Gesund arbeiten als Pflegefachkraft: So schützt du dich vor Rückenproblemen
Veröffentlicht am 20.06.2025

Quelle: Canva.de
Heben, Tragen, Bücken, Ziehen, Schieben und Verdrehen – es gibt kaum eine Bewegung, die eine Pflegefachkraft nicht ausführt. Die sich immer wiederholenden Bewegungsabläufe, teils unter großer Belastung, können zu massiven Problemen führen: Rückenschmerzen sind oft die Folge. „Was soll ich tun, das ist halt der Job“, meinen viele Pflegende. Tatsächlich kannst du aber vieles unternehmen, um deinen Rücken zu entlasten – wir geben dir Tipps.
Auf den Punkt gebracht
- Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem unter Pflegefachkräften – sie äußern sich durch ein Ziehen, Reißen oder einen Druck.
- Eine mechanische Überlastung, eine unausgewogene Ansprache der Muskeln und psychischer Stress begünstigen Rückenschmerzen.
- Um Rückenprobleme im Pflegealltag zu vermeiden, sind die richtige Haltung, die Nutzung von Hilfsmitteln und eine ergonomische Arbeitsweise sinnvoll.
- Privat können Pflegefachkräfte eine Rückenschule besuchen, ihre Rückenmuskulatur trainieren und für einen psychischen Ausgleich sorgen.
Warum schmerzt Pflegefachkräften der Rücken?
Plötzlich fährt es wie ein Blitz in den Rücken – sich gerade aufzurichten, ist kaum möglich. Genau so kannst du dich bei einem Hexenschuss (Lumbago) fühlen. Der akute Rückenschmerz in der Lendenwirbelsäule entsteht meistens durch bestimmte Bewegungen beim Drehen, Bücken oder Heben. In vielen Fällen kommen die Rückenprobleme aber nicht aus dem Nichts, sie sind das Ergebnis einer langwierigen Fehlbelastung und körperlichen Überforderung. Gerade eine Pflegefachkraft setzt sich tagtäglich vielen Risikofaktoren aus.
- Mechanische Überlastung: Als Pflegefachkraft hebst du oft schwer und arbeitest in starren Haltungen. Eine Untersuchung zeigte, dass sich Altenpflegekräfte durchschnittlich 1.541-mal pro Schicht bückten und etwa 112 Minuten in vorgeneigter Haltung arbeiteten. Bei Krankenpflegekräften waren es durchschnittlich 1.170-mal pro Schicht und ungefähr 63 Minuten. Durch die mechanischen Überlastungen kann die Muskulatur im Rücken und Nacken verkrampfen. Außerdem möglich: Fehlhaltungen der Wirbelsäule, überlastete Wirbelgelenke und zu stark geforderte Bandscheiben.
- Unausgewogene Muskelansprache: Pflegefachkräfte bewegen sich während der Schicht gefühlt pausenlos. Trotzdem kann das für einen starken Rücken nicht ausreichen. Sind die Bewegungsmuster nämlich immer gleich, hat die tiefer liegende Stützmuskulatur kaum etwas zu tun. Sie hält jedoch die Wirbelsäule aufrecht und stabil. Ist hier zu wenig Muskelkraft da, übernehmen andere Muskeln, vor allem im Schulter- und Nackenbereich. Das wiederum führt zu Überlastungen und Verspannungen.
- Psychosoziale Faktoren: Nicht immer sind einseitige Körperhaltungen, schwere Gewichte und unglückliche Drehbewegungen an den Rückenschmerzen schuld. Auch das psychische Erleben spielt eine Rolle. Stress, Zeitdruck und emotionale Belastung – das alles kann sich auch körperlich niederschlagen. Womöglich reagierst du mit Rückenproblemen auf den Dauerstress – dein Körper und deine Psyche tragen zu viel Last.
Eine Studie zeigt: Eine Pflegefachkraft hat ein höheres Risiko für Rückenprobleme als die Allgemeinbevölkerung. 50,8 % der weiblichen Pflegekräfte und 20 % der männlichen Pflegekräfte hatten irgendwann in ihrem Leben chronische Rückenschmerzen. Zeitdruck war hier weniger das Thema. Die Forschenden führten die Rückenschmerzen vor allem auf eine mangelnde Ausdauer der Rückenmuskulatur zurück.
Das belastet deinen Rücken
- Du hebst und trägst schwere Gewichte (Hilfsmittel, Körpergewicht von Patient:innen), besitzt aber eine unzureichende Rückenmuskulatur.
- Du verharrst lange in einer Körperhaltung und/oder belastest dich dabei einseitig, etwa bei der Körperwaschung im Bett.
- Du bewegst dich nicht ausreichend oder nicht abwechslungsreich genug – zum Beispiel, weil du im Sitzen viel Dokumentationsarbeit erledigst.
- Du bewegst dich ruckartig und mit viel Schwung (bei der Positionierung von Pflegebedürftigen vom Bett in den Rollstuhl usw.).
- Du verkrampfst innerlich und äußerlich durch einen hohen Arbeitsdruck oder eine Unzufriedenheit.
Die wichtigsten Tipps zur Vermeidung von Rückenproblemen
Dein Rücken leistet in vielen Pflegesituationen Schwerstarbeit – wo immer du kannst, reduziere die Belastung. Mit diesen Tipps unterstützt du dein Kreuz kurzfristig und langfristig.
Setze auf die richtige Haltung
Die richtige Körperposition beugt Fehlhaltungen, einseitigen Belastungen und einer zu starken Inanspruchnahme nicht zuständiger Muskeln vor. Dabei ist es zunächst wichtig, dass du bei allen pflegerischen Tätigkeiten den Rücken möglichst gerade hältst. Steht eine kurze, aber große Belastung bevor, musst du beispielsweise eine/n Patient:in umpositionieren, machst du Folgendes: Atme vor der Belastung ein und während der Kraftanstrengung aus. Das gilt aber nicht bei längeren Belastungen, hier atmest du ruhig und regelmäßig weiter. Die Füße stellst du schulterbreit und mit den Fußspitzen in Bewegungsrichtung auf. Achte darauf, nicht ruckartig zu arbeiten, sondern aus den Oberschenkeln heraus – dafür gehst du minimal in die Hocke. Schwere Lasten, wie einen Wasserkasten, positioniert du möglichst dicht am Körper. Und noch ein Tipp: Spanne die Muskulatur im Bauch und Rücken vor dem Heben von Gewichten an. Gehe alle wichtigen Schritte zur optimalen Körperhaltung vor der Belastung im Kopf durch – nach einiger Zeit nimmst du sie automatisch ein.

Anna Liebig
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Gestalte deinen Arbeitsplatz ergonomisch
In der Pflegeumgebung gibt es viel Potenzial für Ergonomie – nicht selten bleibt das ungenutzt. Stelle das Pflegebett bei Pflegetätigkeiten immer so ein, dass sich die obere Matratzenlinie kurz unterhalb deiner Leiste befindet. Damit ist das Arbeiten in vorgebeugter Haltung deutlich angenehmer. Lagere benötigte Hilfsmittel und Materialien stets griffbereit, um häufiges Bücken, Heben und Verdrehen zu vermeiden. Auch bei der Arbeit am Schreibtisch gilt: Nutze einen Stuhl mit guter Rückenstütze – eine sogenannte Lordosenstütze kannst du auch nachrüsten. Stelle außerdem die Bildschirmhöhe augenfreundlich ein und halte die Unterarme beim Tippen möglichst im 90-Grad-Winkel. Stehen lange Dokumentationsarbeiten an, lege zwischendurch immer mal wieder Bewegungspausen ein.
Nimm Hilfe in Anspruch
Geteilte Belastungen, sind halbe Belastungen – setzte bei schweren Tätigkeiten auf die Unterstützung von Kolleg:innen. Rückenprobleme lassen sich reduzieren, wenn Pflegende bestmöglich zusammenarbeiten. Nutze auch die Fähigkeiten der pflegebedürftigen Person – vielleicht kann sie bei der Mobilisation mithelfen? Kleine und große Hilfsmittel entlasten den Rücken nachhaltig. Dazu zählen etwa Gleitmatten, Personenlifter, Aufrichthilfen, Transfergurte oder Duschwangen – erkundige dich, welche Hilfsmittel dir zur Verfügung stehen.
Das kannst du sonst noch tun
- Bringe in Erfahrung, ob dein Arbeitgeber Schulungen zum Thema „Ergonomische Arbeitsweise“ oder „Einsatz von Hilfsmitteln in der Pflege“ anbietet.
- Besuche eine Rückenschule – mit dem Kursprogramm lernst du, deinen Rücken achtsam zu behandeln und Rückenschmerzen vorzubeugen.
- Trage Arbeitsschuhe mit einer gedämpften Sohle und einem bequemen Fußbett – das hilft dir, wenn du viele Stunden auf den Beinen bist.
- Bleibe auch privat in Bewegung, mit Ausdauer- und Kraftsport sprichst du viele Muskelgruppen an – informiere dich über Kurse zur gezielten Rückenstärkung.
- Sorge auch für den psychischen Ausgleich, etwa mit Meditationen, Achtsamkeitsübungen oder lieb gewonnenen Hobbys.
Die wichtigsten Fragen zu Rückenproblemen bei Pflegekräften
Warum leiden viele Pflegefachkräfte unter Rückenschmerzen?
Die Herausforderungen im Pflegealltag sind hoch. Meist belastet sich eine Pflegefachkraft mit schweren Gewichten, verbleibt lange in ungünstigen Körperhaltungen und ist Dauerstress ausgesetzt.
Was kann hinter Rückenproblemen stecken?
Häufig führt eine zu stark belastete Muskulatur zu Rückenschmerzen – sie verkrampft beispielsweise unter einer falschen Körperhaltung. Allerdings können auch ein Hexenschuss, ein Bandscheibenvorfall und andere akute oder chronische Ursachen Rückenschmerzen auslösen.
Womit kann man Rückenschmerzen im Pflegealltag vorbeugen?
Wichtig ist vor allem die richtige Haltung: Ein gerader Rücken und Fußspitzen, die in die Bewegungsrichtung zeigen. Mit einer angepassten Atmung, Hilfsmitteln und einem ergonomischen Arbeitsplatz lassen sich Rückenschmerzen ebenfalls vorbeugen.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellenverzeichnis:
1. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). (o. J.). Einflussfaktoren auf chronische Rückenschmerzen bei Pflegekräften in der Altenpflege in Rheinland-Pfalz. Deutschland: BAuA. https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Aufsaetze/artikel1446
2. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). (o. J.). Starker Rücken, starke Pflege – Arbeit & Gesundheit. Deutschland: DGUV. https://aug.dguv.de/arbeitssicherheit/sibe-tipps/pflege-starker-ruecken/
3. Caritas Deutschland. (o. J.). So pflegen Sie rückenschonend. Deutschland: Caritas. https://www.caritas.de/hilfeundberatung/ratgeber/alter/pflege/so-pflegen-sie-rueckenschonend
4. Unfallversicherung Bund und Bahn (UVB). (o. J.). Empfehlungen zur Prävention: Rückenbelastung in der Pflege. Deutschland: UVB. https://www.uv-bund-bahn.de/fileadmin/Dokumente/Mediathek/207-010.pdf
5. Gesundheitsdienstportal. (o. J.). Rückenbelastungen reduzieren – auch bei der Pflege schwerer Menschen. Deutschland: Gesundheitsdienstportal. https://www.gesundheitsdienstportal.de/files/R%C3%BCckenbelastungen-reduzieren-%E2%80%93-auch-b.pdf
6. Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG). (o. J.). Informationen für Beschäftigte in Pflege und Betreuung. Deutschland: SVLFG. https://cdn.svlfg.de/fiona8-blobs/public/svlfgonpremiseproduction/5a839e3552eb7266/2aaf70cabad6/03_infos_fuer_Beschaeftigte_in_Pflege_und_Betreuung.pdf
7. Gesundheit.gv.at. (o. J.). Hexenschuss – Ursachen und Symptome. Österreich: Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/koerper/schmerzen/hexenschuss.html#welche-ursachen-hat-ein-hexenschuss
8. Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). (o. J.). Häufiges Beugen – eine unterschätzte Belastung für Pflegekräfte. Deutschland: BGW. https://www.bgw-online.de/bgw-online-de/themen/gesund-im-betrieb/gesunder-ruecken/haeufiges-beugen-eine-unterschaetzte-belastung-fuer-22350











