Kompetenzerweiterung in der Pflege: Pflegekräfte sollen mehr Befugnisse erhalten

Veröffentlicht am 08.08.2025

Pflegefachkräfte arbeiten im Krankenhaus.

Pflegekräfte sollen in Zukunft ihre Kompetenzen besser einsetzen dürfen. Quelle: Canva.de

Pflegekräfte bringen tagtäglich enormes Fachwissen und Engagement mit – doch viel von dem, was sie in der Ausbildung lernen, dürfen sie im Berufsalltag gar nicht anwenden. Das frustriert, bremst aus und kostet wertvolle Ressourcen. Die Bundesregierung will das ändern: Mit zwei neuen Gesetzentwürfen sollen Pflegefachkräfte künftig mehr Verantwortung übernehmen dürfen, bürokratische Hürden abgebaut und die Ausbildung neu strukturiert werden. In dieser Woche hat das Bundeskabinett dazu wichtige Weichen gestellt.

Doch was bedeuten diese Gesetze konkret für den Pflegealltag? Was ändert sich für Pflegefachkräfte mit Studium oder Zusatzqualifikation? Und was braucht es, damit gesetzliche Reformen auch wirklich im Arbeitsalltag ankommen?

Neues Pflegekompetenzgesetz - Was steht im Gesetzentwurf?

Schon die Ampel-Koalition hatte eine aktualisierte Form des Pflegekompetenzgesetzes angekündigt. Nun soll das geplante Gesetz endlich zustande kommen. Demnach sollen Pfleger:innen mehr Befugnisse erhalten. Konkret bedeutet dies, dass Pflegepersonal mit den notwendigen Qualifikationen in Zukunft mehr Leistungen erbringen dürfen, die bisher Ärzt:innen vorbehalten waren.

Was genau das heißt, ist noch in Abstimmung mit den Berufsverbänden. Klar ist: Pflegefachkräfte sollen etwa bei der Versorgung von chronischen Wunden, Menschen mit Diabetes oder Demenz mehr Leistungen eigenverantwortlich erbringen dürfen. Der Gesetzentwurf sieht zudem vor, dass Pflegekräfte sich weniger mit zeitraubenden bürokratischen Aufgaben befassen sollen. Die Maßnahmen zum Bürokratieabbau beinhalten eine verkürzte Pflegedokumentation sowie vereinfachte Anträge und Formulare für Pflegeleistungen. Ob das im Praxisalltag wirklich für Entlastung sorgt, bleibt abzuwarten – konkrete Umsetzungsvorgaben fehlen bislang.

Anna Liebig

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Blick ins Ausland - Eingeschränkte Befugnisse verglichen mit anderen Ländern

Ein Blick über die Grenze zeigt: In vielen Ländern ist längst Realität, was in Deutschland noch diskutiert wird. Im Ausland haben Fachkräfte deutlich mehr Befugnisse. Im Rahmen einer aktuellen Umfrage des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) dürfen internationale Pflegefachkräfte in ihren Heimatländern mehr Kompetenzen im Arbeitsalltag einsetzen als in Deutschland. 70 Prozent der Befragten gaben an, sich eine Ausweitung ihrer Befugnisse zu wünschen. Rund 77 Prozent der Befragten erklärte, dass sie in Deutschland weniger Befugnisse hätten als in ihrem Herkunftsland. 

Auch hierzulande würden die entsprechenden Fachkräfte gern mehr Verantwortung und mehr Aufgaben übernehmen, sind dazu aber nicht befugt. Das zeigt: Deutschland hinkt beim Thema Pflegekompetenz nicht nur hinterher, es bremst auch seine eigenen Fachkräfte aus. Dürfen Pflegekräfte in Deutschland nicht so arbeiten, wie sie könnten, geht dadurch das Potenzial der professionellen Pflege verloren, erklärt Bernadette Klapper, Bundesgeschäftsführerin des DBfK, in der Studie.

Viel Wissen, wenig Anwendung - Pflegekompetenz im Studium

Pflegekräfte erlernen im Pflegestudium zahlreiche Kompetenzen, die über die klassischen Aufgaben im Pflegealltag hinausgehen. Allerdings dürfen die viele dieser erweiterten Kompetenzen in der Praxis bisher noch nicht oder nur eingeschränkt anwenden. Strukturen, Akzeptanz im Team und passende Stellenprofile fehlen. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) bestätigt: Viele der im Studium erworbenen Kompetenzen kommen aktuell nur in Modellprojekten zum Einsatz.

Akademisch qualifizierte Pflegekräfte können durch ihre erweiterten Kompetenzen erheblich zur Verbesserung der Versorgungsqualität beitragen – sofern Strukturen geschaffen werden, die diese auch nutzen. Diese Kompetenzen erlernen Pflegekräfte im Studium, dürfen sie aber noch nicht anwenden:

  • erweiterte heilkundliche Tätigkeiten im Rahmen der Diagnostik, Behandlung sowie Medikationsanpassung
  • Koordination der Versorgung von Patient:innen
  • Forschungskompetenzen
  • Beratungs- und Schulungskompetenzen von Patient:innen und Angehörigen

Kritik von Pflegeverbänden: Politischer Wille ist da - Umsetzung stockt

Mit den geplanten Gesetzesänderungen sollen Kompetenzen gesetzlich verankert werden, die eine eigenständige Versorgung in definierten Bereichen ermöglichen – etwa bei Diabetes oder chronischen Wunden. Doch die Umsetzung erfolgt bisher nur sehr langsam. Demnach hält der Verband der Deutschen Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) die vom Bundeskabinett beschlossenen Pflegegesetze für nicht ausreichend. Beide Gesetze blieben hinter den Erwartungen vieler Pflegefachkräfte zurück, erklärte VDAB-Bundesgeschäftsführer Thomas Knieling gegenüber der Berliner Morgenpost.

„Beim Pflegekompetenzgesetz sind die angekündigten Kompetenzübertragungen und Vergütungsanpassungen kaum mehr als kleine Korrekturen – echte Entlastung und Eigenverantwortung, etwa bei der Verordnung von Hilfsmitteln, bleiben aus“, kritisiert Thomas Knieling. 

Quellen

  1. Fachkommission nach § 53 PflBG (Bundesinstitut für Berufsbildung, BIBB); Standardisierte Module zum Erwerb erweiterter Kompetenzen zur Ausübung heilkundlicher Aufgaben; abgerufen am 30.07.2025 von https://www.bibb.de/dienst/publikationen/en/download/17717
  2. Ministerium für Soziales und Integration Baden‑Württemberg; Eigenständige Heilkundepraxis wird Teil des Pflegestudiums; abgerufen am 30.07.2025 von https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/eigenstaendige-heilkunde-wird-teil-des-pflegestudiums?utm_source=chatgpt.com
  3. Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK Bundesverband e. V.); "Pflege, wie geht es dir?" – Umfrage 2025; abgerufen am 30.07.2025 von https://www.dbfk.de/media/docs/newsroom/publikationen/DBfK-Umfrage_Pflege-wie-geht-es-dir_2025.pdf
  4. Berliner Morgenpost; Warken will die Pflege stärken – Verband zeigt sich enttäuscht (Artikel von Dominik Bath); abgerufen am 06.08.2025 von https://www.morgenpost.de/wirtschaft/article409685005/warken-will-die-pflege-staerken-verband-zeigt-sich-enttaeuscht.html

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