Mobilität in der Pflege
Veröffentlicht am 26.06.2026

Bei einer eingeschränkter Mobilität können Hilfsmittel unterstützen. Bildquelle: Canva.com
Mobilität ist in der Pflege weit mehr als „ein bisschen Bewegung“ – sie entscheidet darüber, ob ein Mensch selbstständig vom Bett zur Toilette kommt, am Tisch sitzen kann oder am sozialen Leben teilnimmt. Für Pflegebedürftige bedeutet erhaltene Mobilität oft mehr Lebensqualität, weniger Komplikationen und ein Stück Autonomie. Gleichzeitig entlastet gute Mobilisation auch dich als Pflegekraft, weil Transfers deiner Patient:innen sicherer und körperlich schonender werden. In diesem Artikel erfährst du, was unter Mobilität in der Pflege verstanden wird, welche Rolle der Expertenstandard Mobilität spielt, wie die 5 Schritte der Mobilisation aussehen können und welche Hilfsmittel zur Mobilisation in der Pflege sinnvoll sind.
Definition Mobilität in der Pflege
In der Pflege beschreibt Mobilität die Fähigkeit eines Menschen, sich eigenständig fortzubewegen oder seine Körperlage zu verändern, wie zum Beispiel vom Liegen zum Sitzen oder vom Sitzen zum Stehen. Dazu gehören kurze Wege im Zimmer oder auf der Station genauso wie Lagewechsel im Bett oder das Umsetzen in den Rollstuhl.
Fehlt diese Mobilität oder ist sie stark eingeschränkt, spricht man von Immobilität oder Bettlägerigkeit. Die Folgen können vielfältig sein: erhöhtes Risiko für Thrombosen, Dekubitus, Kontrakturen, Schmerzen, aber auch soziale Isolation und psychische Belastungen. Genau hier setzt deine pflegerische Mobilisation an.
Mobilisation in der Pflege: Ziel und Bedeutung
Mobilisation meint alle aktivierenden Maßnahmen, Beweglichkeit zu erhalten, zu verbessern oder wiederherzustellen. Das reicht von einfachen Lagewechseln über das Aufsetzen an der Bettkante bis hin zu Gehübungen und Transfers in den Stuhl oder am Rollator.

Anna Liebig
Pflegia KarriereberaterinUnsicher? Wir beraten dich kostenlos zu deinem nächsten Karriereschritt
Unsere Karriereberater finden passende Jobs für dich – und melden sich persönlich bei dir zurück.- 100 % kostenlos & unverbindlich
- Persönliche Beratung statt Bewerbungsstress
- Wir finden passende Jobs für dich
- Schneller Rückruf
Ziele der Mobilisation sind unter anderem:
- Komplikationen wie Dekubitus, Pneumonien, Thrombosen und Kontrakturen vorzubeugen
- Selbstständigkeit im Alltag zu fördern
- Schmerzen und Unwohlsein zu verringern
- Orientierung, Kreislauf und Atmung zu unterstützen
Die 5 Schritte der Mobilisation
Es gibt unterschiedliche Modelle, um die Mobilisation zu strukturieren. Für deinen Alltag in der Pflege hat sich ein stufenweises Vorgehen bewährt, welches vereinfacht als die 5 Schritte der Mobilisation beschrieben wird:
- Einschätzen
Du beurteilst zunächst den aktuellen Zustand: Kreislauf, Bewusstsein, Schmerzen, Beweglichkeit, Belastbarkeit und mögliche Risiken (zum Beispiel Sturzgefahr). Auch Ressourcen sind wichtig: Was kann die Person noch selbst?
- Planen
Auf Basis dieser Einschätzung legst du fest, was heute realistisch ist: nur ein Lagewechsel, Aufsetzen an der Bettkante, Sitzen im Stuhl oder ein kurzer Gang mit Hilfe.
- Vorbereiten
Du erklärst der Person die einzelnen Schritte, richtest Bett oder Stuhl, prüfst Hilfsmittel (zum Beispiel Rutschbrett, Gleitmatte, Gehhilfe) und sorgst für Sicherheit, wie etwa durch rutschfestes Schuhwerk.
- Durchführen
Die Mobilisation erfolgt idealerweise ressourcenorientiert. Die Person macht so viel wie möglich selbst, du unterstützt, sicherst ab und hilfst nur dort, wo es nötig ist. Kommunikation und klare Anleitungen sind dabei entscheidend.
- Nachbereiten und beobachten
Nach der Mobilisation beobachtest du Kreislauf, Atmung, Wohlbefinden und Schmerzverhalten. Du dokumentierst, was gut funktioniert hat, und passt die nächsten Schritte entsprechend an.
Expertenstandard Mobilität in der Pflege
Der Expertenstandard „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“ wurde entwickelt, um pflegerisches Handeln in diesem Bereich zu strukturieren und die Qualität zu sichern. Er betont, dass Bewegungseinschränkungen eine der wichtigsten Ursachen für Pflegebedürftigkeit sind und Mobilitätserhalt daher eine zentrale pflegerische Aufgabe ist.
Der Expertenstandard beschreibt unter anderem:
- wie Mobilitätsrisiken und -ressourcen systematisch erfasst werden
- welche Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung der Mobilität empfohlen werden
- wie Angehörige und andere Berufsgruppen einbezogen werden können
- wie die Wirksamkeit der Maßnahmen überprüft wird
Auch wenn der Expertenstandard zur Mobilität aktuell nicht in allen Bereichen verbindlich vorgeschrieben ist, gilt er als fachliche Richtlinie und wird zur freiwilligen Umsetzung empfohlen. Für deine Praxis bedeutet das: Wer sich an den Standard anlehnt, arbeitet evidenzbasiert und orientiert sich an einem gemeinsamen Qualitätsniveau.
Hilfsmittel zur Mobilisation in der Pflege
Hilfsmittel zur Mobilisation in der Pflege sollen zwei Dinge gleichzeitig erreichen. Sie sollen Menschen mit eingeschränkter Mobilität unterstützen und gleichzeitig dich als Pflegekraft körperlich entlasten. Dabei reicht die Palette von einfachen, sogenannten „kleinen Hilfsmitteln“ bis hin zu technischen Lösungen.
Typische Hilfsmittel sind zum Beispiel:
- Gleitmatten und Gleitlaken, um Lagewechsel und Positionskorrekturen schonender zu gestalten
- Rutschbretter, die Transfers vom Bett in den Rollstuhl erleichtern
- Drehplatten, um das Umsetzen im Stehen zu erleichtern
- Mobilisations- oder Haltegürtel, die beim Aufstehen, Gehen und Umsetzen zusätzliche Sicherheit geben
- Aufstehhilfen und Patientenlifter, wenn eigenständige Mobilität nur noch eingeschränkt möglich ist
- Mobilitätshilfen wie Gehstöcke, Rollatoren und Rollstühle, um Wege selbstständiger bewältigen zu können
Mobilität und Gesundheit: Warum Bewegung das Immunsystem unterstützt
Mobilität spielt auch für das Immunsystem eine wichtige Rolle, weil Bewegung viele Körperfunktionen aktiviert, die für die Abwehr von Krankheiten gebraucht werden. Die Immobilisierung hat nicht nur Einfluss auf Muskeln und Gelenke, sondern auch auf Kreislauf, Atmung, Verdauung und das Immunsystem. Regelmäßige, angepasste Bewegung kann zum Beispiel die Durchblutung verbessern und damit dazu beitragen, dass Abwehrzellen im Körper besser verteilt werden. Gleichzeitig reduziert Bewegung das Risiko von Infektionen, wenn sie angemessen dosiert ist und nicht in Überlastung mündet.
Fieber ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Mechanismus des Immunsystems, denn es zeigt, dass der Körper aktiv gegen Krankheitserreger arbeitet. Studien weisen darauf hin, dass bestimmte Abwehrzellen bei erhöhter Körpertemperatur schneller und effektiver reagieren. Fieber ist also oft ein Zeichen für eine aktive Immunantwort – muss aber bei sehr hohen Werten oder gefährdeten Personen ärztlich kontrolliert werden.
Fazit: Mobilität als Schlüsselressource in der Pflege
Mobilität in der Pflege ist weit mehr als Aufstehen und Laufen. Sie ist ein zentraler Baustein für Autonomie, Lebensqualität und Gesundheit. Die Definition Mobilität in der Pflege macht deutlich, dass es um jede Form der Eigenbewegung geht, die Menschen dabei unterstützt, ihren Alltag aktiver zu gestalten.
Mit einem strukturierten Vorgehen wie den 5 Schritten der Mobilisation, der Orientierung am Expertenstandard Mobilität und dem gezielten Einsatz von Hilfsmitteln zur Mobilisation in der Pflege kannst du Bewegung sicher und ressourcenorientiert fördern. Ergänzend lohnt sich ein Blick auf allgemeine Gesundheitsthemen wie das Immunsystem, denn Bewegung, angemessene Aktivität und gute Pflege wirken sich auch auf die Abwehrkräfte aus.
Häufige Fragen zu Mobilität in der Pflege
Was ist Mobilität in der Pflege?
Mobilität in der Pflege beschreibt die Fähigkeit eines Menschen, sich selbstständig zu bewegen oder die Körperlage zu verändern. Dazu zählen zum Beispiel Aufstehen, Umlagern, Sitzen, Gehen und Transferbewegungen.
Was gehört alles zur Mobilität in der Pflege?
Zur Mobilität gehören alle Bewegungen, die im Alltag wichtig sind, etwa Lagewechsel im Bett, das Aufsetzen an der Bettkante, das Aufstehen vom Stuhl, das Gehen mit oder ohne Hilfsmittel und der Wechsel zwischen verschiedenen Positionen. Auch Gleichgewicht, Koordination und Belastbarkeit spielen dabei eine Rolle.
Welche Assessments gibt es für die Mobilität in der Pflege?
Für die Einschätzung der Mobilität nutzen Pflegekräfte verschiedene Assessments, zum Beispiel zur Sturzgefährdung, zur Selbstständigkeit, zur Beweglichkeit oder zur Mobilitätsentwicklung. Ebenso gibt es den Expertenstandart zur Mobilität in der Pflege. Welche Methode geeignet ist, hängt vom Pflegebereich und vom Zustand der Patient:innen ab.
Welche Ziele verfolgt der Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Mobilität?
Der Expertenstandard zielt darauf ab, Mobilität zu erhalten, einzuschränkende Faktoren früh zu erkennen und die Selbstständigkeit der Patient:innen zu fördern. Außerdem soll Pflege so gestaltet werden, dass Beweglichkeit unterstützt und Folgeprobleme durch Immobilität vermieden werden.
Was bedeutet Mobilität in der Pflege?
Mobilität bedeutet in der Pflege, dass eine Person ihren Körper aktiv durch gezielte Physiotherapie, Kinethotherapie oder angeleitet durch das Pflegepersonal bewegt und somit ihren Alltag möglichst selbstständig bewältigen kann. Je besser die Mobilität erhalten bleibt, desto eher können Pflegebedürftige am Leben teilnehmen und Unterstützung gezielt annehmen.
Wie kann Mobilität in der Pflege gefördert werden?
Mobilität in der Pflege lässt sich durch regelmäßige Aktivierung, passende Unterstützung und den gezielten Einsatz von Hilfsmitteln fördern. Wichtig ist, die vorhandenen Fähigkeiten der Patient:innen zu nutzen und Bewegungen so oft wie möglich in den Alltag einzubauen.
Was versteht man unter Mobilität in der Pflege?
Darunter versteht man die Fähigkeit, sich sicher und zweckmäßig zu bewegen. Das umfasst kleine Bewegungen genauso wie größere Fortbewegungen, zum Beispiel vom Bett in den Rollstuhl oder vom Zimmer in den Flur. Sie ist ein wichtiger Teil der Pflege, weil sie Selbständigkeit, Sicherheit, Lebensqualität und das Immunsystem beeinflusst.
Welche Risiken entstehen bei eingeschränkter Mobilität in der Pflege?
Wenn Mobilität eingeschränkt ist, steigt das Risiko für Folgeprobleme wie Druckstellen, Thrombosen, Muskelabbau, Kontrakturen und Kreislaufprobleme. Auch die Selbstständigkeit und die Lebensqualität können dadurch deutlich abnehmen.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellen
- Mobilisation in der Pflege; abgerufen am 15.06.2026 von: https://www.springerpflege.de/mobilisation/mobilisation/mobilisation-in-der-pflege/15286314
- Expertenstandards nach § 113a SGB XI; abgerufen am 15.06.2026 von: https://md-bund.de/themen/pflegequalitaet/expertenstandards-in-der-pflege.html
- Mobilität und Bewegungsfähigkeiten von Nutzern stationärer Pflegeeinrichtungen; abgerufen am 15.06.2026 von: https://dg-pflegewissenschaft.de/wp-content/uploads/2017/05/PG-2-2014.pdf
- Neurodermitis: Krankheitsbild; abgerufen am 15.06.2026 von: https://www.abbvie-care.de/erkrankung/neurodermitis/krankheitsbild/
- Immunity A Cell Press journal; Fever Promotes T Lymphocyte Trafficking via a Thermal Sensory Pathway Involving Heat Shock Protein 90 and α4 Integrins; abgerufen am 15.06.2026
von: https://www.cell.com/immunity/fulltext/S1074-7613(18)30495-3?_returnURL=https%3A%2F%2Flinkinghub.elsevier.com%2Fretrieve%2Fpii%2FS1074761318304953%3Fshowall%3Dtrue










