Migräne als Pflegekraft – So gehst Du damit um
Veröffentlicht am 07.05.2025

Quelle: Pflegia
Wenn Du unter Migräne leidest, kennst Du sicher einige der vielen möglichen Symptome: starke Kopfschmerzen, quälende Übelkeit, verschwommenes Sehen, Schwächegefühl und eine ausgeprägte Licht- und Lärmempfindlichkeit. Ein Migräneanfall kann schlimmstenfalls dafür sorgen, dass Du Deine Aufgaben als Pflegeperson an diesem Tag nicht weiterführen kannst. Doch obwohl Migräne eine sehr belastende Krankheit sein kann – es gibt verschiedene Mittel und Wege, wie Du Anfällen vorbeugen und akute Attacken behandeln kannst. In diesem Artikel stellen wir Dir einige davon vor.
Migräne bei Pflegekräften
Migräne ist eine angeborene neurologische Erkrankung, die sich durch eine Reizverarbeitungsstörung zeigt. Das bedeutet, dass Dein Gehirn viele Reize schlechter filtern und verarbeiten kann als das bei anderen Menschen der Fall ist.
Doch natürlich trägst Du in Deinem Beruf eine große Verantwortung und musst stets belastbar und konzentriert sein. Unter anderem können jedoch Stress und mangelnde Selbstfürsorge Deine Migräne verschlimmern. Auch weitere Umstände in Deinem Joballtag können Deine Erkrankung fördern:
Sensorisch:
Reizüberflutung

Anna Liebig
Pflegia KarriereberaterinUnsicher? Wir beraten dich kostenlos zu deinem nächsten Karriereschritt
Unsere Karriereberater finden passende Jobs für dich – und melden sich persönlich bei dir zurück.- 100 % kostenlos & unverbindlich
- Persönliche Beratung statt Bewerbungsstress
- Wir finden passende Jobs für dich
- Schneller Rückruf
Grelles Licht in den Fluren, das Piepen oder Summen von medizinischen Geräten, Stimmengewirr und Essensgerüche – Dein Tag im Job ist voller sensorischer Reize. Nehmen diese überhand, reagiert Dein Gehirn überfordert und Du spürst, wie sich eine Migräneattacke anbahnt.
Körperlich:
Schichtarbeit und Schlafchaos
Ein unregelmäßiger Tages- und Schlafrhythmus ist für Menschen mit Migräne besonders belastend. Kommt es dann noch zu Schlafstörungen, kann das die Frequenz und Stärke von Migräneattacken stark erhöhen.
Körperliche Anstrengung
Bewegungen wie Laufen, Tragen, Heben oder Schieben gehören zu Deinem Berufsalltag. Körperliche Belastung kann jedoch zur Entstehung von Migräneattacken beitragen und erste Symptome schnell verschlimmern.
Unregelmäßige Pausen
Wahrscheinlich kannst Du Deine Pausenzeiten nicht immer strikt einhalten. So kommen oft nicht nur Ruhe, sondern auch Essen und Trinken zu kurz. Ein Umstand, der sich negativ auf Deine Migräne auswirken kann.
Psychisch:
Ständige Sozialkontakte
Viele Migränepatient:innen sind eher introvertiert. Vielleicht merkst Du, wie Dich der andauernde Kontakt zu anderen Menschen ermüdet und somit zu Migräneanfällen beiträgt.
Mental Load
Ist Dein Kopf oft voll mit einer langen To-do-Liste? Bloß nichts vergessen und auch ja noch an dieses und jenes denken. Irgendwann wird es zu viel, Dein Gehirn macht sozusagen zu und reagiert mit den Migränesymptomen.
Emotionale Herausforderungen
Die schwere Erkrankung eines lieben Bewohners oder trauernde Angehörige – immer wieder wirst Du mit solchen emotionalen Situationen konfrontiert. Sie können sehr belastend sein und Migräneanfälle befeuern.
Kann ich Trigger vermeiden?
Trigger – also die Auslöser eines Migräneanfalls – sind sehr vielfältig und individuell. Und leider gibt es viel zu viele, die Du entweder gar nicht herausfindest oder einfach nicht verhindern kannst. Dazu zählen beispielsweise Wetterumschwünge, Feinstaubbelastung, hormonelle Vorgänge oder Umgebungsgeräusche und -gerüche. Aber auch einige der Umstände, die mit Deinem Beruf zusammenhängen, kannst Du nicht immer vermeiden. Mittlerweile gehen Schmerzexpert:innen davon aus, dass ein Migräneanfall nicht nur durch den einen bestimmten Trigger ausgelöst wird, den man einfach vermeiden kann. Vielmehr sammeln sich verschiedene Komponenten an, bei denen dann schließlich einer das „Fass zum Überlaufen“ bringt. Wichtig ist also ein Blick auf das „große Ganze“ und, wenn möglich, eine Anpassung kleinerer und größerer Faktoren des alltäglichen Lebens.
Ernährung bei Migräne
Leider gibt es keine spezielle Migräne-Diät. Weder der Verzicht noch der gezielte Verzehr bestimmter Lebensmittel kann Migräneanfälle vermeiden oder auslösen. Einzige Ausnahme: Auf Alkohol solltest Du, wenn möglich, weitestgehend verzichten. Denn bekanntlich kann eine übermäßige Aufnahme ja auch bei Menschen ohne Migräne zu Kopfschmerzen führen.
Ganz egal ist die Ernährungsweise bei Migräne jedoch nicht. Wichtig ist die regelmäßige Aufnahme von Kohlenhydraten. Das Gehirn von Migränepatient:innen verbraucht überdurchschnittlich viel Energie. Wird diese nicht regelmäßig durch Nahrung aufgefüllt, kann das zu Migräneattacken führen. Am besten eignen sich langkettige Kohlenhydrate, wie sie beispielsweise in Vollkornprodukten, Haferflocken, Kartoffeln oder Hülsenfrüchten enthalten sind. Für deren Aufspaltung und Verarbeitung benötigt der Körper länger. Somit steigt der Blutzuckerspiegel langsamer an, als das bei kurzkettigen Kohlenhydraten wie beispielsweise in Fast Food, Süßigkeiten oder Salzgebäck der Fall ist. Ein konstanter Blutzuckerspiegel soll ebenfalls Migräneanfällen vorbeugen.
Auch regelmäßige Flüssigkeitszufuhr ist sehr wichtig, zwei bis zweieinhalb Liter täglich sollten es schon sein. An warmen Tagen oder bei körperlicher Anstrengung auch gerne mehr.
Hilfe gegen Migräne im Pflegealltag
Keine Frage, Deine täglichen Aufgaben als Pflegekraft können für Dich als Migränepatient:in eine Herausforderung sein. Doch mit einigen kleinen Tipps und Tricks kannst Du bestimmte Umstände etwas entschärfen:
Lichtschutz
Als Person mit Migräne bist Du wahrscheinlich auch relativ lichtempfindlich. Probiere es doch mal hiermit:
- Trage Sonnenbrille und Schirmmütze bei Tätigkeiten im Freien.
- Wenn es möglich ist, wähle statt des grellen Deckenlichtes lieber mehrere kleinere Lichtquellen.
- Wenn Du sowieso aufgrund von Fehlsichtigkeit eine Brille trägst, lasse die Gläser leicht tönen.
- Gönne Deinen Augen in der Pause Ruhe. Vielleicht kannst Du irgendwo aus dem Fenster gucken oder sogar einen Rückzugsort finden, an dem Du für ein paar Minuten eine Schlafmaske tragen kannst.
Lärmschutz
Wenn Du merkst, dass Dich viele Geräusche sehr stören, helfen vielleicht diese Vorschläge:
- Trage, wenn möglich, Noise-Cancelling-Kopfhörer oder spezielle geräuschreduzierende Ohrstöpsel.
- Ziehe Dich in der Pause in ruhigere Räume oder an ein stilles Plätzchen an der frischen Luft zurück.
- Vielleicht kannst Du auch gemeinsam mit Deiner vorgesetzten Person besprechen, welche Maßnahmen zur Lärmdämpfung möglich sind. Infrage kommen beispielsweise Lärmschutzvorhänge, geräuschdämpfende Wandpaneele oder Raumtrenner. Solche Veränderungen kämen nicht nur Dir, sondern auch den anderen Teammitgliedern und den Pflegebedürftigen zugute.
Pausen
Versuche möglichst, Deine Pausenzeiten einzuhalten. Nutze sie gezielt zur Erholung. Neben dem Verzehr Deines Pausensnacks kannst Du beispielsweise ein Buch lesen, den Blick schweifen lassen, ruhige Musik hören oder kleine Achtsamkeits- und Entspannungsübungen machen. So verführerisch es ist: Zielloses Scrollen auf dem Smartphone trägt nicht zur Beruhigung Deines Nervensystems bei.
Kleine Achtsamkeitsübung für die Pause:
Schließe die Augen. Finde nun nacheinander jeweils
- 3 Dinge, die Du fühlst, zum Beispiel die harte Sitzfläche des Stuhls
- 3 Dinge, die Du hörst, zum Beispiel das Vogelgezwitscher vor dem Fenster
- 3 Dinge, die Du riechst, zum Beispiel den Essensgeruch aus der Küche
Konzentriere Dich nun einige Minuten nur auf diese Dinge und sei damit ganz im Hier und Jetzt.
Nahrungsergänzung
Viele Nahrungsergänzungsmittel werden als Wundermittel gegen Migräne angepriesen. Wissenschaftlich belegt ist jedoch nur die Wirkung von Magnesium und Vitamin B2.
Menschen mit Migräne sollten bis zu 600 mg Magnesium und bis zu 400 mg Vitamin B2 (Riboflavin) zu sich nehmen. Da Magnesium zu Magen-Darm-Beschwerden führen kann, solltest Du mit einer geringen Dosis anfangen und vorsichtig aufdosieren.
Mangel an Vitamin D und Eisen können unter Umständen auch zu vermehrten Migräneattacken führen. Ob das bei Dir der Fall sein könnte, solltest Du vor der Einnahme aber bei Deinem Arzt durch ein Blutbild abklären lassen.
Akutmedikation
Eine wirksame Schmerzmedikation hilft Dir, drohende Migräneanfälle abzuwehren oder zumindest abzuschwächen. Die richtigen Schmerzmittel gegen Migräne sind Triptane. Sie wirken gezielt im Gehirn und belasten so den restlichen Körper nicht so sehr wie andere Schmerzmittel. Es gibt verschiedene Triptane mit unterschiedlichen Wirkmechanismen. Eventuell musst Du einige ausprobieren, ehe Du das Passende für Dich findest. Solltest Du häufig unter Übelkeit und Erbrechen leiden, gibt es Triptane auch als Nasenspray oder in Spritzenform.
Triptane sollten an nicht mehr als zehn Tagen pro Monat eingenommen werden. Für alle Fragen zur Akut- und Prophylaxe-Medikation sind eine migränekundige neurologische Praxis oder eine schmerztherapeutische Praxis die richtigen Anlaufstellen.
Vorbeugende Medikamente
Wenn Du unter chronischer Migräne mit mindestens drei Anfällen pro Monat leidest, ist eventuell eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll. Es gibt eine Vielzahl von Präparaten, die hierfür in Frage kommen, unter anderem Betablocker, Antidepressiva und Antiepileptika, aber auch spezielle Antikörperspritzen. Auch hierzu berät Dich Deine behandelnde ärztliche Praxis.
Nicht medikamentöse Prophylaxe
Du kannst auch durch Deine Lebensführung zur Vermeidung von Migräneanfällen beitragen. Achte vor allem gut auf Dich selbst und sorge, wann immer möglich, für Deine Bedürfnisse und die Einhaltung Deiner persönlichen Belastungsgrenzen. Wichtig sind:
- Ausreichender Schlaf
- Regelmäßige, vollwertige Mahlzeiten
- Einhaltung der Pausenzeiten
- Anwendung von Entspannungs- oder Achtsamkeitsübungen
- Regelmäßige Bewegung oder sanfte Sportarten, wie Walking, Schwimmen, leichtes Kraft- oder Ausdauertraining
Migräne als Pflegekraft - Fazit
Der Berufsalltag als Pflegekraft kann für Menschen mit Migräne eine Herausforderung sein. Umso wichtiger ist es, dass Du, so gut es geht, auf Deine Bedürfnisse achtest. Stress im Job kannst Du bis zu einem gewissen Maß durch eine entspannende und wohltuende Freizeitgestaltung ausgleichen. Aber auch während Deiner Arbeitszeit kannst Du durch ein paar kleine Anpassungen schon etwas tun, um Migräneanfällen entgegenzuwirken. Bei chronischer Migräne können prophylaktische Medikamente und wirksame Akutmedikamente Deinen Alltag erleichtern.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellen:
- MigräneLiga e.V. (o. D.). Migräne-Fakten. Abgerufen am 22. April 2025, von https://www.migraeneliga.de/migraene-fakten/
- Neurologen und Psychiater im Netz. (o. D.). Akute Migräne-Therapie. Abgerufen am 22. April 2025, von https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/migraene/akut-therapie/
- Schmerzklinik Kiel. (o. D.). Verhalten. Abgerufen am 22. April 2025, von https://schmerzklinik.de/service-fuer-patienten/migraene-wissen/verhalten/
- Marvelous Mrs. Migraine. (o. D.). Startseite. Abgerufen am 22. April 2025, von https://www.marvelous-mrs-migraine.de/
- Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG). (o. D.). Startseite. Abgerufen am 22. April 2025, von https://www.dmkg.de/











