Multiple Sklerose: Symptome, Verlauf und Pflegeaspekte

Veröffentlicht am 06.08.2025

Mann hält Zeichen für Multiple Sklerose.

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Entzündung des Nervensystems. Quelle: Canva.de

In Deutschland leben laut der Deutschen Hirnstiftung rund 250.000 Menschen mit Multipler Sklerose (MS). Die Krankheit trifft meist junge Erwachsener, die mitten im Leben stehen. Multiple Sklerose macht sich dabei häufig durch plötzlich auftretende Taubheitsgefühle, Sehstörungen oder Lähmungserscheinungen bemerkbar. Die Diagnose stellt meist einen Wendepunkt im Leben der Betroffenen und Angehörigen dar.

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Für Betroffene:r und Angehörige:r, aber auch für Pflegende ist es wichtig zu wissen, welche Symptome auftreten können, welche Therapieoptionen bestehen und wie man den Alltag möglichst selbst bestimmt gestalten kann.

Was ist Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems. Sie kann also das gesamte Gehirn und Rückenmark betreffen. Das Immunsystem greift die schützende Hülle (Myelin) der Nervenfasern an, wodurch Entzündungen und Narben (Plaques) entstehen. Informationen im Nervensystem werden dadurch langsamer oder fehlerhaft weitergeleitet. Die verschiedenen Lokalisationen des Befalls, lösen unterschiedliche Symptome aus. Die Krankheit ist nicht ansteckend und verläuft bei jedem Menschen anders, deshalb spricht man häufig auch von der „Krankheit der 1.000 Gesichter“.

Warum entsteht Multiple Sklerose?

Die genauen Ursachen von Multipler Sklerose (MS) sind noch nicht vollständig geklärt. Mediziner:innen gehen davon aus, dass mehrere Faktoren wie die genetische Veranlagung, Umweltfaktoren sowie bestimmte Infektionen zusammenwirken. So konnte eine US-amerikanische Studie aus dem Jahr 2022 nachweisen, dass viele Betroffene im Laufe ihres Lebens eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus durchgemacht haben. Das Team um Studienautor Kjetil Bjornevik fand dabei heraus, dass der Virus neben anderen Faktoren möglicherweise zur Entwicklung der Krankheit beiträgt. Das Erkrankungsrisiko ist für Frauen etwa zwei- bis dreimal so hoch wie für Männer, wie der Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband berichtet.

Anna Liebig

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Symptome

Wie macht sich Multiple Sklerose bemerkbar? Es kann sehr unterschiedliche Beschwerden hervorrufen, abhängig davon, wo im zentralen Nervensystem Entzündungen auftreten.

Zu den häufigsten Symptomen zählen:

  • Sehstörungen (z.B. verschwommenes Sehen, Doppeltsehen)
  • Taubheitsgefühle und Kribbeln in Armen oder Beinen
  • Lähmungen oder Muskelschwäche
  • Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen
  • Müdigkeit (Fatigue)
  • Spastik (erhöhte Muskelanspannung)
  • Blasen- und Darmstörungen
  • Kognitive Veränderungen (z.B. Konzentrations- und Gedächtnisprobleme)
  • Schmerzen
  • Depressive Verstimmungen

Nicht immer treten alle Symptome auf, sie können einzeln oder kombiniert vorkommen und schwanken oft in ihrer Ausprägung.

Abbildung Nervenzellen: Gesunde und geschädigte Nervenzellen
Abb. Gesund und geschädigte Nervenzellen (Illustration, Quelle: Canva.de)

Wie entwickelt sich MS im Verlauf?

Der Verlauf der Krankheit ist individuell unterschiedlich und meist nicht vorhersehbar:

  • Schubförmiger Verlauf (ca. 90 Prozent zu Beginn): Typisch sind akute Verschlechterungen (Schübe) mit teilweiser oder vollständiger Rückbildung der Beschwerden.
  • Sekundär-progredienter Verlauf: Nach einigen Jahren verschlechtern sich die Symptome häufig langsam und kontinuierlich, unabhängig von Schüben.
  • Primär-progredienter Verlauf (10–15 Prozent): Hier kommt es von Anfang an zu einer kontinuierlichen Zunahme der Beschwerden ohne erkennbar abgegrenzte Schübe.

Die meisten Menschen mit MS leben über viele Jahre hinweg weitgehend eigenständig. Nur selten führt die Erkrankung rasch zu schwerer Behinderung4.

Behandlung - Was hilft bei Multipler Sklerose?

MS ist bislang nicht heilbar, die Therapie kann Krankheitsverlauf und Lebensqualität aber erheblich beeinflussen:

  • Schubtherapie: Bei akuten Schüben kommen hoch dosierte Kortisonpräparate zum Einsatz, um Entzündungen abzuschwächen.
  • Verlaufsmodifizierende Therapie: Medikamente (z.B. Interferone, Immunsuppressiva, neue immunmodulierende Antikörper) reduzieren Häufigkeit und Schwere von Schüben und verzögern das Fortschreiten der Krankheit.
  • Symptomatische Behandlung: richtet sich nach den Beschwerden, z.B. Medikamente gegen Spastik, Schmerz, Depression, Blasenprobleme usw.
  • Rehabilitation und Therapie: Regelmäßige Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und psychologische Betreuung sind essenziell für die Versorgung.

Pflegeaspekte - Was ist bei der Pflege wichtig?

Menschen mit Multipler Sklerose haben je nach Krankheitsverlauf einen sehr unterschiedlichen Pflegebedarf. Für Pflegende ist Flexibilität zentral, denn die Symptome und der Unterstützungsbedarf können sich im Laufe der Zeit, durch die Schübe immer wieder verändern:

Pflegeaufgaben im Überblick

  • Unterstützung bei der Mobilität: Sturzprophylaxe, Transferhilfen, Gehtraining.
  • Aktivierende Körperpflege: Betroffene möglichst anleiten, Aufgaben so lange wie möglich selbst zu übernehmen
  • Hilfe bei Alltagsaktivitäten: Ankleiden, Essen zubereiten, Haushalt
  • Anpassung der Umgebung: Barriere-Reduzierung, Einsatz von Hilfsmitteln
  • Blasen- und Darmmanagement: z.B. Toilettenhilfen, Trink- und Ernährungspläne
  • Psychische Unterstützung: Zuhören, Motivation, Gesprächsangebote – Depressionen und Ängste ernst nehmen
  • Soziale Teilhabe fördern: Kontakt zu Angehörigen, Aktivitäten, Hobbys
  • Pflegedokumentation und Ablaufplanung: Regelmäßige Anpassung des Pflegeplans, Berücksichtigung von Schüben und tagesabhängigen Unterschieden

Tipps für den Pflegealltag

  • Kommunikation offen und wertschätzend führen.
  • Information regelmäßig aktualisieren und neue Symptome gemeinsam mit behandelnden Ärzt:innen klären.
  • Ein Pflegetagebuch oder regelmäßige Pflegegradüberprüfung helfen bei der Anpassung der Maßnahmen.
  • Angehörige aktiv einbinden und ggf. Entlastungsangebote nutzen.

Besonderheiten

Die Pflege kann bei MS sowohl phasenweise minimal als auch sehr umfangreich sein. Bei psychisch oder kognitiven Beeinträchtigungen ist zusätzliche Betreuung sinnvoll.

Symptom Häufigkeit / Besonderheit
Sehstörungen Häufig erstes Anzeichen
Taubheitsgefühle Kommen oft schubweise
Fatigue (Müdigkeit) Sehr häufig, oft unterschätzt
Muskelschwäche In Armen oder Beinen, meist schleichend
Blasenprobleme Im Laufe der Erkrankung zunehmend
Kognitive Störungen Konzentration, Gedächtnis, Organisation betroffen

Die wichtigsten Fragen zu MS

Wie erkennst du einen MS-Schub?

Plötzliche neue oder sich deutlich verschlechternde Symptome, die länger als 24 Stunden anhalten. Meist entwickelt sich eine Rückbildung erstr nach Tagen bis Wochen.

Wie sieht die Prognose bei MS aus?

Sehr unterschiedlich – von kaum Einschränkungen bis zu Merkmalen schwerer Behinderung mit voll umfänglicher Lebensbetreuung. Viele Patient:innen leben viele Jahre mit nur leichten Einschränkungen.

Kann MS geheilt werden?

Bisher nicht - Die Behandlung kann aber Schübe abmildern, Symptome lindern und das Fortschreiten verzögern. Demnach kann es die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessern.

Fazit

Multiple Sklerose ist eine facettenreiche Erkrankung, die Betroffene und Pflegende täglich vor neue Herausforderungen stellt. Mit der richtigen medizinischen Behandlung, guter Pflege und empathischer Begleitung ist ein weitgehend selbst bestimmtes Leben mit MS in vielen Fällen möglich. Wichtig sind Flexibilität, regelmäßige Anpassungen der Pflege und ein vertrauensvolles Miteinander.

Medizinische und rechtliche Hinweise    

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.  

Quellen

  1. Deutsche Hirnstiftung e. V.; Multiple Sklerose (MS) – Symptome, Verlauf und Behandlung; abgerufen am 30.07.2025 von https://hirnstiftung.org/alle-erkrankungen/multiple-sklerose-ms/
  2. Bjornevik et al.; Longitudinal analysis reveals high prevalence of Epstein‑Barr virus associated with multiple sclerosis; veröffentlicht im Science Journal am 21. Januar 2022; abgerufen am 30.07.2025 von PubMed-Inhalt unter https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35025605/
  3. Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG Bundesverband e. V.); Genderspezifische Aspekte der Multiplen Sklerose (MS) – Positionspapier: Frauen erkranken im Verhältnis 3:1; Fokus auf Schwangerschaft und Mutterschaft; abgerufen am 30.07.2025 von
    https://www.dmsg.de/news/detailansicht/genderspezifische-aspekte-der-multiplen-sklerose-ms-pm-zum-positionspapier-der-deutschen-multiple-sklerose-gesellschaft-bundesverband-ev-dmsg
  4. Uni Bonn. Potentieller Angriffspunkt für MS-Therapie entdeckt. Bonn: uni-bonn.de; abgerufen am 29. Juli 2025 von https://www.uni-bonn.de/de/neues/031-2025
  5. AOK. Multiple Sklerose: Symptome, Diagnose und Verlauf. Berlin: aok.de; abgerufen am 29. Juli 2025 von https://www.aok.de/pk/magazin/article/koerper-psyche/gehirn-nerven/multiple-sklerose-symptome-diagnose-und-verlauf

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