Anatomie und Funktion des Verdauungstrakts
Veröffentlicht am 18.06.2025

Quelle: canva.com
Im Laufe unseres Lebens nehmen wir etwa 30 Tonnen Nahrung und rund 50.000 Liter Flüssigkeit zu uns. Diese Mengen sind notwendig, damit unser Körper alle lebenswichtigen Funktionen aufrechterhalten kann. Täglich gelangt die Nahrung durch den Mund in den Verdauungstrakt, passiert die Speiseröhre, erreicht den Magen und anschließend den Darm. Dabei durchläuft sie einen langen, aber essenziellen Weg im Körper. Nur durch das komplexe Zusammenspiel verschiedener Verdauungsorgane können Nährstoffe und Flüssigkeit aufgenommen und den Körperzellen zur Verfügung gestellt werden. Doch welche Verdauungsorgane gibt es eigentlich? Welche Funktionen erfüllen sie? Und wie werden die Nährstoffe aus der Nahrung aufgenommen?
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Aufteilung des Verdauungstrakts
| Einteilung | Abschnitte |
|---|---|
| Verdauungskanal | Mund, Rachen (Pharynx), Speiseröhre (Ösophagus), Magen (Gaster), Dünndarm & Dickdarm |
| Verdauungsdrüsen | Leber (Hepar), Bauchspeicheldrüse (Pankreas), Gallenblase & Speicheldrüsen |
Der menschliche Verdauungstrakt besteht aus verschiedenen Organen, die gemeinsam ein ausgeklügeltes System zur Nahrungsverdauung ergeben. Der Verdauungskanal reicht von der Mundhöhle bis zum Anus – vorstellbar als durchgehendes Rohr zwischen Eingang und Ausgang. Neben dem Verdauungskanal gibt es noch die Verdauungsdrüsen Leber (Hepar) mit der Gallenblase, Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und verschiedene Speicheldrüsen im Körper. Sie vervollständigen den Aufbau des Verdauungstrakts.
Anatomie des Verdauungstrakts

Verdauungskanal
- Mundhöhle: Die Mundhöhle besteht aus dem Mundvorhof – dem Bereich zwischen Lippen und Zähnen – sowie der eigentlichen Haupthöhle. Am Übergang zum Rachen (Pharynx) befindet sich die Schlundenge. Unter der Zunge liegen die Speicheldrüsen des Mundbodens, die eine wichtige Rolle bei der Vorverdauung spielen.
- Rachen (Pharynx): Der Rachen (Pharynx) schließt sich an die Mundhöhle an. Er ist ein etwa 12–15 cm langer, muskulärer Schlauch, der der Luft- und Speiseleitung dient. Am unteren Ende teilt er sich in die Luftröhre (Trachea) und die Speiseröhre (Ösophagus).
- Speiseröhre (Ösophagus): Die Speiseröhre verbindet den Rachen mit dem Magen (Gaster). Sie ist etwa 25–28 cm lang, verläuft durch den Brustraum und durchquert das Zwerchfell, bevor sie in den Magen mündet. Als muskulärer Schlauch transportiert sie die Nahrung durch wellenartige Bewegungen (Peristaltik).
- Magen (Gaster): Der Magen ist ein schlauch- bis sackförmiges Hohlorgan und liegt unterhalb des Zwerchfells im linken Oberbauch. Am Mageneingang mündet die Speiseröhre, am Ausgang schließt der Zwölffingerdarm (Duodenum) an. Dort befindet sich der sogenannte Pförtner (Pylorus), ein ringförmiger Schließmuskel. Die Magenschleimhaut bildet Falten, die eine flexible Ausdehnung ermöglichen. Das Fassungsvermögen beträgt beim Erwachsenen etwa 1,5 Liter.
- Dünndarm: Der Dünndarm ist 5–6 Meter lang und unterteilt sich in drei Abschnitte: Zwölffingerdarm (Duodenum), Leerdarm (Jejunum) und Krummdarm (Ileum). Er liegt in Schlingen in der Bauchhöhle. Durch starke Faltungen wird seine innere Oberfläche auf etwa 100 m² vergrößert – entscheidend für die Nährstoffaufnahme.
- Dickdarm: Der Dickdarm bildet den letzten Abschnitt des Verdauungstrakts und ist etwa 1,5 Meter lang. Er beginnt mit dem Blinddarm (Caecum), in den der Dünndarm mündet. An ihm befindet sich der Wurmfortsatz (Appendix), dessen Entzündung fälschlich, als „Blinddarmentzündung“ bezeichnet wird. Es folgt der Grimmdarm (Colon), der rahmenförmig durch den Bauchraum verläuft. Der Dickdarm endet im Mastdarm (Rektum), der etwa 12–15 cm lang ist und in den After (Anus) mündet.
Verdauungsdrüsen
- Leber (Hepar): Die Leber ist die größte Verdauungsdrüse des Menschen und wiegt beim Erwachsenen zwischen 1.400 und 1.800 Gramm. Sie befindet sich im rechten Oberbauch und gliedert sich in den rechten und linken Leberlappen sowie den Quadratlappen und Caudatlappen. An ihrer Oberseite ist die Leber mit dem Zwerchfell verbunden, während sich auf der Rückseite die Gallenblase befindet, die über die Lebergallengänge mit der Leber verbunden ist.
- Gallenblase: Die Gallenblase liegt an der Unterseite der Leber und ist birnenförmig. Sie misst etwa 8 cm in der Länge und 4–5 cm in der Breite und kann 30 bis 80 ml Gallenflüssigkeit speichern. Die in der Leber produzierte Galle wird über die Lebergallengänge in die Gallenblase geleitet und fließt von dort über den Hauptgallengang in den Zwölffingerdarm.
- Bauchspeicheldrüse (Pankreas): Die Bauchspeicheldrüse ist ein keilförmiges Organ, das quer im Oberbauch liegt. Sie ist 14 bis 18 cm lang, wiegt zwischen 40 und 120 Gramm und befindet sich zwischen Magen und großen Blutgefäßen. Als Verdauungsdrüse produziert sie Verdauungsenzyme und gibt ihre Sekrete über den Hauptgallengang in den Zwölffingerdarm ab.
- Speicheldrüsen: Im Verdauungstrakt finden sich sowohl große als auch kleine Speicheldrüsen. Kleine Speicheldrüsen liegen hauptsächlich in der Mundschleimhaut, während die großen Speicheldrüsen eigenständige Organe sind, wie zum Beispiel die Ohrspeicheldrüse (Parotis) im Schädel.
Funktionen des Verdauungstrakts
Verdauungskanal
| Einteilung | Abschnitte | Funktionen |
|---|---|---|
| Verdauungskanal | Mund | Nahrungszerkleinerung & Kohlenhydratspaltung (Amylase) |
| Speiseröhre (Ösophagus) | Transport des Speisebreis | |
| Magen (Gaster) | Speicher, Nahrungszerkleinerung & Eiweißspaltung | |
| Zwölffingerdarm (Duodenum) | Einmündung Gallen-/Lebergang, Fett-, Kohlenhydrat- & Eiweißspaltung | |
| Dünndarm | Aufnahme von Nährstoffen & Flüssigkeit | |
| Dickdarm | Aufnahme von Flüssigkeit |
Verdauungsdrüsen
| Einteilung | Abschnitte | Funktionen |
|---|---|---|
| Verdauungsdrüsen | Leber (Hepar) | Glykogenspeicher, Gallenproduktion, Stoffwechselprozesse, Abbau & Entgiftung |
| Gallenblase | Speicherung & Eindickung der Galle | |
| Bauchspeicheldrüse (Pankreas) | Produktion von Verdauungsenzymen & Hormonen | |
| Speicheldrüsen | Speichelbildung & Unterstützung beim Nahrungstransport |
Im Mund wird die Nahrung durch die Zähne mechanisch zerkleinert, während im Speichel bereits die Kohlenhydrate aufgespalten werden. Anschließend wird der Nahrungsbrei über die Speiseröhre (Ösophagus) in den Magen (Gaster) transportiert. Der Magen dient zum einen als Speicher für die Nahrung, zum anderen zerkleinert er sie weiter mechanisch und chemisch durch Magensäure und spaltet dabei insbesondere Eiweiße. Im Zwölffingerdarm wird mithilfe der Galle, die über den Hauptgallengang einfließt, das Fett in der Nahrung aufgespalten. Gleichzeitig werden hier Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) freigesetzt, die die Spaltung von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen fortsetzen. Im Dünndarm erfolgt die Aufnahme der aufgespaltenen Nährstoffe und anderer Bestandteile der Nahrung. Schließlich nimmt der Dickdarm die restliche Flüssigkeit aus dem Nahrungsbrei auf und dickt den Darminhalt ein. Der verbleibende Rest wird über den Mastdarm (Rektum) zum After transportiert und ausgeschieden.
Wandaufbau im Darm
Besonders spannend ist der Aufbau der Wände im Darm. Denn die Darmschleimhaut besitzt kleinste, finger- bis blattförmige Ausstülpungen – die Darmzotten. Jede von ihnen ist mit feinen Blutgefäßen ausgestattet und ist damit für die Nährstoffaufnahme zuständig. Durch diese Zotten entsteht im gesamten Darm, eine Oberfläche von 400 bis 500 Quadratmetern – so groß wie die Hälfte einer Turnhalle.

Anna Liebig
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Erkrankungen des Verdauungstrakts
Gastritis
Die Gastritis ist eine Entzündung der Magenschleimhaut und kann durch Alkoholkonsum, Rauchen oder Medikamente entstehen. Sie äußert sich durch Oberbauchschmerzen, Völlegefühl oder Erbrechen. Achtung bei Einnahme von Ibuprofen – vorher eine Kleinigkeit essen, sonst kann die Magenschleimhaut angegriffen werden.
Morbus Crohn
Der Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, deren Ursachen noch weitestgehend unbekannt sind. Risikofaktoren können eine genetische Veranlagung oder Umweltfaktoren sein. Er äußert sich durch Bauchschmerzen, Gewichtsverlust und Durchfälle.
GI-Blutung
Die gastrointestinale Blutung ist eine Blutung im Verdauungstrakt und wird meistens durch Vorerkrankungen der Organe ausgelöst, z. B. Morbus Crohn oder Magengeschwüre. Wenn die Blutung im oberen Teil ist, kann es zu kaffeesatzartigem Bluterbrechen oder Teerstuhl kommen.
Häufige Fragen zum Verdauungstrakt
Wie merkt man, dass der Darm gesund bzw. krank ist?
Ein gesunder Darm zeigt sich durch eine regelmäßige, beschwerdefreie Verdauung, normalen Stuhlgang und ein allgemeines Wohlbefinden. Warnzeichen für einen kranken Darm können Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen oder Blut im Stuhl sein. Auch anhaltende Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen können mit einer gestörten Darmfunktion zusammenhängen.
Wodurch können Darmerkrankungen entstehen?
Darmerkrankungen können viele Ursachen haben. Häufig spielen ungesunde Ernährung, Stress, Bewegungsmangel oder Medikamente wie Antibiotika eine Rolle. Auch Infektionen, genetische Veranlagung und Autoimmunreaktionen können den Darm schädigen und zu chronischen Erkrankungen wie Morbus Crohn führen.
Welche Vorsorgeuntersuchungen werden empfohlen?
Zur Darmkrebsvorsorge wird ab dem 50. Lebensjahr eine regelmäßige Darmspiegelung empfohlen. Zusätzlich können Stuhltests auf verborgenes Blut frühzeitig auf Veränderungen hinweisen. Bei unklaren oder anhaltenden Beschwerden sollte ärztlich abgeklärt werden, ob weitere Untersuchungen notwendig sind, etwa zur Erkennung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.
Fazit - Das eingespielte Kraftwerk unseres Körpers
Der Verdauungstrakt spielt eine zentrale Rolle für unsere Gesundheit, da er nicht nur für die Nährstoffaufnahme verantwortlich ist, sondern auch eng mit dem Immunsystem und dem allgemeinen Wohlbefinden verbunden ist. Ein gesunder Darm zeigt sich durch eine stabile Verdauung und wenige Beschwerden, während Störungen oft frühzeitig durch Symptome wie Blähungen, Schmerzen oder Veränderungen des Stuhlgangs erkennbar sind. Um Erkrankungen vorzubeugen, sind eine ausgewogene Ernährung, Bewegung und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen besonders wichtig.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellenverzeichnis:
- Schwegler, J. S., Lucius, R. (2021). Der Mensch – Anatomie und Physiologie (7. Aufl.). Stuttgart: Thieme.
- Schünke, M., Schulte, E., Schumacher, U., Voll, M., Wesker, K. H. (2022). Prometheus LernAtlas – Innere Organe (6. Aufl.). Stuttgart: Thieme.
- Steffers, G., Credner, S. (2020). Allgemeine Krankheitslehre und Innere Medizin für Physiotherapeuten (4. Aufl.). Stuttgart: Thieme.











