Entbindungshelfer - Studium und Beruf

Veröffentlicht am 24.06.2025

Es ist eine Schwangere Frau mit Hebamme zu sehen.
AusbildungstypStudium
Ausbildungsdauer3 - 4 Jahre
VorraussetzungAbitur

Ein Entbindungshelfer begleitet Menschen bei einem der wichtigsten Momente im Leben – der Geburt eines Kindes. Viele kennen den Beruf unter dem Namen Hebamme. Hebamme ist die weibliche Berufsbezeichnung. Entbindungshelfer ist der passende Begriff für Männer, die den gleichen Beruf ausüben. 

Aktuelle Jobs als Hebamme / Entbindungspfleger

Als Entbindungshelfer unterstützt du Schwangere vor, während und nach der Geburt. Du hilfst bei Untersuchungen, beruhigst bei Sorgen, begleitest durch die Wehen und sorgst dafür, dass das Baby sicher zur Welt kommt. Auch nach der Geburt bist du für Mutter und Kind da – zum Beispiel beim Stillen oder beim ersten Wickeln. 

Der Beruf ist sehr besonders: Du bist bei einem einmaligen Moment im Leben dabei – aber du brauchst auch viel Wissen, Geduld und Einfühlungsvermögen. Deshalb absolvierst du dafür ein spezielles Studium, in dem du gut vorbereitet wirst. 

Was macht ein Entbindungshelfer? 

Als Entbindungshelfer kümmerst du dich um Schwangere, Gebärende, Neugeborene und manchmal auch um Väter oder andere Begleitpersonen. Du bist nicht nur bei der Geburt selbst dabei, sondern begleitest den gesamten Weg – von der frühen Schwangerschaft bis einige Wochen nach der Geburt. 

Anna Liebig

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Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus? 

Das kommt ganz darauf an, wo du arbeitest: im Krankenhaus, Geburtshaus oder freiberuflich mit Hausbesuchen. Hier sind zwei Beispiele:

Beispiel 1: Du arbeitest im Krankenhaus im Schichtdienst 

  • Du beginnst deine Schicht morgens um 7 Uhr. 
  • Du übernimmst von der Nachtschicht Informationen über die Schwangeren, die gerade in den Wehen liegen. 
  • Du begleitest eine Frau durch die aktive Phase der Geburt: Du hilfst ihr beim Atmen, schlägst Positionen vor, massierst den Rücken, gibst warmes Wasser oder beruhigende Worte. 
  • Du kontrollierst regelmäßig die Herztöne des Babys und den Muttermund – um zu sehen, wie weit die Geburt fortgeschritten ist. 
  • Du dokumentierst alles sorgfältig. 
  • Sobald das Baby kommt, leitest du die Geburt, wenn alles gut verläuft. Bei Komplikationen ziehst du eine:n Ärzt:in hinzu. 
  • Nach der Geburt wiegst du das Kind, kontrollierst die Mutter, hilfst beim ersten Stillen und schreibst die Geburtsdokumente. 
  • Dazwischen wirst du vielleicht zu einer anderen Frau gerufen, die neu ankommt – dann heißt es: Aufnahmegespräch, Untersuchung, Betreuung. 
  • Am Ende der Schicht übergibst du alles an die nächste Kolleg:in. 

Beispiel 2: Du arbeitest freiberuflich und machst Hausbesuche 

  • Dein Tag beginnt mit einem Besuch bei einer Schwangeren in der 30. Woche: Du tastest den Bauch ab, hörst das Herz des Babys, gibst Tipps gegen Rückenschmerzen und beruhigst Sorgen. 
  • Danach fährst du zu einer frischgebackenen Mutter: Das Baby ist 4 Tage alt. Du kontrollierst die Rückbildung der Gebärmutter, schaust dir den Nabel des Babys an, hilfst beim Stillen und beantwortest Fragen. 
  • Später hilfst du einer Frau bei der Geburtsvorbereitung: Ihr Baby liegt noch in Beckenendlage – du erklärst Übungen, die helfen können, damit es sich noch dreht. 
  • Du dokumentierst alles und bist per Telefon für deine betreuten Familien erreichbar – manchmal auch nachts oder am Wochenende. 

Aufgaben als Entbindungshelfer

Phase Aufgabe Beschreibung
Vor der Geburt Beratung Du sprichst mit der Schwangeren über Ernährung, Sport, Ängste, Geburtsschmerzen und alles, was sie beschäftigt.
Untersuchungen Du misst den Bauchumfang, tastest, wie das Baby liegt, hörst die Herztöne mit dem Dopton oder Stethoskop, misst den Blutdruck und kontrollierst Urinproben.
Geburtsvorbereitung Du leitest Kurse, in denen du Atemübungen, Gebärhaltungen, Entspannung und Infos rund um die Geburt erklärst.
Früherkennung von Problemen Du erkennst, ob etwas nicht in Ordnung ist – z. B. zu viel Fruchtwasser, Bluthochdruck oder Anzeichen für Frühgeburt – und überweist dann zu Ärzt:innen.
Während der Geburt Emotionale Begleitung Du bleibst ruhig, stärkst das Vertrauen der Gebärenden in ihren Körper, motivierst und beruhigst.
Körperliche Unterstützung Du hilfst mit Wärme, Bewegung, Massagen, Gebärhockern, Wasserbädern, ätherischen Ölen oder Atemtechniken.
Überwachung Du kontrollierst regelmäßig Wehen, Muttermundöffnung, Blutungen, Herztöne und den allgemeinen Zustand von Mutter und Kind.
Geburtsleitung Wenn die Geburt normal verläuft, darfst du sie allein leiten – von den ersten Presswehen bis zur Nachgeburt (Plazenta).
Erstversorgung Du versorgst Neugeborene direkt nach der Geburt, kümmerst dich um das erste Atmen, die Temperatur, das Bonding (Hautkontakt), das Wiegen und Messen.
Nach der Geburt (Wochenbett) Mutterpflege Du kontrollierst die Rückbildung der Gebärmutter, hilfst bei Geburtsverletzungen und beobachtest den Wochenfluss.
Stillhilfe Du zeigst, wie das Baby richtig angelegt wird, wie man Milchstau verhindert oder was bei wunden Brustwarzen hilft.
Babypflege Du erklärst Wickeln, Baden, Nabelpflege und gibst Tipps bei Blähungen oder Hautproblemen.
Psychische Unterstützung Du sprichst über Gefühle nach der Geburt – Freude, Erschöpfung oder Babyblues – und hilfst weiter, wenn nötig.

Wo kann man als Entbindungshelfer arbeiten? 

Als Entbindungshelfer kannst du an verschiedenen Orten arbeiten – und jeder Arbeitsplatz bringt eigene Besonderheiten mit sich. Die Arbeitsbedingungen, Aufgaben und der Tagesablauf unterscheiden sich je nachdem, wo du tätig bist.

1. Im Krankenhaus (Kreißsaal) 

Was erwartet dich? 

Die meisten Entbindungshelfer arbeiten in Kliniken, also in Krankenhäusern mit einer Geburtshilfe-Abteilung – dem sogenannten Kreißsaal. Hier werden die meisten Geburten in Deutschland durchgeführt. 

Deine Aufgaben: 

  • Du betreust Schwangere bei der Anmeldung, bei Voruntersuchungen und vor allem während der Geburt. 
  • Du arbeitest eng mit Ärzt:innen, Kinderärzt:innen, OP-Teams und Pflegepersonal zusammen. 
  • Du bist zuständig für die Geburt, solange sie ohne Komplikationen verläuft – bei Problemen übergibst du an die ärztliche Leitung. 
  • Du dokumentierst alle Abläufe sorgfältig. 
  • Du betreust meist mehrere Frauen pro Schicht – die Arbeit ist oft stressig, aber auch sehr vielfältig.

Arbeitszeiten: 

  • Du arbeitest im Schichtdienst – also auch nachts, an Wochenenden und Feiertagen. 
  • Schichten sind z. B. 8, 10 oder 12 Stunden lang. 
  • Du musst in Notfällen schnell reagieren können – jede Geburt ist anders. 

Vorteile: 

  • Du arbeitest in einem großen Team und hast viel Rückhalt. 
  • Du lernst sehr viele verschiedene Situationen kennen – auch schwierige.
  • Es gibt klare Abläufe und medizinische Unterstützung ist immer in der Nähe.

2. Im Geburtshaus 

Was ist das? 

Ein Geburtshaus ist eine Einrichtung, in der Schwangere ihr Kind in ruhiger, familiärer Atmosphäre zur Welt bringen können – ohne Krankenhausumgebung, aber trotzdem mit professioneller Betreuung. 

Deine Aufgaben: 

  • Du betreust die Frau in der Schwangerschaft, während der Geburt und in der Nachsorge – oft durchgehend. 
  • Du arbeitest viel eigenverantwortlich und begleitest meist nur eine Geburt zur gleichen Zeit
  • Du betreust vor allem natürliche Geburten ohne Schmerzmittel oder Eingriffe.

Voraussetzungen: 

  • Du brauchst gute Erfahrung und ein sicheres Gefühl dafür, wann medizinische Hilfe nötig ist. 
  • Du musst in Notfällen schnell reagieren und entscheiden können, ob die Frau in eine Klinik verlegt werden sollte. 

Vorteile: 

  • Du hast mehr Zeit für jede einzelne Familie. 
  • Du kannst sehr persönlich und individuell betreuen. 
  • Du arbeitest meist mit festen Kolleg:innen in kleinen Teams.

3. Bei Hausgeburten 

Was bedeutet das? 

Manche Schwangere möchten ihr Kind zu Hause bekommen – in vertrauter Umgebung. Als Entbindungshelfer begleitest du diese Hausgeburten, wenn keine Komplikationen zu erwarten sind. 

Deine Aufgaben:

  • Du fährst zur Familie nach Hause, bringst dein Equipment mit (z. B. Geburtswanne, CTG-Gerät, Notfallausrüstung). 
  • Du betreust die Frau während der Geburt – oft über viele Stunden – und bleibst nach der Geburt noch zur Beobachtung. 
  • Du entscheidest, ob alles sicher verläuft oder ob ein Transport in die Klinik nötig ist. 

Wichtige Voraussetzungen: 

  • Du brauchst viel Erfahrung und gute Nerven. 
  • Du musst auch in stressigen Momenten ruhig bleiben. 
  • Du brauchst ein Auto, um zu jeder Tages- und Nachtzeit einsatzbereit zu sein.

Vorteile: 

  • Sehr persönliche Betreuung in familiärer Umgebung. 
  • Du begleitest die Geburt ganz ohne Zeitdruck. 
  • Oft entwickelst du eine enge Beziehung zur Familie.

4. In der Wochenbettbetreuung (Nachsorge) 

Was ist das? 

Nach der Geburt kommt das sogenannte Wochenbett – die ersten 6 bis 12 Wochen nach der Geburt. In dieser Zeit betreust du Mutter und Baby zu Hause, selbst wenn du nicht bei der Geburt dabei warst. 

Deine Aufgaben: 

  • Du machst regelmäßig Hausbesuche. 
  • Du kontrollierst, wie es der Mutter geht (z. B. Rückbildung, Heilung). 
  • Du beobachtest das Baby (z. B. Gewicht, Stillen, Nabel). 
  • Du hilfst beim Stillen, berätst bei Schlafproblemen, Blähungen oder Unsicherheiten. 
  • Du gibst emotionale Unterstützung – auch bei Überforderung oder Babyblues.

Arbeitsweise: 

  • Du arbeitest freiberuflich – das heißt, du bist dein eigener Chef. 
  • Du organisierst deine Termine selbst. 
  • Du kannst viele Familien gleichzeitig betreuen, brauchst aber gute Planung. 

Vorteile: 

  • Du arbeitest selbstständig und flexibel. 
  • Du begleitest Familien in einer besonders intensiven Lebensphase. 
  • Du hast Zeit, individuell auf jede Familie einzugehen.

Zusammenfassung: 

Arbeitsort Art der Arbeit Passt zu dir, wenn...
Krankenhaus Teamarbeit, Schichtdienst, viele Geburten ...du gerne mit Technik, Routine und vielen Menschen arbeitest.
Geburtshaus Persönliche Betreuung, ruhige Umgebung, kleinere Teams ...du natürlich, ganzheitlich und individuell arbeiten möchtest.
Hausgeburt Selbstständig, intensiv, Notfallbereitschaft ...du erfahren bist und Vertrauen in deinen Beruf hast.
Nachsorge Hausbesuche, Beratung, Wochenbett-Begleitung ...du gerne unabhängig arbeitest und Familien langfristig begleitest.

Wie wirst du Entbindungshelfer? 

Wenn du Entbindungshelfer werden möchtest, brauchst du eine fundierte Ausbildung – denn du trägst in diesem Beruf große Verantwortung. Seit einigen Jahren ist der Weg in diesen Beruf ein Studium. Es ist ein duales Studium, das heißt: Du lernst an einer Hochschule und arbeitest gleichzeitig praktisch in einer Klinik.  

Entbindungshelfer Studium - Voraussetzungen 

1. Schulabschluss

Um das Studium beginnen zu dürfen, brauchst du einen der folgenden Schulabschlüsse: 

Abschluss Was das bedeutet
Allgemeine Hochschulreife (Abitur) Der klassische Weg: Du hast ein vollwertiges Abitur gemacht – z. B. am Gymnasium.
Fachhochschulreife (Fachabi) Auch mit Fachabitur kannst du das Studium bei manchen Hochschulen beginnen – frage hierfür am besten direkt bei der Hochschule deiner Wahl nach.
Beruflich qualifizierter Zugang Manche Hochschulen lassen dich auch ohne Abi zu, wenn du eine Pflegeausbildung gemacht hast und mehrere Jahre Berufserfahrung mitbringst. Die genauen Voraussetzungen variieren – informiere dich bei der Hochschule!
Tipp:
Informiere dich bei der Hochschule deiner Wahl, welche Voraussetzungen du mitbringen musst – das kann leicht unterschiedlich sein.

2. Gesundheitliche Eignung 

Weil du im Studium und später im Beruf körperlich und psychisch gefordert wirst, musst du bei der Bewerbung oft ein ärztliches Attest vorlegen. Das bestätigt, dass du gesund und belastbar bist. 

Was geprüft wird: 

  • Allgemeiner Gesundheitszustand (z. B. Herz, Kreislauf, Bewegungsapparat) 
  • Keine chronischen Erkrankungen, die dich im Beruf einschränken würden 
  • Guter Impfstatus (z. B. gegen Hepatitis B, Masern, COVID-19) 
Wie bekommst du ein ärztliches Attest?
Ein ärztliches Attest bekommst du bei deiner:m Hausärzt:in oder Betriebsärzt:in. Vereinbare einen Termin und sag direkt, dass du das Attest für ein Hebammen- bzw. Entbindungshelfer-Studium brauchst. Der/die Ärzt:in prüft dann deinen allgemeinen Gesundheitszustand – oft durch ein kurzes Gespräch, eine körperliche Untersuchung und eventuell einen Impfpass-Check. Manchmal brauchst du auch ein Formular von der Hochschule, dass die Ärzt:in ausfüllt und unterschreibt. Das Attest musst du später mit deinen Bewerbungsunterlagen einreichen. 

3. Erweitertes polizeiliches Führungszeugnis 

Weil du mit schwangeren Frauen, Neugeborenen und Schutzbedürftigen arbeitest, musst du nachweisen, dass du nicht vorbestraft bist. Dafür brauchst du ein aktuelles Führungszeugnis für berufliche Zwecke

Wie bekommst du ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis?
Ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis kannst du bei deinem Einwohnermeldeamt oder Bürgerbüro beantragen. Du brauchst dafür deinen Personalausweis und meistens eine schriftliche Bestätigung der Hochschule oder Klinik, dass du das Führungszeugnis für eine Bewerbung im Gesundheitsbereich brauchst. Die Beantragung kostet ca. 13 Euro. Das Führungszeugnis wird dir dann per Post nach Hause geschickt – meist innerhalb von ein bis zwei Wochen. 

4. Teilweise: Ein Vorpraktikum im Gesundheitsbereich 

Nicht jede Hochschule verlangt es, aber viele setzen ein Pflichtpraktikum vor dem Studienstart voraus – z. B.: 

  • Krankenhaus (z. B. auf der Wochenbettstation) 
  • Pflegeheim 
  • Geburtshaus 
  • Kinderklinik oder ambulante Pflege 

Typische Dauer: 2 bis 6 Wochen

Ziel: Du bekommst einen realistischen Eindruck vom Berufsalltag und kannst selbst prüfen, ob dir der Umgang mit Menschen, Blut, Körperflüssigkeiten und belastenden Situationen liegt. 

5. Persönliche Eignung: Diese Eigenschaften solltest du mitbringen 

Der Beruf des Entbindungshelfers ist kein typischer Bürojob. Du arbeitest mit echten Menschen in echten Ausnahmesituationen – mit viel Verantwortung. Deshalb solltest du bestimmte Charaktereigenschaften und Fähigkeiten mitbringen. 

Eigenschaft Warum sie wichtig ist
Einfühlungsvermögen Schwangere Frauen sind oft emotional, erschöpft oder ängstlich – du musst sie verstehen und beruhigen können.
Belastbarkeit Geburten dauern manchmal viele Stunden. Du musst konzentriert bleiben – auch nachts oder im Stress.
Körperliche Fitness Du stehst und bewegst dich viel, hilfst beim Halten, Umlagern oder Tragen von Materialien.
Kommunikationsfähigkeit Du musst klar erklären, beruhigen, Entscheidungen mitteilen – oft auch in schwierigen Momenten.
Verantwortungsbewusstsein Du trägst Mitverantwortung für zwei Leben – Mutter und Kind. Dein Handeln muss sicher und überlegt sein.
Teamfähigkeit In der Klinik arbeitest du mit Ärzt:innen, Pflegekräften, Kolleg:innen – du musst gut zusammenarbeiten.

Das Studium zum Entbindungshelfer 

Wenn du Entbindungshelfer werden möchtest, führt dein Weg heute über ein duales Studium der Hebammenwissenschaft. Auch Männer absolvieren dieses Studium, obwohl der Name nach wie vor auf die weibliche Berufsbezeichnung verweist. Die Inhalte sind für alle gleich – und am Ende darfst du dich offiziell Entbindungshelfer nennen. 

Dauer und Abschluss 

Kategorie Information
Dauer 3 bis 4 Jahre (6–8 Semester)
Abschluss Bachelor of Science (B.Sc.) in Hebammenwissenschaft
Studienform Dual – das heißt: Theorie an der Hochschule und Praxis in der Klinik

Aufbau des Studiums

Das duale Studium besteht aus zwei Hauptteilen, die sich regelmäßig abwechseln: 

  1. Theoretische Phasen an der Hochschule 
  2. Praktische Phasen im Kreißsaal und auf Stationen eines Partner-Krankenhauses

Du lernst also nicht nur im Hörsaal, sondern bist auch von Anfang an mitten im echten Berufsleben

Entbindungshelfer Studium - Inhalte im Theorieteil

Fachbereich Was du lernst Beispiel
Medizin und Geburtshilfe Du lernst, wie eine Schwangerschaft entsteht, wie sich der Körper der Frau verändert und wie sich das Baby im Mutterleib entwickelt. Du erfährst, was in den einzelnen Schwangerschaftswochen passiert, wie eine natürliche Geburt abläuft und welche Warnzeichen es für Komplikationen gibt (z. B. Blutungen oder Frühwehen). Du lernst, wie du feststellst, ob das Baby in der richtigen Geburtslage liegt – z. B. mit dem Kopf nach unten oder in Beckenendlage.
Anatomie & Physiologie Du lernst den menschlichen Körper im Detail kennen: Muskeln, Organe, Knochen, Hormone, Blutkreislauf und Nervensystem. Der Fokus liegt auf den weiblichen Fortpflanzungsorganen, der Plazenta, dem Becken und dem Geburtskanal. Außerdem erfährst du, wie sich der Körper nach der Geburt zurückbildet. Du lernst, wie sich die Gebärmutter während der Wehen zusammenzieht, um das Baby herauszuschieben.
Pflege & Hygiene Du erfährst, wie du Schwangere, Gebärende und Neugeborene richtig pflegst, wie du Verletzungen nach der Geburt versorgst und wie du Infektionen vorbeugst. Du lernst auch, wie du Hygienestandards einhältst, damit sich weder Mutter noch Kind mit Keimen anstecken. Du lernst, wie man sterile Handschuhe richtig anzieht oder wie man ein Neugeborenes ohne Infektionsrisiko badet.
Still- und Laktationsberatung Du lernst, wie Muttermilch entsteht, welche Vorteile sie hat und wie Stillen funktioniert. Du bekommst Wissen darüber, wie du Müttern hilfst, die Schwierigkeiten haben – zum Beispiel bei Milchstau, zu wenig Milch oder Schmerzen beim Anlegen. Du erfährst, wie du eine Stillposition anpasst, damit das Baby besser saugt und die Mutter keine Schmerzen hat.
Psychologie & Gesprächsführung Du wirst darin geschult, wie du mit Frauen und Familien sprichst – besonders in sensiblen oder belastenden Situationen. Du lernst, wie du empathisch bist, aktiv zuhörst und verständlich erklärst. Auch Themen wie Angst, Überforderung, Trauer und Bindung werden behandelt. Du lernst, wie du eine Frau begleitest, die ein Baby verloren hat – oder wie du mit Vätern sprichst, die sich ausgeschlossen fühlen.
Notfälle in der Geburtshilfe Du lernst, wie du in stressigen Situationen einen kühlen Kopf bewahrst und welche Maßnahmen du bei verschiedenen Notfällen ergreifen musst – z. B. bei starker Blutung, Nabelschnurvorfall, Geburtsstillstand oder Kreislaufproblemen. Du erfährst, wie du eine Gebärende in Schocklage bringst, wenn ihr Kreislauf zusammenbricht – bis die Ärzt:innen übernehmen.
Ethik & Recht Du setzt dich mit Fragen auseinander wie: Wer darf was entscheiden? Welche Rechte haben Schwangere, Gebärende und Babys? Du lernst außerdem die Schweigepflicht, den Umgang mit Aufklärungsgesprächen und das Berufsrecht kennen. Du erfährst, was du tun musst, wenn eine Frau eine Behandlung ablehnt – obwohl du glaubst, dass sie nötig wäre.
Wissenschaftliches Arbeiten Du lernst, wie man medizinische Fachtexte liest und versteht, wie man Studien bewertet und wie man eigene Projekte durchführt. Du schreibst Hausarbeiten, präsentierst Forschungsergebnisse und lernst, wie du evidenzbasiert arbeitest. Du liest eine Studie über die Wirkung von Akupunktur bei Geburtsschmerzen und lernst, ob und wie du diese Methode in der Praxis anwenden kannst.

Praxisteil im Studium zum Entbindungshelfer

Das Studium zum Entbindungshelfer ist dual aufgebaut. Das bedeutet: Du lernst nicht nur an der Hochschule, sondern arbeitest von Anfang an praktisch in echten Einrichtungen, meist in einem Lehrkrankenhaus, mit dem die Hochschule zusammenarbeitet. 

In diesen Praxisphasen bekommst du genau das beigebracht, was du später im Beruf können musst – Schritt für Schritt, immer unter Anleitung erfahrener Fachkräfte. 

Wie ist die Praxis organisiert?

  • Die Praxiszeiten wechseln sich regelmäßig mit den Theoriephasen ab, z. B. alle 6–12 Wochen. 
  • Du bist bei einem Kooperationsklinikum angestellt – dort wirst du von Praxisanleiter:innen betreut. 
  • Du bekommst während des Studiums ein monatliches Gehalt
  • In der Regel durchläufst du mehrere Pflichtstationen, damit du möglichst viele Situationen kennenlernst.
Wusstest du?
Während des dualen Studiums bekommst du ein monatliches Gehalt, weil du offiziell bei einem Krankenhaus oder einer kooperierenden Klinik angestellt bist. Das heißt: Du arbeitest nicht nur praktisch im Kreißsaal, sondern bekommst dafür auch Geld – und zwar durchgehend, auch während der Theoriephasen an der Hochschule. 

Im ersten Studienjahr verdienst du etwa 1.200 bis 1.300 Euro brutto im Monat. Das entspricht ungefähr 950 bis 1.020 Euro netto, also dem Betrag, der auf deinem Konto ankommt. Im zweiten Jahr steigt dein Gehalt leicht an – auf etwa 1.400 Euro brutto (ca. 1.100 Euro netto), und im dritten Jahr kannst du mit rund 1.500 Euro brutto rechnen, was etwa 1.150 bis 1.200 Euro netto sind. 

Besser abgesichert!
Du musst dafür keinen extra Antrag stellen – das Geld wird dir automatisch überwiesen, sobald dein Ausbildungsvertrag mit der Klinik beginnt. So bist du finanziell besser abgesichert als viele andere Studierende und brauchst in der Regel keinen Nebenjob. 

Stationen und Einsatzorte – wo du lernst 

Praxisstation Was du dort lernst
Kreißsaal (Geburtsstation) Hier begleitest du Geburten – zuerst beobachtend, später aktiv mitarbeitend. Du lernst, wie du Wehen beurteilst, Gebärende unterstützt und wie eine Geburt verläuft. Am Ende des Studiums darfst du unter Anleitung sogar selbst Geburten leiten.
Wochenbettstation Du betreust Mütter und Neugeborene nach der Geburt. Du lernst, wie du Rückbildung, Stillbeginn, Geburtsverletzungen und Babypflege beobachtest und begleitest.
Gynäkologische Ambulanz Hier betreust du Schwangere bei Vorsorgeuntersuchungen. Du nimmst Blut ab, tastest Bäuche ab, schreibst CTGs (Herztonkurven) und bereitest auf die Geburt vor.
Neonatologie (Frühchenstation) Du kümmerst dich um Frühgeborene oder kranke Neugeborene. Du lernst, wie sie überwacht und versorgt werden, z. B. mit Wärmebett, Infusionen oder spezieller Ernährung.
Geburtshaus oder Hausgeburt Wenn deine Hochschule es anbietet, kannst du auch außerklinisch mitarbeiten. Du erlebst, wie Geburten ohne Klinik stattfinden – in ruhigerer Umgebung, mit viel Eigenverantwortung.
Freiberufliche Hebammenpraxis Hier begleitest du Hausbesuche, z. B. bei der Nachsorge. Du siehst, wie Hebammen Familien nach der Geburt beraten – beim Stillen, Wickeln, Schlafen, aber auch bei Unsicherheiten oder Sorgen.

Was lernst du im Praxisteil des Studiums? 

Lernbereich Was du tust und übst
Geburtsbegleitung Du beobachtest den Geburtsverlauf, dokumentierst Wehen, hilfst bei Positionswechseln, Atmung und Beruhigung. Später darfst du auch die Leitung einer Geburt übernehmen – unter Aufsicht.
Körperliche Untersuchung Du tastest Bäuche ab (Lagebestimmung), misst Blutdruck, hörst Herztöne, kontrollierst die Rückbildung der Gebärmutter oder erkennst Anzeichen von Komplikationen.
Dokumentation & Kommunikation Du lernst, wie du medizinisch genau, aber verständlich dokumentierst – und wie du mit Ärzt:innen, Pflegepersonal und Patient:innen professionell sprichst.
Still- und Säuglingspflege Du hilfst beim ersten Anlegen nach der Geburt, berätst beim Stillen und unterstützt Eltern beim Wickeln, Baden und Beruhigen des Babys.
Krisensituationen Du lernst, wie du dich bei Notfällen verhältst – z. B. bei einer starken Blutung nach der Geburt. Anfangs beobachtest du nur, später übst du mit.
Eigenständiges Arbeiten Im Laufe des Studiums übernimmst du immer mehr Verantwortung. Am Ende kannst du z. B. eine Geburt dokumentieren und bestimmte Entscheidungen selbst treffen – immer mit Rücksprache deiner Praxisanleitung.

Fazit 

Wenn du Entbindungshelfer wirst, entscheidest du dich für einen Beruf, der Leben begleitet – vom ersten Herzschlag bis zum ersten Schrei. Du arbeitest nah am Menschen, brauchst Fachwissen, Einfühlungsvermögen und innere Stärke. Der Weg dorthin ist anspruchsvoll: ein duales Studium mit Theorie und Praxis, viel Verantwortung und viele intensive Erfahrungen. 

Dafür bekommst du schon im Studium ein Gehalt, wirst gut auf den Beruf vorbereitet und kannst später überall arbeiten – im Krankenhaus, Geburtshaus, bei Hausgeburten oder freiberuflich. Wenn du dich für Medizin, Schwangerschaft und echtes Miteinander interessierst, könnte das genau dein Weg sein. 

Die wichtigsten Fragen zu Studium und Beruf als Entbindungshelfer

Was ist der Unterschied zwischen Hebamme und Entbindungshelfer?

Es ist der gleiche Beruf – nur mit unterschiedlicher Bezeichnung: Hebamme ist die weibliche Form, Entbindungshelfer die männliche. 

Wie werde ich Entbindungshelfer?

Du machst ein duales Studium in Hebammenwissenschaft (3–4 Jahre). Du lernst an der Hochschule und arbeitest gleichzeitig im Krankenhaus.

Wie viel verdient man als Entbindungshelfer?

Im Studium bekommst du ca. 950–1.200 Euro netto im Monat. Nach dem Studium liegt das Einstiegsgehalt bei etwa 2.800–3.500 Euro brutto (ca. 2.000–2.500 Euro netto), je nach Arbeitsort und Berufserfahrung.

Was macht ein Entbindungshelfer?

Du betreust Schwangere, begleitest Geburten, hilfst im Wochenbett und berätst Familien. Du arbeitest im Kreißsaal, auf Station oder bei Hausbesuchen – immer mit viel Verantwortung und Herz.

Quellenverzeichnis:

  1. Bundesgesundheitsministerium. Hebammen. Abgerufen am 20. Juni 2025, von: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/gesundheitswesen/gesundheitsberufe/hebammen.html
  2. Deutscher Hebammenverband. Das Studium. Abgerufen am 20. Juni 2025, von: https://hebammenverband.de/hebamme-werden-und-sein/das-studium
  3. Bundesagentur für Arbeit. Hebamme/Hebammer. Abgerufen am 20. Juni 2025, von: https://web.arbeitsagentur.de/berufenet/beruf/8838

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