Mangelernährung im Alter: Nährstoffmangel vermeiden und mit geschultem Blick erkennen

Veröffentlicht am 28.08.2025

Eine ältere Frau sitzt im Pflegebett und schaut zögerlich auf einen Teller mit einer Speise.

Mangelernährung entsteht im Alter durch verschiedene Ursachen, etwa Trauer. Quelle: Canva.de

Mangelernährung entsteht typischerweise dann, wenn der Körper über einen längeren Zeitraum hinweg zu wenig Energie, Eiweiß oder Mikronährstoffe erhält. Gerade im Alter kann dies mitunter schwerwiegende gesundheitliche Folgen nach sich ziehen und damit die Lebensqualität und auch die Lebenszeit negativ beeinflussen. Solch ein Mangelzustand ist speziell unter geriatrischen Patient:innen weit verbreitet: Schätzungen zufolge liegt hier die Prävalenz, also die Häufigkeit, auf internationaler Ebene bei rund 50 Prozent. Dabei geht es nicht nur um eine zu geringe Energiezufuhr, sondern auch um eine generell zu nährstoffarme Ernährung.

Warum für die Ernährung im Alter eine optimale Nährstoffversorgung besonders wichtig ist – aber vielen Seniorinnen und Senioren schwerfällt –, wie sich Mangelerscheinungen zeigen und mit welchen Tipps und Tricks Pflegekräfte wirkungsvoll und mit einem wachsamen Auge unterstützen können.

Mangelernährung im Alter - Mangel ist nicht gleich Mangel

Es gibt verschiedene Formen der Mangelernährung, die sich auch unterschiedlich äußern können:

  • Energie- und Eiweißmangel = quantitative Mangelernährung
  • Mikronährstoffmangel = qualitative Mangelernährung, z. B. bezüglich Mineralstoffen und Vitaminen (beispeilweise Eisen, Calcium, Vitamin D, oder Vitamin B12)
  • Kombinierte Formen: Oft in Form einer „unerkannten Mangelernährung“ bei scheinbar normalem Gewicht (errechnet per BMI = Body Mass Index)

Meist treten bei geriatrischen Patient:innen bei der Ernährung im Alter kombinierte Formen von Mangelernährung auf – eine durchaus große Herausforderung hinsichtlich Diagnostik und Therapie. Erschwerend kommt hinzu, dass eine entsprechend dann erforderliche hoch konzentrierte nährstoffreiche Ernährung in ansprechend angerichteter appetitanregender Form in der Praxis häufig kaum umsetzbar ist, aus zeitlichen und vor allem aus Kostengründen. Denn zumindest stationären Pflegeeinrichtungen sitzt häufig das vorgegebene Budget bei der Ernährung im Alter im Nacken. Zusatzangebote können in diesem Fall eine große Hilfe sein. Dazu zählen beispielsweise mitgebrachte Leckereien von Angehörigen – oder bei Bedarf auch eine ärztlich verordnete hochkalorische angereicherte Zusatznahrung in Form von Drinks oder puddingartigen Cremes.

Tipp: Mangelernährung ausgleichen

Die klassische Gemeinschaftsverpflegung in Pflegeeinrichtungen ist (leider) nicht immer darauf ausgerichtet, Mangelernährung im Alter frühzeitig etwas entgegenzusetzen. Umso wichtiger ist es, die Angehörigen zu motivieren, zusätzlich Nahrungsmittel mitzubringen, die den Betroffenen besonders gut schmecken und zudem wichtige Nährstoffe enthalten – beispielsweise einen eiweiß- und vitaminreichen Früchtequark (gern mit 40%igem Quark zubereitet, sofern kein Übergewicht besteht) oder auch mal ein Stück Käsekuchen, ein paar frische Beeren oder schlichtweg eine Flasche Multivitaminsaft. Parallel sollte bei ersten Anzeichen von Mangelernährung zügig die Substitution mit hochkalorischer Nahrungsergänzung („Astronautenkost“) ins Spiel kommen, die bei entsprechender Indikation per ärztlicher Verordnung von den Krankenkassen übernommen wird.

Anna Liebig

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Warum es bei der Nährstoffversorgung im Alter oft hapert

Es gibt gleich mehrere Gründe dafür, dass pflegebedürftige alte Menschen unter Mangelernährung leiden.

  1. Körperliche altersbedingte Veränderungen

Dazu gehören beispielsweise verminderter Appetit, ein verändertes Geschmacksempfinden, Kau- und Schluckstörungen (z. B. durch Zahnprobleme oder neurologische Erkrankungen) und ein reduzierter Energiebedarf, bei aber gleichbleibendem oder gar erhöhtem Bedarf an Mikronährstoffen. Wichtig ist auch ein Blick auf die Ernährung bei Demenz.

2. Erkrankungen und verordnete Medikamente

Auch chronische Erkrankungen (wie beispielsweise Demenz, COPD, Herzinsuffizienz, Krebs), akute Infektionen sowie diverse Medikamente beeinflussen allein oder im Zusammenspiel mit anderen Arzneimitteln den Appetit, die Verdauung oder die Nährstoffverwertung (Stichwort: Polypharmazie).

3. Psychosoziale Faktoren

Einsamkeit, soziale Isolation, Trauer, Depressionen oder geringe finanzielle Mittel sowie kulturelle oder religiöse Ernährungsgewohnheiten erschweren eine ausgewogene Ernährung im Alter oft zusätzlich.

4. Pflegeabhängigkeit und Versorgungssituation

In vielen Pflegeeinrichtungen herrschen leider oft Zeitmangel und Personalknappheit. Daher können Mahlzeiten in Pflegeeinrichtungen häufig nicht so ausreichend begleitet und individuell betreut werden (z.B. Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme), wie es die Bewohner:innen eigentlich bräuchten. Hinzu kommen standardisierte Kostformen ohne Berücksichtigung persönlicher Vorlieben, die ebenfalls nicht unbedingt dazu beitragen, pflegebedürftige Menschen zum Essen zu animieren.

Tipp: Mangelernährung ist keine Frage des Gewichts!
Gut genährt heißt nicht gut versorgt. Mangelernährung bemisst sich nämlich nicht am Körpergewicht. Auch normal- oder sogar übergewichtige Menschen können entsprechende Ernährungsdefizite aufweisen. Besonders kritisch stellt sich häufig die Versorgung mit Eiweiß (Proteinen) und Mikronährstoffen dar (= u.a. Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente). Speziell bei älteren Menschen mit erforderlicher diuretischer Therapie drohen mitunter lebensgefährliche Stoffwechselentgleisungen im Elektrolytbereich.

Nicht zu unterschätzen: Folgen von Mangelernährung

Die Konsequenzen einer Mangelernährung im Alter sind durchaus gravierend und keinesfalls auf die leichte Schulter zu nehmen! Körperlich drohen Muskelschwund, ein geschwächtes Immunsystem, eine verzögerte Wundheilung, ein erhöhtes Sturz- und Frakturrisiko sowie längere Krankenhausaufenthalte.

Psychisch kommen Müdigkeit und Antriebslosigkeit, verschlechterte kognitive Funktionen und ein erhöhtes Depressionsrisiko hinzu, kombiniert mit sozialen Faktoren. Nicht selten ziehen sich die Betroffenen im Zuge ihrer schlechten Ernährung im Alter dann aus sozialen Gemeinschaften zurück und/oder verlieren zunehmend an Lebensfreude.

Für Pflegeeinrichtungen ist Mangelernährung außerdem mit erhöhter Pflegebedürftigkeit, höheren Kosten und eine Verschlechterung der Pflegequalität verbunden. Umso wichtiger ist es, hier rechtzeitig gegenzusteuern und dazu beizutragen, den zu pflegenden Menschen eine möglichst optimale Ernährung im Alter anzubieten beziehungsweise zu gewährleisten. Denn Pflegekräfte gehören oft zu den ersten Personen, die Veränderungen im Ernährungsverhalten oder Gewichtsverluste bemerken. Sie tragen daher eine zentrale Verantwortung für die frühzeitige Identifikation und das Management von Mangelernährung.

Anzeichen von Eisenmangel. Quelle: Pflegia

Wichtige Warnsignale bei unzureichender Ernährung im Alter:

  • Ungewollter Gewichtsverlust (>5 % in einem Monat oder >10 % in 6 Monaten)
  • Reduzierte Nahrungsaufnahme
  • Appetitlosigkeit
  • Schwäche und Mobilitätsverlust

Zur differenzierten Einschätzung der Ernährungssituation bieten sich für Pflegekräfte unter anderem folgende Tools an:

  • Mini Nutritional Assessment (MNA): Das Mini Nutritional Assessment (MNA) ist ein international anerkanntes Screening-Instrument, das speziell für ältere Menschen entwickelt wurde, um frühzeitig ein Risiko für Mangelernährung zu erkennen. Es umfasst Fragen zu Ernährungsgewohnheiten, Gewichtsverlust, Mobilität, akuten Erkrankungen sowie psychischen Belastungen und kombiniert diese mit einfachen Messungen wie Body-Mass-Index (BMI) oder Wadenumfang.
  • Malnutrition Universal Screening Tool (MUST): Das Malnutrition Universal Screening Tool (MUST) ist ein praxisnahes und international eingesetztes Instrument, um das Risiko für Mangelernährung bei Erwachsenen systematisch einzuschätzen. Es basiert auf drei zentralen Kriterien: Body-Mass-Index (BMI), unbeabsichtigter Gewichtsverlust in den letzten 3–6 Monaten sowie das Vorliegen einer akuten Erkrankung mit erwarteter Nahrungsabstinenz von mehr als fünf Tagen. Die Ergebnisse werden zu einem Gesamtscore zusammengeführt, der das Risiko für Mangelernährung als niedrig, mittel oder hoch einstuft.

Wichtig dabei: Eine regelmäßige Gewichtskontrolle plus Ermittlung des BMI (Body-Mass-Index) und des Essverhaltens samt entsprechender Dokumentation plus interprofessioneller Zusammenarbeit mit den involvierten medizinischen Teams und auch einer professionellen Ernährungsberatung!

Gut zu wissen!
Natürlich sollten auch Pflegekräfte gesund essen. Erfahre in unserem Ratgeber zur "Gesunden Ernährung im Schichtdienst", wie das geht.

Maßnahmen zur Prävention und Behandlung von Mangelernährung

Energie- und nährstoffreiche Speisen, vor allem angereichert mit Fett wie Butter, Sahne und hochwertigen pflanzlichen Ölen sowie Samen und Nüssen – dargeboten in mehreren kleinen Mahlzeiten – bieten eine gute Chance, Mangelernährung im Alter zu begegnen. Hochkalorische Nahrungsergänzung sollte dabei bei Bedarf frühzeitig ergänzend ins Spiel kommen, die normale Kost aber keinesfalls ersetzen.

Fazit

Mangelernährung im Alter ist ein weit verbreitetes und multifaktorielles Problem mit weitreichenden Folgen für die Betroffenen und das Gesundheitssystem. Pflegefachkräfte haben die Möglichkeit – und die Pflicht – durch Aufmerksamkeit, Fachkenntnis und gezielte Maßnahmen gegenzusteuern. Ein strukturiertes Ernährungsmanagement, regelmäßiges Screening und eine individuelle Betreuung können Mangelernährung effektiv vorbeugen oder behandeln. Damit tragen Pflegekräfte entscheidend zur Erhaltung von Gesundheit, Autonomie und Lebensqualität im Alter bei.

Die wichtigsten Fragen zur Mangelernährung

Welche Symptome treten bei Mangelernährung im Alter auf?

Hier dominieren vor allem Appetitlosigkeit, ungewollter Gewichtsverlust, körperliche Schwäche, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Antriebslosigkeit. Hinzu kommen unter anderem eine erhöhte Sturzneigung, Infektanfälligkeit und eine verschlechterte Wundheilung.

Was regt den Appetit bei älteren Menschen an?

Zu große Essensportionen wirken oft überwältigend. Von daher empfehlen sich mehrere über den Tag verteilte kleinere und optisch ansprechend angerichtete Mahlzeiten mit einer hohen Nährstoffdichte. Appetitanregend wirken zudem natürliche Bitterstoffe aus Chicorée, Artischocken oder Grapefruits oder auch ein Heilpflanzensaft mit Wermut (aus dem Reformhaus).

Wie behandelt man Mangelernährung im Alter am besten?

Hier geht es vor allem darum, eine (drohende) Mangelernährung möglichst frühzeitig zu erkennen, um idealerweise so rechtzeitig gegensteuern zu können, bevor sich Mangelerscheinungen manifestieren. In Absprache mit dem Behandlungsteam sollte dann idealerweise zügig gegengesteuert werden mit einer angepassten Ernährung und gegebenenfalls auch entsprechenden Nährstoff-Substitutionen.

Quellen

  1. Mettlach, M., Schreyer, L. M. & Schilling, D.; „Mangel- und Fehlernährung im Alter“ – Review zu Geriatrischer Gastroenterologie; MMW – Fortschritte der Medizin 2022;164(17). Abgerufen am 21.08.2025 von https://tumorzentrum.insel.ch/fileadmin/Tumorzentrum-Bern/Dokumente/Expertengruppen/2022_MMW_Review_Mettlach_Ern%C3%A4hrung_im_Alter.pdf
  2. Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE); Mangelernährung im Alter – Ursachen, Folgen und Prävention; abgerufen am 21.08.2025 von https://sendias.ch/smf_artikel_mangelernaehrung_im_alter.pdf
  3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE); fit im Alter – Mangelernährung im Alter: Informationen für Fachkräfte und Angehörige; abgerufen am 21.08.2025 von https://www.fitimalter-dge.de/fileadmin/user_upload/medien/Mangelernaehrung_im_Alter.pdf

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