Schilddrüsenunterfunktion: Ursachen, Symptome und Therapie
Veröffentlicht am 25.07.2025
Die Schilddrüsenunterfunktion zeigt sich gerade bei Frauen durch vielfältige Symptome (Quelle: Canva.de)
Die Schilddrüse spielt eine zentrale Rolle im Stoffwechsel und beeinflusst viele wichtige Funktionen im Körper. Kann sie diese Funktionen nicht ausführen und produziert das Organ nicht ausreichend Hormone, spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion, auch Hypothyreose genannt. Diese Erkrankung kann vielfältige Beschwerden verursachen, welche oft schleichend und unspezifisch beginnen. Eine rechtzeitige Diagnose und die richtige Behandlung sind entscheidend, um die Lebensqualität zu erhalten und Folgeerkrankungen zu vermeiden.
Was genau ist eine Schilddrüsenunterfunktion? Wie entsteht sie und warum ist die Behandlung so wichtig?
Eine Schilddrüsenunterfunktion liegt vor, wenn die Schilddrüse nicht genügend Hormone produziert. Diese sind besonders für die Steuerung des Stoffwechsels wichtig. Sie beeinflussen nahezu alle Körperfunktionen, wie Energieverbrauch, Herzfrequenz und Temperaturregulation. Wenn die Hormonproduktion zu niedrig ist, verlangsamen sich viele Abläufe im Körper, was zu verschiedenen Beschwerden führen kann.
Abb. Anatomie der Schilddrüse (Illustration, Quelle: Pflegia.de)
Anna Liebig
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Die primäre Schilddrüsenunterfunktion ist die häufigste Form der Hypothyreose. Dabei liegt die Ursache in der Schilddrüse selbst. Sie produziert zu wenig Hormone, obwohl die übergeordneten Steuerorgane (Hirnanhangdrüse und Hypothalamus) normal funktionieren. Dies kann verschiedene Ursachen haben:
Angeborene Schilddrüsenunterfunktion (Kretinismus): Fehlende oder unvollständige Entwicklung der Schilddrüse von Geburt an – wird beim Neugeborenen-Screening bereits erkannt.
Hashimoto-Thyreoiditis: Diese Autoimmunerkrankung ist die häufigste Ursache in Deutschland und anderen Industrienationen. Das eigene Immunsystem greift die Schilddrüse an, wodurch das Gewebe langsam zerstört wird. Die Schilddrüse schrumpft mit der Zeit und bildet nicht mehr ausreichend Hormone.
Operationen: Nach der teilweisen oder vollständigen Entfernung der Schilddrüse (z. B. wegen Knoten oder Krebs) bleibt oft nicht genug funktionierendes Gewebe übrig.
Medikamente: Bestimmte Arzneimittel können die Hormonproduktion hemmen:
Amiodaron (bei Herzrhythmusstörungen) – enthält viel Jod
Thyreostatika (bei Schilddrüsenüberfunktion) - kann in hohen Dosen zur Unterfunktion führen
Sekundäre Schilddrüsenunterfunktion
Normalerweise regt die Hypophyse die Schilddrüse mit dem Hormon TSH zur Hormonproduktion an. Bei der sekundären Unterfunktion wird zu wenig TSH gebildet, obwohl der Körper Schilddrüsenhormone bräuchte. Die Folge: Die Schilddrüse bleibt inaktiv.
Die Ursache dafür ist oft eine sogenannte Hypophysenvorderlappeninsuffizienz. Hier kommt es zu einer Zerstörung oder Verdrängung von Hypohysengewebe durch Tumore, Operationen, Strahlentherapien, entzündliche Prozesse oder Traumata. Dies führt dazu, dass die Bildung von TSH gestört ist und damit die Hormonproduktion der Schilddrüse mangelhaft wird.
Tertiäre Schilddrüsenunterfunktion
Die tertiäre Schilddrüsenunterfunktion ist die seltenste Form der Hypothyreose und entsteht durch eine Störung im Hypothalamus, also der übergeordneten Steuerzentrale im Gehirn. Sie liegt noch eine Stufe über der sekundären Unterfunktion.
Der Hypothalamus produziert das Hormon TRH. Dieses regt die Hypophyse an, TSH zu bilden, das wiederum die Schilddrüse stimuliert. Wenn zu wenig TRH produziert wird, entsteht eine Hormonkette mit unzureichender Stimulation. Die Schilddrüse selbst ist dabei gesund – sie erhält nur keinen ausreichenden Impuls zur Hormonbildung. Dadurch kommt es zu einem Mangel an Schilddrüsenhormonen und damit zur Schilddrüsenunterfunktion.
Ursachen der Störung des Hypothalamus können sein:
Tumore im Bereich des Hypothalamus
Schädel-Hirn-Trauma
Operationen oder Bestrahlung im Gehirn
Entzündungen oder Infektionen
Angeborene Störung des Hypothalamus (sehr selten)
Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion
Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion entwickeln sich oft schleichend und werden leicht übersehen. Hier die häufigsten Anzeichen:
körperlicher & geistiger Leistungsabfall
Müdigkeit
Kälteempfindlichkeit
trockene, kühle, teigige und schuppende Haut
Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährung
trockenes brüchiges Haar
heisere Stimme
Verstopfung
depressive Verstimmung
Antriebslosigkeit
Reizbarkeit
Menstruationsstörungen oder unerfüllter Kinderwunsch
Libidoverlust
Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion bei Frauen:
Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) bei Frauen entwickelt sich oft schleichend und bleibt zunächst unbemerkt. Zu den typischen Symptomen zählen anhaltende Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsprobleme und eine erhöhte Kälteempfindlichkeit. Auch trockene Haut, sprödes Haar, Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährung und eine verlangsamte Verdauung sind häufig. Viele Frauen berichten zudem über Zyklusstörungen, unerfüllten Kinderwunsch oder depressive Verstimmungen. Weil die Beschwerden unspezifisch sind, wird die Diagnose oft erst spät gestellt – ein Bluttest zur Bestimmung der Schilddrüsenhormone (TSH, fT3, fT4) bringt Klarheit.
Therapie der Schilddrüsenunterfunktion
Die Schilddrüsenunterfunktion wird in der Regel mit dem Hormon L-Thyroxin behandelt. Es ersetzt das fehlende Schilddrüsenhormon und bringt den Stoffwechsel wieder ins Gleichgewicht.
Einnahme: täglich morgens nüchtern, mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück – nur mit Wasser.
Dosierung: wird individuell vom Arzt festgelegt und regelmäßig kontrolliert (meist über den TSH-Wert).
Wirkung: spürbare Besserung oft nach einigen Wochen, volle Wirkung nach einigen Monaten.
Die Behandlung ist meistens lebenslang, aber gut verträglich. Wichtig sind regelmäßige Blutkontrollen, korrekte Einnahme und ein bewusster Umgang mit anderen Medikamenten. Mit der richtigen Therapie kann man ein normales, aktives Leben führen.
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Das Myxödem Koma ist ein seltenes, lebensbedrohliches Krankheitsbild, das sich meistens langsam aus einer vorbestehenden, unbehandelten Hypothyreose entwickelt.
Durch die starke Verlangsamung des Stoffwechsels kommt zum Versagen von lebenswichtigen Körperfunktionen. In den meisten Fällen tritt das Myxödem Koma bei älteren, vorbelasteten Menschen auf – oft ausgelöst durch zusätzliche Belastungen wie Infekte, Operationen, Kälte oder Medikamentenveränderungen.
Dabei kommt es oft zu folgenden Symptomen:
Unterkühlung (Hypothermie) bis zu 24 °C Körpertemperatur
starke Bewusstseinstrübung bis Koma
verlangsamter Herzschlag (Bradykardie)
niedriger Blutdruck (Hypotonie)
verlangsamte Atmung (Hypoventilation)
Wasseransammlungen, besonders im Gesicht (Myxödem)
Krampfanfälle
Die wichtigsten Fragen zur Schilddrüsenunterfunktion
Wie wird die Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert?
Die Schilddrüsenunterfunktion wird durch eine Blutuntersuchung diagnostiziert. Dabei werden vor allem die Werte von TSH (regulierendes Hormon) sowie fT3 und fT4 (Schilddrüsenhormone) gemessen. Ein erhöhter TSH-Wert bei niedrigen fT3/fT4-Werten spricht für eine Unterfunktion.
Worauf muss man bei einer Schilddrüsenunterfunktion achten?
Wichtige Punkte bei einer Schilddrüsenunterfunktion:
Medikamente regelmäßig & richtig einnehmen
regelmäßige Kontrolle beim Arzt
ausreichend Jod zu sich nehmen (außer bei Hashimoto!)
selenreiche Ernährung (z. B. Paranüsse, Eier, Vollkorn)
auf Körpersignale und Beschwerden achten
bei Schwangerschaft & Kinderwunsch besonders engmaschig kontrollieren
Was verschlimmert eine Schilddrüsenunterfunktion?
falsche oder unregelmäßige Einnahme der Schilddrüsenmedikamente
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
unregelmäßige Kontrollen beim Arzt
Jodmangel oder -überschuss – bei Hashimoto kann zu viel Jod schaden
Stress & Schlafmangel
Schwangerschaft – Medikamente müssen an erhöhten Hormonbedarf angepasst werden
Andere Erkrankungen (z. B. Magen-Darm-Erkrankungen)
Wie wirkt sich eine Schilddrüsenunterfunktion auf die Psyche aus?
Müdigkeit und Antriebslosigkeit
depressive Verstimmungen
Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
Reizbarkeit und emotionale Instabilität
Schlafstörungen
Wichtig: Diese psychischen Symptome können sich mit einer korrekten Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion oft deutlich bessern oder ganz verschwinden. Bei anhaltenden Beschwerden sollte man trotzdem ärztlichen Rat einholen, da auch andere Ursachen infrage kommen können.
Ist Bewegung gut bei Schilddrüsenunterfunktion?
Ja, Bewegung ist bei einer Schilddrüsenunterfunktion aus verschiedenen Gründen sehr empfehlenswert:
Anregung des Stoffwechsels
Verbesserung von Müdigkeit und Antriebslosigkeit
bessere Gewichtskontrolle und Unterstützung beim Gewichtsverlust
Stärkung von Herz-Kreislauf
Abbau von Stress
Tipps für die Bewegung:
langsam starken und Intensität nach Wohlbefinden steigern
Sportarten wählen, die Spaß machen
auf den Körper achten – Überforderung vermeiden
bei Unsicherheiten mit dem behandelnden Arzt sprechen
Regelmäßige Bewegung ist eine wertvolle Unterstützung bei der Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion und fördert sowohl Körper als auch Psyche.
Welche Warnsignale gibt es bei einer Schilddrüsenunterfunktion?
Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) gibt es mehrere Warnsignale, die auf eine gestörte Hormonproduktion hinweisen können. Viele Symptome wirken zunächst unspezifisch oder werden mit Stress, Alter oder anderen Erkrankungen verwechselt. Dennoch sollte man bei folgenden Anzeichen aufmerksam werden:
Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung, selbst nach ausreichend Schlaf
Konzentrations- und Gedächtnisprobleme („Gehirnnebel“)
Depressive Verstimmungen oder ungewöhnliche Reizbarkeit
Heisere Stimme, geschwollenes Gesicht oder geschwollene Augenlider
Menstruationsstörungen, Zyklusunregelmäßigkeiten oder unerfüllter Kinderwunsch
Muskelschwäche, Muskel- oder Gelenkschmerzen
Fazit: Gut eingestellt, gut gelebt
Eine Schilddrüsenunterfunktion ist eine häufige, aber gut behandelbare Erkrankung, die bei frühzeitiger Diagnose die Lebensqualität erheblich verbessern kann. Indem Betroffene die Symptome ernst nehmen, regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahrnehmen und die Therapie konsequent einhalten, lassen sich die Beschwerden meist gut in den Griff bekommen. Mit dem richtigen Wissen und einer engen Zusammenarbeit mit dem Arzt ist es möglich, trotz einer Schilddrüsenunterfunktion ein aktives und gesundes Leben zu führen.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellen
Steffers G, Credner S. Allgemeine Krankheitslehre und Innere Medizin für Physiotherapeuten. 4. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2020.
Schoenenberger RA, Haefeli WE, Schifferli J. Internistische Notfälle. Sicher durch die Akutsituation und die nachfolgenden 48 Stunden. 8. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2009.