Schlaganfall: Ursachen, Symptome und Therapie
Veröffentlicht am 14.07.2025

Im Krankenhaus erfolgt bei einem Schlaganfall eine gezielte bildgebende Diagnostik, meist mit einer CT- oder MRT-Untersuchung.
Ein Schlaganfall kann das Leben innerhalb von Sekunden verändern. Jährlich nach Angaben der Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe erleiden rund 270.000 Menschen in Deutschland einen Hirninfarkt, hochgerechnet sind das fast 750 pro Tag. Viele überleben, doch oft nicht ohne Folgen. Lähmungen, Sprachstörungen oder kognitive Einschränkungen gehören zu den häufigsten Konsequenzen. Umso wichtiger sind Aufklärung, Prävention und schnelles Handeln im Notfall. Was genau ist ein Schlaganfall, welche Ursachen hat er, wie erkennt man ihn und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Was ist ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall, medizinisch auch Apoplex oder Hirninsult genannt, ist eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn. Dabei wird ein Teil des Gehirns nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Das hat zur Folge, dass Nervenzellen innerhalb kürzester Zeit absterben.
In der Medizin wird zwischen zwei Hauptformen unterschieden:
- Ischämischer Schlaganfall (ca. 85 Prozent): Eine Arterie im Gehirn wird durch ein Blutgerinnsel oder eine Gefäßverengung blockiert.
- Hämorrhagischer Schlaganfall (ca. 15 Prozent): Es kommt zu einer Hirnblutung durch ein geplatztes Gefäß, oft infolge von Bluthochdruck.
Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, der sofortige Behandlung erfordert, idealerweise innerhalb eines sogenannten therapeutischen „Zeitfensters“ von etwa 4 Stunden. In dieser Zeit können einige irreversible Schäden noch behoben werden.

Anna Liebig
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Ursachen des Schlaganfalls
Ein Schlaganfall entsteht meist durch eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn, die entweder durch ein Blutgerinnsel (ischämischer Schlaganfall) oder durch eine Blutung (hämorrhagischer Schlaganfall) verursacht wird. Die wichtigsten Ursachen und Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Diabetes mellitus, hohe Cholesterinwerte, Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel sowie eine ungesunde Ernährung. Auch Alter, Stress und genetische Veranlagungen können das Risiko erhöhen. Durch eine gesunde Lebensweise und Behandlung von Grunderkrankungen lassen sich viele Schlaganfälle verhindern.
Häufige Formen des Schlaganfalls
Ursachen werden je nach Schlaganfalltyp unterschieden:
| Form | Ursache/Mechanismus | Anteil |
|---|---|---|
| Ischämischer Infarkt | Blutgerinnsel (Thrombus/Embolus) blockiert Arterie | ca. 80–85 % |
| Hirnblutung (ICB/SAH) | Gefäß platzt, Blut tritt in Hirngewebe ein | ca. 10–15 % |
| TIA (Transitorische ischämische Attacke) | Kurzzeitige Durchblutungsstörung, Symptome bilden sich zurück | Warnsignal! |
Die Transitorische ischämische Attacke (TIA) gilt als „Mini-Schlaganfall“ und ist ein deutliches Warnsignal für einen bevorstehenden schweren Infarkt.
Erste Symptome und Verlauf
Die Symptome des Schlaganfalls treten meist plötzlich auf und ohne Vorwarnung. Welche Ausfälle auftreten, hängt davon ab, welcher Bereich im Gehirn betroffen ist. Zu den häufigsten Anzeichen gehören:
- Plötzliche Lähmungen oder Taubheitsgefühle, meist einseitig (z. B. im Gesicht, Arm oder Bein)
- Sprachstörungen: Worte können nicht mehr gefunden, verstanden oder ausgesprochen werden
- Sehstörungen, z. B. halbseitiger Gesichtsfeldausfall
- Gleichgewichtsprobleme oder Schwindel
- Starke, ungewohnte Kopfschmerzen, besonders bei Hirnblutungen
Die Symptome können sich rasch verschlechtern. Deshalb gilt: „Time is brain“, mit jeder Minute ohne Sauerstoff sterben Nervenzellen ab.
Im Verlauf können sich manche Funktionen wieder erholen, doch andere Defizite bleiben dauerhaft. Die Prognose hängt stark von der Schwere des Schlaganfalls und der Schnelligkeit der Behandlung ab.
Diagnostik
Schlaganfall - Diagnose beginnt bereits mit der Notfallversorgung. Der Rettungsdienst prüft erste Auffälligkeiten mit dem FAST-Test:
- Face (Gesicht): Hängt ein Mundwinkel?
- Arms (Arme): Kann die Person beide Arme heben?
- Speech (Sprache): Ist die Sprache verwaschen oder unverständlich?
- Time (Zeit): Symptombeginn im „Zeitfenster“ oder nicht?
Im Krankenhaus erfolgt dann eine gezielte bildgebende Diagnostik, meist mit einer CT- oder MRT-Untersuchung. Diese zeigt die Ursache, ob es sich um eine Durchblutungsstörung oder Blutung handelt, was entscheidend für die Wahl der Therapie ist.
Zusätzlich erfolgen EKG, Blutuntersuchungen und oft ein Ultraschall der Karotis (Arterie(n), die das Gehirn versorgen), um die Ursache zu klären.
Therapie
Ein Schlaganfall ist ein Notfall. Die Akutbehandlung erfolgt möglichst auf einer Schlaganfall-Spezialstation oder auch Stroke Unit genannt. Ziel ist es, die Durchblutung schnell wiederherzustellen und Folgeschäden zu minimieren.
Akuttherapie
- Thrombolyse, Auflösung des Blutgerinnsels durch ein Medikament, bei einem ischämischem Infarkt. Möglich innerhalb von 4 Stunden nach Symptombeginn.
- Thrombektomie, eine mechanische Entfernung des Blutgerinnsels durch Katheter, insbesondere bei großen Gefäßverschlüssen.
- Intensivüberwachung bei Hirnblutungen ist essenziell, gegebenenfalls auch ein neurochirurgischer Eingriff zur Druckentlastung.
Rehabilitationsphase
Nach der Akutphase beginnt die Rehabilitation von einem Schlaganfall. Sie ist entscheidend für die Rückgewinnung von Fähigkeiten. Sie beinhaltet Physiotherapie, durch Bewegungsförderung und Gleichgewichtstraining, Logopädie für Patient:innen mit betroffenem Sprachzentrum für Sprech- und Schlucktherapie.
Ergotherapie spielt eine wichtige Rolle, um die Selbstständigkeit im Alltag wiederzuerlangen. Neuropsychologie, welche die Kognition, Aufmerksamkeit und Emotionen behandelt. Der Reha-Verlauf ist individuell, manche Menschen kehren vollständig in ihr altes Leben zurück, andere benötigen dauerhaft Pflege.
Prävention/Sekundärprävention
Etwa 70 Prozent aller Schlaganfälle gelten als vermeidbar. Die wichtigste Maßnahme ist die Kontrolle bekannter Risikofaktoren und Ursachen. Um einen erneuten Schlaganfall zu verhindern, erfolgt eine langfristige medikamentöse Behandlung:
- Blutverdünner (ASS, NOAKs) bei Vorhofflimmern oder Gefäßverengungen
- Blutdrucksenker
- Cholesterinsenker
- Diabeteskontrolle (HbA1C – Langzeitzucker in normalen Werten)
- Nikotinverzicht und Lebensstiländerung (Rauchen verdoppelt das Risiko)
- Bluthochdruck (größter Risikofaktor) sollte frühzeitig erkannt und behandelt werden
- Bewegung und Ernährung: Mediterrane Kost, regelmäßiger Sport und Gewichtsreduktion verbessern die Gefäßgesundheit
- Vorhofflimmern erkennen und behandeln – es verursacht viele stille Embolien
Pflegebedürftigkeit und Einstufung nach einem Schlaganfall
Ein Schlaganfall kann so schwere körperliche oder geistige Einschränkungen verursachen, dass die Betroffenen dauerhaft auf Unterstützung angewiesen sind. In solchen Fällen spricht man von Pflegebedürftigkeit. Diese wird nicht allein anhand der Diagnose, sondern anhand der Selbstständigkeit im Alltag beurteilt, wie zum Beispiel bei Körperpflege, Mobilität, Kommunikation oder Alltagsorganisation.
Zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit erfolgt eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD). Viele Schlaganfallpatienten erhalten zunächst Pflegegrad 3 oder 4 (Schwere- Schwerste Beeinträchtigung), etwa bei Halbseitenlähmung, Sprachverlust oder kognitiven Defiziten. Der Pflegegrad entscheidet über den Umfang von Sachleistungen, Pflegegeld, Tagespflege oder Kurzzeitpflege. Er kann sich im Verlauf durch Reha-Maßnahmen verbessern – oder bei zunehmendem Bedarf erneut angepasst werden.
Häufige Fragen zum Schlaganfall
Wie lange im Voraus kündigt sich ein Schlaganfall an?
Ein Schlaganfall kündigt sich meist nicht lange vorher an. Manchmal können jedoch sogenannte transitorische ischämische Attacken (TIA) auftreten, vorübergehende “Mini-Schlaganfälle”, die Minuten bis Stunden andauern und als Warnzeichen Tage bis Wochen vorher auftreten können.
Was sind die ersten Anzeichen für einen Schlaganfall?
Erste Anzeichen sind plötzliche Sehstörungen, Lähmungen oder Taubheitsgefühle - meist einseitig, Sprachstörungen, Schwindel oder ein starkes Kopfweh begleiten diese Symptome. Sie treten oft abrupt auf und erfordern sofortige ärztliche Hilfe.
Ist ein Schlaganfall heilbar?
Ein einmal eingetretener Schlaganfall ist nicht „heilbar“, aber mit schneller Behandlung können Folgeschäden begrenzt werden. Durch Reha-Maßnahmen ist oft eine gute Erholung möglich.
Was ist eine Vorstufe von Schlaganfall?
Als Vorstufe gilt die transitorische ischämische Attacke (TIA), ein leichter Schlaganfall, bei dem die Symptome meist wenige Minuten bis eine Stunde andauern und in bis zu 24 Stunden wieder vollständig verschwinden. Obwohl die TIA keine bleibenden Schäden hinterlässt, ist sie ein Warnsignal für einen möglichen schweren Schlaganfall.
Was ist der Unterschied zwischen TIA und Schlaganfall?
Eine Transitorische ischämische Attacke (TIA) ist eine vorübergehende Durchblutungsstörung, deren Symptome sich innerhalb von 24 Stunden zurückbilden. Sie gilt jedoch als ernstzunehmendes Warnsignal, das Risiko für einen richtigen Schlaganfall ist danach deutlich erhöht.
Welche 2 Arten von Schlaganfall gibt es?
Es gibt den ischämischen Schlaganfall, bei dem die Ursache ein verengtes oder verstopftes Blutgefäß im Gehirn ist- sowie den hämorrhagischen Schlaganfall, der durch eine Blutung im Gehirn verursacht wird.
Welche Spätfolgen können nach einem Schlaganfall auftreten?
Mögliche Spätfolgen sind Lähmungen, Sprach- und Schluckstörungen, kognitive Beeinträchtigungen, emotionale Veränderungen und Einschränkungen der Alltagsfähigkeiten. Die Ausprägung hängt von der Größe und Lokalisation des Schlaganfalls ab.
Wie lange dauert die Rehabilitation?
Das hängt von der Schwere des Schlaganfalls ab. Eine Früh-Reha dauert oft 3 bis 6 Wochen, danach folgt, entsprechend der Entwicklung der Patient:innen, eine ambulante Weiterbehandlung über mehrere Monate.
Was ist eine Stroke Unit?
Das ist eine spezialisierte Station für Schlaganfallpatienten. Hier arbeiten Neurolog:innen, Pflegekräfte, Therapeut:innen und Sozialdienst interdisziplinär zusammen, um eine schnelle und gezielte Versorgung zu ermöglichen.
Fazit: Umgehende Behandlung ist entscheidend
Ein Schlaganfall kann jeden treffen, plötzlich und ohne Vorwarnung. Umso wichtiger ist es, die Symptome zu kennen und im Notfall schnell zu handeln. Gleichzeitig liegt in der Prävention enormes Potenzial. Wer auf Ursachen wie Blutdruck, Herzgesundheit, Ernährung und Bewegung achtet, kann das Risiko deutlich reduzieren. Nach einem überstandenen Schlaganfall entscheidet die richtige Nachsorge über die Lebensqualität. Ein starkes Netzwerk aus Medizin, Pflege, Angehörigen und Reha ist der Schlüssel zu einem guten Leben nach dem Hirninfarkt.
Medizinische und rechtliche Hinweise
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellen
- https://www.schlaganfall-hilfe.de/de/presse/factsheets-fuer-journalisten#:~:text=Jedes%20Jahr%20erleiden%20in%20Deutschland,die%20H%C3%A4lfte%20bleiben%20dauerhaft%20behindert.
- AWMF-Leitlinie – S2eAkuttherapie des ischämischen Hirninfarktes
Thrombolyse, Thrombektomie und Stroke Unit-Versorgung. Version 5.1 (Stand 10.05.2021), gültig bis 09.05.2026. Abgerufen 24.06.2025 von
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-046 register.awmf.org+2register.awmf.org+2register.awmf.org+2 - AWMF-Leitlinie – S2k Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfall / TIA
Empfehlungen zu Blutverdünnung, Blutdruck-, Cholesterin und DiabetesTherapie nach Schlaganfall. Stand Mai 2022. Abgerufen 24.06.2025 von
https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-133.html awmf.org - Deutsche Schlaganfall-Hilfe – Psychische Folgen (Depression)
Post-stroke Depression: deren Häufigkeit, Ursachen und Therapieoptionen. Abgerufen 24.06.2025 von
https://www.schlaganfall-hilfe.de/de/verstehen-vermeiden/folgen-eines-schlaganfalls/depression-psychologische-folge-eines-schlaganfalls











