Selbstständigkeit in der Pflege: So funktioniert’s

Veröffentlicht am 03.06.2025

Pflegekraft gibt Patientin ihre Tabletten

Quelle: Pflegia

Du arbeitest in der Pflege und spielst mit dem Gedanken, dich selbstständig zu machen? Vielleicht hast du schon von Kolleg:innen gehört, die freiberuflich arbeiten oder sogar ihren eigenen Pflegedienst gegründet haben. Die Vorstellung, dein:e eigene:r Chef:in zu sein, klingt verlockend – aber wie funktioniert das überhaupt?

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Was bedeutet Selbstständigkeit in der Pflege?

Wenn du in der Pflege arbeitest, bist du wahrscheinlich angestellt – vielleicht in einem Pflegeheim, bei einem ambulanten Dienst oder im Krankenhaus. Als Selbstständige:r würdest du dagegen eigenverantwortlich arbeiten, deine eigenen Entscheidungen treffen und dir deine Aufträge selbst organisieren.

Doch Selbstständigkeit ist nicht gleich Selbstständigkeit. In der Pflege gibt es vor allem zwei Formen:

1. Freiberufliche Pflegekraft

Du arbeitest auf Honorarbasis, meist allein und direkt für eine Einrichtung (z. B. Krankenhaus, Reha-Klinik) oder über eine Vermittlungsplattform. Du bietest deine Pflegeleistungen zeitlich befristet an – wie eine Pflege-Aushilfe mit Profi-Know-how.

Anna Liebig

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Typisch für die freiberufliche Pflege:

  • Du arbeitest flexibel: Wo, wann und wie viel entscheidest du selbst.
  • Du brauchst keinen Pflegedienst und kein Personal.
  • Du musst dich selbst um deine Absicherung, Steuern und Aufträge kümmern.
  • Du wirst nicht als Unternehmer:in, sondern als Freiberufler:in geführt.
Achtung:
Nicht jede Pflegekraft darf sich einfach „freiberuflich“ nennen – dazu später mehr unter dem Thema Scheinselbstständigkeit.

2. Gewerbliche Pflege: Eigener Pflegedienst

Du gründest deinen eigenen ambulanten Pflegedienst und betreust Pflegebedürftige mit einem Team. Das ist eine aufwendigere, aber auch unternehmerischere Form der Selbstständigkeit.

Typisch für den eigenen Pflegedienst:

  • Du bist Arbeitgeber:in, organisierst Dienstpläne und kümmerst dich um Abrechnung & Bürokratie.
  • Du brauchst ggf. eine Zulassung bei den Pflegekassen (§ 132a SGB V).
  • Du hast höhere Anfangskosten – dafür aber auch die Chance auf ein wachsendes Unternehmen.
  • Du trittst offiziell als Gewerbetreibende:r auf.

Welche Form passt zu dir?

Du willst … Dann passt …
sofort starten, ohne Personalverantwortung die freiberufliche Pflege
ein Unternehmen aufbauen und Patient:innen direkt betreuen ein eigener Pflegedienst
flexibel zwischen Aufträgen wechseln eher freiberuflich
langfristig wachsen und Strukturen schaffen eher gewerblich (Pflegedienst)
Kurz gesagt:
Selbstständig in der Pflege zu sein heißt, du arbeitest nicht zwangsläufig mehr als Angestellte:r, sondern auf eigene Rechnung. Das bringt mehr Freiheit – aber auch mehr Verantwortung und Risiko. Ob du allein arbeiten willst oder ein Team aufbauen möchtest, bestimmt deinen Weg.

Eine typische Woche – Freiberuflich vs. eigener Pflegedienst

Aspekt Freiberufliche Pflegekraft Eigener Pflegedienst
Montag Frühschicht im Krankenhaus: Verbandswechsel, Medikamentengabe, Patient:innen betreuen. Danach frei oder zweiter Auftrag am Nachmittag. Team-Meeting mit Mitarbeiter:innen. Dienstplan anpassen. Erste Pflegetour begleiten. Telefonate mit Angehörigen & Hausarztpraxis.
Dienstag Spätschicht in einer Rehaklinik. Du bestimmst, wie viele Schichten du annimmst. Pflegeeinsätze im System dokumentieren. Rechnungen prüfen. Neue:r Bewerber:in im Bewerbungsgespräch. Einkauf von Pflegehilfsmitteln.
Mittwoch Kein Auftrag heute – Ruhetag oder Weiterbildung (z. B. Wundmanagement). Pflegetour mit zwei Mitarbeiter:innen begleiten, Qualitätskontrolle. Pflegevisite mit Pflegebedürftiger.
Donnerstag Doppelschicht für höhere Einnahmen – du hast die Wahl. Arbeit über eine Vermittlungsagentur in einem Seniorenheim. Pflegeplanung überarbeiten, Kund:innenbesuche. Abrechnung mit Pflegekasse vorbereiten. Telefonat mit Steuerberater:in.
Freitag Frühschicht in einer anderen Einrichtung – Abwechslung möglich. Danach Wochenende frei. Pflegeeinsatz, dann Personalgespräch wegen Konflikt im Team. Danach: Neue Anfragen von Angehörigen prüfen.
Wochenende Meist frei – du entscheidest. Oder Zusatzschicht für höhere Bezahlung. Rufbereitschaft oder selbst im Einsatz, z. B. bei Notfällen. Pflegekräfte krank? Du springst ggf. ein.

Alltag im Vergleich

Freiberuflich Pflegedienst
Flexibilität Sehr hoch – du bestimmst Arbeitszeiten und freie Tage. Eingeschränkt – Verantwortung für Team & Einsätze.
Verantwortung Für dich selbst (und deine Absicherung). Für Team, Qualität, Bürokratie, Finanzen.
Organisation Minimal: Aufträge, Rechnungen, Versicherung. Hoch: Dienstplanung, Personalführung, Abrechnung, Zulassungen.
Einkommen Schwankt – je nach Aufträgen und Stunden. Kann stabiler und höher sein – bei guter Organisation.
Wachstumspotenzial Begrenzt – du bist dein eigenes Produkt. Hoch – du kannst ein Unternehmen aufbauen.

Wenn du gerne flexibel arbeitest, Abwechslung liebst und keine Führungsverantwortung willst, ist die freiberufliche Tätigkeit ideal. Wenn du ein Team führen möchtest, langfristig denkst und bereit bist, Zeit in Organisation und Bürokratie zu investieren, kann ein eigener Pflegedienst der richtige Weg sein.

Was ist denn nun genau „freiberuflich“?

In Deutschland ist der Begriff „Freiberufler:in“ gesetzlich geregelt. Pflegekräfte gelten nicht automatisch als freiberuflich, sondern müssen bestimmte Bedingungen erfüllen. Zum Beispiel darfst du nicht dauerhaft bei nur einem Auftraggeber tätig sein – sonst droht Scheinselbstständigkeit.

Freiberuflich arbeiten darfst du in der Regel nur, wenn:

  • du auf eigene Rechnung arbeitest,
  • du mehrere Auftraggeber hast (z. B. wechselnde Kliniken),
  • du nicht weisungsgebunden bist (also selbst entscheidest, wie du arbeitest).

Wenn du deine Pflegeleistung direkt an Pflegebedürftige anbietest (z. B. ambulante Pflege zu Hause), brauchst du fast immer eine Gewerbeanmeldung – und oft auch eine Zulassung nach §132a SGB V (für die Abrechnung mit den Pflegekassen).

Pflegekraft gibt Patientin die Hand
Quelle: Pflegia

Der Weg in die Selbstständigkeit – Schritt für Schritt

Du hast dich entschieden, selbstständig in der Pflege zu arbeiten – großartig! Aber wie gehst du es konkret an? Ob freiberuflich oder mit eigenem Pflegedienst: Die ersten Schritte sind entscheidend.

Schritt 1: Prüfe deine Voraussetzungen

Bevor du loslegst, solltest du ehrlich einschätzen, ob du die wichtigsten Grundlagen mitbringst:

Fachliche Voraussetzungen Persönliche Voraussetzungen
Abgeschlossene Ausbildung als Pflegefachkraft (z. B. Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege) Selbstorganisation, Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein
Mehrjährige Berufserfahrung (empfohlen, besonders für Pflegedienst-Gründung) Belastbarkeit, Kommunikationsstärke, unternehmerisches Denken
Gute Deutschkenntnisse (für Dokumentation, Abrechnung etc.) Motivation, Eigeninitiative und Lernbereitschaft

Schritt 2: Wähle die richtige Rechtsform

Die Rechtsform legt fest, wie du offiziell auftrittst – z. B. als Einzelperson oder als Unternehmen.

Rechtsform Geeignet für Besonderheiten
Einzelunternehmen Freiberufliche Pflegekräfte oder kleine Pflegedienste Einfach zu gründen, keine Kapitalvorgabe
GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) Zwei oder mehr Gründer:innen (z. B. gemeinsamer Pflegedienst) Gemeinsame Verantwortung, kein Mindestkapital
GmbH Mittelgroße bis größere Pflegedienste Höhere Sicherheit, aber: mind. 25.000 € Stammkapital, mehr Bürokratie
Tipp:
Für freiberufliche Pflegekräfte reicht meist das Einzelunternehmen. Bei einem Pflegedienst lohnt sich die GmbH oft ab einer gewissen Größe.

Schritt 3: Anmeldung & Bürokratie

Je nach Selbstständigkeitsform musst du dich bei verschiedenen Stellen anmelden:

Was? Freiberuflich Pflegedienst (gewerblich)
Finanzamt Ja (Fragebogen zur steuerlichen Erfassung) Ja
Gewerbeamt Nein (außer du pflegst privat direkt gegen Entgelt) Ja
Berufsgenossenschaft für Gesundheit und Wohlfahrtspflege (BGW) Ja Ja
Zulassung Pflegekasse (§132a SGB V) Nein Ja (wenn du mit Kassen abrechnen willst)
Pflegekammer / Landesbehörden Je nach Bundesland verpflichtend Je nach Bundesland verpflichtend

Schritt 4: Versicherungen abschließen

Als Selbstständige:r musst du dich selbst absichern – denn niemand zahlt mehr automatisch für dich.

Versicherung Warum wichtig? Pflicht?
Berufshaftpflicht Schützt dich bei Fehlern in der Pflege Ja
Krankenversicherung Gesetzlich oder privat – du wählst selbst Ja
Rentenversicherung Für Pflegekräfte oft verpflichtend (freiberuflich) Ja (in vielen Fällen)
Betriebshaftpflicht (für Pflegedienste) Schutz bei Schäden durch Mitarbeiter:innen Ja
Unfallversicherung Über die Berufsgenossenschaft Ja
Tipp:
Lass dich frühzeitig von eine:r unabhängigen Versicherungsberater:in beraten.

Schritt 5: Aufträge oder Klient:innen finden

Je nach Selbstständigkeitsform gibt es verschiedene Wege zu deinen ersten Einsätzen:

Freiberuflich Pflegedienst
Vermittlungsagenturen (z. B. Freelance-Plattformen für Pflege) Kooperationsverträge mit Pflegekassen
Direktanfragen von Kliniken, Heimen oder Reha-Zentren Kontakte zu Hausärzt:innen, Sozialdiensten
Empfehlungen durch Kolleg:innen Website, Flyer, lokale Werbung

Schritt 6: Netzwerken & Weiterbilden

Gerade am Anfang ist es hilfreich, mit anderen Selbstständigen im Austausch zu stehen:

  • Pflegeberufsverbände (z. B. DBfK)
  • Existenzgründungsberatungen (z. B. IHK, Gründerzentren)
  • Facebook-Gruppen oder Foren für Pflege-Selbstständige
  • Fachweiterbildungen (z. B. Wundversorgung, Palliative Care)
Der Weg in die Selbstständigkeit ist gut machbar – wenn du Schritt für Schritt vorgehst.
Du musst nicht alles auf einmal wissen. Wichtig ist, dass du dir von Anfang an einen klaren Plan machst, dich beraten lässt und mutig deine ersten Schritte gehst.

Häufige Stolpersteine und wie du sie vermeidest

Gerade am Anfang kann die Selbstständigkeit in der Pflege verwirrend sein. Viele machen ähnliche Fehler – oft, weil wichtige Infos fehlen oder unterschätzt werden.

Hier zeigen wir dir die häufigsten Stolperfallen – und wie du sie einfach vermeiden kannst.

1. Scheinselbstständigkeit

Was ist das? Du arbeitest offiziell selbstständig, bist aber faktisch wie eine angestellte Person in die Abläufe eingebunden – z. B. mit festen Schichten, festen Anweisungen und nur einem Auftraggeber.

Woran erkenne ich das Risiko der Scheinselbstständigkeit?

Merkmal Hinweis auf echte Selbstständigkeit Hinweis auf Scheinselbstständigkeit
Anzahl der Auftraggeber Du hast mehrere Auftraggeber Du arbeitest dauerhaft für nur einen Auftraggeber
Arbeitsorganisation Du entscheidest selbst über Arbeitszeit und -weise Du bekommst Anweisungen von Vorgesetzten
Eingliederung Du bist nicht in Dienstpläne eingebunden Du bist in feste Dienstpläne integriert
Außendarstellung Du trittst mit eigenem Namen/Logo/Rechnung auf Du trägst Dienstkleidung der Einrichtung
Arbeitsmittel Du bringst eigene Materialien mit Du nutzt das Material der Einrichtung ohne eigene Organisation

Warum ist das ein Problem? Das Finanzamt oder die Rentenversicherung kann entscheiden, dass du rückwirkend als Angestellte:r giltst – inklusive Nachzahlungen (auch für den Auftraggeber).

So vermeidest du das:

  • Nimm mehrere Aufträge gleichzeitig oder nacheinander an.
  • Gestalte deine Arbeit nachweislich selbstständig (eigene Verträge, keine Weisungsgebundenheit).
  • Lass im Zweifel eine Statusfeststellung bei der Deutschen Rentenversicherung machen.

2. Fehlende Buchhaltung und Steuerübersicht

Viele starten motiviert – aber vergessen, dass sie sich jetzt selbst um ihre Finanzen kümmern müssen.

Typische Fehler:

  • Keine Übersicht über Einnahmen und Ausgaben
  • Umsatzsteuer nicht korrekt abgeführt
  • Belege nicht gesammelt
  • Steuererklärung verschleppt

So vermeidest du das:

  • Nutze ein Buchhaltungsprogramm (z. B. sevDesk, Lexoffice, Papierkram)
  • Führe ein separates Geschäftskonto
  • Sammle Belege digital
  • Hole dir bei Unsicherheit frühzeitig Hilfe von eine:r Steuerberater:in

3. Überforderung durch zu viele Aufgaben

Gerade wenn du allein startest, kann dich die Kombination aus Pflege, Büroarbeit, Akquise, Abrechnung und Selbstorganisation schnell überrollen.

So beugst du vor:

  • Plane von Anfang an Ruhezeiten ein
  • Nutze Tools zur Organisation (z. B. To-do-Apps, Kalender)
  • Vernetze dich mit anderen Selbstständigen für Austausch und Tipps
  • Lagere Aufgaben aus (z. B. Buchhaltung oder Telefonservice)

4. Unklare Verträge mit Auftraggebern oder Klient:innen

Ohne klare Verträge kann es schnell zu Missverständnissen kommen – z. B. bei Bezahlung, Arbeitszeit oder Verantwortlichkeiten.

Lösungen:

  • Verwende klare, schriftliche Verträge
  • Regele Zahlungsbedingungen, Kündigungsfristen und Haftung
  • Nutze ggf. Musterverträge (z. B. von Berufsverbänden)

5. Zu wenig Informationen über gesetzliche Anforderungen

Besonders bei der Gründung eines Pflegedienstes kann fehlendes Wissen über rechtliche Vorgaben (z. B. Hygienekonzepte, Qualitätsprüfungen, Datenschutz) zum Problem werden.

So gehst du auf Nummer sicher:

  • Lass dich vor der Gründung gründlich beraten (z. B. über IHK, Gründerzentren oder Pflegedienst-Coaches)
  • Informiere dich über landesspezifische Vorgaben (z. B. über das Gesundheitsamt)
  • Nimm an Gründungsseminaren teil
Pflegekraft sitzt vor dem Laptop
Quelle: canva.com

Tipps für den erfolgreichen Start

Der Weg in die Selbstständigkeit ist mehr als nur eine Anmeldung beim Finanzamt. Damit dein Start nicht nur funktioniert, sondern auch langfristig erfolgreich ist, brauchst du klare Strukturen, einen kühlen Kopf und ein gutes Netzwerk.

Tipp:
Starte nicht zu breit. Besser ein klares Profil mit einem Schwerpunkt, als alles gleichzeitig anbieten zu wollen.

1. Plane dein Angebot klar und realistisch

Überlege dir genau:

  • Was bietest du an? (z. B. Behandlungspflege, Grundpflege, Vertretungseinsätze)
  • Für wen ist dein Angebot gedacht? (z. B. Kliniken, Pflegedienste, Privatpersonen)
  • Wo und wann bist du einsatzbereit? (regional, mobil, mit Nacht- oder Wochenenddiensten?)

2. Setze auf Weiterbildung & Spezialisierung

Gerade in der Pflege ist Fachwissen gefragt – und oft auch besser bezahlt, wenn du spezialisiert bist.

Beliebte Zusatzqualifikationen sind zum Beispiel:

3. Baue dir ein Netzwerk auf

Niemand muss (und sollte) den Weg allein gehen. Austausch mit anderen Selbstständigen hilft enorm:

  • Lerne aus Erfahrungen anderer
  • Erhalte Tipps zu Verträgen, Versicherungen, Preisen
  • Werde weiterempfohlen – gerade bei kurzfristigen Einsätzen

Wo findest du Kontakte?

  • Berufsverbände (z. B. DBfK, bpa)
  • Regionale Gründernetzwerke
  • Online-Foren, Facebook-Gruppen, Stammtische
  • Veranstaltungen, Kongresse oder Fortbildungen

4. Denke auch an deine Erholung

Viele Selbstständige arbeiten rund um die Uhr – bis es zu viel wird. Dabei ist Selbstständigkeit auch eine Chance, dein Leben gesünder zu gestalten.

So klappt’s:

  • Plane feste freie Tage
  • Rechne Urlaubs- und Krankheitstage in deinen Stundensatz mit ein
  • Erstelle dir einen Wochenplan mit festen Ruhephasen
  • Gönn dir auch mal bewusst Leerlauf – du musst nicht jeden Auftrag annehmen

5. Sei geduldig und professionell – auch bei Rückschlägen

Gerade in der Anfangszeit läuft nicht alles rund: Mal klappt ein Auftrag nicht, mal stockt die Bürokratie. Das gehört dazu.

Wichtig:

  • Bleib sachlich, freundlich und lösungsorientiert
  • Dokumentiere alles ordentlich (Verträge, Leistungen, Kommunikation)
  • Sammle Feedback – es hilft dir, dich zu verbessern
  • Feier kleine Erfolge – jeder Schritt zählt!

Fazit - Lohnt sich die Selbstständigkeit für dich?

Die Selbstständigkeit in der Pflege ist kein einfacher, aber ein sehr lohnender Weg – wenn sie zu dir passt. Es gibt keine pauschale Antwort darauf, ob dieser Schritt für dich richtig ist. Deshalb ist es wichtig, ehrlich zu reflektieren: Was willst du? Und was bist du bereit zu investieren?

Entscheidungshilfe: Checkliste für deine Selbstständigkeit

Beantworte die folgenden Fragen mit „Ja“ oder „Nein“ – je mehr „Ja“, desto besser passt die Selbstständigkeit zu dir.

Frage Ja Nein
Ich wünsche mir mehr berufliche Freiheit und Eigenverantwortung.
Ich arbeite gerne selbstorganisiert und treffe eigene Entscheidungen.
Ich bin bereit, mich mit Themen wie Buchhaltung, Versicherungen und Recht auseinanderzusetzen.
Ich kann gut mit Unsicherheit und schwankendem Einkommen umgehen.
Ich habe eine klare Vorstellung davon, welche Leistungen ich anbieten will.
Ich kann mich gut selbst motivieren – auch ohne Vorgesetzte.
Ich bin bereit, Zeit und ggf. Geld in Fortbildung, Anmeldung und Aufbau zu investieren.
Ich informiere mich aktiv über gesetzliche Vorgaben und Pflichten.
Ich sehe mich als Dienstleister:in – zuverlässig, professionell und kundenorientiert.

Bewertung:

  • 8–9 x Ja: Du bringst beste Voraussetzungen mit! Die Selbstständigkeit könnte sehr gut zu dir passen.
  • 5–7 x Ja: Du hast gute Grundlagen, solltest dich aber gezielt mit deinen Schwächen beschäftigen.
  • Weniger als 5 x Ja: Vielleicht ist es noch zu früh – oder du möchtest erst als Angestellte:r mehr Erfahrung sammeln, bevor du den Schritt wagst.

Ehrlicher Ausblick:

Die Selbstständigkeit ist keine Abkürzung. Es ist ein eigener Weg – mit viel Freiheit, aber auch Verantwortung. Du wirst wachsen müssen, Fehler machen, Lösungen finden. Aber: Es kann sich lohnen. Finanziell, persönlich und beruflich.

Wenn du dich selbst gestalten willst – statt gestaltet zu werden –, kann die Selbstständigkeit dir genau das ermöglichen.

Gerade zu Beginn ist es wichtig, zuverlässige Ansprechpersonen und Informationsquellen zu haben. Hier findest du eine Auswahl an Stellen und Plattformen, die dir beim Start in die Selbstständigkeit in der Pflege wirklich weiterhelfen können.

Beratung & Existenzgründung

Anlaufstelle Was sie bietet
Industrie- und Handelskammer (IHK) Kostenlose Existenzgründungsberatung, Seminare, Veranstaltungen, rechtliche Infos
Gründerplattform (www.gruenderplattform.de) Online-Begleitung beim Aufbau eines Businessplans, inklusive Tutorials & Förderprogramme
Gründerzentren & Wirtschaftsförderung deiner Stadt Lokale Netzwerke, Beratung, Kontakte zu Steuerberater:innen und Coaches

Berufsverbände & Pflegeorganisationen

Organisation Was sie bietet
DBfK (Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe) Politische Vertretung, Musterverträge, Fortbildungen, Fachinformationen
bpa (Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V.) Unterstützung für Pflegedienstgründung, Rechtsberatung, Infos zur Kassenabrechnung
Deutscher Pflegerat (DPR) Pflegepolitische Infos, Orientierungshilfe zur Professionalisierung
Freie Pflegekräfte e. V. Netzwerk für freiberufliche Pflegekräfte, Austausch & Schutz vor Scheinselbstständigkeit

Steuern, Recht & Versicherungen

Anlaufstelle Thema
Deutsche Rentenversicherung Informationen zur Rentenversicherungspflicht bei Selbstständigkeit
Finanzamt (regional) Auskunft zur steuerlichen Erfassung, Steuernummer, Kleinunternehmerregelung
Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) Obligatorische Unfallversicherung für Pflegekräfte
Versicherungsberater:innen / Steuerberater:innen Unabhängige Beratung zu Absicherung, Steuern, Investitionsplanung

Wissen & Weiterbildung

Plattform / Anbieter Schwerpunkt
Springer Pflege / Thieme Pflege / Pflegekammern Fachzeitschriften, Online-Kurse, Lernmodule
APOLLON Hochschule / WINGS / diverse Fernschulen Spezialisierungen & akademische Weiterbildungen für Pflegekräfte
Fortbildung24.de Übersicht über Pflege-Fortbildungen in ganz Deutschland

Austausch & Community

Plattform Was du dort findest
Facebook-Gruppen (z. B. „Freiberufliche Pflegekräfte“, „Pflegedienst gründen“) Erfahrungsberichte, Fragen & Antworten, Kontakt zu Gleichgesinnten
XING / LinkedIn Pflege-Communities Berufliches Netzwerken, Jobkontakte, Kooperationen
Pflege-Foren (z. B. pflegeboard.de) Tiefergehende Diskussionen zu rechtlichen, fachlichen und praktischen Fragen

Dein nächster Schritt:

Speichere dir diese Liste, recherchiere gezielt nach lokalen Angeboten und vernetze dich frühzeitig. Die Selbstständigkeit in der Pflege muss kein Alleingang sein – im Gegenteil: Mit den richtigen Anlaufstellen wird der Weg deutlich leichter. Wir wünschen dir viel Erfolg!

Quellen:

  1. Deutschland startet. (o. D.).
    Selbstständig machen als Einzelpflegekraft. Abgerufen am 24. Mai 2025, von www.deutschland-startet.de/selbststaendig-machen-einzelpflegekraft/
  2. Die Bayerische. (o. D.).
    Das sollten Freiberufler in der Pflege beachten. Abgerufen am 24. Mai 2025, von www.diebayerische.de/ratgeber/Das-sollten-Freiberufler-in-der-Pflege-beachten/
  3. Bundesagentur für Arbeit. (o. D.).
    Existenzgründung – Gründungszuschuss. Abgerufen am 24. Mai 2025, von www.arbeitsagentur.de/arbeitslos-arbeit-finden/arbeitslosengeld/existenzgruendung-gruendungszuschuss
  4. Existenzgründungsportal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. (o. D.).
    Startseite. Abgerufen am 24. Mai 2025, von www.existenzgruendungsportal.de

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