Was sind Chronische Wunden?

Veröffentlicht am 19.02.2026

Pflaster vor einem blauen Hintergrund.

Chronische Wunden zeigen trotz Therapie über eine lange Zeit keine Heilungstendenz. Quelle: Canva.de

Chronische Wunden sind eine große medizinische und pflegerische Herausforderung. Betroffen sind vor allem ältere Menschen, Patient:innen mit chronischen Erkrankungen sowie Personen mit eingeschränkter Durchblutung oder Mobilität. Im Gegensatz zu akuten Wunden heilen chronische Wunden oft nur sehr langsam oder gar nicht ab, was die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigt. 

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Der vorliegende Artikel gibt einen Überblick über die Definition von chronischen Wunden, ihre Beispiele, ihre Unterschiede zu akuten Wunden und die geltenden Behandlungsprinzipien.  

Wie unterscheiden sich akute von chronischen Wunden?

Akute Wunden entstehen plötzlich, beispielsweise durch Schnitte, Operationen oder Verletzungen, und heilen bei ungestörtem Verlauf innerhalb weniger Wochen ab. Chronische Wunden hingegen zeigen trotz adäquater Behandlung über einen längeren Zeitraum keine Heilungstendenz. Während akute Wunden einem klaren Heilungsprozess folgen, ist dieser bei chronischen Wunden gestört. 

Oft liegen Grunderkrankungen wie Durchblutungsstörungen, Diabetes mellitus oder dauerhaft erhöhter Druck auf das Gewebe vor. Der Unterschied zwischen akuten und chronischen Wunden liegt somit nicht nur in der Dauer, sondern vor allem in der Pathophysiologie der Wundheilung. 

Anna Liebig

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Wie definiert der Expertenstandard chronische Wunden?

Der vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) herausgegebene Expertenstandard definiert chronische Wunden als Wunden, die innerhalb von acht Wochen keine Heilung zeigen oder bei denen aufgrund der Ursache keine spontane Heilung zu erwarten ist. 

Ziel des Expertenstandards ist es, eine evidenzbasierte, strukturierte und interprofessionelle Versorgung sicherzustellen. Dabei stehen eine umfassende Wundanamnese, die Ursachenbehandlung und eine individuell angepasste Wundtherapie im Vordergrund.

Welche Wunden werden als chronische Wunden klassifiziert?

Zu den chronischen Wunden zählen Wunden, deren Heilung durch lokale oder systemische Faktoren dauerhaft gestört ist. Typischerweise handelt es sich um Wunden, die immer wieder auftreten oder über Monate bestehen bleiben. Die Klassifikation erfolgt weniger nach dem Aussehen der Wunde als vielmehr nach ihrer Ursache und dem Heilungsverlauf.

Chronische Wunden – Beispiele aus der Praxis

Typische Beispiele für chronische Wunden sind:

  • das Ulcus cruris venosum (offenes Bein bei Venenschwäche)
  • das Ulcus cruris arteriosum (offenes Bein bei arterieller Durchblutungsstörung)
  • das diabetische Fußulkus und 
  • der Dekubitus (Druckgeschwür). 

Diese Beispiele zeigen, dass chronische Wunden häufig Ausdruck einer zugrunde liegenden Erkrankung sind. Ohne die Behandlung dieser Ursache ist eine nachhaltige Wundheilung kaum möglich. 

Wie heilen chronische Wunden?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, denn die Heilung chronischer Wunden hängt von vielen Faktoren ab. Im Zentrum steht dabei stets die konsequente Behandlung der zugrunde liegenden Ursache. Mögliche Maßnahmen sind eine Kompressionstherapie bei venösen Ulzera, eine Druckentlastung bei Dekubitus oder eine Optimierung der Stoffwechseleinstellung bei Diabetes mellitus. Ohne die Therapie der Grunderkrankung ist eine nachhaltige Wundheilung meist nicht möglich.

Ergänzend erfolgt eine phasengerechte lokale Wundversorgung, die sich am aktuellen Wundstadium orientiert. Das Ziel besteht darin, ein feuchtes, möglichst keimarmes Wundmilieu zu schaffen, abgestorbenes oder infiziertes Gewebe zu entfernen (Debridement) und die Neubildung von gesundem Gewebe zu fördern. Je nach Wundsituation kommen unterschiedliche moderne Wundauflagen zum Einsatz.

Gut zu wissen!
Chronische Wunden heilen in der Regel langsam, häufig über Wochen bis Monate. Sie erfordern daher Geduld, eine regelmäßige Beurteilung und eine kontinuierliche, interprofessionelle Betreuung.

Was dürfen pflegende Angehörige und Pflegefachkräfte bei der Versorgung von chronischen Wunden tun?

Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Versorgung chronischer Wunden. Je nach Qualifikation, rechtlichem Rahmen und individueller Situation der betroffenen Person unterscheiden sich ihre Aufgaben. Grundsätzlich stehen dabei Beobachtung, Unterstützung und fachgerechte Pflege im Vordergrund.

Bereich Pflegende Angehörige Pflegefachkräfte
Beobachtung der Wunde Veränderungen der Wunde (Größe, Farbe, Geruch, Schmerzen) wahrnehmen und dokumentieren Fachliche Wundbeurteilung, Einschätzung von Heilungsverlauf und Komplikationen
Wundversorgung Mit Anleitung einfache Verbandwechsel durchführen, Hygieneregeln einhalten Durchführung und Anpassung der phasengerechten Wundtherapie, Auswahl geeigneter Wundauflagen
Hygiene Sauberes Arbeiten, Händehygiene, saubere Materialien verwenden Sicherstellung aseptischer bzw. antiseptischer Arbeitsweise
Unterstützende Maßnahmen Hilfe bei Lagerung, Mobilisation, Druckentlastung, Kompression nach Anleitung Planung und Umsetzung von Druckentlastung, Kompressionstherapie und Mobilisationskonzepten
Schmerz- und Symptomwahrnehmung Schmerzen oder Veränderungen weitergeben Einschätzung von Schmerzen, Wundinfektionszeichen und Weiterleitung an Ärzt*innen
Beratung & Motivation Unterstützung bei der Therapietreue, z. B. Kompression tragen Schulung, Anleitung und Beratung von Betroffenen und Angehörigen
Grenzen erkennen Auffälligkeiten zeitnah melden, keine eigenständigen Therapieänderungen Interprofessionelle Zusammenarbeit, ärztliche Rücksprache bei Auffälligkeiten
Wichtig:
Pflegende Angehörige sollten keine eigenständigen Therapieentscheidungen treffen, sondern immer in enger Abstimmung mit Pflegefachkräften und Ärzt:innen handeln.

Welcher Arzt behandelt chronische Wunden?

Viele Betroffene fragen sich: „Welcher Arzt behandelt chronische Wunden?” In der Regel sind mehrere Fachrichtungen beteiligt. Hausärzt:innen übernehmen häufig die Koordination, während je nach Ursache Fachärzt:innen für Dermatologie, Gefäßchirurgie, Diabetologie oder Chirurgie hinzugezogen werden. Ergänzend spielen spezialisierte Pflegefachpersonen und Wundexpert:innen eine zentrale Rolle in der langfristigen Versorgung.

Welches Wundgel ist für chronische Wunden geeignet?

Die Auswahl des richtigen Wundprodukts ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Wer sich diese Frage stellt, sollte wissen, dass es keine Universallösung gibt. Häufig kommen Hydrogele zum Einsatz, da sie ein feuchtes Wundmilieu schaffen und die autolytische Wundreinigung unterstützen. Die Auswahl des Produkts richtet sich nach dem Wundzustand, der Exsudationsmenge (Menge an Wundflüssigkeit) und den Infektionszeichen. Sie sollte immer fachlich begleitet werden.

Hausmittel und kritische Fragen zur Wundbehandlung

Immer wieder tauchen Fragen zu Hausmitteln oder frei verkäuflichen Produkten auf. Viele Menschen fragen beispielsweise: „Kann man kolloidales Silber auf offene Wunden sprühen?” oder „Kann man Desinfektionsspray auf offene Wunden sprühen?” Auch die Frage „Kann man Aloe Vera auf offene Wunden geben?” wird häufig gestellt.

Aus medizinischer Sicht ist hier Vorsicht geboten. Kolloidales Silber wird aufgrund fehlender Wirksamkeitsnachweise und möglicher Nebenwirkungen nicht empfohlen. Desinfektionssprays können das neu gebildete Gewebe bei chronischen Wunden schädigen und sollten nur gezielt und zeitlich begrenzt eingesetzt werden. Aloe Vera kann bei oberflächlichen Hautirritationen lindernd wirken, ist jedoch für chronische, offene Wunden nicht ausreichend untersucht und ersetzt keine professionelle Wundtherapie.

Bedeutung des Expertenstandards chronische Wunden

Der Expertenstandard chronische Wunden hat das Ziel, die Versorgungsqualität zu verbessern und Komplikationen zu vermeiden. Er betont die Bedeutung einer regelmäßigen Wundbeurteilung, einer strukturierten Dokumentation und der Einbindung der Betroffenen in die Therapie. Durch die standardisierte Vorgehensweise sollen die Heilungschancen verbessert und Leid sowie Folgekosten reduziert werden.

Fazit

Chronische Wunden sind komplexe Krankheitsbilder, die eine interdisziplinäre und langfristige Betreuung erfordern. Entscheidend für eine erfolgreiche Therapie sind das Verständnis der Ursachen, eine leitliniengerechte Versorgung nach dem Expertenstandard „Chronische Wunden” und eine individuell angepasste Wundbehandlung. Mit einer strukturierten Herangehensweise lassen sich die Heilungschancen verbessern und die Lebensqualität der Betroffenen deutlich steigern.

Häufige Fragen zu chronischen Wunden 

Welche Wunden werden als chronische Wunden klassifiziert?

Als chronische Wunden gelten Wunden, die über einen längeren Zeitraum bestehen, ohne zu heilen, was häufig auf zugrunde liegende Erkrankungen zurückzuführen ist.

Welche Beispiele gibt es für chronische Wunden?

Typische Beispiele sind das Ulcus cruris, das diabetische Fußulkus und der Dekubitus.

Welcher Arzt behandelt chronische Wunden?

Je nach Ursache sind Hausärzt:innen, Dermatolog:innen, Gefäßchirurg:innen oder Diabetolog:innen beteiligt. Zudem ist eine gute Zusammenarbeit der behandelnden Ärzt:innen wichtig. 

Welches Wundgel ist für chronische Wunden geeignet?

Oft werden Hydrogele eingesetzt, die ein feuchtes Wundmilieu fördern. Die Auswahl sollte jedoch individuell erfolgen.

Darf man Desinfektionsspray oder kolloidales Silber auf offene Wunden sprühen?

Für chronische Wunden wird dies nicht empfohlen, da es die Wundheilung beeinträchtigen kann.

 Medizinische und rechtliche Hinweise:

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Quellen

  1. Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP): Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden. 2. Auflage 2025. Zuletzt abgerufen am 10.01.2025. https://www.dnqp.de/fileadmin/HSOS/Homepages/DNQP/Dateien/Expertenstandards/Chronische_Wunden/cWunden_2Akt_Auszug.pdf
  2. AWMF-Leitlinie: Lokaltherapie chronischer Wunden. S3-Leitlinie Lokaltherapie schwerheilender und/oder chronischer Wunden aufgrund von peripherer arterieller Verschlusskrankheit, Diabetes Mellitus oder chronischer venöser Insuffizienz. Zuletzt abgerufen am 10.01.2025. https://register.awmf.org/assets/guidelines/091-001l_S3_Lokaltherapie-schwerheilender-chronischer-Wunden_2023-11.pdf
  3. Amboss. Chronische Wunden und Wundbehandlung. Zuletzt abgerufen am 10.01.2025. https://next.amboss.com/de/article/f70kOh?q=chronische%20wunden
  4. Universitätsspital Zürich. Chronische Wunden. Zuletzt abgerufen am 10.01.2025. https://www.usz.ch/krankheit/chronische-wunden/
  5. Chirurgie für die Pflege. Grundlagenwissen und Pflege in der Chirurgie > Wundmanagement. Paetz B, Hrsg. 24., Auflage. Stuttgart: Thieme; 2021. 
  6. I care – PflegeExamen KOMPAKT. Pflegetechniken > Wundmanagement. Heiligmann S, Herbers T, Klimek L, Komander-Wergner G, Lauber A, Ludwig J, Schleyer D, Adelt H, Cecconi L et al., Hrsg. 2., überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2022.

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