Ernährung bei Demenz: Gehirnfunktion optimal und gezielt unterstützen

Veröffentlicht am 03.07.2025

Es sind verschiedene Lebensmittel einer mediterranen Ernährung zu sehen.

Eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung trägt auch zur Gehirngesundheit bei. Quelle: Canva.de

Aktuell leben hierzulande mehr als 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz-Erkrankung, die meisten davon sind an einer Alzheimer-Demenz erkrankt – Tendenz steigend. Demenzerkrankungen stellen daher eine der größten Herausforderungen in der Pflege älterer Menschen dar – gekennzeichnet durch einen fortschreitenden Verlust kognitiver Fähigkeiten, der das tägliche Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigt.

Gesunde Ernährung in der Pflege - Mit Nahrungsmitteln die Gehirngesundheit unterstützen

Während Medikamente und Therapien wichtige Bestandteile der Behandlung darstellen, gewinnt parallel die Ernährung im Alter zunehmend an Bedeutung, um die Gehirngesundheit zu fördern, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Für Pflegekräfte ist es daher wichtig, die Bedeutung einer gezielten Ernährung zu verstehen und entsprechende Maßnahmen in der Pflege umzusetzen.

Eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung kann nicht nur die kognitive Funktion unterstützen, sondern auch das allgemeine Wohlbefinden steigern und Begleiterscheinungen wie Appetitlosigkeit, Mangelernährung oder Schluckstörungen mildern. Welche Lebensmittel beim Krankheitsbild „Demenz“ besonders hilfreich und empfehlenswert sind, warum und wie sie wirken und wie sie sich optimal in den Pflegealltag integrieren lassen.

Gut zu wissen!
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Anna Liebig

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Essen gegen das Vergessen - Rolle von Ernährung bei Demenz

Immer mehr Studien zeigen: Die Ernährung beeinflusst maßgeblich die Gehirngesundheit. Bei Demenz spielen bestimmte Nährstoffe eine besonders relevante Rolle, da sie die neuronale Kommunikation verbessern, Entzündungen reduzieren und den oxidativen Stress mindern können.

Zudem kann eine gezielte Ernährung dazu beitragen, Mangelerscheinungen zu vermeiden, die die kognitive Leistungsfähigkeit weiter verschlechtern. Mangelernährung kommt gerade bei Demenz-Patient:innen häufig vor und kann den Krankheitsverlauf beschleunigen. Umso bedeutsamer ist es für Pflegekräfte, auf eine ausgewogene Ernährung im Alter der von ihnen betreuten Menschen mit Demenz zu achten und dabei deren individuelle Bedürfnisse zu berücksichtigen.

Mediterrane Ernährung für das Gehirn:
Eine mediterrane Ernährungsweise mit viel Fisch, Obst, Gemüse, Nüssen und Olivenöl kann sich positiv auf die Gehirngesundheit auswirken. Die mediterrane Diät beinhaltet nicht nur besonders viele „Gehirn-Nährstoffe“, sondern lässt sich auch ohne viel Aufwand zubereiten und in den Alltag integrieren. Und schmecken tut sie obendrein!

„Brain-Food“ - Wichtige Nährstoffe für die Gehirnfunktion

Um die Gehirngesundheit bei Demenz zu fördern, sollten bestimmte Nährstoffe in der Ernährung im Alter besonders in den Fokus rücken und idealerweise häufig auf dem Teller landen.

Ernährungstipps: Omega-3-Fettsäuren

Die zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren gehörenden Omega-3-Fettsäuren, insbesondere EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosapentaensäure), sind essenziell für die neuronale Funktion. Sie wirken entzündungshemmend, fördern die Bildung neuer Nervenzellen und verbessern die Signalübertragung im Gehirn. Studien deuten darauf hin, dass eine ausreichende Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen verringern kann.

Omega-3-Fettsäuren sind in folgenden Lebensmitteln enthalten:

  • Fettreichem Fisch (Lachs, Makrele, Hering, Sardinen)
  • Leinsamen
  • Chiasamen
  • Walnüsse und Walnussöl
  • Rapsöl
  • Algenöl
  • Leinöl
  • kaltgepresste Öle in nicht erhitzten Speisen wie Salaten oder Kräuterquark

Ernährungstipps: Antioxidantien

Oxidativer Stress – beispielsweise durch UV-Strahlung, Rauchen oder auch psychische Belastungen – gilt als ein bedeutender Faktor bei der Entstehung und Progression von Demenz. Antioxidantien wie bestimmte Vitamine, Spurenelemente und die sogenannten Polyphenole (= sekundäre Pflanzenstoffe) sind in der Lage, aggressive zellschädigende freie Radikale zu neutralisieren und so die Zellen wie eine Art Schutzschild vor Schäden zu bewahren, die unter anderem die Gehirnfunktion beeinträchtigen können.

  • Vitamin A (Carotinoide):
    Tierische Quellen (reines Vitamin A): Enthalten z.B. in Leber, Eier, Milchprodukte/Käse, Butter, fettreicher Seefisch.
    Pflanzliche Quellen (als Vitamin-Vorstufe/Provitamin): Enthalten z.B. in Karotten, rote und gelbe Paprika, Süßkartoffeln, Kürbis, Spinat, Tomaten und Tomatenprodukte.
  • Vitamin C: Enthalten z.B. in Zitrusfrüchten, Kiwis, Beeren, Paprika, Brokkoli, Grünkohl.
  • Vitamin E: Enthalten z.B. in Nüssen, Samen, pflanzlichen Ölen (z.B. Sonnenblumenöl), Avocados.
  • Selen: Enthalten z.B. in vielen tierischen und pflanzlichen Lebensmittel wie unter anderem in Fleisch, Fisch, Eiern und Nüssen, Kohl, Pilzen, Zwiebeln/Lauch, Linsen und Spargel.
  • Polyphenole: Enthalten z.B. in Beeren, Trauben, dunkler Schokolade, grünem Tee.
Tipp: Manche Vitamine brauchen fetten Begleitservice!
Die Vitamine A (samt Vorstufen), D und E gehören zu den sogenannten fettlöslichen Vitaminen. Optimal verwerten kann unser Körper sie nämlich nur dann, wenn parallel etwas Fett mit im Spiel ist – ganz gleich, welches. Da reichen auch durchaus schon ein paar Tropfen hochwertiges Pflanzenöl im Gemüsesaft, ein paar Butterkekse zum Obstteller oder Cräcker mit fetthaltigem Quarkdipp zu den Gemüsesticks.

Noch mehr gutes „Futter“ für die grauen Zellen:

  • Vitamin D: Das ebenfalls zu den fettlöslichen Vitaminen zählende Vitamin unterstützt sowohl die neuronale Funktion als auch das Immunsystem. Enthalten z.B. in fettreichem Fisch (Lachs, Makrele), Leber, Eiern, Pilzen, entsprechend angereicherten Lebensmitteln (z.B. Margarine, manche Milchprodukte – Etikett beachten!).
  • B-Vitamine: B-Vitamine, insbesondere die Vitamine B6, B12 und Folsäure, tragen zur Bildung von Nervenbotenstoffen (Neurotransmittern) und zur Zellteilung bei und sind wichtig für die Gehirnfunktion. Ein entsprechender Mangel kann zu kognitiven Beeinträchtigungen führen. Enthalten z.B. in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, grünem Blattgemüse und Fleisch.
  • Cholin: Diese unter anderem für die Gedächtnisfunktion wichtige vitaminähnliche Substanz kann unser Körper zwar selbst herstellen, aber oft nicht in ausreichender Menge. Cholin ist unter anderem wichtig für die körpereigene Produktion des Nervenbotenstoffs Acetylcholin. Enthalten z.B. in Leber, Eiern und Sojaprodukten.
Tipp! Vitamine – licht-, luft-, hitze- und wasserscheu:
Vitamine sind kleine Sensibelchen. Die meisten von ihnen mögen weder Sauerstoff und Licht und verlieren in Verbindung mit Wasser schnell ihre Wirkkraft. Beste Gegenmaßnahme: Vitaminreiche Lebensmittel idealerweise dunkel lagern (Öle zum Beispiel in dunklen Flaschen), möglichst frisch zubereiten (lange Warmhaltezeiten vermeiden) und warmes Gemüse nur in ein wenig Wasser kurz dünsten oder dämpfen.

Fazit: Abwechslungsreiche Ernährung im Alter ist wichtig für das Gehirn

Bunt, abwechslungsreich, möglichst frisch und mit einem besonderen Augenmerk auf eine gute und gezielte Lebensmittelauswahl – so sieht die optimale Ernährung für Menschen mit Demenz aus, zu der Pflegekräfte mit einem geschulten Blick viel beitragen können. Denn zahlreiche Nährstoffe können die Gehirnfunktion wirkungsvoll unterstützen; prophylaktisch und auch bei bereits bestehender Demenz. Ganz wichtig dabei: Eine Heilwirkung ist damit nicht verbunden!

Die wichtigsten Fragen zur Ernährung bei Demenz

Welche Nährstoffe sind besonders wichtig für die Gehirnfunktion?

Gleich eine ganze Palette an Nahrungsmittelinhaltsstoffen nimmt maßgeblichen Einfluss auf die Gehirnfunktion. Dazu zählen vor allem antioxidativ und damit zellschützend wirkende Substanzen wie verschiedene Vitamine (A, C, E, D) und das Spurenelement Selen. Eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit der Gehirnfunktion spielen auch die Omega-3-Fettsäuren aus pflanzlichen und marinen Quellen sowie einige B-Vitamine, die vitaminähnliche Substanz Cholin und die zu den sekundären Pflanzenstoffen zählenden Polyphenole.

Was kann die „Mittelmeerdiät“ zur Demenzprävention beitragen?

Eine mediterrane Ernährungsweise enthält alles, was unserem Körper und damit auch unserem Gehirn guttut: Unter anderem mit viel frischem Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten, wertvollem Seefisch und pflanzlichen Ölen (speziell Olivenöl) und gelegentlich etwas Fleisch. Diese Kombination trägt nachweislich nicht nur zur Herz-Kreislauf-Gesundheit bei, sondern auch zu einer guten Hirnfunktion.

Praktische Ernährungstipps für Pflegekräfte – Welche Lebensmittel helfen Demenzpatient:innen besonders?

Ganz praxisnah: Smoothies, idealerweise „à la minute“ zubereitet aus viel frischem Obst und Gemüse und angereichert mit einem Teelöffel hochwertigem und kaltgepresstem Pflanzenöl mit einem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren. Eine hervorragende Kombi: Apfel, Möhre und Rote Bete, abgeschmeckt mit etwas Orangen- oder Zitronensaft und ein wenig Honig. Benefit: Smoothies eignen sich auch bei Schluckstörungen.

Quellen

  1. Deutsche Alzheimer Gesellschaft. Deutsche Alzheimer Gesellschaft stellt neue Zahlen zur Demenz vor: In den kommenden Jahren immer mehr Menschen betroffen. Abgerufen am 26. Juni 2025, von: https://www.deutsche-alzheimer.de/artikel/deutsche-alzheimer-gesellschaft-stellt-neue-zahlen-zur-demenz-vor-in-den-kommenden-jahren-immer-mehr-menschen-betroffen
  2. Wang, J., Li, Z., Chen, Y., Liu, Y., Ma, Y., Lu, Y., … Chen, Z. Effects of Mediterranean diet on Alzheimer's disease biomarkers and cognition: A systematic review and meta-analysis. Abgerufen am 26. Juni 2025, von: https://journals.sagepub.com/doi/10.3233/JAD-230418
  3. Alzheimer Forschung Initiative e.V. Ernährung und Demenz: Was kann ich tun, um vorzubeugen? Abgerufen am 26. Juni 2025, von: https://www.alzheimer-forschung.de/demenz/vorbeugen/ernaehrung/
  4. Zhao, W., Zhang, Y., Guo, X., Li, M., Chen, H., & Zhou, Y. Adherence to a Mediterranean diet and risk of dementia: A prospective cohort study. Abgerufen am 26. Juni 2025, von: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0002916523463204

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