Wie stärken die Pflegekammern die Pädiatrie?

Veröffentlicht am 09.07.2026

Eine Mutter hält die Hand ihres kranken Kindes im Krankenhaus.

In der Kinderkrankenpflege gelten besondere Anforderungen. Die Pflegekammer in der Pädiatrie stellt sicher, dass diese in politischen Entscheidungen berücksichtigt werden. Quelle: Canva.de

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen – und genau deshalb stellt die pädiatrische Pflege besondere Anforderungen an dich als Pflegefachkraft. Neben fundiertem medizinischem Wissen brauchst du viel Einfühlungsvermögen, Kommunikationsstärke und die Fähigkeit, nicht nur junge Patientinnen und Patienten, sowie ihre Familien professionell zu begleiten.

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Doch wie kann sichergestellt werden, dass die besonderen Anforderungen der Kinderkrankenpflege auch künftig ausreichend berücksichtigt werden? Eine wichtige Rolle spielen dabei die Pflegekammern. Sie vertreten die professionelle Pflege als eigenständige Berufsgruppe und setzen sich dafür ein, dass pflegefachliche Expertise in politische Entscheidungen einfließt. Gerade für die Pädiatrie bieten sie die Chance, die besonderen Bedürfnisse dieses Fachbereichs sichtbarer zu machen. 

Was ist eine Pflegekammer?

Pflegekammern sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Ähnlich wie die Kammern der Ärzte oder Apotheker übernehmen sie staatlich übertragene Aufgaben der beruflichen Selbstverwaltung. Ihr gesetzlicher Auftrag besteht darin, die Qualität der pflegerischen Versorgung zu sichern und die beruflichen Belange der Pflegefachpersonen im Interesse der Bevölkerung zu vertreten. Dabei vertreten sie nicht einzelne Arbeitgeber oder Gewerkschaften, sondern den gesamten Pflegeberuf.

Je nach Bundesland ist die Mitgliedschaft für staatlich anerkannte Pflegefachpersonen verpflichtend. Dadurch können Pflegekammern die Interessen der gesamten Berufsgruppe bündeln und mit einer starken Stimme gegenüber Politik und Öffentlichkeit auftreten. Gleichzeitig unterscheiden sie sich deutlich von Gewerkschaften: Pflegekammern verhandeln keine Tarifverträge und setzen keine Gehälter durch. Sie kümmern sich stattdessen um berufliche Standards, Qualitätssicherung und die Weiterentwicklung des Pflegeberufs. 

Anna Liebig

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Welche Aufgaben übernehmen Pflegekammern?

Die Aufgaben einer Pflegekammer gehen weit über die politische Interessenvertretung hinaus. Zu ihren wichtigsten Tätigkeiten gehören:

  • Entwicklung und Erlass einer Berufsordnung
  • Führung eines Berufsregisters
  • Erarbeitung von Weiterbildungsordnungen
  • Mitwirkung an Ausbildungsstandards und Curricula
  • Qualitätssicherung in der Berufsausübung
  • Beratung von Politik und Gesetzgebung in pflegefachlichen Fragen
  • Förderung wissenschaftlicher Erkenntnisse und beruflicher Weiterentwicklung
  • Erstellung von Gutachten und Stellungnahmen zu pflegerelevanten Themen

Damit tragen Pflegekammern dazu bei, dass pflegerische Entscheidungen nicht ausschließlich aus medizinischer oder wirtschaftlicher Perspektive getroffen werden, sondern auch die pflegefachliche Expertise berücksichtigt wird.

Warum ist das gerade für die Pädiatrie wichtig?

Die Versorgung von Kindern und Jugendlichen unterscheidet sich grundlegend von der Pflege von Erwachsenen. Entwicklungsstand, Kommunikation, Krankheitsverläufe und die Einbindung der Familie machen die pädiatrische Pflege zu einem hoch spezialisierten Fachgebiet.

Dennoch besteht vielerorts die Sorge, dass die besonderen Anforderungen der Kinderkrankenpflege im Zuge der Generalistik oder aufgrund des allgemeinen Fachkräftemangels weniger Aufmerksamkeit erhalten. Genau hier können Pflegekammern wichtige Impulse setzen. Sie bringen pflegerische Expertise aus der Praxis direkt in politische Diskussionen ein und machen auf die Rahmenbedingungen aufmerksam, die Kinder und Jugendliche für eine qualitativ hochwertige Versorgung benötigen.

Die Arbeitsgruppe Kinderkrankenpflege in Nordrhein-Westfalen

Ein konkretes Beispiel hierfür liefert die Pflegekammer Nordrhein-Westfalen. Dort beschäftigt sich eine eigene Arbeitsgruppe ausschließlich mit den Herausforderungen der pädiatrischen Versorgung. In der Arbeitsgruppe engagieren sich Pflegefachpersonen aus verschiedenen Bereichen der Kinderkrankenpflege: von der direkten Patientenversorgung über die Ausbildung bis hin zu Leitungsfunktionen. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, die Qualität der Kinderkrankenpflege weiterzuentwickeln und die Anliegen der pädiatrischen Pflege politisch sichtbarer zu machen. Zu den aktuellen Schwerpunkten gehören unter anderem:

  • Verbesserung der praktischen Ausbildung
  • Entwicklung eines pädiatrischen Curriculums
  • Evaluation der Pflegepersonalregelung für die Kinderkrankenpflege
  • Austausch mit Fachgesellschaften
  • Politische Forderungen zur Finanzierung und Personalbemessung

Damit entsteht ein Netzwerk, das Erfahrungen aus der Praxis bündelt und konkrete Verbesserungsvorschläge entwickelt. 

Mehr Mitsprache für Pflegefachpersonen

Viele Entscheidungen im Gesundheitswesen werden von Menschen getroffen, die nicht selbst täglich am Patientenbett arbeiten. Pflegekammern bieten dir jedoch die Möglichkeit, deine fachliche Expertise in diese Prozesse einzubringen.

Über demokratisch gewählte Vertreter:innen können Pflegefachpersonen Einfluss auf berufspolitische Themen nehmen. In Arbeitsgruppen wie jener zur Kinderkrankenpflege werden Erfahrungen aus der Praxis gesammelt und daraus Empfehlungen für Politik, Ausbildung und Versorgung entwickelt.

Gerade in der Pädiatrie ist diese Beteiligung besonders wertvoll. Denn wer täglich mit Frühgeborenen, chronisch kranken Kindern oder Jugendlichen arbeitet, kennt die Herausforderungen besser als jede Statistik.

Stärkung der Aus- und Weiterbildung

Ein weiterer wichtiger Beitrag der Pflegekammern ist die Förderung hochwertiger Bildungsangebote. Die Anforderungen an die pädiatrische Pflege entwickeln sich ständig weiter. Neue Therapien, technische Innovationen oder familienzentrierte Versorgungskonzepte machen kontinuierliche Fort- und Weiterbildung erforderlich.

Pflegekammern können hierfür Standards entwickeln und Empfehlungen für Weiterbildungsangebote aussprechen. Gleichzeitig setzen sie sich dafür ein, dass pädiatrische Inhalte bereits während der Ausbildung ausreichend berücksichtigt werden.

Insbesondere seit Einführung der generalistischen Pflegeausbildung wird intensiv darüber diskutiert, wie genügend pädiatrische Kompetenzen vermittelt werden können. Auch in diesem Zusammenhang bringen Pflegekammern ihre fachliche Expertise aktiv ein.

Sichtbarkeit für die Kinderkrankenpflege

Die Kinderkrankenpflege ist hochkomplex. Trotzdem stehen in politischen Debatten häufig andere Bereiche des Gesundheitswesens im Fokus. Pflegekammern können dazu beitragen, die Besonderheiten der Pädiatrie stärker in den öffentlichen Diskurs einzubringen.

Durch Stellungnahmen, Positionspapiere oder Kooperationen mit medizinischen Fachgesellschaften sorgen sie dafür, dass Themen wie Personalbedarf, Ausbildungsqualität oder familienorientierte Versorgung stärker wahrgenommen werden. Dadurch wächst auch das Bewusstsein für den Beitrag, den pädiatrische Pflegefachpersonen täglich leisten.

Was bedeutet das für dich?

Egal, ob du bereits in der Pädiatrie arbeitest oder dir eine Tätigkeit in der Kinderkrankenpflege vorstellen kannst: Pflegekammern können dazu beitragen, deinen Berufsalltag langfristig zu verbessern.

Sie schaffen zwar keine höheren Gehälter und verhandeln keine Tarifverträge. Sie setzen sich jedoch dafür ein, dass pflegerische Qualität, fachliche Standards und die besonderen Anforderungen deines Berufs in politischen Entscheidungen berücksichtigt werden.

Gerade in einem spezialisierten Bereich wie der Pädiatrie ist das ein wichtiger Schritt. Denn eine starke berufliche Selbstverwaltung sorgt dafür, dass diejenigen mitreden, die die Versorgung von Kindern und Jugendlichen am besten kennen: die Pflegefachpersonen für Pädiatrie selbst. 

Fazit

Die pädiatrische Pflege braucht eine starke fachliche Stimme. Pflegekammern leisten einen wichtigen Beitrag dazu, indem sie die Interessen der professionellen Pflege vertreten, Qualitätsstandards weiterentwickeln und pflegerische Expertise in politische Entscheidungsprozesse einbringen.

Arbeitsgruppen wie die Kinderkrankenpflege der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen zeigen, wie sich engagierte Pflegefachpersonen aktiv für bessere Ausbildungsbedingungen, eine hochwertige Versorgung und mehr Sichtbarkeit ihres Fachgebiets einsetzen.

Für dich bedeutet das vor allem eines: Die Pflege erhält zunehmend die Möglichkeit, ihre Zukunft selbst mitzugestalten – und genau davon kann auch die Pädiatrie nachhaltig profitieren.

Häufige Fragen zur Pflegekammer und Pädiatrie

1. Können Pflegefachpersonen selbst Themen in die Arbeit einer Pflegekammer einbringen?

Ja. Pflegekammern arbeiten demokratisch. Über Wahlen, Ausschüsse, Arbeitsgruppen oder Beteiligungsverfahren können sie Themen anstoßen und sich aktiv in die Weiterentwicklung ihres Berufs einbringen.

2. Unterstützen Pflegekammern die Entwicklung pflegewissenschaftlicher Standards?

Ja. Sie fördern evidenzbasierte Pflege, wirken an der Entwicklung von Berufs- und Weiterbildungsordnungen mit und beziehen wissenschaftliche Erkenntnisse in ihre Empfehlungen und Stellungnahmen ein.

3. Warum ist eine eigene Vertretung der Pädiatrie innerhalb der Pflegekammer sinnvoll?

Weil Kinder und Jugendliche besondere pflegerische Bedürfnisse haben. Eine spezialisierte Arbeitsgruppe sorgt dafür, dass diese Anforderungen bei Ausbildung, Personalplanung und politischen Entscheidungen berücksichtigt werden.

4. Können Pflegekammern die Attraktivität der Kinderkrankenpflege steigern?

Indirekt ja. Durch bessere Weiterbildungsstrukturen, eine stärkere berufspolitische Sichtbarkeit und die Entwicklung fachlicher Standards kann das Berufsbild langfristig attraktiver werden.

5. Was ist der Unterschied zwischen einer Pflegekammer und einer Gewerkschaft?

Eine Pflegekammer übernimmt Aufgaben der beruflichen Selbstverwaltung, entwickelt Standards und berät die Politik. Eine Gewerkschaft vertritt dagegen arbeitsrechtliche Interessen, beispielsweise bei Tarifverhandlungen, Gehältern und Arbeitsbedingungen. Beide Organisationen haben somit unterschiedliche Aufgaben und ergänzen sich.

 

Quellen

DBfK: Deutscher Bundesverband für Pflegeberufe – Pflegeberufekammer. Zuletzt aufgerufen am 05.07.2026 https://www.dbfk.de/de/berufspolitik/pflegeberufekammern/

Ver.di. Gesundheit und Pflege > Pflegekammer – was kann sie? Zuletzt aufgerufen am 05.07.2026 https://www.verdi.de/gesundheit-soziales-bildung/pflegekammer-was-kann-sie

Pflegekammer NRW. AG Kinderkrankenpflege. Zuletzt aufgerufen am 05.07.2026 https://www.pflegekammer-nrw.de/gremien-der-kammer/ag-kinderkrankenpflege/

BeKD e.V. – Bundesverband Kinderkrankenpflege Deutschland. Zuletzt aufgerufen am 05.07.2026 https://bekd.de

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