Bei der Sauerstofftherapie wird die Atemluft mit Sauerstoff angereichert. Quelle: Canva.de
Sauerstoff ist ein lebenswichtiger Bestandteil unseres Körpers. Ohne ihn können wir nicht überleben. Unter bestimmten Umständen, beispielsweise bei akuten oder chronischen Erkrankungen, kann die natürliche Sauerstoffversorgung jedoch manchmal nicht mehr ausreichen. Hier kommt die Sauerstofftherapie zum Einsatz. Sie unterstützt die Atmung und stellt sicher, dass der Körper ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.
Wann ist eine Sauerstofftherapie notwendig?
Sauerstoff wird bei verschiedenen Erkrankungen eingesetzt. Sie kommt unter anderem zum Einsatz, wenn die Sauerstoffsättigung im Blut zu niedrig ist oder Symptome wie Atemnot auftreten. Typische Indikationen sind:
Atemwegserkrankungen wie Pneumonie, Asthma oder COPD
Herzerkrankungen, etwa bei Herzinsuffizienz oder Lungenembolie
Akute Notfälle wie Reanimation, Atem- oder Kreislaufstillstand
Postoperative Phase, bei gestörter Atmung oder Sedierung
Die Entscheidung für eine Sauerstoffgabe trifft das ärztliche Personal. In Ausnahmefällen – etwa bei plötzlicher Atemnot – dürfen auch Pflegefachpersonen ohne Anordnung kurzfristig Sauerstoff verabreichen.
Ziele der Sauerstofftherapie
Das Ziel ist die Verbesserung der Sauerstoffversorgung und die Vermeidung eines Sauerstoffmangels (Hypoxie). Ein zu niedriger Sauerstoffwert im Blut kann das Gehirn und das Herz schädigen – es kann zu irreversiblen Schäden kommen.
Anna Liebig
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Heute wird jedoch vorsichtiger mit Sauerstoff umgegangen als früher. Studien zeigen: Nicht nur ein Mangel, sondern auch ein Überangebot an Sauerstoff kann schädlich sein – z. B. durch Sauerstoffradikale, die im Rahmen von oxidativem Stress Zellen angreifen.
Insbesondere Patient:innen mit COPD oder Herzinfarkt profitieren nicht von einer zu hohen Sauerstoffzufuhr. Deshalb ist es umso wichtiger, hier die entsprechenden Werte der Patient:innen zu betrachten.
Beispiel:
Bei den meisten Patient:innen liegt der SpO₂-Zielwert bei 92–93 %
Bei stabilen COPD-Patient:innen können 88–92 % ausreichend sein
Formen der Sauerstoffgabe
1. Sauerstoffbrille
Zwei kleine Nasenschläuche führen den Sauerstoff direkt in die Nase. Sie ist geeignet für leicht bis mittelschwere Fälle mit einem Bedarf von 6–8 l/min.
2. Sauerstoffmaske
Bedeckt Mund und Nase, geeignet ist für höhere Flussraten (6–15 L/min). Es gibt auch Masken mit Reservoirbeutel für eine maximale Sauerstoffkonzentration.
3. High-Flow-Therapie (HFNC)
Eine spezielle Nasenbrille verabreicht ein erwärmtes, befeuchtetes Sauerstoffgemisch mit sehr hoher Flussrate (bis zu 60 L/min). Diese Methode wird z. B. bei akuter Atemnot eingesetzt und ist besonders verträglich.
Achtung!
Atemnot ist ein subjektives Gefühl und kann unabhängig vom Sauerstoffwert auftreten. Umgekehrt ist ein niedriger Sauerstoffwert nicht immer mit Atemnot verbunden. Zum Lebensende hin kann Sauerstoff unter Umständen eher als belastend empfunden werden. Die Indikation sollte daher gerade in Palliativsituationen immer individuell abgewogen werden.
Pflegerische Aufgaben bei der Sauerstofftherapie
Pflegekräfte übernehmen bei der Sauerstofftherapie eine zentrale Rolle. Sie sorgen für die korrekte Anwendung, für die Sicherheit und das Wohlbefinden der Patient:innen.
Wichtige Aufgaben sind:
Überwachung der Atmung: Kontrolle von Atemfrequenz, Tiefe, SpO₂-Wert und Allgemeinzustand.
Pflege von Haut und Schleimhäuten: Regelmäßige Kontrolle auf Druckstellen hinter den Ohren oder an der Nase sowie Austrocknung der Nasenschleimhaut – ggf. Anwendung von Nasensalbe und Anregen zum Trinken.
Materialkontrolle: Sitz und Sauberkeit von Sauerstoffbrille oder Maske prüfen, Systeme regelmäßig wechseln (spätestens alle 7 Tage oder bei sichtbarer Verschmutzung).
Sicherheit beachten: Kein offenes Feuer oder Rauchen in der Nähe von Sauerstoffgeräten, Systeme auf Dichtheit prüfen.
Patient:innen anleiten: Über Therapie, Sicherheit und Selbstbeobachtung informieren und die Mobilität mit O₂-Geräten ermöglichen.
Dokumentation: Der Sauerstofffluss, die gemessenen Werte, die Reaktionen und die pflegerischen Maßnahmen müssen vollständig dokumentiert werden.
Mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen
Auch wenn eine Sauerstofftherapie lebenswichtig ist, kann sie Nebenwirkungen haben – vor allem bei falscher Anwendung.
Erstickungsgefahr bei falscher Anwendung von Reservoirmasken mit zu niedrigem Fluss
Explosions- oder Brandgefahr bei unsachgemäßem Umgang (z. B. Rauchen)
Wichtig!
Besonders wichtig ist die regelmäßige Kontrolle und Anpassung der Dosis. Das frühere Motto „Lieber zu viel als zu wenig“ gilt heute nicht mehr!
Sicherheit im Umgang mit Sauerstoff
Sauerstoff ist leicht entzündlich. Daher gelten klare Sicherheitsregeln:
Kein offenes Feuer, keine Zigaretten oder E-Zigaretten in der Nähe
Keine ölhaltigen Cremes oder Produkte an den Anschlussstellen
Geräte regelmäßig auf Funktion und Dichtheit prüfen
Sauerstoffflaschen sicher lagern und vor Hitze oder Umkippen schützen
Therapieende und Nachsorge
Das Absetzen der Sauerstofftherapie erfolgt nach ärztlicher Anordnung. Meist wird die Dosis langsam reduziert. Dies wird mit SpO₂-Messungen kontrolliert begleitet. In einigen Fällen (z. B. Belastungssituationen) bleibt eine intermittierende Sauerstoffgabe notwendig.
Wenn Patient:innen auch zu Hause Sauerstoff benötigen, übernehmen Pflegekräfte die Anleitung und Organisation (z. B. Kontakt zur Lungenliga, Einweisung in Geräte).
Fazit: Sauerstofftherapie gezielt einsetzen
Eine Sauerstofftherapie ist ein unverzichtbarer Bestandteil der medizinischen Versorgung. Sie kann Leben retten, Beschwerden lindern und die Heilung unterstützen – vorausgesetzt, sie wird gezielt, individuell und verantwortungsvoll eingesetzt.
Die Pflegefachpersonen übernehmen dabei eine Schlüsselrolle: Sie kontrollieren, begleiten, erklären und schützen – und tragen entscheidend zum Erfolg der Therapie bei.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellen
AMBOSS. Sauerstofftherapie. Abgerufen am 6. Juni 2025, von: https://next.amboss.com/de/article/mv0V0R?q=sauerstofftherapie#Ftdg270
Thieme PflegeWissen. Sauerstofftherapie – Grundlagen, Durchführung, Pflege. I care – Pflege. Thieme Verlag, Stuttgart, 2. Auflage, 2020.
Thieme PflegeExamen KOMPAKT. Kapitel „Medikamentengabe und Sauerstofftherapie“. Heiligmann S. et al., Hrsg. Thieme Verlag, Stuttgart, 2. Auflage, 2022.
medStandards USB Basel. Klinisches Vorgehen bei Sauerstoffgabe (2019). Internes Dokument aus dem Universitätsspital Basel Abgerufen am 6. Juni 2025, von: https://www.unispital-basel.ch/dam/jcr:d2959206-a1f5-44b8-983e-2edb7ce1159e/pflegerichtlinien_5_1_2.pdf
Flexikon DocCheck.Sauerstofftherapie. Abgerufen am 6. Juni 2025, von: https://flexikon.doccheck.com/de/Sauerstofftherapie