Keratin: Strukturprotein für Haut, Haare und Nägel
Veröffentlicht am 04.12.2025
Keratin gibt unter anderem Haaren Struktur. Quelle: Canva.de
Der Begriff „Keratin” fällt in der Kosmetikindustrie ständig. Doch hinter diesem Schlagwort steckt weit mehr als nur ein Inhaltsstoff auf Shampoo-Flaschen. Keratin ist ein essenzielles Strukturprotein des menschlichen Körpers und spielt eine zentrale Rolle für die Stabilität, den Schutz und die Elastizität unserer Gewebe. Im Folgenden erfährst du, was Keratin genau ist und warum es für unsere Haut, Haare und Nägel so unverzichtbar ist.
Was ist Keratin?
Keratin gehört zur Gruppe der faserbildenden Strukturproteine. Diese Proteine verleihen Zellen, Geweben und Organen ihre Form und Widerstandsfähigkeit. Keratin ist besonders bekannt als Hauptbestandteil von Haaren, Nägeln und der obersten Hautschicht (Stratum corneum).
Charakteristisch für Keratin ist seine hohe Stabilität: Es ist schwer spaltbar, wird von den meisten Proteasen nicht angegriffen und ist nicht nahrhaft. Diese Robustheit verdankt Keratin seinem hohen Anteil an der schwefelhaltigen Aminosäure Cystein, welche durch Disulfidbrücken eine besonders feste Vernetzung ermöglicht.
Aufbau der Haut. Quelle: Pflegia
Definition und Bedeutung von Keratin
In der medizinischen Fachliteratur wird Keratin als Gruppe von faserartigen, intrazellulären Strukturproteinen definiert. Es bildet einen Teil des Zytoskeletts in Epithelzellen und verleiht dem Gewebe mechanische Stabilität. Für den menschlichen Körper bedeutet das:
Schutzfunktion: Keratin schützt die Haut vor mechanischen Einwirkungen, chemischen Substanzen und Austrocknung.
Strukturgebung: Haare und Nägel bestehen größtenteils aus Keratin und erhalten dadurch ihre Härte und Form.
Diese Aufgaben des Keratins zeigen, dass es nicht nur ein kosmetischer Trend ist. Es ist ein zentrales Molekül für die Biologie des Menschen.
Anna Liebig
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Diagnostische Bedeutung:
Keratine zeigen in Tumoren spezifische Expressionsmuster und sind daher wichtige Marker in der Pathologie.
Die verschiedenen Arten von Keratin
Die Vielfalt der Keratine ist groß. Beim Menschen werden 54 verschiedene Gene beschrieben. Diese Gene codieren Keratinproteine und lassen sich in weitere Typen gliedern.
Unterteilung in Keratin-Typen
α-Keratine:
Kommen bei Säugetieren vor (z. B. in Haaren, Nägeln und Haut).
Ihre Grundstruktur ist eine α-Helix, die über Disulfidbrücken vernetzt wird.
Sie sind besonders elastisch und dehnbar: Im feuchten Zustand können sie bis auf das Doppelte ihrer Länge gedehnt werden.
β-Keratine:
Typisch für Vögel und Reptilien.
Sie sind weniger elastisch, dafür aber extrem stabil.
Ein bekanntes Beispiel ist Seidenfibroin, das in Spinnenseide vorkommt.
Einteilung nach Isoformen
Keratine lassen sich in zwei Subfamilien einteilen: die sauren Typ-I-Keratine (CK9–CK20) und die basischen bis neutralen Typ-II-Keratine (CK1–CK8). Diese unterschiedlichen Isoformen verbinden sich zu stabilen Heterodimeren, die sich wiederum zu größeren Struktureinheiten wie Protofibrillen, Mikrofibrillen und schließlich Makrofibrillen zusammenschließen.
Aufbau und Funktionen von Keratin im Körper
Der molekulare Aufbau von Keratin ist zwar komplex, aber klar strukturiert:
Peptidketten aus Aminosäuren bilden eine α-Helix.
Zwei α-Helices lagern sich zu einem Heterodimer zusammen.
Mehrere Heterodimere formen Protofibrillen.
Elf Protofibrillen ergeben eine Mikrofibrille.
Viele Mikrofibrillen bündeln sich schließlich zu einer Makrofibrille – der eigentlichen keratinhaltigen Faser.
Funktionen im Körper
Keratin übernimmt im menschlichen Körper eine Vielzahl zentraler Aufgaben. Als Bestandteil des Zytoskeletts trägt es maßgeblich zur Stabilisierung von Zellen bei und verleiht insbesondere den Epithelzellen Halt. In Haaren und Nägeln liegt Keratin in einer besonders festen Form vor. Ein hoher Cysteingehalt und zahlreiche Disulfidbrücken sorgen hier für Härte und Widerstandskraft.
Auch die Hautschutzfunktion basiert auf Keratin: Die oberste Schicht der Haut, das Stratum corneum, verdankt ihre Barrierewirkung wesentlich der hohen Konzentration dieses Strukturproteins. Gleichzeitig verbindet Keratin Festigkeit mit Elastizität, da seine α-Helix-Struktur in Kombination mit den Disulfidbrücken sowohl Stabilität als auch Dehnbarkeit ermöglicht.
Vorkommen: Keratin im Alltag und in der Kosmetikindustrie
Keratin spielt nicht nur im Körper eine zentrale Rolle, sondern wird auch in vielen Bereichen des Alltags genutzt. In der Haarpflege ist es in Shampoos und Conditionern enthalten, wobei es sich dabei meist um hydrolysiertes Keratin handelt. Dabei werden Proteine in kleinere Bruchstücke zerlegt, die sich an die Haaroberfläche anlagern und so für mehr Glanz und Geschmeidigkeit sorgen sollen. In der Kosmetikindustrie wird Keratin außerdem in Cremes und Nagelpflegeprodukten verwendet, um brüchige Strukturen zu reparieren oder zu stärken.
Auch in der Medizin kommt das Protein zum Einsatz: Keratinbeschichtungen dienen beispielsweise als Überzug für Arzneimittel, die erst im Darm freigesetzt werden sollen, da Keratin im Magen stabil bleibt, im Darm jedoch abgebaut wird.
Klinische Bedeutung von Keratin
Keratin ist nicht nur für Haare und Haut entscheidend, sondern hat auch eine große medizinische Relevanz.
In der Tumordiagnostik ist die Keratinexpression beispielsweise typisch für epitheliale Tumoren (Karzinome). Mithilfe von immunhistochemischen Färbungen lässt sich die Art des Tumors und seine Herkunft bestimmen.
Keratinopathien: Gendefekte in Keratin-Genen können seltene, aber schwerwiegende Erkrankungen hervorrufen, die mit brüchiger Haut oder Haarausfall einhergehen.
Histologie: Keratinperlen sind ein typisches histologisches Merkmal von Plattenepithelkarzinomen.
Fazit
Keratin ist ein Schlüsselprotein, das unseren Körper stabil und widerstandsfähig macht, ihm aber zugleich Flexibilität verleiht. Es schützt die Haut vor äußeren Einflüssen, verleiht Haaren und Nägeln ihre Festigkeit und dient in der Medizin als wichtiger Marker in der Diagnostik.
In der Kosmetikindustrie wird Keratin vor allem eingesetzt, um die Haarstruktur zu verbessern, wobei die Effekte jedoch nur äußerlich sind. Damit zeigt sich: Keratin ist nicht nur ein biochemischer Grundbaustein, sondern auch ein Bindeglied zwischen Naturwissenschaft, Gesundheit und Alltagskosmetik.
Häufige Fragen zu Keratin
Ist Keratin wirklich gut für die Haare?
Keratin ist der Hauptbestandteil der Haare. Haarpflegeprodukte mit Keratin können die Haaroberfläche glätten und strapaziertes Haar vorübergehend kräftiger erscheinen lassen. Allerdings wird das Keratin nicht dauerhaft eingebaut, sodass die Wirkung eher kosmetisch als regenerativ ist.
Wo ist das meiste Keratin enthalten?
Die höchste Konzentration an Keratin findet sich in Haaren, Nägeln und der obersten Hautschicht (Hornschicht). Auch Tierhaare, Federn, Klauen und Hörner bestehen hauptsächlich aus Keratin.
Was ist der Unterschied zwischen Keratin und Kreatin?
Keratin: ein Strukturprotein, das mechanische Stabilität verleiht.
Kreatin: ein kleiner Energieträger, der in den Muskeln gespeichert wird und für die schnelle Energieversorgung wichtig ist. Die beiden Begriffe klingen ähnlich, haben aber völlig unterschiedliche Funktionen.
Kann man Keratin über die Nahrung aufnehmen?
Nein, denn Keratin ist für den Körper unverdaulich und somit nicht verwertbar. Um gesundes Keratin im Körper aufzubauen, sind ausreichend Proteine, Vitamine (z. B. Biotin) und Spurenelemente (z. B. Zink) notwendig.
Warum riecht verbranntes Haar nach Schwefel?
Der charakteristische Geruch entsteht durch den hohen Anteil an Cystein im Keratin. Beim Verbrennen setzt es Schwefelverbindungen frei.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
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