Arthrose: Ursache, Symptome, Diagnostik und Therapie
Veröffentlicht am 01.07.2025

Arthrose kann starke Schmerzen verursachen, die die Betroffenen enorm einschränken. Quelle: Canva.de
Unsere Gelenke tragen uns ein Leben lang – Tag für Tag, Schritt für Schritt. Doch mit der Zeit hinterlässt die ständige mechanische Belastung ihre Spuren. Eine immer älter werdende Gesellschaft und Veränderungen im Lebensstil in den letzten Jahrzehnten führen dazu, dass unsere Gelenke mit den Jahren zusätzlich beansprucht werden. Die Folge: Gelenke können sich im Laufe des Lebens krankhaft verändern.
Doch was genau ist Arthrose? Und was kann ich selber tun, um die Erkrankung vorzubeugen?
Was ist Arthrose?
Bei einer Arthrose handelt es sich um einen degenerativen Prozess, bei dem der Gelenkknorpel zunehmend geschädigt wird. Das zentrale Problem: Knorpel kann sich nicht selbst regenerieren, da er keine Blutgefäße besitzt und somit nicht direkt versorgt wird.
Arthrose verläuft häufig in einem Teufelskreis: Durch mechanische Überbelastung, Entzündungen oder Gelenkfehlstellungen wird der Knorpel nach und nach abgerieben. Dieser Abbau löst wiederum Entzündungsreaktionen im Gelenk aus. Dabei werden Enzyme freigesetzt, die den Knorpelabbau weiter beschleunigen – und der Kreislauf beginnt von vorn.

Anna Liebig
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Wie viele Menschen sind von Arthrose betroffen?
Bei der Arthrose handelt es sich um die häufigste und volkswirtschaftlich bedeutendste chronische Erkrankung des Bewegungsapparats. In Deutschland sind etwa 20 bis 25 Prozent der Erwachsenen betroffen, bei den über 65-Jährigen sogar mehr als 50 Prozent. Frauen erkranken häufiger als Männer, insbesondere nach der Menopause. Mit dem demografischen Wandel und zunehmenden Risikofaktoren wie Adipositas und Bewegungsmangel steigt die Prävalenz weiter an.
Welche Risikofaktoren gibt es?
Arthrose kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, wobei man zwischen personenbezogenen und gelenkbezogenen Risikofaktoren unterscheidet.
Zu den personenbezogenen Risikofaktoren zählt vor allem das höhere Lebensalter. Mit zunehmendem Alter verändern sich Knochen, Muskeln und Gelenke sowohl mechanisch als auch biologisch. Die dauerhafte Belastung führt dazu, dass der Knorpel dünner wird und an Elastizität verliert. Da Knorpel nicht durchblutet ist, ist seine Fähigkeit zur Regeneration stark eingeschränkt.
Auch das weibliche Geschlecht stellt ein Risiko dar – insbesondere nach der Menopause. Der Rückgang des Hormons Östrogen, das eine schützende Wirkung auf den Knorpel hat, kann strukturelle Veränderungen im Knorpel begünstigen.
Weitere Risikofaktoren sind ein hohes Körpergewicht (durch verstärkte mechanische Belastung der Gelenke) sowie eine genetische Veranlagung.
Zu den gelenkbezogenen Risikofaktoren gehören vor allem Traumata (Verletzungen) und Gelenkfehlstellungen. Letztere führen zu einer ungleichen Druckverteilung, wodurch bestimmte Bereiche im Gelenk überlastet werden. Dies kann zu Mikroverletzungen, Veränderungen der Gelenkmechanik und langfristig zu Knorpelschäden führen.
Auch intraartikuläre Veränderungen – also Veränderungen innerhalb des Gelenks – erhöhen das Risiko für Arthrose. Dazu zählen:
- Knorpelabbau
- entzündliche Prozesse
- Veränderungen der Gelenkflüssigkeit
- Knochenumbauprozesse
- Schäden an Bändern und Menisken
| Stadium | Radiologische Veränderungen |
|---|---|
| 0 | Keine Arthrose; Normalbefund |
| 1 | Gelenkspaltverschmälerung; fraglich Osteophyten |
| 2 | Gelenkspaltverschmälerung; definitiver Nachweis von Osteophyten |
| 3 | Gelenkspaltverschmälerung; multiple, moderate Osteophyten; leichte Sklerose; mögliche Verformung der Gelenkpartner |
| 4 | Deutliche Gelenkspaltverschmälerung; große Osteophytenbildung; schwere subchondrale Sklerose; definitive Verformung der Gelenkpartner |
Klassifikation von Arthrose
Zur Klassifikation der Arthrose hat sich der Kellgren-Lawrence-Score langfristig etabliert. Die Einteilung bezieht sich auf konventionelle Röntgenaufnahmen. Die typischen röntgenmorphologische Zeichen sind:
- Nachweis von Osteophyten (Knochensporn): Osteophyten sind Veränderungen, die sich an den Rändern von Gelenken oder Wirbeln bilden können.
- Abnahme der Gelenkspaltweite: Mit der Zeit nimmt der Zwischenraum zwischen den beiden knöchernen und mit Knorpel bedeckten Gelenkpartnern in einem Gelenk ab.
- Vermehrte subchondrale Sklerose: Es kommt zu einer Verdichtung des Knochengewebes unter der Knorpelschicht eines Gelenks.
- Deformität der gelenkbildenden Knochenanteile: Es kommt zu einer Fehlstellung der Knochen, die das Gelenk bilden.

Symptome bei Arthrose
Arthrose zeigt ein typisches Beschwerdebild, das sich in akute und chronische Symptome unterteilen lässt.
Akute Symptome:
- Anlaufschmerz: Schmerzen, die bei der ersten Bewegung nach einer Ruhephase auftreten.
- Belastungsschmerz: Schmerzen, die bei Belastung des Gelenks auftreten, wie z.B. beim Gehen oder bei körperlicher Anstrengung.
- Nachtschmerz: treten häufiger auf, wenn die Arthrose fortgeschritten ist und entzündlich aktiv ist.
- Ausstrahlende Schmerzen: Die Schmerzen können in benachbarte Bereiche ausstrahlen, beispielsweise bei Hüftarthrose in das Knie oder bei Wirbelsäulenarthrose in die Arme.
Chronische Symptome:
- Gelenksteifheit: Insbesondere nach dem Aufstehen oder nach längerer Inaktivität, die nach kurzer Zeit verschwindet, wenn das Gelenk bewegt wird.
- Gelenkschwellungen und -vergröberung: Sichtbare oder tastbare Schwellungen und Vergrößerung des Gelenks.
- Bewegungseinschränkungen: Schwierigkeiten bei der Bewegung des Gelenks, was das tägliche Leben einschränken kann.
- Dauerschmerz: Anhaltende Schmerzen im Gelenk, die auch in Ruhe und nachts auftreten können.
Der Verlauf und die Ausprägung der Symptomatik sind individuell und haben eine hohe Variabilität.
Untersuchungen und Diagnose
Die Diagnose der Arthrose erfolgt durch Labordiagnostik und bildgebende Verfahren.
Die Labordiagnostik dient vor allem dazu, zwischen degenerativen und entzündlichen oder rheumatischen Prozessen zu unterscheiden. Außerdem hilft sie, eine septische Arthritis auszuschließen. In der Regel sind die Laborwerte bei Arthrose unauffällig. Wichtige Parameter sind die Entzündungswerte, wie die Blutsenkungsgeschwindigkeit und das C-reaktive Protein (CRP), die bei Entzündungen erhöht sein können.
Bei der bildgebenden Diagnostik kommen vor allem die konventionelle Röntgenaufnahme und die Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz. Eine Röntgenaufnahme wird häufig zur Ausgangs- und Verlaufskontrolle genutzt. Typische Arthrosezeichen im Röntgenbild sind eine Gelenkspaltverschmälerung, subchondrale Sklerose, Osteophyten sowie eine Deformierung der Gelenkflächen. Allerdings können mit dem Röntgen keine Weichteile dargestellt werden.
Deshalb wird ergänzend oft eine MRT durchgeführt. Sie ermöglicht die Darstellung intraartikulärer Veränderungen, wie Knorpelläsionen, Knochenmarködeme und andere Weichteilpathologien. Mit einem MRT kann Arthrose sogar schon diagnostiziert werden, wenn im Röntgenbild noch keine Auffälligkeiten sichtbar sind.
Behandlung bei Arthrose
Die Arthrose kann konservativ, interventionell oder operativ behandelt werden.
Die konservative Therapie beginnt meist mit allgemeinen Maßnahmen wie Gewichtsreduktion bei Übergewicht, Patientenschulung und leichter bis moderater körperlicher Aktivität. Unter Patientenschulung versteht man unter anderem Entspannungstechniken, eine gelenkschonende Gestaltung des Alltags sowie den Umgang mit Schmerzen.
Ergänzend zu diesen Maßnahmen gibt es die medikamentöse Therapie, die vor allem Nicht-Opioid-Analgetika (z. B. NSAR und selektive COX-2-Hemmer) sowie Opioide umfasst. Ein häufig eingesetztes Opioid ist Tramadol. Die medikamentöse Behandlung wird in der Regel als symptomatische Akuttherapie eingesetzt.
Zusätzlich können Physio- und Ergotherapie die Behandlung unterstützen. Auch die physikalische Therapie, bei der Wärme oder Kälte angewendet wird, gehört zu den konservativen Maßnahmen.
Zur interventionellen Therapie zählt vor allem die intraartikuläre Injektion von Glucocorticoiden. Diese Maßnahme hilft, Schmerzen zu lindern und Entzündungen zu hemmen. Sie verschafft oft kurzfristige Erleichterung, heilt die Arthrose jedoch nicht.
Die operative Therapie unterscheidet man in Verfahren zum Gelenkerhalt, Gelenkresektion und den Gelenkersatz.
Gelenkerhalt:
- Knorpeltransplantation: Bei Knorpelschäden kann Knorpelgewebe durch ein Transplantat ersetzt werden.
- Osteotomie: Eine Korrektur der Knochenachse kann die Gelenkbelastung reduzieren und das Fortschreiten der Arthrose verlangsamen.
- Gelenkspiegelung: Diese minimalinvasive Operation kann zur Diagnose von Knorpelschäden und zur Entfernung von entzündlichem Gewebe verwendet werden.
Gelenkresektion:
Gelenkerhaltende Operationen: Bei einer Gelenkresektion werden Teile des Gelenks entfernt, die durch die Arthrose beschädigt sind. Dies kann beispielsweise der Knorpel, knöcherne Überformungen oder entzündetes Gewebe sein. Ziel ist es, den Schmerz zu lindern und die Gelenkfunktion zu verbessern.
Gelenkersatz:
Vollständige Gelenkresektion: In einigen Fällen ist eine vollständige Gelenkresektion notwendig, bei der das gesamte Gelenk entfernt wird. In diesem Fall wird das Gelenk durch ein künstliches Gelenk (Prothese) ersetzt. Dies ist oft notwendig, wenn die Gelenkfunktion durch die Arthrose stark beeinträchtigt ist und konservative Therapien nicht mehr ausreichend sind.
Klassische Lokalisationen
| Gelenk | Name |
|---|---|
| Articulatio humeroglenoidale | Omarthrose |
| Articulatio coxae | Coxarthrose |
| Articulatio genus | Gonarthrose |
Fazit: Arthrose frühzeitig behandeln lassen
Arthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung, bei der der Knorpel durch mechanische Belastung und Entzündungen zunehmend geschädigt wird. Risikofaktoren sind Alter, Geschlecht, Übergewicht, Fehlstellungen und Verletzungen. Die Diagnose erfolgt durch Labor- und bildgebende Untersuchungen. Die Behandlung umfasst konservative Maßnahmen wie Gewichtsreduktion, Schmerzmittel und Physiotherapie, interventionelle Injektionen sowie operative Eingriffe. Eine frühzeitige Therapie kann den Krankheitsverlauf verlangsamen und die Lebensqualität verbessern.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellen
- Arnold I., Deutsches Ärzteblatt; Arthrose: Was gibt es Neues?; Ausgabe 44/2016
- Michael, Joern W.-P. et al.; Epidemiologe, Ätiologie, Diagnostik und Therapie der Gonarthrose; Deutsches Ärzteblatt, Ausgabe 09/2010
- Waldt S. et al., Messverfahren und Klassifikationen in der muskuloskelettalen Radiologie (2023), Thieme, 3.Auflage, Kapitel 12: Athrose, S.172-173
- AMBOSS SE, Kapitel: Arthrose (Kapitel zuletzt aktualisiert am: 14.05.2025, Stand: 08.06.2025), https://next.amboss.com/de/article/bT0H62











