und Expertise ein, um eine ganzheitliche und effektive Behandlung zu ermöglichen. 

Welche Rolle spielt die Pflegekraft in der interdisziplinären Zusammenarbeit? 

Pflegekräfte nehmen eine zentrale Rolle im interdisziplinären Team ein. Sie stehen in direktem und kontinuierlichem Kontakt mit den Patient:innen und sind oft erste Ansprechpartner:innen für medizinische, pflegerische und psychosoziale Fragen. Durch Beobachtungen, Einschätzungen und Rückmeldungen leisten Pflegekräfte einen wesentlichen Beitrag zur Therapieplanung und -anpassung. Gleichzeitig koordinieren sie Abläufe, fördern die Kommunikation im Team und sichern die Umsetzung ärztlicher und therapeutischer Maßnahmen im Pflegealltag. 

Wer gehört zum interdisziplinären Team in der Pflege? 

Zum interdisziplinären Team gehören alle Berufsgruppen, die an der Versorgung von Patient:innen beteiligt sind. Dazu zählen insbesondere: 

  • Pflegefachpersonen 
  • Ärztinnen und Ärzte 
  • Physiotherapeut:innen 
  • Ergotherapeut:innen 
  • Logopäd:innen 
  • Psycholog:innen 
  • Sozialarbeiter:innen 
  • Ernährungsberater:innen 
  • Seelsorge oder Case Management 

Je nach Einrichtung und Bedarf kann das Team zusätzlich durch weitere Spezialist:innen ergänzt werden. Wichtig ist ein regelmäßiger Austausch und eine klare Abstimmung aller Beteiligten. 

Was sind interdisziplinäre Methoden in der Pflege? 

Interdisziplinäre Methoden sind strukturierte Verfahren und Arbeitsweisen, die die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen erleichtern und verbessern. Dazu gehören unter anderem: 

  • Die SBAR-Methode zur strukturierten Kommunikation 
  • Interdisziplinäre Fallbesprechungen oder Teamkonferenzen 
  • Gemeinsame Zielvereinbarungen für Patient:innen 
  • Pflege- und Behandlungsplanung im Team 
  • Nutzung digitaler Dokumentationssysteme für transparenten Informationsaustausch

Welche Kompetenzen werden für die interdisziplinäre Zusammenarbeit benötigt? 

Damit die Zusammenarbeit gelingt, sind verschiedene fachliche und persönliche Kompetenzen der Beteiligten nötig. Dazu gehören:

  • Kommunikationsfähigkeit: Informationen sollten klar, strukturiert und zielgruppengerecht übermittelt werden. 
  • Kooperationsbereitschaft: Dazu gehört Offenheit gegenüber anderen Berufsgruppen und deren Sichtweisen und Bedürfnissen. 
  • Selbstbewusstsein: Sich der eignen Fachkompetenz bewusst sein und diese auch in interdisziplinären Gruppen vertreten. 
  • Verantwortungsbewusstsein: Die eigenen Aufgaben kennen und professionell erledigen. 
  • Organisationsfähigkeit: Abstimmungsprozesse zwischen verschiedenen Akteuren mitgestalten. 
  • Reflexionsvermögen: Das eigene Handeln im Teamkontext hinterfragen und gegebenenfalls anpassen.

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