Fachkrankenpfleger:in Intensivpflege/Anästhesie - Weiterbildung und Beruf

Veröffentlicht am 30.07.2025

Eine Fachkrankenpflegerin dokumentiert Patientendaten.
AusbildungstypWeiterbildung
Ausbildungsdauer2 Jahre
VorraussetzungPflegeausbildung

Stell dir vor, ein Mensch liegt schwer krank im Krankenhaus. Er kann nicht mehr allein atmen, braucht eine Maschine, die ihm dabei hilft. Vielleicht hatte er eine große Operation oder einen Unfall. In solchen Momenten braucht es Pflegekräfte, die sich besonders gut auskennen – mit modernen Geräten, mit Medikamenten und mit den speziellen Bedürfnissen von sehr kranken Patient:innen. Genau hier kommt der Beruf Fachkrankenpfleger:in für Intensivpflege und Anästhesie ins Spiel.

Ein:e Fachkrankenpfleger:in ist eine Pflegekraft, die nach der normalen Pflegeausbildung eine Zusatz-Weiterbildung gemacht hat. Mit diesem Wissen kannst du zum Beispiel auf einer Intensivstation oder im Operationssaal (Anästhesie) arbeiten. Dort kümmerst du dich um Patient:innen, die besonders viel Aufmerksamkeit und medizinische Unterstützung brauchen.

Grundvoraussetzungen

Bevor du Fachkrankenpfleger:in für Intensivpflege und Anästhesie werden kannst, benötigst du einen Schulabschluss, eine abgeschlossene Pflegeausbildung und erste Berufserfahrung.

Schulabschluss

Wenn du Fachkrankenpfleger:in für Intensivpflege und Anästhesie werden möchtest, musst du zuerst einen Schulabschluss haben. Damit du eine Pflegeausbildung beginnen kannst (dazu kommen wir gleich im nächsten Abschnitt), brauchst du mindestens:

1. Mittlerer Schulabschluss

Das ist z. B. die Mittlere Reife, wie du sie an einer Realschule oder Gesamtschule bekommst. Viele beenden die 10. Klasse mit diesem Abschluss. Mit einem mittleren Schulabschluss kannst du direkt in die Pflegeausbildung einsteigen.

2. Hauptschulabschluss + Berufsausbildung

Wenn du „nur“ einen Hauptschulabschluss hast, ist das auch möglich – aber nur, wenn du zusätzlich schon eine andere Ausbildung gemacht hast, die mindestens 2 Jahre dauert.

Beispiel:

  • Du hast nach der 9. Klasse eine Ausbildung als Verkäufer:in gemacht (2 Jahre)
  • Dann kannst du dich danach für die Pflegeausbildung bewerben

3. Abitur oder Fachabitur

Natürlich kannst du auch mit einem höheren Abschluss in die Pflege gehen. Wenn du ein (Fach-)Abitur hast, brauchst du keine zusätzliche Berufsausbildung. Viele machen nach dem Abi eine Pflegeausbildung, um später z. B. Pflege zu studieren oder sich weiterzubilden. Ein höherer Abschluss ist also kein Muss, aber oft ein Vorteil.

Dein Schulabschluss Was du zusätzlich brauchst Pflegeausbildung möglich?
Mittlere Reife Nichts Ja
Hauptschulabschluss Mind. 2-jährige Berufsausbildung Ja
Hauptschulabschluss ohne Berufsausbildung Nein
Abitur oder Fachabitur Nichts Ja

Wenn du noch zur Schule gehst und später in die Pflege möchtest, ist es am besten, die Mittlere Reife anzustreben. Damit hast du alle Möglichkeiten – ohne Umwege. Wenn du schon weißt, dass du Pflege spannend findest, kannst du nach der Schule auch ein Praktikum oder ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Krankenhaus machen. Das hilft dir beim Einstieg – und sieht gut aus bei der Bewerbung für die Ausbildung.

Pflegeausbildung – Der erste große Schritt in den Pflegeberuf

Bevor du Fachkrankenpfleger:in für Intensivpflege und Anästhesie werden kannst, musst du zuerst eine Pflegeausbildung machen. Das ist der Grundbaustein für alles, was danach kommt. Früher gab es verschiedene Pflegeberufe: Krankenpflege, Altenpflege, Kinderkrankenpflege. Heute ist das zusammengelegt in einer einheitlichen Ausbildung, die seit 2020 so heißt:

Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann

Diese Ausbildung bereitet dich auf alle Pflegebereiche vor – also auf die Arbeit mit älteren Menschen, kranken Erwachsenen und Kindern. Du bekommst eine breite Grundausbildung und kannst später entscheiden, in welchem Bereich du dich spezialisieren möchtest.

Die Pflegeausbildung dauert 3 Jahre in Vollzeit (in Teilzeit dauert sie entsprechend länger) und ist dual aufgebaut. Das bedeutet: Du hast zwei Lernorte:

  1. Pflegeschule (Theorie) Hier lernst du alles über den menschlichen Körper, Krankheiten, Medikamente, Hygiene, Kommunikation mit Patient:innen und vieles mehr.
  2. Praxis im Krankenhaus, Pflegeheim oder ambulanten Pflegedienst Hier arbeitest du mit echten Patient:innen. Du lernst z. B. wie man Blutdruck misst, Menschen beim Waschen hilft oder Verbände wechselt. Du lernst auch, wie man mit schwierigen Situationen umgeht, etwa wenn ein Mensch Angst hat oder Schmerzen.

Am Ende der 3 Jahre machst du eine staatliche Prüfung – schriftlich, praktisch und mündlich. Wenn du bestehst, darfst du dich offiziell nennen: Pflegefachfrau oder Pflegefachmann. Dann darfst du überall in Deutschland und sogar im Ausland in der Pflege arbeiten – im Krankenhaus, Pflegeheim oder ambulant.

Berufserfahrung

Sobald du deine Pflegeausbildung abgeschlossen hast, darfst du dich Pflegefachfrau oder Pflegefachmann nennen. Doch bevor du die Fachweiterbildung zur Fachkrankenpfleger:in für Intensivpflege und Anästhesie beginnen kannst, musst du erst einmal Erfahrung im Berufsalltag sammeln.

Warum ist das so wichtig? Auf Intensivstationen und im Bereich Anästhesie arbeitest du mit Patient:innen, die in Lebensgefahr sein können. Du musst schnell, sicher und verantwortungsvoll handeln – oft in Situationen, die für andere stressig oder beängstigend wären. Dafür brauchst du praktische Routine, die du dir in der normalen Pflege erst aneignest.

Die Mindestvoraussetzung für den Beginn der Fachweiterbildung ist: 6 Monate Berufserfahrung auf einer Intensivstation oder im Bereich Anästhesie.

Das bedeutet:

  • Du arbeitest nach deiner Ausbildung in einem Krankenhaus
  • Du wirst in dieser Zeit direkt mit intensiv zu pflegenden Patient:innen arbeiten
  • Du lernst die Abläufe auf einer Intensivstation oder im OP kennen
Wichtig:
Manche Kliniken oder Bundesländer setzen sogar 1 bis 2 Jahre Berufserfahrung voraus. Informiere dich also frühzeitig bei der Einrichtung, bei der du die Fachweiterbildung machen möchtest.

Anna Liebig

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Persönliche Eigenschaften

Eigenschaft Warum ist das wichtig?
Ruhe bewahren Auf Intensivstationen oder im OP kann es plötzlich sehr hektisch werden. Du musst auch in Notfällen einen kühlen Kopf behalten, um keine Fehler zu machen.
Verantwortungsbewusstsein Du betreust Patient:innen, deren Leben von deiner Aufmerksamkeit abhängen kann. Jede Handlung zählt.
Technisches Verständnis Du arbeitest mit vielen Geräten: Beatmungsmaschinen, Überwachungsmonitore, Infusionspumpen. Du musst wissen, wie sie funktionieren und was zu tun ist, wenn etwas nicht stimmt.
Teamfähigkeit Du arbeitest nie allein. Du bist Teil eines Teams mit Ärzt:innen, anderen Pflegekräften, Therapeut:innen. Gute Zusammenarbeit ist lebenswichtig.
Einfühlungsvermögen Viele Patient:innen sind bewusstlos, verängstigt oder verwirrt. Auch Angehörige sind oft in Sorge. Du musst menschlich handeln und Sicherheit vermitteln können.
Belastbarkeit Die Arbeit ist körperlich und emotional anstrengend. Du musst mit Schichtdienst, schweren Krankheitsfällen und schwierigen Situationen umgehen können.
Sorgfalt und Genauigkeit In der Intensivpflege geht es um Milliliter, Sekunden und präzise Abläufe. Fehler können schwere Folgen haben. Deshalb ist genaues Arbeiten Pflicht.
Lernbereitschaft Medizinisches Wissen verändert sich ständig. Du musst bereit sein, immer wieder Neues zu lernen – in der Weiterbildung und im späteren Berufsalltag.

Fachweiterbildung Intensivpflege/Anästhesie - Ablauf

Die Weiterbildung zur Fachkrankenpfleger:in für Intensivpflege und Anästhesie ist kein klassisches „Schulprogramm“, das du Vollzeit besuchst. Stattdessen ist sie berufsbegleitend aufgebaut. Das bedeutet: Du arbeitest weiterhin im Krankenhaus, meistens auf einer Intensivstation oder im OP, und besuchst zusätzlich Unterrichtseinheiten, die über die zwei Jahre verteilt stattfinden.

Die Weiterbildung besteht aus zwei Teilen, die sich abwechseln:

Teil der Weiterbildung Was passiert dort?
Theorie (Schule) Du besuchst Kurse in einer Pflegeschule oder einem Bildungszentrum. Hier bekommst du Spezialwissen über Intensivpflege und Anästhesie vermittelt – z. B. über Technik, Medikamente, Notfälle, Kommunikation.
Praxis (Arbeit) Du arbeitest weiter als Pflegefachkraft – aber du bekommst gezielt Einsätze in verschiedenen Abteilungen, um dein Wissen zu vertiefen, z. B. auf der Herzintensivstation, im Aufwachraum oder im OP.

Der Unterricht findet oft in Blockform statt. Das heißt:

  • Du bist z. B. ein- bis zweimal im Monat mehrere Tage am Stück in der Schule (z. B. Montag bis Freitag)
  • Danach arbeitest du wieder mehrere Wochen ganz normal im Schichtdienst

Die genaue Organisation hängt von der Einrichtung ab – manche machen auch Tagesunterricht einmal pro Woche.

Damit du intensiv genug lernst, wirst du während der Weiterbildung in mehreren Bereichen eingesetzt. Du arbeitest z. B.:

  • auf verschiedenen Intensivstationen (z. B. für Herz, Lunge, Chirurgie, Neurologie)
  • im OP-Bereich (Anästhesie), wo du bei Narkosen unterstützt
  • im Aufwachraum, wo Patient:innen nach Operationen überwacht werden
  • eventuell auch in der Notaufnahme, wenn sie intensivmedizinisch arbeitet

Du hast in der Praxis meist eine:n feste:n Praxisanleiter:in, also eine erfahrene Pflegekraft, die dich begleitet und dir Feedback gibt.

Während der zwei Jahre gibt es verschiedene Lernkontrollen und Praxisaufgaben, z. B.:

  • Fallbesprechungen: Du erklärst einen echten Patientenfall aus deiner Praxis und zeigst, was du gelernt hast.
  • Praktische Aufgaben: Du führst unter Beobachtung bestimmte Tätigkeiten durch – z. B. eine Reanimation vorbereiten oder ein Beatmungsgerät anschließen.
  • Reflexionen: Du schreibst auf, wie du bestimmte Situationen erlebt und gemeistert hast.

Fachweiterbildung - Dauer

Die Fachweiterbildung zur Fachkrankenpfleger:in für Intensivpflege und Anästhesie dauert in der Regel 2 Jahre in Teilzeit (berufsbegleitend). Das bedeutet: Du arbeitest weiterhin in deinem Pflegeberuf (meist auf einer Intensivstation oder im OP) und besuchst parallel die Weiterbildung – entweder in Blöcken oder an festen Unterrichtstagen.

In besonderen Fällen kann die Dauer abweichen:

  • Teilzeitmodelle: Wenn du z. B. wegen Familie oder Teilzeitarbeit weniger Zeit hast, kann sich die Weiterbildung verlängern.
  • Vollzeitmodelle: Manche Kliniken bieten auch Modelle an, bei denen du zeitweise ganz freigestellt wirst. Dann kann die Weiterbildung auch in etwas weniger als 2 Jahren abgeschlossen werden – das ist aber eher selten.

Die genaue Dauer und Organisation kann je nach Klinik, Bundesland und Weiterbildungseinrichtung etwas unterschiedlich sein. Es lohnt sich, dich vorher genau zu informieren.

Fachweiterbildung - Inhalte

Als Fachkrankenpfleger:in für Intensivpflege und Anästhesie brauchst du Spezialwissen, das weit über die normale Pflegeausbildung hinausgeht. Du arbeitest mit Geräten, Medikamenten und in Situationen, die sehr komplex sein können. Deshalb ist der Lernstoff in der Fachweiterbildung besonders vielfältig.

Theoretische Inhalte

Im Unterricht lernst du alles, was du wissen musst, um Patient:innen auf der Intensivstation oder im OP professionell zu pflegen und in Notfällen schnell reagieren zu können.

Themengebiet Was du lernst Beispiele aus dem Berufsalltag
Intensivmedizin Wie Organe funktionieren und was bei Organversagen passiert. Du lernst, Veränderungen beim Gesundheitszustand früh zu erkennen. Du erkennst z. B., dass ein Patient mit Lungenentzündung plötzlich schlechter atmet – du alarmierst sofort das Team.
Beatmung & Atmung Du lernst die Grundlagen der künstlichen Beatmung, Beatmungsformen und wie man Geräte einstellt und überwacht. Du stellst z. B. die Beatmungsmaschine ein, wenn ein Patient nach einer OP nicht selbstständig atmen kann.
Kreislauf & Herzüberwachung Du erfährst, wie Blutdruck, Puls und Herzrhythmus zusammenhängen und was gefährlich werden kann. Du bemerkst im Monitor, dass der Blutdruck plötzlich abfällt – du weißt, was zu tun ist, und leitest Sofortmaßnahmen ein.
Anästhesiepflege Du verstehst, wie eine Narkose wirkt, welche Medikamente eingesetzt werden und wie Patient:innen überwacht werden. Während einer Operation unterstützt du die Anästhesist:in und überwachst die Vitalzeichen des Patienten.
Notfallmanagement Du lernst, wie du in Notfällen schnell und sicher handelst, z. B. bei Herzstillstand oder Atemstillstand. Eine Patientin wird plötzlich bewusstlos. Du startest sofort mit der Reanimation und führst nach Plan lebensrettende Maßnahmen durch.
Medikamentenkunde (Pharmakologie) Du erfährst, welche Medikamente in der Intensivpflege verwendet werden, wie sie wirken und wie sie verabreicht werden. Du gibst z. B. starke Schmerzmittel über eine Pumpe und weißt genau, worauf du bei der Dosierung achten musst.
Pflegeplanung & Dokumentation Du lernst, wie man gezielt plant, was ein:e Patient:in braucht, und wie man alles rechtssicher dokumentiert. Du schreibst auf, wie viel Flüssigkeit ein Patient bekommt, welche Medikamente verabreicht wurden und wie der Zustand ist.
Schmerztherapie & Sedierung Du lernst, wie man Schmerzen erkennt und behandelt – auch bei bewusstlosen Menschen. Du bemerkst, dass ein beatmeter Patient trotz Bewusstlosigkeit Stresszeichen zeigt – du leitest eine Anpassung der Sedierung ein.
Ethik & Kommunikation Du setzt dich mit schwierigen Fragen auseinander (z. B. Lebensende, Patientenverfügung) und lernst empathisch zu kommunizieren. Du führst ein Gespräch mit Angehörigen, die mit einer schweren Entscheidung (z. B. künstliche Ernährung) überfordert sind.
Hygiene & Infektionsschutz Du erfährst, wie du Keime vermeidest, Schutzausrüstung richtig einsetzt und Patient:innen vor Infektionen schützt. Du trägst Schutzkleidung beim Umgang mit infektiösen Patient:innen und erklärst den Angehörigen, wie sie sich verhalten sollen.

Praktische Inhalte

In der Praxis arbeitest du unter Anleitung und vertiefst dein Wissen direkt im echten Klinikalltag.

Praxisbereich Was du dort tust und lernst Beispiel aus dem Arbeitsalltag
Allgemeine Intensivstation Du betreust schwer kranke Menschen rund um die Uhr. Du überwachst Kreislauf, Atmung, Medikamente und reagierst bei jeder Veränderung. Du kümmerst dich um eine Patientin mit schwerer Lungenentzündung. Du passt Sauerstoff und Medikamente an, sprichst mit Ärzt:innen und informierst die Angehörigen.
Herz-Intensivstation Du lernst, wie das Herz überwacht wird (EKG), wie Herzmedikamente wirken und wie man nach Herzoperationen pflegt. Ein Patient hatte eine Bypass-OP. Du überwachst das Herz mit EKG, gibst Medikamente gegen Rhythmusstörungen und beobachtest, ob er wieder stabil wird.
Neuro-Intensivstation Du betreust Menschen mit z. B. Schlaganfall, Hirnblutung oder Schädel-Hirn-Trauma. Du achtest auf Bewusstsein, Pupillen, Bewegungen. Du erkennst, dass eine bewusstlose Patientin auf der rechten Seite plötzlich nicht mehr reagiert – das kann ein Notfall sein, du informierst sofort das Team.
Anästhesie (OP) Du hilfst bei Narkosen, bereitest Medikamente und Geräte vor, überwachst während der OP und hilfst nach dem Aufwachen. Du bist bei einer großen Bauch-OP dabei. Du assistierst der Anästhesist:in, dokumentierst alles und sprichst mit dem Patienten vor und nach der OP.
Aufwachraum Nach Operationen überwachst du die Menschen, bis sie wieder richtig wach und stabil sind. Eine Patientin ist nach der Narkose verwirrt und hat Schmerzen. Du erklärst ihr, wo sie ist, gibst Schmerzmittel und beruhigst sie.
Notaufnahme (optional) Du lernst, in kurzer Zeit Entscheidungen zu treffen, Vitalwerte einzuschätzen und Patient:innen zu stabilisieren. Ein junger Mann kommt nach einem Motorradunfall mit inneren Blutungen. Du legst Zugänge, überwachst ihn engmaschig und bereitest die OP vor.

Dein Weg zum Titel „Fachkrankenpfleger:in für Intensivpflege und Anästhesie“ - Abschluss der Fachweiterbildung

Am Ende der zwei Jahre Weiterbildung steht dein Abschluss. Du hast in dieser Zeit viel gelernt über Medizin, Technik, Notfälle, Kommunikation und mehr. Jetzt musst du in einer Abschlussprüfung zeigen, dass du dieses Wissen auch wirklich sicher anwenden kannst.

Die Abschlussprüfung besteht aus mehreren Teilen, damit sowohl dein Wissen in der Theorie als auch deine praktischen Fähigkeiten überprüft werden:

Prüfungsteil Was dich erwartet
Schriftliche Prüfung Du beantwortest Fachfragen – z. B. zu Beatmung, Medikamenten, Notfällen oder Ethik. Du musst zeigen, dass du Fachwissen anwenden und erklären kannst.
Mündliche Prüfung Du sprichst mit Prüfer:innen über bestimmte Fachthemen. Meist bekommst du einen Fall geschildert und musst erklären, wie du vorgehen würdest.
Praktische Prüfung Du pflegst eine:n Patient:in unter Aufsicht – oft auf der Intensivstation. Dabei wirst du beobachtet: Wie du arbeitest, erklärst, reagierst, kommunizierst.

Du musst alle drei Teile bestehen, um die Weiterbildung erfolgreich abzuschließen. Wenn du alle Prüfungen bestanden hast, bekommst du ein offizielles Abschlusszeugnis und darfst dich nennen:

Fachkrankenpfleger:in für Intensivpflege und Anästhesie(manchmal auch: „Fachpflegekraft für Intensiv- und Anästhesiepflege“)

Das ist ein geschützter Titel in Deutschland. Er zeigt, dass du eine anerkannte Weiterbildung abgeschlossen hast – mit fundiertem Wissen und Erfahrung in einem besonders anspruchsvollen Bereich der Pflege.

Fachkrankenpfleger:in Intensivpflege/Anästhesie

Als Fachkrankenpfleger:in für Intensivpflege und Anästhesie bist du eine Pflegekraft mit Spezialwissen. Du wirst vor allem in Bereichen eingesetzt, wo Menschen besonders schwer krank oder verletzt sind – also dort, wo medizinische Betreuung rund um die Uhr nötig ist.

1. Intensivstation (kurz: „Intensiv“)

Die Intensivstation ist ein besonderer Bereich im Krankenhaus. Hier liegen Patient:innen, die ohne ständige Überwachung und Pflege nicht überleben könnten. Sie sind z. B.:

  • bewusstlos
  • künstlich beatmet
  • frisch operiert nach schweren Eingriffen
  • schwer verletzt (z. B. nach einem Unfall)
  • schwer krank (z. B. mit Lungen- oder Nierenversagen)
Aufgabe Beispiel
Überwachung der Vitalzeichen Du beobachtest die Werte auf dem Monitor: Herzfrequenz, Blutdruck, Sauerstoff usw.
Bedienung von Geräten Du stellst z. B. das Beatmungsgerät ein oder überprüfst Infusionspumpen.
Medikamentengabe Du gibst starke Medikamente, z. B. gegen Schmerzen oder zur Beruhigung.
Körperpflege unter schwierigen Bedingungen Du hilfst z. B. einem bewusstlosen Patienten beim Waschen – trotz Schläuchen, Kabeln und Geräten.
Notfallsituationen erkennen & handeln Ein Patient wird plötzlich instabil – du rufst Hilfe, leitest Sofortmaßnahmen ein.
Angehörige informieren & begleiten Du erklärst der Familie ruhig, wie es dem Patienten geht und was gerade passiert.

2. Anästhesie (im OP-Bereich)

In der Anästhesie arbeitest du bei Operationen mit – meistens im Operationssaal (OP) oder im Aufwachraum danach. Du kümmerst dich darum, dass Patient:innen sicher in Narkose gelegt und wieder aufgeweckt werden.

Aufgabe Beispiel
Vorbereitung von Narkosen Du bereitest Medikamente und Geräte vor, z. B. für eine Vollnarkose.
Assistenz während der Operation Du überwachst gemeinsam mit der Anästhesist:in die Atmung, den Kreislauf und die Narkose.
Dokumentation der Narkose Du hältst genau fest, was wann gegeben wurde und wie der Patient reagiert.
Kommunikation mit Patient:innen Du beruhigst Patient:innen vor der OP und erklärst, was als Nächstes passiert.
Betreuung im Aufwachraum Du überwachst die Patient:innen nach der OP, hilfst beim Aufwachen und behandelst Schmerzen.

3. (Manchmal) Notaufnahme

In manchen Krankenhäusern arbeitest du als Fachkrankenpfleger:in auch in der Notaufnahme, besonders wenn sie intensivmedizinisch ausgerichtet ist – also z. B. mit Schockraum für Schwerverletzte.

Aufgabe Beispiel
Ersteinschätzung von Notfällen Ein Mensch kommt mit Brustschmerzen – du misst Blutdruck, Puls, EKG usw.
Stabilisierung vor Verlegung auf Intensiv Ein Unfallopfer hat starken Blutverlust – du legst Infusionen und hilfst bei der Versorgung.
Zusammenarbeit mit Rettungsdienst Du übernimmst Patient:innen direkt von der Notärzt:in und handelst sofort.

Arbeitsalltag als Fachkrankenpfleger:in Intensivpflege/Anästhesie

Ein typischer Arbeitstag als Fachkrankenpfleger:in für Intensivpflege und Anästhesie beginnt meist früh – zum Beispiel um 6 Uhr morgens mit der Frühschicht:

Schichtbeginn und Übergabe (ca. 06:00 Uhr)

  • Du bekommst eine mündliche Übergabe von der Nachtschicht
  • Es wird besprochen, wie es den Patient:innen geht, ob es Veränderungen oder Notfälle gab
  • Du erfährst, was für den Tag geplant ist – z. B. Untersuchungen, Operationen oder Medikamentenänderungen

Erste Kontrolle & Körperpflege (ca. 06:30 Uhr)

  • Du schaust bei „deinen“ Patient:innen vorbei (meist 1–3 Personen pro Schicht)
  • Du kontrollierst:
    • Vitalzeichen (z. B. Blutdruck, Puls, Atmung, Temperatur)
    • Monitore, Infusionen, Beatmungsgeräte
  • Du hilfst bei der Körperpflege – auch bei bewusstlosen oder beatmeten Personen
  • Du beobachtest aufmerksam, ob sich etwas am Zustand der Patient:innen verändert

Ärztliche Visite und Maßnahmen (ca. 08:00 Uhr)

  • Du gehst mit den Ärzt:innen gemeinsam „Visite“ – Patient:in für Patient:in
  • Du berichtest über Beobachtungen und bekommst neue Anweisungen
  • Du setzt medizinische Maßnahmen um, zum Beispiel:
    • Medikamente vorbereiten und verabreichen
    • Infusionen neu einstellen
    • Geräte anpassen
  • Du dokumentierst alles sorgfältig

Weitere Aufgaben im Tagesverlauf (ab ca. 10:00 Uhr)

  • Wenn Zeit ist, machst du eine kurze Pause – bleibst aber einsatzbereit
  • Du bereitest Patient:innen auf Operationen oder Untersuchungen vor
  • Du begleitest Patient:innen oder betreust sie nach dem Eingriff im Aufwachraum
  • Du nimmst neue Patient:innen auf – z. B. nach einer Notaufnahme oder OP
  • Du sprichst mit Angehörigen, beantwortest Fragen, gibst Rückmeldung über den Zustand ihrer Liebsten

Unvorhergesehene Situationen (jederzeit möglich)

  • Auf einer Intensivstation kann sich der Zustand eines Menschen plötzlich verschlechtern
  • Du musst bei Notfällen blitzschnell reagieren:
    • Du erkennst z. B. Herzrhythmusstörungen oder Atemnot
    • Du leitest Maßnahmen ein (z. B. Alarm auslösen, Medikamente geben, Reanimation beginnen)
    • Du bleibst ruhig und arbeitest nach dem Notfallplan

Schichtende und Übergabe (ca. 13:30–14:00 Uhr)

  • Du dokumentierst alle wichtigen Infos für die Spätschicht
  • Du kontrollierst nochmal alle Geräte und Medikamente
  • Du übergibst deine Patient:innen mit allen Details an deine Kolleg:innen

Fazit: Berufsbild Fachkrankenpfleger:in Intensivpflege/Anästhesie

Der Beruf Fachkrankenpfleger:in für Intensivpflege und Anästhesie gehört zu den anspruchsvollsten Bereichen der Pflege. Du begleitest Menschen in sehr kritischen Situationen: nach schweren Unfällen, bei lebensbedrohlichen Erkrankungen, nach großen Operationen oder am Lebensende. Genau dann, wenn sie sich nicht mehr selbst helfen können, brauchen sie jemanden, der ruhig, sicher und professionell handelt – jemanden wie dich.

Wenn du gern mit Menschen arbeitest, auch wenn sie krank, verängstigt oder nicht ansprechbar sind, ist das eine gute Grundlage. Du solltest auch in stressigen Situationen einen klaren Kopf behalten können, denn auf einer Intensivstation oder im OP kann es jederzeit plötzlich ernst werden. Interesse an medizinischer Technik ist ebenfalls wichtig, denn du arbeitest täglich mit Geräten wie Beatmungsmaschinen, Überwachungsmonitoren und Infusionssystemen. Es reicht aber nicht, diese Geräte nur bedienen zu können – du musst auch verstehen, was sie anzeigen und wie du im Ernstfall reagieren musst.

Ein starkes Verantwortungsgefühl ist in diesem Beruf unerlässlich. Die Menschen, die du betreust, sind auf dich angewiesen – manchmal hängt ihr Leben davon ab, ob du schnell und richtig handelst. Gleichzeitig bist du nie allein: Du arbeitest immer im Team mit Ärzt:innen, Therapeut:innen und Kolleg:innen aus der Pflege. Teamarbeit, Kommunikation und gegenseitiger Rückhalt gehören ganz selbstverständlich zum Alltag. Und: Du solltest bereit sein, ständig dazuzulernen. Die Medizin entwickelt sich ständig weiter – und mit ihr auch deine Aufgaben und dein Wissen.

Dieser Beruf ist nicht für jede:n geeignet. Wer schnell überfordert ist, schlecht mit Stress umgehen kann oder lieber allein arbeitet, wird sich in diesem Umfeld wahrscheinlich unwohl fühlen. Aber wenn du Verantwortung übernehmen möchtest, gern praktisch arbeitest und dir vorstellen kannst, Menschen in ihrer verletzlichsten Lebensphase beizustehen, kann dieser Beruf sehr erfüllend sein.

Was diesen Beruf so besonders macht, ist die Kombination aus Wissen, Können und Mitgefühl. Du bist nicht nur Teil des medizinischen Systems – du bist Teil der Lösung. Jeden Tag leistest du etwas Sinnvolles. Du begleitest Menschen durch schwere Zeiten, gibst Sicherheit, linderst Schmerzen und hilfst dabei, Leben zu retten oder würdevolles Sterben zu ermöglichen.

Als Fachkrankenpfleger:in für Intensivpflege und Anästhesie wirst du gebraucht – in jedem Krankenhaus, auf jeder Intensivstation, in jedem OP. Du bist hochqualifiziert, gut ausgebildet und trägst eine besondere Verantwortung. Und am Ende eines oft anstrengenden Tages weißt du genau: Deine Arbeit hat einen Unterschied gemacht.

Die wichtigsten Fragen zur Fachpflege in Anästhesie und Intensivpflege

Kann man als Pflegefachkraft in der Anästhesie arbeiten?

Ja, das ist möglich – allerdings brauchst du dafür meist eine Fachweiterbildung. Nach deiner Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann kannst du die zweijährige Fachweiterbildung für Intensivpflege und Anästhesie machen. Damit wirst du speziell dafür qualifiziert, im OP und im Bereich der Narkose (Anästhesie) zu arbeiten. In manchen Kliniken darfst du auch ohne die Fachweiterbildung erste Erfahrungen sammeln – aber für eigenverantwortliches Arbeiten ist der Fachabschluss sehr wichtig.

Was verdient eine Fachkrankenschwester in der Anästhesie?

Das Gehalt hängt vom Arbeitgeber, Bundesland und Tarifvertrag ab. In der Regel verdienst du mit Fachweiterbildung mehr als eine normale Pflegefachkraft. Als grobe Orientierung:

  • Ohne Fachweiterbildung: ca. 3.000–3.500 Euro brutto im Monat
  • Mit Fachweiterbildung: ca. 3.600–4.500 Euro brutto, manchmal auch mehr – je nach Berufserfahrung, Dienstzeiten und Zusatzleistungen (z. B. Schichtzulagen)

Achtung: Das sind ungefähre Werte. Am besten fragst du direkt bei Kliniken in deiner Region nach.

Welche Aufgaben hat ein Pflegefachmann in der Anästhesie?

Als Pflegefachkraft in der Anästhesie betreust du Patient:innen vor, während und nach einer Narkose. Du bereitest Narkosemittel und Überwachungsgeräte vor, unterstützt die Anästhesist:in bei der Narkoseeinleitung, überwachst Kreislauf und Atmung während der OP und betreust die Patient:innen im Aufwachraum. Auch die Betreuung von Menschen, die Angst vor der Narkose haben oder verwirrt aufwachen, gehört dazu. Du arbeitest eng mit Ärzt:innen, OP-Pflegekräften und dem restlichen Team zusammen.

Wie lange dauert die Weiterbildung zur Intensivpflege?

Die Fachweiterbildung zur Fachkrankenpfleger:in für Intensivpflege und Anästhesie dauert zwei Jahre. Sie findet berufsbegleitend statt – das heißt: Du arbeitest weiterhin im Krankenhaus (meist auf einer Intensivstation oder im OP) und nimmst nebenbei am Unterricht und an Praxisanleitungen teil.

Quellen

  1. Bundesagentur für Arbeit. (o. D.). Pflegefachmann/-frau Intensivpflege und Anästhesie – BERUFENET. Abgerufen am 5. Juli 2025, von web.arbeitsagentur.de/berufenet/beruf/14452
  2. Bundesagentur für Arbeit. (o. D.). Steckbrief: Pflegefachmann/-frau Intensivpflege und Anästhesie. Abgerufen am 5. Juli 2025, von web.arbeitsagentur.de/berufenet/beruf/steckbrief/14452
  3. Deutsches Pflegeportal. (o. D.). Fachkrankenpflege Intensivpflege und Anästhesie – Weiterbildungsinformationen. Abgerufen am 5. Juli 2025, von www.deutsches-pflegeportal.de/magazin/article/fachkrankenpflege-intensivpflege-und-anaesthesie
  4. Universitätsklinikum Bonn – Centrum für Aus‑ und Weiterbildung. (o. D.). Fachgesundheits-krankenpfleger:in für die Intensivpflege & Anästhesie – Weiterbildung. Abgerufen am 5. Juli 2025, von www.ukbonn.de/centrum-fuer-aus-und-weiterbildung/weiterbildungen/fachgesundheits-krankenpfleger-in-fuer-die-intensivpflege-anaesthesie/

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