Tag der Organspende 2026: „Zeit, Zeichen zu setzen“

Veröffentlicht am 06.06.2026

Eine Person hält ein Skalpell in der Hand.

Über 8000 Menschen warten alleine in Deutschland auf ein Organ. Bildquelle: Canva.com

Das quälende Gefühl, das einem die Zeit wegrennt, das kennen mehr als 8000 Menschen in Deutschland. Sie sind auf ein Spendeorgan angewiesen, das erst noch gefunden werden muss. Zwischen Arztterminen, Krankenhausaufenthalten und dem Warten auf einen Anruf dreht sich der Alltag oft nur noch darum, irgendwie durchzuhalten und darauf zu hoffen, dass rechtzeitig ein passendes Organ zur Verfügung steht. Der Tag der Organspende erinnert an diese Menschen und daran, wie sehr eine Entscheidung zur Organspende im Ernstfall Leben beeinflusst.

Wem haben wir den Tag der Organspende zu verdanken?

Der bundesweite Aktionstag wird jedes Jahr von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) gemeinsam mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bzw. dem heutigen Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) sowie der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG) und weiteren Patienten- und Selbsthilfeverbänden organisiert.

Die zentrale Veranstaltung findet jährlich in einer wechselnden Stadt statt und wird durch viele regionale Aktionen in ganz Deutschland ergänzt. 2026 ist Leipzig der Hauptaustragungsort. Dort treffen sich Betroffene, Angehörige, medizinische Fachkräfte und Interessierte. Neben Informationsangeboten gibt es Gesprächsformate, eine Gedenkveranstaltung für Organspender:innen sowie Aktionen, die Einblicke in die Realität von Transplantationen geben.

Gut zu wissen!
Entstanden ist der Tag der Organspende Anfang der 1980er-Jahre aus der Patientenbewegung und wurde erstmals 1983 begangen. Ziel war von Anfang an, das Thema aus der reinen medizinischen Fachwelt herauszuholen und in die breite Öffentlichkeit zu bringen, als Anlass, sich zu informieren, auszutauschen und zu entscheiden.

Anna Liebig

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Motto 2026: „Zeit, Zeichen zu setzen“

Das Motto „Zeit, Zeichen zu setzen“ meint zwei Dinge gleichzeitig. Zum einen geht es um die Menschen, die auf ein Spenderorgan warten und für die Zeit eine ganz konkrete Bedeutung hat. Jeder Tag entscheidet mit darüber, wie lange sie noch auf eine passende Transplantation hoffen können.

Zum anderen geht es um die eigene Entscheidung. Viele haben eine Meinung zur Organspende, aber sie halten sie nicht immer fest. Genau das führt im Ernstfall zu Unsicherheit für Angehörige und medizinisches Personal. Eine dokumentierte Zustimmung oder Absage entlastet alle Beteiligten und schafft Klarheit.

„Zeichen setzen“ heißt deshalb schlicht: sich festlegen und das auch irgendwo festhalten – im Organspendeausweis, in einer Verfügung oder digital.

Die Organspende in Zahlen: Mehr potentielle Empfänger:innen als Spender:innen

In Deutschland stehen jedes Jahr rund 8.000 bis 9.000 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Die meisten von ihnen warten auf eine Niere, gefolgt von Leber, Herz und Lunge. Gleichzeitig gibt es deutlich weniger Organspenden: Im Jahr 2025 waren es knapp unter 1.000 postmortale Spender:innen. Aus einer Spende können zwar mehrere Organe entnommen werden, trotzdem reicht das nicht, um den Bedarf zu decken. Viele Patient:innen warten deshalb Monate oder Jahre auf eine passende Transplantation, leider erleben sie einige nicht mehr.

Organ Menschen auf der Warteliste (ca.) Typische Grunderkrankungen Medizinische Situation Besonderheiten
Niere 6.000 bis 7.000 chronische Niereninsuffizienz (z. B. durch Diabetes oder Bluthochdruck) viele Patient:innen dialysepflichtig, mehrmals pro Woche Behandlung längste Wartelistenzeit, oft mehrere Jahre Wartezeit
Leber 800 bis 1.000 Leberzirrhose (z. B. Alkohol, Hepatitis), akutes Leberversagen teils schnell lebensbedrohlich, stark schwankender Zustand Dringlichkeit kann sich plötzlich stark erhöhen (High-Urgency-Fälle)
Herz 700 bis 800 terminale Herzinsuffizienz, Kardiomyopathien starke körperliche Einschränkung, geringe Belastbarkeit oft lebenserhaltende Medikamente oder mechanische Unterstützung (z. B. Kunstherz)
Lunge 300 bis 400 COPD im Endstadium, Lungenfibrose, Mukoviszidose schwere Atemnot schon in Ruhe oder bei minimaler Belastung häufig stark eingeschränkte Lebensqualität, Sauerstoffpflicht
Pankreas ca. 200 Diabetes mellitus Typ 1 mit Komplikationen meist kombiniert mit anderen Organtransplantationen seltene Indikation, oft Kombinations-OPs

Wie sieht die Pflege im Kontext der Organspende aus?

Auf Intensivstationen gehört die Pflege schwerstkranker Patient:innen zum Alltag. Pflegefachpersonen überwachen dabei kontinuierlich Herzfrequenz, Blutdruck, Sauerstoffsättigung und Körpertemperatur, begleiten die Beatmung und passen pflegerische Maßnahmen eng an die ärztlichen Vorgaben an. Vieles passiert im laufenden Betrieb der Station: beobachten, reagieren, dokumentieren und immer wieder neu einschätzen, wie sich der Zustand entwickelt.

Wenn der Verdacht besteht, dass bestimmte Hirnfunktionen nicht mehr wiederhergestellt werden können, unterstützen Pflegefachpersonen die dafür vorgesehenen diagnostischen Abläufe. Sie bereiten die Patient:innen vor, achten auf eine korrekte Lagerung und sorgen dafür, dass die Abläufe auf der Intensivstation ohne Störungen durchgeführt werden können. Gerade in dieser Phase ist eine enge Abstimmung im Behandlungsteam wichtig, weil viele Schritte ineinandergreifen.

Kommt eine Organspende in Frage, verändert sich der pflegerische Schwerpunkt. Dann geht es darum, die Organfunktionen zu erhalten. Pflegefachpersonen unterstützen den Kreislauf, begleiten die Beatmung, achten auf den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt und kontrollieren die Körpertemperatur. Diese Maßnahmen werden eng mit dem ärztlichen Team abgestimmt und lückenlos dokumentiert.

Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner sind zudem oft eine Ansprechperson für Angehörige. Sie erklären Abläufe, beantworten Fragen und versuchen, das Geschehen auf der Intensivstation verständlich zu machen – meist zwischen den pflegerischen Tätigkeiten und ohne einen festen Gesprächsrahmen. Gerade diese kurzen, direkten Gespräche sind für viele Angehörige wichtig, um die Situation überhaupt einordnen zu können.

Was machen Pflegende bei Organtransplantationen?

Folgende Tabelle zeigt dir, wie professionell Pflegende Organtransplantationen und die Zeit davor sowie danach begleiten.

Bereich Pflege bei Empfänger:innen (Warteliste / vor Transplantation) Pflege bei Spender:innen (Intensivstation)
Überwachung Kontrolle von Vitalwerten bei chronisch schwer kranken Patient:innen (z. B. Herz-, Nieren-, Lungeninsuffizienz) Dauerhafte Überwachung von Herz-Kreislauf, Atmung, Temperatur und Laborwerten
Behandlungspflege Unterstützung bei Dialyse, Sauerstofftherapie, Medikamentengabe und Symptomkontrolle Unterstützung von Beatmung, Infusionstherapie und Kreislaufstabilisierung nach ärztlicher Anordnung
Ziel der Pflege Stabilisierung des Gesundheitszustands und Verbesserung der Lebensqualität bis zur möglichen Transplantation Erhalt der Organfunktionen bis zur Organentnahme
Technischer Aufwand Regelmäßige Geräte- und Therapiekontrollen (z. B. Dialysezugänge, Sauerstoffgeräte) Intensivmedizinische Technik: Beatmung, Perfusoren, Monitoring rund um die Uhr
Dokumentation Verlaufskontrolle, Symptomveränderungen, Reaktion auf Therapien Engmaschige Dokumentation aller Vitalparameter und Maßnahmen zur Organerhaltung
Zusammenarbeit im Team Abstimmung mit Ärzt:innen, Physiotherapie, ggf. Transplantationszentren Enge interdisziplinäre Zusammenarbeit inkl. Transplantationskoordination (z. B. DSO)
Angehörigenkontakt Beratung, Schulung, emotionale Unterstützung im chronischen Krankheitsverlauf Begleitung in Ausnahmesituationen, kurze und klare Erklärungen im Intensivstationsalltag
Belastungssituation Langfristige Begleitung schwer kranker Menschen mit ungewissem Verlauf Akute Ausnahmesituation mit hoher emotionaler Belastung für Angehörige und Team

Die rechtliche Lage bei Organspenden: Widerspruch oder Zustimmung?

In Deutschland gilt seit 1997 die sogenannte Entscheidungslösung. Eine Organspende ist nur möglich, wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten zugestimmt hat oder die Angehörigen im Sinne des mutmaßlichen Willens entscheiden. Liegt keine dokumentierte Entscheidung vor, müssen Angehörige diese Entscheidung in einer ohnehin belastenden Situation übernehmen. Rechtlich bleibt die Zustimmung damit die Grundlage jeder Organspende.

Seit Jahren wird deshalb über eine Änderung dieses Systems diskutiert. Im Mittelpunkt stehen zwei Modelle:

  • Zustimmungslösung (aktuell in Deutschland): Eine Organentnahme ist nur erlaubt, wenn eine ausdrückliche Zustimmung vorliegt, zum Beispiel im Organspendeausweis oder im Register.
  • Widerspruchslösung: Jede Person gilt grundsätzlich als potenzielle:r Spender:in, solange sie zu Lebzeiten nicht widerspricht.

Die Diskussion darum ist kontrovers. Befürworter der Widerspruchslösung argumentieren, dass viele Menschen der Organspende grundsätzlich positiv gegenüberstehen, ihre Entscheidung aber nicht dokumentieren. Dadurch könnten mehr Organe zur Verfügung stehen und Wartelisten verkürzt werden. Kritiker:innen sehen dagegen vor allem das Risiko, dass Schweigen automatisch als Zustimmung gewertet wird und damit die Selbstbestimmung geschwächt wird. Für sie muss eine Organentnahme immer an eine aktive Entscheidung gekoppelt sein.

Gut zu wissen!
In der politischen Debatte wurde die Einführung einer Widerspruchslösung in Deutschland bereits mehrfach diskutiert, zuletzt auch mit neuen Vorstößen im Bundestag. Eine Umsetzung ist jedoch weiterhin offen.

Wie du dich als Pflegefachkraft am Tag der Organspende beteiligen kannst

Am Tag der Organspende kannst du als Pflegefachkraft vor allem dort ansetzen, wo das Thema im Alltag sowieso auftaucht: in Gesprächen mit Patient:innen und Angehörigen. Viele haben Fragen, sind unsicher oder haben sich noch nie konkret mit einer Entscheidung zur Organspende beschäftigt. Wenn du erklärst, wie der Ablauf grundsätzlich geregelt ist oder was es bedeutet, eine Entscheidung festzuhalten, schaffst du oft mehr Klarheit als jede Broschüre.

Auf Station kannst du außerdem gezielt Informationsmaterial nutzen oder weitergeben, zum Beispiel vom Organspenderegister oder von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Wichtig ist, dass ein Zugang zum Thema entsteht.

Im Team lässt sich der Tag nutzen, um Erfahrungen zu teilen: Wie laufen Gespräche mit Angehörigen? Wo entstehen immer wieder Unsicherheiten? Was wird in der Praxis tatsächlich gefragt? Diese Art von Austausch sorgt oft dafür, dass Abläufe und die Kommunikation sicherer werden.

Wenn es in deiner Einrichtung Aktionen gibt, kannst du dich an Infoständen beteiligen oder kurze Aufklärungsangebote unterstützen.

Aktionen im Überblick:

  • Materialien der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) auslegen oder weitergeben
  • Im Team über Abläufe und Erfahrungen sprechen und Wissen auffrischen
  • Kolleg:innen auf Fortbildungen oder interne Schulungen zum Thema hinweisen
  • Patient:innen und Angehörige auf die Möglichkeit hinweisen, ihre Entscheidung zu dokumentieren
  • Fragen zum Organspenderegister beantworten oder an passende Stellen weitervermitteln

Reise nach Leipzig – Tag der Organspende 2026 vor Ort

Der zentrale Tag der Organspende 2026 findet am 6./7. Juni in Leipzig statt. In der Innenstadt gibt es Informationsstände, unter anderem vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, an denen du direkt mit Fachleuten ins Gespräch kommen kannst und einen Organspendeausweis bekommst.

Ein wichtiger Teil sind auch die Begegnungen mit Betroffenen: Menschen auf der Warteliste, Transplantierte und Angehörige erzählen dort sehr konkret, wie Organspende ihr Leben geprägt hat.

Begleitet wird der Tag von Fachgesprächen aus Medizin und Pflege sowie einem Gedenkformat für Organspender:innen. Für Pflegefachkräfte ist Leipzig damit vor allem ein Ort, um Perspektiven aus Praxis, Klinik und Patientenerfahrungen zusammenzubringen.

Häufige Fragen zum Tag der Organspende

Wann findet der Tag der Organspende statt?

Der Tag der Organspende wird in Deutschland jedes Jahr am ersten Samstag im Juni begangen. Er wird bundesweit durch Aktionen, Veranstaltungen und Informationsangebote begleitet.

Wer organisiert den Tag der Organspende?

Getragen wird der Aktionstag von mehreren Organisationen, darunter die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), die Deutsche Transplantationsgesellschaft (DTG) sowie Patienten- und Selbsthilfeverbände.

Was ist das Ziel des Tags der Organspende?

Der Aktionstag soll über Organspende informieren, Unsicherheiten abbauen und dazu anregen, eine eigene Entscheidung zu treffen und diese festzuhalten – unabhängig davon, ob sie für oder gegen eine Spende ausfällt.

Medizinische und rechtliche Hinweise: 

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. 

Quellen

Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek). „Daten zum Gesundheitswesen: Organspende." Berlin: vdek.com; Stand: 28. Mai 2026. Abgerufen am 04. Juni 2026 von https://www.vdek.com/presse/daten/Organspende.html

Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). „DSO-Jahresbericht 2025." Frankfurt am Main: dso.de; 2025. Abgerufen am 04. Juni 2026 von https://dso.de/SiteCollectionDocuments/DSO-Jahresbericht_2025.pdf

Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). „Tag der Organspende." Köln: infodienst.bioeg.de; Stand: 03. Juni 2026. Abgerufen am 04. Juni 2026 von https://infodienst.bioeg.de/gesundheitsfoerderung/termine-tagungen-fortbildungen/tag-der-organspende-1/

Lebertransplantierte Deutschland e. V. „Transplantationsgesetz (TPG)." Witten: lebertransplantation.eu; o. J. Abgerufen am 04. Juni 2026 von https://lebertransplantation.eu/organspende/was-ist-gesetzlich-geregelt/transplantationsgesetz

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