Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) – Ein umfassender Überblick
Veröffentlicht am 09.09.2025

ADHS äußert sich unterer anderem durch eine Hyperaktivität. Quelle: Canva.de
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine der bekanntesten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. ADHS Deutschland e.V. zufolge sind hierzulande etwa 5 % der Kinder und Jugendlichen betroffen. ADHS wird häufig mit Zappeln und Konzentrationsschwierigkeiten in Verbindung gebracht. Tatsächlich reicht die Symptomatik jedoch weit über diese bekannten Merkmale hinaus. Durch einen frühzeitigen ADHS-Test und eine anschließende individuelle Behandlung können Betroffene lernen, besser mit der Störung umzugehen.
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Definition und Symptome von ADHS
ADHS ist nach ICD-11 eine neuronale Entwicklungsstörung, die sich durch drei Hauptsymptome auszeichnet: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Diese müssen in verschiedenen Lebensbereichen (z. B. Schule, Beruf, Familie) auftreten und über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten bestehen, damit eine Diagnose gestellt werden kann.
Typische Symptome
- Unaufmerksamkeit: Flüchtigkeitsfehler, Vergesslichkeit, Probleme bei der Organisation und sowie bei der Aufmerksamkeit in Gesprächen.
- Hyperaktivität: ständiger Bewegungsdrang, Schwierigkeiten stillzusitzen, innere Unruhe.
- Impulsivität: Unterbrechen anderer, unüberlegtes Handeln, geringe Frustrationstoleranz.
Die drei ADHS-Typen
- Vorwiegend unaufmerksamer Typ (ADS): Konzentrationsprobleme stehen im Vordergrund.
- Vorwiegend hyperaktiv-impulsiver Typ: Zappeln, motorische Unruhe und impulsives Verhalten dominieren.
- Kombinierter Typ: Mischung aus Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität/Impulsivität.
Ursachen und Risikofaktoren
ADHS entsteht multifaktoriell. Bis zu 80 % der Ausprägung sind erblich bedingt. Hinzu kommen neurobiologische Faktoren wie Veränderungen in frontalen Hirnregionen und im Dopamin- bzw. Noradrenalinsystem sowie Umweltfaktoren. Zu den Umweltfaktoren zählen unter anderem Frühgeburt, Nikotin- oder Alkoholkonsum während der Schwangerschaft sowie belastende Familiensituationen.
Diagnose
Die ADHS-Diagnose ist komplex und basiert auf mehreren Schritten:
- Anamnese und Exploration: Gespräche mit Betroffenen, Eltern oder Lehrkräften.
- Fragebögen: standardisierte Selbst- und Fremdbeurteilungen.
- Tests: Intelligenzdiagnostik, Aufmerksamkeitstests, neuropsychologische Verfahren.
Eine sichere Diagnose kann in der Regel erst ab dem 4. Lebensjahr gestellt werden.

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Behandlung und Therapie von ADHS
Die Behandlung von ADHS richtet sich nach dem Schweregrad der Symptome, dem Alter der Betroffenen und ihren individuellen Lebensumständen. Als Goldstandard gilt heute ein multimodaler Ansatz, da dieser sowohl die biologische Grundlage (Medikation) als auch das Verhalten, die Lebensumgebung und die sozialen Beziehungen berücksichtigt.
Psychoedukation
Ein erster wichtiger Schritt ist die Aufklärung von Betroffenen und ihrem Umfeld. Dies umfasst vor allem Angehörige und Betroffene. Durch Wissen über Symptome, Auslöser und Strategien können Missverständnisse und Schuldgefühle reduziert werden. Kinder können lernen, ihre Besonderheiten zu verstehen und damit umzugehen.
Verhaltenstherapie
Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) gilt als eine der wirksamsten psychotherapeutischen Methoden bei ADHS.
Bei Kindern liegt der Schwerpunkt auf einem Selbstinstruktionstraining nach der „Stopp-Nachdenken-Handeln“-Methode, dem Einsatz von Belohnungssystemen sowie dem Training sozialer Kompetenzen.
Jugendliche und Erwachsene profitieren vor allem von Methoden zur besseren Planung, Selbstorganisation, Emotionsregulation und Impulskontrolle. Häufig wird ergänzend ein Elterntraining durchgeführt, in dem Mütter und Väter lernen, konsequent, strukturiert und zugleich unterstützend zu reagieren.
Darüber hinaus können Gruppentherapien hilfreich sein, da Betroffene vom gegenseitigen Austausch profitieren und soziale Fähigkeiten in einem geschützten Rahmen trainieren können.
Medikamentöse Therapie
Bei stark ausgeprägten Symptomen gelten Medikamente als eine der effektivsten Behandlungsformen. Die Dosierung der Medikamente wird individuell angepasst. Zudem sind regelmäßige ärztliche Kontrollen notwendig.
- Stimulanzien:
- Diese verbessern die Signalübertragung im Dopamin- und Noradrenalinsystem und steigern Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Arbeitsgedächtnis.
- Zum Beispiel: Methylphenidat (z. B. Ritalin®, Medikinet®) und Lisdexamfetamin (z. B. Elvanse®)
- Nicht-Stimulanzien:
- Modulieren Neurotransmitter auf andere Weise. Sie können eine langsamere, aber stetigere Wirkung über den ganzen Tag entfalten.
- Zum Beispiel: Atomoxetin (Strattera®) wirkt über den Noradrenalin-Stoffwechsel und Guanfacin/Clonidin (Alpha-2-Agonisten) kommen v. a. bei Kindern mit Schlafstörungen oder Tics zum Einsatz.
Die Nebenwirkungen fallen meist mild aus und können Appetitlosigkeit, Schlafprobleme oder Kopfschmerzen umfassen.
Ergotherapie und pädagogische Unterstützung
Gerade bei Kindern wird Ergotherapie zur Förderung der Aufmerksamkeit, der Feinmotorik und der Alltagsfähigkeiten eingesetzt. Dabei kommen Konzentrationsübungen, motorisches Training und spielerische Methoden zum Einsatz. Ein weiteres Ziel ist die Förderung der Selbstwirksamkeit: Die Kinder lernen, kleine Erfolge bewusst wahrzunehmen.
In der Schule können Lehrer durch Nachteilsausgleiche unterstützend wirken, beispielsweise durch mehr Zeit bei Prüfungen oder strukturierte Aufgabenstellungen.
Soziale und familiäre Unterstützung
Da ADHS das gesamte Umfeld betrifft, ist die Einbindung der Familie von zentraler Bedeutung. Eine Familienberatung kann dabei unterstützen, Konflikte zu reduzieren und eine klare Kommunikation sowie Regeln zu etablieren. Dadurch werden stabile Beziehungen aufgebaut und positive Verstärkung gefördert.
Alltagshilfen und Selbstmanagement
Neben Therapie und Medikamenten profitieren Betroffene von praktischen Strategien für den Alltag.
- Nutzung von Kalender-Apps, To-do-Listen und Erinnerungsfunktionen.
- Feste Routinen für Schlaf, Ernährung und Arbeitsorganisation.
- Einteilung großer Aufgaben in kleine Schritte.
- Einplanen von Bewegungspausen oder Sport als Ventil für überschüssige Energie.
Alternative und ergänzende Ansätze
Zusätzlich gibt es folgende Ansätze:
- Sport und Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert Stimmung, Schlaf und Aufmerksamkeit.
- Ernährung: Ein direkter Zusammenhang ist zwar wissenschaftlich nicht eindeutig belegt, aber eine ausgewogene Ernährung mit wenig Zucker und viel Eiweiß kann die Symptome lindern.
- Achtsamkeit und Meditation: Studien zeigen, dass Achtsamkeitstraining Impulsivität und emotionale Instabilität reduzieren kann.
ADHS im Kindes- und Erwachsenenalter
ADHS zeigt sich bei Kindern häufig durch motorische Unruhe, Probleme in der Schule und impulsives Verhalten. Ohne Behandlung drohen schulische Misserfolge und soziale Ausgrenzung. Bei Erwachsenen tritt die Hyperaktivität in den Hintergrund. Typisch sind: Konzentrationsprobleme im Beruf, emotionale Dysregulation, innere Unruhe und Desorganisation im Alltag.
Bleibt ADHS bei Erwachsenen unbehandelt, kann dies zu Depressionen, Suchterkrankungen oder Beziehungsproblemen führen.
Fazit
ADHS ist eine häufige, jedoch oft missverstandene Störung, von der sowohl Kinder als auch Erwachsene betroffen sein können. Sie entsteht durch das Zusammenspiel genetischer und umweltbedingter Faktoren. Eine zuverlässige ADHS-Diagnose ist nur durch eine umfassende Diagnostik möglich. Die Behandlung von ADHS ist individuell und vielseitig. Zwar haben Medikamente häufig die stärkste Wirkung auf die Kernsymptome, doch sind Verhaltenstherapie, Psychoedukation und Alltagshilfen entscheidend, um langfristig funktionierende Strategien zu entwickeln. Eine Therapie ist dann erfolgreich, wenn medizinische, psychologische und soziale Maßnahmen Hand in Hand greifen.
Häufige Fragen zu ADHS
Welche 3 ADHS-Typen gibt es?
ADHS kann in drei Typen unterteilt werden, den unaufmerksamen Typ, den hyperaktiv-impulsiver Typ und den kombinierten Typ.
Was sind typische Symptome bei ADHS?
Typische ADHS-Symptome sind Unaufmerksamkeit, Impulsivität, Hyperaktivität und emotionale Überreagibilität.
In welchem Alter zeigt sich ADHS?
Erste Symptome treten meist vor dem 7. Lebensjahr auf (ICD-10) bzw. spätestens vor dem 12. Lebensjahr (ICD-11).
Was sind Reizsignale bei ADHS?
Überforderung durch Stress, Reizüberflutung, Lärm oder fehlende Struktur im Alltag können Symptome verstärken.
Was ist typisch für ADHS-Erwachsene?
Typische ADHS-Symptome von Erwachsenen sind innere Unruhe, Desorganisation, Schwierigkeiten mit Zeitmanagement und emotionale Instabilität.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellen
- Amboss. Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Abgerufen am 28. August 2025, von: https://next.amboss.com/de/article/rP0fTT?q=adhs
- Infoportal ADHS. Zentrales ADHS-Netz. Universitätsklinikum Köln. Abgerufen am 28. August 2025, von: https://www.adhs.info
- Thieme Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Falkai P, Laux G, Deister A, Möller H, Hrsg. 7., vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2021.
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). ADHS: Symptome – Diagnose - Behandlung.Broschüre. Köln August, 2021. https://shop.bioeg.de/adhs-symptome-diagnose-behandlung-11090100/











