Pallidum (Globus Pallidus): Anatomie, Funktion und klinische Bedeutung

Veröffentlicht am 24.11.2025

Grafische Darstellung des Gehirns.

Das Pallidum ist ein Teil des Gehirns. Quelle: Canva.de

Das Pallidum, auch als Globus pallidus bezeichnet, ist ein zentrales Kerngebiet der Basalganglien. Es spielt eine Schlüsselrolle bei der Steuerung motorischer Abläufe und ist auch an kognitiven und emotionalen Prozessen beteiligt. Als Schaltstelle im komplexen Netzwerk zwischen Kortex, Thalamus und Subthalamus trägt das Pallidum wesentlich dazu bei, Bewegungen zu initiieren, zu hemmen oder zu modulieren. Störungen in diesem Bereich stehen in engem Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Chorea Huntington.

Aktuelle Jobs

Was macht das Pallidum?

Das Pallidum ist vor allem für die Regulation von Bewegungen zuständig. Es wirkt hemmend auf den Thalamus und beeinflusst somit die Aktivierung des Motorkortex. Über die verschiedenen neuronalen Verschaltungswege – den direkten und den indirekten Basalganglienweg – steuert es, ob eine Bewegung ausgeführt oder unterdrückt wird.

  • Der direkte Weg fördert die Bewegungsinitiierung, indem er hemmende Einflüsse auf den Thalamus reduziert.
  • Der indirekte Weg wirkt dagegen bremsend, indem er zusätzliche Hemmungen über den Subthalamus aktiviert.

Somit fungiert das Pallidum als eine Art „Filter“, der darüber entscheidet, welche motorischen Programme freigegeben und welche unterdrückt werden. 

Anatomie des Pallidums: Struktur und Lage im Gehirn

Das Pallidum gehört anatomisch zu den Basalganglien, die tief im Großhirn liegen. Neben dem Globus pallidus zählen auch das Striatum (Nucleus caudatus und Putamen), die Substantia nigra und der Nucleus subthalamicus zu den Basalganglien.

Anna Liebig

Pflegia Karriereberaterin

Unsicher? Wir beraten dich kostenlos zu deinem nächsten Karriereschritt

Unsere Karriereberater finden passende Jobs für dich – und melden sich persönlich bei dir zurück.
  • 100 % kostenlos & unverbindlich
  • Persönliche Beratung statt Bewerbungsstress
  • Wir finden passende Jobs für dich
  • Schneller Rückruf

Das Pallidum selbst liegt medial des Putamens und grenzt nach innen an die innere Kapsel (Capsula interna). Es besteht überwiegend aus GABAergen Neuronen, die Signale an andere Strukturen im Gehirn senden. 

Die zwei Teile des Pallidums: internum und externum

Der Globus pallidus ist funktionell in zwei Segmente unterteilt:

  • Globus pallidus internus (GPi):
    • mediales Segment
    • Hauptausgang der Basalganglien
    • projiziert hemmend (GABA) zum Thalamus
    • wirkt insgesamt motorikhemmend
  • Globus pallidus externus (GPe):
    • laterales Segment
    • Teil des indirekten Basalganglienwegs
    • hemmt den Nucleus subthalamicus, wodurch dessen hemmender Einfluss auf den Thalamus abgeschwächt wird
    • wirkt insgesamt motorikfördernd

Das Zusammenspiel von GPi und GPe ist essenziell, um Bewegungen flüssig, koordiniert und situationsangepasst auszuführen.

Funktionen des Pallidums im motorischen und nicht-motorischen Bereich

Das Pallidum übernimmt sowohl in der Steuerung von Bewegungen als auch in kognitiven, emotionalen und motivationalen Prozessen zentrale Aufgaben.

Motorische Funktionen

Das Pallidum reguliert:

  • Bewegungsbeginn und -hemmung
  • Muskeltonus und Feinabstimmung motorischer Programme
  • Koordination automatisierter Bewegungsabläufe (z. B. Gehen, Greifen)

Nicht-motorische Funktionen

Neuere Studien zeigen, dass das Pallidum auch in kognitive und limbische Prozesse eingebunden ist:

  • Kognition: Beteiligung an Planungs- und Entscheidungsprozessen
  • Emotion: Einfluss auf die affektive Regulation
  • Motivation: Verknüpfung motorischer Handlungen mit Belohnungssystemen

Das Pallidum ist somit nicht nur ein „Motorzentrum“, sondern Teil eines weit verzweigten Netzwerks, das das Verhalten ganzheitlich steuert. 

Verbindungen des Pallidums im Gehirn

Das Pallidum steht über afferente und efferente Bahnen in engem Austausch mit anderen Hirnstrukturen.

  • Eingänge:
    • vom Striatum (Putamen und Nucleus caudatus) – überwiegend hemmend (GABA)
    • vom Subthalamus – erregend (Glutamat)
  • Ausgänge:
    • GPi projiziert hemmend zum motorischen Thalamus (Ncl. ventralis anterior und lateralis), der wiederum exzitatorische Signale zum Motorkortex sendet
    • GPe projiziert vor allem zum Subthalamus und reguliert dessen Aktivität

Dieses Rückkopplungssystem, der sogenannte kortiko-thalamo-kortikale Loop, ist essenziell für die reibungslose Steuerung motorischer und kognitiver Abläufe.

Krankheiten und Störungen des Pallidums

Eine Funktionsstörung des Pallidums führt zu gravierenden motorischen Defiziten. Typische Erkrankungen sind:

Parkinson-Krankheit:

  • Durch einen Dopaminmangel in der Substantia nigra verschiebt sich das Gleichgewicht zwischen direktem und indirektem Weg. Dies führt zu einer erhöhten Aktivität des GPi und somit zu einer übermäßigen Hemmung des Thalamus, was zu Bradykinesie, Rigor und Tremor führt.

Chorea Huntington:

  • Degeneration des Striatums (insbesondere der hemmenden Neurone, die das GPe regulieren). Dadurch wird das GPe überaktiv, der Subthalamus gehemmt und die Bewegungshemmung reduziert, was zu unkontrollierten, überschießenden Bewegungen führt.

Dystonien:

  • Fehlregulationen im Pallidum können zu abnormalen Muskelspannungen und unwillkürlichen Haltungen führen.

Pallidotomie/Pallidumstimulation:

  • In der Therapie therapieresistenter Bewegungsstörungen wird der GPi gezielt operativ zerstört oder mit Elektroden stimuliert, um die motorische Balance wiederherzustellen. 

Fazit

Das Pallidum ist ein zentrales Schaltzentrum der Basalganglien. Es spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung von Bewegungen sowie bei kognitiven und emotionalen Prozessen. Seine beiden Segmente, GPi und GPe, wirken wie Gegenspieler und hemmen oder fördern Bewegungen. Störungen in diesem System, etwa durch die Krankheiten Parkinson oder Huntington, verdeutlichen dessen enorme Bedeutung für die motorische Kontrolle. Gleichzeitig zeigt die therapeutische Nutzung in der funktionellen Neurochirurgie, dass ein gezieltes Eingreifen in diesen Kernbereich des Gehirns klinisch wirksam sein kann.

Häufige Fragen zum Pallidum

Welche Funktion hat das Pallidum?

Es reguliert motorische Abläufe, indem es hemmend auf den Thalamus wirkt. Es entscheidet darüber, welche Bewegungen ausgeführt werden und welche unterdrückt werden.

Welche Funktion hat das dorsale Pallidum?

Es umfasst vor allem das GPi, das wiederum hemmend auf den Thalamus einwirkt und somit eine bewegungshemmende Funktion übernimmt.

 

Was ist der Unterschied zwischen dem Pallidus und dem Pallidum?

„Pallidum” und „Globus pallidus” sind gleichbedeutende Begriffe. „Pallidus” ist die lateinische Adjektivform, die in manchen Texten synonym verwendet wird.

Medizinische und rechtliche Hinweise: 

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Quellen

  1. Thieme. Physiologie. Basalganglien: Struktur, Funktion, Symptome (10., vollständig überarbeitete Auflage) Pape, H., Kurtz, A., & Silbernagl, S..Stuttgart 2023
  2. AMBOSS. (2025). Großhirn. Subkortikale Kerne. Basalganglien. Abgerufen am 24. September 2025, von https://next.amboss.com/de/article/060ejS?q=basalganglien
  3. Pschyrembel online. Pallidum. Abgerufen am 24. September 2025, von: https://www.pschyrembel.de/Pallidum/K08VM/doc/

Stellenangebote

Mehr zum Thema