Expertenstandards Pflege: Welche gibt es, warum sind sie wichtig?
Veröffentlicht am 22.05.2026
Es gibt insgesamt 13 Expertenstandards in der Pflege. Bildquelle: Canva.com
Expertenstandards sind deine Kompassnadeln im Pflegealltag. Sie zeigen dir konkret, wie gute Pflege aussieht und helfen dir, Qualität sicherzustellen. In diesem Artikel erfährst du, was Expertenstandards sind, wie die 13 Expertenstandards heißen und warum sie für dich als Pflegekraft unverzichtbar sind.
Was sind Expertenstandards eigentlich – und warum brauchen wir sie?
Expertenstandards sind evidenzbasierte Leistungsstandards, die das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) entwickelt. Diese Expertenstandarts beschreiben für zentrale Pflegethemen Ziele, Strukturen, Prozesse und Ergebnisse. Dies erfolgt aufgrund der sogenannten SPE-Matrix (Struktur, Prozess und Ergebnis). Jeder Standard enthält somit:
Die Ziele der Expertenstandards sind dadurch klar definiert:
Qualitätssicherung durch bundeseinheitliche Standards
Theorie-Praxis-Transfer mit pflegewissenschaftlicher Evidenz
Vergleichbarkeit von Einrichtungen (Kliniken, Heime, ambulant)
Patient:innensicherheit durch Risikominimierung
Warum sind Expertenstandards für dich als Pflegekraft so wichtig?
Stell dir vor, du betreust Frau Müller mit Dekubitusgefahr. Frau Müller ist schon seit einigen Jahren nicht mehr selbstständig mobil. Du weißt, dass Lagerung und Hautpflege zählen, aber wie dokumentierst du es richtig? Welche Screening-Tools sind evidenzbasiert und geeignet?
Expertenstandards geben dir genau diese Antworten: klare Ziele, Prozesse, Maßnahmen und Kriterien und wie du diese umsetzt. Sie schützen dich bei Haftungsfragen, verbessern deine Patient:innenversorgung und machen deine Arbeit sichtbar. Anhand des Beispiels von Frau Müller geben dir die Expertenstandarts vor, wie du in diesem Fall Dekubitusprophylaxe, Lagerung und hygienische Pflege ausführen, dokumentieren und auch verbessern kannst.
Wichtig:
Expertenstandards sind kein „Papierkram", sondern dein Werkzeug für bessere Pflege. Sie helfen, Risiken früh zu erkennen, Dokumentation zu vereinfachen und Qualitätsmängel nachhaltig zu beheben – für dich und deine Patient:innen.
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Sind Expertenstandards Pflicht?
Ja sind sie. Nach dem Sozialgesetzbuch (§ 113a SGB XI) müssen Pflegeeinrichtungen sie umsetzen, sobald sie im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Sie gelten als allgemein anerkannter Stand der Pflegewissenschaft und sind bei MDK-Prüfungen, Qualitätsberichten und Rechtssachen maßgeblich. Aktuell gibt es 13 Expertenstandards, einige in regelmäßiger Aktualisierung.
Beispiel aus dem Pflegealltag:
Du betreust Herrn Schmidt (85) mit Sturzrisiko. Der Expertenstandard „Sturzprophylaxe" liefert dir den Morse-Fall-Screening, Maßnahmen (Geländer, Gehfreiübungen) und Evaluationskriterien. So handelst du nicht nur intuitiv, sondern evidenzbasiert – und bist gleichzeitig rechtlich abgesichert.
Wie heißen die 13 Expertenstandards in der Pflege?
Die Expertenstandards decken die größten Qualitätsrisiken ab. Hier findest du eine vollständige Liste mit Fokus und Kerninhalten:
Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz (2008/2024)
Personenzentrierung
VERA-Kommunikation, Gestaltung des Alltags
Unterstützt Deeskalation und reduziert Aggressionen
Förderung der Mundgesundheit (2009/2024)
Mundhygiene
R4-Screening, prophylaktische Maßnahmen
Senkt das Risiko für Pneumonien und Herz-Kreislauf-Komplikationen
Erhaltung und Förderung der Hautintegrität (2018/2025)
Hautschutz
Risikoscreening, Barrierecremes
Ergänzt die Dekubitusprophylaxe
Erhaltung und Förderung der Mobilität (2020/2025)
Beweglichkeit
Timed-Up-and-Go-Test (TUG), Übungsprogramme
Unterstützt Sturz- und Dekubitusprävention
Delirprävention (2025/2026 neu)
Akutdelir
CAM-Screening, Umweltmanagement
Derzeit in Entwicklung, Konsens voraussichtlich 2027
Multimedikation (in Arbeit)
Polypharmazie
PIM-Check, Deprescribing
Schützt insbesondere ältere Patient:innen
Wie du in der Tabelle gesehen hast, decken dir 13 Expertenstandards zentrale Pflegethemen wie Dekubitusprophylaxe, Schmerzmanagement, Sturzprävention und Demenzbetreuung ab und bieten dir evidenzbasierte Maßnahmen von Screening bis Evaluation. Besonders relevant sind Aktualisierungen wie Hautintegrität oder die neue Delirprävention, die Risiken bei älteren Patient:innen adressieren. Sie helfen dir, Qualität messbar zu machen und rechtlich abgesichert zu handeln.
Welche neuen Expertenstandards gibt es in der Pflege?
Auch bei den Expertenstandards bleibt die Pflege nicht stehen, denn neue wissenschaftliche Erkenntnisse führen regelmäßig dazu, dass bestehende Standards aktualisiert oder ganz neu entwickelt werden. Für dich ist das wichtig, weil sich dadurch nicht nur deine Dokumentation und Maßnahmen verändern können, sondern oft auch die Prioritäten im Pflegealltag.
Besonders aktuell sind die Überarbeitungen zu chronischen Wunden, Ernährungsmanagement, Hautintegrität und Mobilität. Außerdem arbeitet das DNQP an weiteren Themen wie Delir und Dekubitusprophylaxe. So bleibt die Pflege praxisnah, wissenschaftlich fundiert und an den tatsächlichen Bedarf der Patient:innen angepasst.
Expertenstandards: Risikofaktoren und wie du vorbeugst
Expertenstandards adressieren meist die größten Qualitätsfallen in der Pflege. Sie helfen dir, Risiken systematisch zu erkennen und zu minimieren, bevor sie zu Komplikationen werden. Als Pflegekraft bist du oft die Erste, die sie sieht: Ein unruhiger Patient mit Sturzangst oder eine immobile Person mit Hautrötung.
Hier greifen die Standards wie Sturzprophylaxe oder Dekubitus ein und geben dir evidenzbasierte Maßnahmen vor. Sie reduzieren nicht nur Komplikationen, sondern machen deine Arbeit auch dokumentierbar. Häufige Risikofaktoren sind Faktoren, die in deinem Alltag täglich vorkommen und bei Nichtbeachtung zu längeren Krankenhausaufenthalten oder Haftungsfragen führen können:
Audit: Monatlich 10 % der Patient:innen evaluieren.
Optimierung: Abweichungen besprechen, anpassen.
Herausforderungen lösen:
Zeitmangel: Priorisiere 3 Kernstandards pro Station
Widerstand: Starte mit Pilotpatient:innen, zeige Erfolge
Dokumentation: Nutze digitale Vorlagen (z. B. Care‑APP)
Rechtliche Aspekte: Was passiert bei Nichteinhaltung?
Rechtlich ist für die Pflege wichtig, dass Expertenstandards nicht nur Empfehlungen sind, sondern nach § 113a SGB XI zur Qualitätsentwicklung in der Pflege gehören. Sie sind für zugelassene Pflegeeinrichtungen verbindlich und werden deshalb auch bei Prüfungen und im Qualitätsmanagement relevant. Das Sozialgesetzbuch (§ 113a SGB XI) macht Expertenstandards verbindlich. Der MDK prüft hierbei oft:
Umsetzung: Besteht Screening? Sind Maßnahmen dokumentiert?
Strafen: Bis 50.000 € bei grober Fahrlässigkeit
Haftung: Pflegekräfte persönlich geschützt durch Standards
2025‑Update: Qualitätsberichte müssen Standards explizit adressieren. Digitale Dokumentation wird Standard.
Fazit: Expertenstandards – dein Schlüssel zu besserer Pflege
Expertenstandards sind mehr als Vorschriften. Sie sind dein Qualitätsboost für sichere, patient:innenorientierte Pflege. Mit den 13 Standards decken sie die größten Risiken von Dekubitus bis Delir-Prävention ab und sind nach dem Sozialgesetzbuch umsetzungspflichtig. Sie machen deine Kompetenz sichtbar, schützen dich vor Haftung und verbessern messbar deine Versorgungsqualität – für dich, dein Team und vor allem deine Patient:innen.
Häufige Fragen zu Expertenstandards
Wie heißen die 13 pflegerischen Expertenstandards?
Dekubitusprophylaxe, Entlassungsmanagement, Schmerzmanagement, Sturzprophylaxe, Kontinenzförderung, Chronische Wunden, Ernährungsmanagement, Beziehungsgestaltung Demenz, Mundgesundheit, Hautintegrität, Erhaltung der Mobilität, Delirprävention (neu), Multimedikation (in Arbeit). Alle findest du auch abrufbar auf DNQP.de. Jeder Standard folgt der SPE‑Matrix und ist für alle Settings (Klinik, Heim, ambulant) gedacht.
Was bedeutet DNQP Expertenstandards?
DNQP = Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege. Es ist ein bundesweites Expert:innennetzwerk, das Standards evidenzbasiert entwickelt. Seit 2001 aktiv, finanziert durch MDK‑Beiträge und Ministerien. DNQP‑Standards sind international anerkannt und werden regelmäßig (alle 5 Jahre) aktualisiert.
Welche Expertenstandards in der Pflege gibt es 2025?
13 Standards, neu/aktualisiert 2025/26: Delirprävention, Hautintegrität, Mobilität, Chronische Wunden. Ältere wie Dekubitusprophylaxe (2004/2023) wurden überarbeitet.
Sind Expertenstandards in der Pflege Pflicht?
Ja, seit 2008 sind die veröffentlichten Standards verbindlich. Der MDK prüft die Umsetzung, Nichteinhaltung kann Bußgelder (bis 50.000 €) oder Vertragsstrafen nach sich ziehen. Sie gelten als „Stand der Wissenschaft" und schützen Pflegekräfte rechtlich. Digitale Dokumentation wird 2026 Standard.
Wie viele Expertenstandards sind aktuell?
13 (Stand 2025/26), 2 in Arbeit (Multimedikation, weitere). Regelmäßige Aktualisierung alle 5 Jahre durch DNQP. Über 500 Einrichtungen auditieren jährlich und Qualitätsberichte sind MDK‑Pflicht. Kostenlose Schulungen zu dem Thema sind über die DNQP‑Plattform verfügbar.
Was sind die Ziele von Expertenstandards in der Pflege?
Die Ziele sind Qualitätssicherung, Patient:innensicherheit, Theorie‑Praxis‑Transfer. Sie standardisieren Prozesse (SPE‑Matrix), machen Pflege messbar und vergleichbar. Langfristig heißt das: Bessere Outcomes, weniger Komplikationen, höhere Patient:innenzufriedenheit. Rechtlich auf der anderen Seite für dich ein besserer Haftungsschutz.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellen
Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP). Expertenstandards und Auditinstrumente. Abgerufen am 02.05.2026 von: https://www.dnqp.de/expertenstandards-und-auditinstrumente/
Medizinischer Dienst Bund. Expertenstandards nach § 113a SGB XI. Abgerufen am 02.05.2026 von: https://md-bund.de/themen/pflegequalitaet/expertenstandards-in-der-pflege.html
DMRZ. Aktuelle Pflegestandards: Die wichtigsten Expertenstandards. Abgerufen am 02.05.2026 von: https://www.dmrz.de/wissen/ratgeber/aktuelle-pflegestandards