Effektiv durch den Arbeitstag: Wie Mikropausen den Schichtdienst erleichtern
Veröffentlicht am 21.07.2025

Schon kurze Pausen können nachweislich das Energielevel erhöhen und sich positiv auf das Wohlbefinden auswirken. Quelle: Canva.de

Anna Liebig
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Pausen sind gesetzlich vorgeschrieben, daran rüttelt auch ein stressiger Pflegetag nichts. Zumindest eigentlich, denn eine Arbeitszeitbefragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zeigt: Ungefähr 50 Prozent der Kranken- und Altenpflegekräften ist ein Wegfall von Pausen nicht fremd. Zeitdruck, Aufgaben in der Dokumentation und „Zwischendurchfragen“ von Pflegebedürftigen sowie Angehörigen lassen die Pause manchmal in weite Ferne rücken. Mikropausen sollen die vorgeschriebene Pausenkultur nicht ersetzen, aber sinnvoll erweitern. Wir erklären dir, wie du die Mikroauszeit für deinen Schichtdienst nutzt.
Auf den Punkt gebracht:
- Mit Mikropausen gönnen sich Pflegende eine kleine Auszeit vom Geschehen – je nach Definition dauert sie zwischen einigen Sekunden und wenigen Minuten.
- Mikropausen erhöhen nachweislich den Energielevel und wirken positiv auf das Müdigkeitsempfinden ein – es gibt aber noch nicht viele Studien dazu.
- Pflegende können ihre Mikropausen nach Lust und Laune füllen, am besten variieren sie die Inhalte zur körperlichen und mentalen Entlastung.
- Mikropausen sollten immer bewusst eingelegt werden.
Was sind Mikropausen in der Pflege?
Mikropausen sind nichts anderes als sehr kurz gehaltene Auszeiten während der Arbeitszeit. Sie sind keinesfalls auf den Pflegesektor begrenzt, bieten sich dort aber besonders an. Schließlich gibt es hier viele äußere Einflüsse, die auf Pflegepersonen einwirken: Schnell hintereinander getaktete Aufgaben, emotionale Herausforderungen und körperliche Belastungen – um einer Erschöpfung vorzubeugen, reichen die Standardpausen oft nicht aus. Das liegt auch daran, dass sie zu sperrig sind, der Pflegealltag aber höchste Flexibilität fordert.
Mikropausen sind, wie die Bezeichnung bereits nahelegt, kürzer als gewöhnlich. Noch gibt es aber keine allgemeingültige Definition für sie. Während die Literatur an einigen Stellen von Sekunden bis zu zehn Minuten spricht, nennt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) konkrete Zahlen. Demnach betragen Langpausen mehr als 15 Minuten, Kurzpausen sind im Normalfall zwischen 5 und 15 Minuten lang und Minipausen dauern zwischen einer und fünf Minuten. Mikropausen, auch Minimalpausen genannt, fallen deutlich kürzer aus: Sie dauern unter einer Minute. Was für dich eine Mikropause ist, kannst du selbstverständlich selbst festlegen.
Diese Vorteile haben Mikropausen im Schichtdienst
Mikropausen in den Schichtdienst einzupflegen, hat viele Vorteile – einige Pflegepersonen merken damit im Handumdrehen eine spürbare Entlastung. Voraussetzung ist natürlich, dass du dich auf die Mikroauszeit einlässt und sie sinnvoll nutzt, dazu später mehr.
Vorteile von Mikropausen im Schichtdienst:
- Geringer Zeitaufwand und leicht einzubauen
Normalerweise müssen Pflegende in ihrer Pause nicht erreichbar sein, faktisch sind sie es aber trotzdem oft. Hand aufs Herz: Wenn es auf der Station wieder einmal zu Personalmangel kommt oder die Schichten sehr stressig ausfallen, sind störungsfreie 30- oder 45-Minuten-Pausen doch kaum möglich, oder? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass jemand den Kopf zum Aufenthaltsraum hereinstreckt oder dich die Patientenklingel aufgescheucht. Mikropausen dauern oft nur eine oder zwei Minuten und können zwischendurch eingelegt werden. Sie bieten sich beispielsweise zwischen zwei Aufgaben an, etwa nach einem Patiententransport. Der große Vorteil: Sie stören den Arbeitsablauf kaum, bieten dir aber kurze Regenerationsphasen.
- Schaffen mentale und körperliche Entlastung
Im Schichtdienst bist du im hohen Maße kognitiv und emotional gefordert. Du musst oft blitzschnell reagieren, viele Informationen unterschiedlicher Interessenten verarbeiten, dabei aber stets empathisch bleiben. Das ist anstrengend. Mit Mikropausen drückst du gedanklich auf den Pausenknopf und kannst einen Moment lang durchatmen – vielleicht gelingt es dir dabei sogar, den Kopf freizubekommen. Einige Pflegepersonen nutzen Mikropausen im Schichtdienst gezielt, um Stress zu reduzieren und ihre Konzentration wiederherzustellen. Auch dein Körper ist im Schichtdienst permanent im Einsatz, doch leider oft einseitig. Wahrscheinlich stehst du viel, hebst schwer und bückst dich oft. Das ist meist unvermeidbar. Während deiner Mikropausen hast du die Gelegenheit, einzelne Muskelgruppen bewusst zu entlasten, beispielsweise mit Schulterkreisen oder Dehnübungen.
- Fördern das Teamklima
Du entscheidest, wie du deine Mikropausen verbringst. Vielleicht möchtest du Kraft durch soziale Mikroauszeiten schöpfen. Die Sekunden bis wenigen Minuten kannst du für den Austausch mit Mitarbeitenden nutzen, keinesfalls für berufliche Themen, sondern für ein Lächeln oder eine kurze Anekdote vom Wochenende. Diese Art von Mikropausen fördern den Teamgeist, das Vertrauen untereinander und stärken damit die Resilienz, also die psychische Widerstandskraft, im Pflegealltag.
Was sagen Studien zu Mikropausen, sind sie wirklich hilfreich?
Noch ist die Anzahl der Studien zum Thema Mikropausen recht begrenzt. Sie liefern aber wertvolle Hinweise zur Wirksamkeit der Mikroauszeiten. Eine Metaanalyse wertete insgesamt 19 Studien zum Thema Mikropausen in der Arbeitswelt aus. Ergebnis: Sie erhöhten zwar die allgemeine Leistungsfähigkeit nicht in statistisch relevanter Höhe, dafür aber den Energielevel. Außerdem reduzierten Mikropausen die Müdigkeit. In einer weiteren Studie zeigte sich ebenfalls kein relevanter Effekt auf das Leistungsvermögen. Mikropausen hatten jedoch einen geringen Nutzen in Bezug auf das Müdigkeitsempfinden und die Vitalität. Ob sich die Ergebnisse grundsätzlich auf Pflegekräfte übertragen lassen, bleibt fraglich. Allerdings geben sie Grund zu der Annahme, dass Mikropausen tatsächlich sinnvoll sind, schaden tun sie bestimmt nicht.
Was macht man als Pflegeperson während Mikropausen?
Vielleicht bist du anfangs etwas skeptisch: Was soll man während ein paar Sekunden tun, um sich bewusst zu erholen und um die Ressourcen zu schonen? Tatsächlich gibt es vieles, was für die Mikropausen infrage kommt.
Hier ein paar Inspirationen:
- Atme bewusst: Begib dich in eine ruhige Umgebung, schließ die Augen und nimm drei bis fünf tiefe Atemzüge. Klingt einfach, führt bei vielen Menschen aber zu einem sofortigen Gefühl von Entspannung.
- Entlaste dich gezielt: Nutze den Moment, um dich zu strecken, die Schultern kreisen zu lassen oder achtsam zu gehen – spüre dabei, wie du mit jedem Schritt sanft den Boden berührst. Mit der Bewegungspause entlastest du gezielt deinen Rücken und förderst die Durchblutung.
- „Entfliehe“ dem Raum: Um das Nervensystem zu beruhigen und deine Augen zu entlasten, kannst du dich in der Mikropause bewusst vom Bildschirm oder dem Stationsstress distanzieren. Stelle dich dafür ans geöffnete Fenster und blicke ins Grüne.
- Erlebe mit allen Sinnen: Bei Achtsamkeitsübungen verfolgst du das Ziel, im „Hier und Jetzt“ anzukommen, um dich zu erden und zu dir selbst zurückzuführen. Setz dich auf einen Stuhl und nimm die Umgebung wahr: Was hörst du, was riechst du und was spürst du? Konzentriere dich auf diese Empfindungen und auf das „Sein“.
- Esse oder trinke: Mikropausen sind nicht nur für innovative Konzepte da, sondern auch für kleine Erfrischungen oder Energieschübe. Du kannst währenddessen beispielsweise einen Schluck Wasser nehmen oder etwas snacken – wichtig ist, dass du das bewusst machst und nicht nebenbei.
- Stell auf „Stumm“: Eine Minute nur für dich – das klappt mit Ohrstöpseln oder einem reizfreien Raum. Genieß die Stille und versuche sie nicht, mit Gedanken zu füllen. So kannst du dich von dem Dauerreizpegel auf der Station erholen.
So kann dein Schichtdienst mit Mikropausen aussehen
Zugegeben, es braucht etwas Zeit, bis Mikropausen zur festen Routine werden. Es gibt ein paar Tipps, die dir dabei helfen können. Pflege die Mikropausen am besten zwischen zwei Aufgaben, also im Übergang oder während kurzer Wartezeiten ein. Wechsle die Inhalte der Auszeiten regelmäßig, um Körper und Kopf unterschiedlich zu entlasten. Entscheide dich aber nur für Maßnahmen, auf die du dich wirklich einlassen kannst, sonst sind die wertvollen Sekunden vertan. Am besten sprichst du mit deinem Team ab, wie ihr euch Mikropausen gegenseitig ermöglicht. Folgende Tabellen geben dir einen Überblick, wie ein Tag mit Mikropausen aussehen kann.
Beispiel für einen Frühdienst mit Mikropausen (06:00–14:00 Uhr)
| Uhrzeit | Geplante Mikropause | Inhalt der Mikropause |
|---|---|---|
| 07:30 Uhr | ca. 1 Minute | Schultern kreisen und 3–5 bewusste Atemzüge im Stehen |
| 08:30 Uhr | ca. 2 Minuten | Blick aus dem Fenster und Schluck Wasser |
| 09:30 Uhr | ca. 1 Minute | Hände ausschütteln und bewusstes, ruhiges Atmen |
| 10:15 Uhr | reguläre Pause | Hinsetzen, etwas essen oder trinken, kurz abschalten |
| 11:30 Uhr | ca. 1 Minute | Achtsam gehen und kurze stille Minute |
| 12:30 Uhr | ca. 2 Minuten | Fensterblick und kurzer positiver Austausch mit Mitarbeitenden |
| 13:00 Uhr | ca. 2 Minuten | Rückzugsort aufsuchen, Wasser trinken, tief durchatmen |
Beispiel für einen Spätdienst mit Mikropausen (14:00–22:00 Uhr)
| Uhrzeit | Geplante Mikropause | Inhalt der Mikropause |
|---|---|---|
| 14:30 Uhr | ca. 1 Minute | Schultern lockern, Nacken rollen, tief durchatmen |
| 15:30 Uhr | ca. 1–2 Minuten | Aus dem Fenster schauen und bewusster Schluck Wasser |
| 16:15 Uhr | reguläre Pause | Kurz abschalten, etwas essen, Handy beiseitelegen |
| 17:30 Uhr | ca. 2 Minuten | Langsam durch den Flur gehen und Geräusche bewusst wahrnehmen |
| 18:30 Uhr | ca. 1 Minute | Stehen bleiben, Körperhaltung spüren, ruhig atmen |
| 20:00 Uhr | ca. 2 Minuten | Kleiner positiver Austausch mit Mitarbeitenden und Dehnen |
| 21:00 Uhr | ca. 1 Minute | Fensterblick, mental runterkommen |
Beispiel für einen Nachtdienst mit Mikropausen (22:00–06:00 Uhr)
| Uhrzeit | Geplante Mikropause | Inhalt der Mikropause |
|---|---|---|
| 22:30 Uhr | ca. 1 Minute | Ruhiger Stand, tiefe Atemzüge, innerlich ankommen |
| 00:00 Uhr | ca. 2 Minuten | Stille Minute im reizfreien Raum |
| 01:00 Uhr | reguläre Pause | Essen oder trinken, Füße hochlegen, abschalten |
| 02:30 Uhr | ca. 1 Minute | Schultern lockern, Augen vom Licht abwenden |
| 03:30 Uhr | ca. 2 Minuten | Leise Bewegung, etwa langsames Gehen und achtsames Atmen |
| 05:00 Uhr | ca. 1 Minute | Fensterblick oder kurze Lichtpause zur Reaktivierung |
Die wichtigsten Fragen zu Mikropausen im Pflegealltag
Was versteht man unter Mikropausen?
Mikropausen sind sehr kurze, bewusste Unterbrechungen im Arbeitsablauf, sie dauern je nach Definition einige Sekunden bis wenige Minuten. Sie dienen dazu, Körper und Geist kurz zu entlasten, ohne den Arbeitsfluss zu stören. Sie ergänzen, aber ersetzen nicht die reguläre Pause.
Wie kann ich Mikropausen in den stressigen Pflegealltag einbauen?
Mikropausen lassen sich gut in Übergängen nutzen, etwa nach dem Händedesinfizieren, beim Warten auf Mitarbeitende oder beim Gang über den Klinikflur. Wichtig ist nicht die Länge der Mikroauszeiten, sondern eine bewusste Haltung, sie sollten nicht nebenbei „laufen“.
Warum sind Mikropausen gerade in der Pflege so wichtig?
Der Pflegeberuf ist körperlich und emotional anspruchsvoll. Mikropausen helfen, Überlastung vorzubeugen, Konzentration zu bewahren und Stress abzubauen. Studien zeigen einen positiven Effekt auf das Müdigkeits- und Energiegefühl.
Quellen
- Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). (o. D.). Damit die Ruhepausen der Pflegenden nicht wieder ausfallen. Abgerufen am 8. Juli 2025, von https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Berichte/F2353-3b.pdf
- Wendsche, J., & Lohmann-Haislah, A. (2017). "Give me a break!" A systematic review and meta-analysis on the efficacy of micro-breaks for increasing well-being and performance.











