Anatomie und Funktion der Schilddrüse
Veröffentlicht am 20.06.2025

Quelle: canva.com

Anna Liebig
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Als eines der kleinsten Organe im menschlichen Körper leistet die Schilddrüse täglich wichtige Aufgaben. Sie sitzt im Hals, fällt im Alltag kaum auf – und hat dennoch großen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Ob Stoffwechsel, Energiehaushalt oder Stimmung: Die Schilddrüse spielt in vielen Körperfunktionen eine zentrale Rolle. Störungen in ihrer Funktion bleiben oft lange unentdeckt, können aber spürbare Folgen haben. Doch wo sitzt die Schilddrüse überhaupt? Welche Rolle spielen die Nebenschilddrüsen? Und warum hat unsere Ernährung so großen Einfluss auf die Schilddrüse?
Anatomie der Schilddrüse
| Einteilung | Abschnitte |
|---|---|
| Schilddrüse (Glandula thyroidea) | rechter Schilddrüsenlappen (Lobus dexter) |
| linker Schilddrüsenlappen (Lobus sinister) | |
| Nebenschilddrüsen | obere (linke & rechte) Nebenschilddrüsen (Glandulae parathyreoideae superiores) |
| untere (linke & rechte) Nebenschilddrüsen (Glandulae parathyreoideae inferiores) |

Schilddrüse
Die Schilddrüse (Glandula thyroidea) liegt mittig im Hals, direkt unterhalb des Kehlkopfes, und umschließt hufeisenförmig die Luftröhre (Trachea). Sie hat eine charakteristische Schmetterlingsform und besteht aus zwei Seitenlappen – dem rechten Lappen (Lobus dexter) und dem linken Lappen (Lobus sinister) –, die durch eine schmale Gewebebrücke, den sogenannten Isthmus, miteinander verbunden sind.
Das Gewicht der Schilddrüse variiert je nach individueller Konstitution und Ernährungsstatus zwischen etwa 20 und 80 Gramm. Umgeben ist sie von einer zweischichtigen Bindegewebskapsel. Die innere Kapsel gliedert die Lappen in kleinere funktionelle Einheiten, sogenannte Läppchen (Lobuli). Diese enthalten die hormonproduzierenden Schilddrüsenfollikel – bläschenartige Strukturen, die gemeinsam mit dem umgebenden Bindegewebe (Schilddrüsenstroma) die kleinste funktionelle Einheit der Schilddrüse bilden.
Nebenschilddrüsen
Die Nebenschilddrüsen (Glandulae parathyroideae) sind kleine, linsenförmige Organe mit einer durchschnittlichen Größe von etwa 5 × 4 × 2 Millimetern. Sie liegen eingebettet zwischen den beiden Blättern der Bindegewebskapsel der Schilddrüse – meist an deren Rückseite.
In der Regel besitzt der Mensch vier Nebenschilddrüsen: jeweils zwei auf jeder Seite – eine obere (Glandula parathyroidea superior) und eine untere (Glandula parathyroidea inferior).
Funktionen der Schilddrüse
| Einteilung | Funktionen |
|---|---|
| Schilddrüse (Glandula thyroidea) | Produktion der Hormone Triiodthyronin (T3), Thyroxin (T4) und Calcitonin |
| Nebenschilddrüsen | Regulation des Calcium- und Phosphathaushaltes |
Schilddrüse
Die Schilddrüse produziert die wichtigen Hormone Triiodthyronin (T3), Thyroxin (T4) und Calcitonin. Thyroxin (T4) dient dabei als Speicherform und wird im Körper bei Bedarf in die aktive Form Triiodthyronin (T3) umgewandelt. Gemeinsam regulieren diese Hormone das Wachstum, die Entwicklung sowie zahlreiche Stoffwechselprozesse im Körper.
Das Hormon Calcitonin hingegen ist vor allem für die Senkung des Kalziumspiegels im Blut verantwortlich und trägt so zur Regulierung des Kalziumhaushalts bei.
Die Produktion der Schilddrüsenhormone wird durch das Thyrotropin (TSH) gesteuert, das von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) ausgeschüttet wird. Dieses fein abgestimmte Regelkreissystem sorgt für ein ausgewogenes Hormongleichgewicht und eine gesunde Schilddrüsenfunktion.
Nebenschilddrüsen
Die Nebenschilddrüsen spielen eine zentrale Rolle bei der Regulation des Kalzium- und Phosphathaushalts im Körper. Sie produzieren das Hormon Parathormon (PTH), das den Kalziumspiegel im Blut erhöht, indem es die Freisetzung von Kalzium aus den Knochen fördert, die Aufnahme von Kalzium im Darm steigert und die Rückresorption von Kalzium in den Nieren unterstützt. Gleichzeitig sorgt Parathormon dafür, dass der Phosphatspiegel im Blut gesenkt wird, indem es die Ausscheidung von Phosphat über die Nieren erhöht.
Erkrankungen der Schilddrüse
Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) findet eine Überversorgung mit Schilddrüsenhormonen statt. Ursachen können dabei vielfältig sein, z. B. durch Autoimmunkrankheiten oder Schilddrüsenkrebs. Die Schilddrüsenüberfunktion zeigt sich durch Unruhe, Schweißausbrüche, erhöhte Darmtätigkeit oder Gewichtsverlust.
Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kann bereits angeboren sein oder im Laufe des Lebens entstehen, z. B. durch Operationen oder Autoimmunerkrankungen. Hier produziert die Schilddrüse zu wenig ihrer Hormone. Sie macht sich durch Leistungsabfall, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme oder teigige Haut bemerkbar.
Hashimoto-Thyreoiditis
Hierbei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, dessen genaue Ursache noch unklar ist. Ursachen könnten z. B. familiäre Vorbelastungen, Infektionen, Diabetes mellitus Typ 1 oder durch ein Östrogenüberschuss bei Frauen. Hashimoto kann eine Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion sein, jedoch ist sie nicht gleich eine Hashimoto Erkrankung. Bei dieser Erkrankung kommt es meistens zu einem Wechsel zwischen Unter- und Überfunktion der Schilddrüse.
Morbus Basedow
Das ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die zu einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) führt. Sie wird durch die gleichen Ursachen, wie bei einer Hashimoto-Erkrankung verursacht. Oft entstehen dabei die drei klassischen Merkmale (Merseburger Trias): Schilddrüsenvergrößerung (Struma), schneller Herzschlag (Tachykardie) und Hervortreten des Augapfels (Exophthalmus). Die Symptome des Morbus Basedow sind dieselben wie bei einer Schilddrüsenüberfunktion.
Struma
Struma ist eine vergrößerte Schilddrüse und zeigt sich eine Zunahme des Halsumfangs sowie ein Druck- und Engegefühl, vor allem beim Tragen hochgeschlossener Kleidung. Sie entsteht durch einen Jodmangel, der in der Schilddrüse das Freisetzen von Wachstumsfaktoren bewirkt – ca. 30 % der deutschen Bevölkerung hat eine vergrößerte Schilddrüse.
Häufige Fragen zur Schilddrüse
Welche Nahrungsmittel sollte man bei Schilddrüsenunterfunktion vermeiden?
Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) ist es wichtig, Lebensmittel zu meiden, die die Jodaufnahme hemmen oder den Schilddrüsenstoffwechsel negativ beeinflussen können. Dazu zählen:
- Sojaprodukte: Isoflavone können die Jodaufnahme in der Schilddrüse hemmen.
- Kreuzblütler in rohem Zustand (z. B. Brokkoli, Kohl, Rosenkohl): Enthalten sogenannte Goitrogene, die die Jodverwertung beeinträchtigen können.
- Stark verarbeitete Lebensmittel: Enthalten oft viele Zusatzstoffe, Zucker und Transfette, die Entzündungen fördern.
- Gluten (bei Hashimoto-Thyreoiditis): Manche Patienten mit Autoimmunerkrankung der Schilddrüse reagieren empfindlich auf Gluten.
- Übermäßiger Koffein- und Alkoholkonsum: Kann die Wirkung von Schilddrüsenmedikamenten beeinträchtigen.
Wichtig: Nicht alle Betroffenen reagieren gleich – individuelle ärztliche Beratung ist entscheidend.
Wie entsteht Schilddrüsenkrebs?
Schilddrüsenkrebs entsteht durch genetische Veränderungen in den Zellen der Schilddrüse, die ein unkontrolliertes Wachstum verursachen. Die genauen Ursachen sind nicht immer eindeutig, aber Risikofaktoren sind u. a.:
- Ionisierende Strahlung (z. B. Strahlenbelastung in der Kindheit)
- Familiäre Vorbelastung mit Schilddrüsenkrebs
- Bestimmte genetische Syndrome (z. B. MEN-Syndrome)
- Jodmangel oder Jodüberschuss
In vielen Fällen entwickelt sich der Krebs zunächst unbemerkt – manche Tumoren werden zufällig bei Routineuntersuchungen entdeckt.
Wie merkt man, dass die Schilddrüse nicht richtig arbeitet?
Eine gestörte Schilddrüsenfunktion kann sich durch sehr unterschiedliche Symptome äußern – je nachdem, ob sie überaktiv (Hyperthyreose) oder unteraktiv (Hypothyreose) ist. Häufige Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion sind Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Gewichtszunahme trotz normalem Essen, Kälteempfindlichkeit, trockene Haut, Haarausfall oder auch depressive Verstimmungen.
Bei einer Überfunktion können Nervosität, Schlaflosigkeit, Gewichtsverlust trotz gutem Appetit, Herzrasen, Schwitzen oder Hitzewallungen auftreten.
Bei unklaren Beschwerden empfiehlt sich ein Bluttest zur Bestimmung der Schilddrüsenhormone (TSH, T3, T4) sowie ggf. ein Ultraschall der Schilddrüse.
Fazit - Große Wirkung trotz kleiner Größe
Die Schilddrüse und ihre Nebenschilddrüsen sind zwar klein, übernehmen jedoch lebenswichtige Aufgaben im Körper. Über die von ihnen produzierten Hormone steuern sie zentrale Prozesse wie den Stoffwechsel, das Wachstum, die geistige Entwicklung und viele weitere Körperfunktionen. Umso wichtiger ist es, dass diese sensiblen Organe gesund und leistungsfähig bleiben. Ein bewusster Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, ausreichender Bewegung und einem maßvollen Umgang mit Alkohol kann wesentlich dazu beitragen, die Schilddrüsengesundheit langfristig zu erhalten.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellenverzeichnis:
- Brandes, R., Lang, F., Schmidt, R. F. (2019). Physiologie des Menschen - mit Pathophysiologie (32. Auflage). Deutschland: Springer-Verlag.
- Schwegler, J. S., Lucius, R. (2021). Der Mensch – Anatomie und Physiologie (7. Aufl.). Stuttgart: Thieme.
- Steffers, G., Credner, S. (2020). Allgemeine Krankheitslehre und Innere Medizin für Physiotherapeuten (4. Aufl.). Stuttgart: Thieme.











