Minijob-Debatte: Fast jede fünfte Pflegeeinrichtung bietet geringfügige Beschäftigung an

Veröffentlicht am 18.08.2026

19,1 Prozent der Pflegeeinrichtungen bieten mindestens einen Minijob an. (Bildquelle: canva.com)

  • Pflegia analysiert 32.333 offene Stellen, 8.045 Einrichtungen und 335.973 registrierte Bewerber
  • 19,1 Prozent der Pflegeeinrichtungen bieten mindestens einen Minijob an
  • In der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen ist der Wunsch nach einem Minijob am stärksten ausgeprägt

Berlin, 18. August 2026 – Die umfassende Reform der Minijobs ist vorerst vertagt. Statt einer kurzfristigen Abschaffung stehen nun zunächst höhere Kosten für Arbeitgeber im Raum: Ab 2027 soll die Pauschalsteuer für geringfügige Beschäftigungen von zwei auf fünf Prozent steigen. Zudem steigt der pauschale Krankenversicherungsbeitrag für gewerbliche Minijobs ab 2027 nach aktuellem Stand von 13 auf rund 17,5 Prozent. Die geplanten Mehrbelastungen könnten auch Pflegeeinrichtungen treffen. Eine aktuelle Analyse der Jobplattform Pflegia (www.pflegia.de) zeigt, welche Bedeutung diese Beschäftigungsform für die Pflege hat: Fast jede fünfte der untersuchten Einrichtungen bietet mindestens einen Minijob an. Gleichzeitig wünschen sich 13,6 Prozent der registrierten Bewerber:innen eine geringfügige Beschäftigung.

Minijobs sind in der Pflege eine verbreitete Zusatzoption

Von den 32.333 untersuchten offenen Stellen sind 2.562 als geringfügige Beschäftigung ausgeschrieben. Das entspricht einem Anteil von 7,5 Prozent. Minijobs stellen damit zwar nur einen kleineren Teil aller ausgeschriebenen Stellen dar, werden aber von fast jeder fünften Einrichtung grundsätzlich angeboten: Von den 8.045 untersuchten Einrichtungen haben 1.539 mindestens eine entsprechende Stelle ausgeschrieben. Das entspricht 19,1 Prozent.

Auswertung Gesamtzahl Mit geringfügiger Beschäftigung Anteil
Offene Stellen 32.333 2.562 7,5 %
Einrichtungen 8.045 1.539 19,1 %

Besonders verbreitet sind Minijobs in der ambulanten und stationären Pflege. Bei den ambulanten Einrichtungen bieten 22,4 Prozent mindestens einen Minijob an, bei den stationären Einrichtungen sind es 21,0 Prozent. In der stationären Intensivpflege liegt der Anteil bei 17,3 Prozent.

Deutlich seltener werden Minijobs von Krankenhäusern angeboten. Hier liegt der Anteil bei 9,8 Prozent. Bei Arztpraxen sind es 7,1 Prozent und in der ambulanten Intensivpflege 2,1 Prozent.

Einrichtungstyp Einrichtungen gesamt Mit geringfügiger Beschäftigung Anteil
Ambulant 2.043 458 22,4 %
Stationär 4.479 941 21,0 %
Stationäre Intensivpflege 197 34 17,3 %
Sonstige 215 22 10,2 %
Krankenhaus 441 43 9,8 %
Arztpraxis 324 23 7,1 %
Ambulante Intensivpflege 189 4 2,1 %

Jüngere Bewerber:innen interessieren sich besonders häufig für Minijobs

Auch für Bewerber:innen spielt die geringfügige Beschäftigung eine Rolle. Von den insgesamt 335.973 ausgewerteten Personen haben 45.699 einen Minijob als gewünschte Beschäftigungsform angegeben. Das entspricht 13,6 Prozent.

Entgegen der naheliegenden Annahme sind Minijobs dabei nicht vor allem für ältere Beschäftigte interessant. Mit 14,9 Prozent ist der Anteil bei den 25- bis 34-Jährigen am höchsten. Unter den 35- bis 44-Jährigen wünschen sich 11,4 Prozent eine geringfügige Beschäftigung, bei den unter 25-Jährigen sind es 11,1 Prozent. In den höheren Altersgruppen fällt der Anteil geringer aus: Bei den 45- bis 54-Jährigen liegt er bei 8,1 Prozent, bei den über 55-Jährigen bei 7,6 Prozent.

Altersgruppe Kandidat:innen gesamt Mit geringfügiger Beschäftigung Anteil
25–34 Jahre 19.332 2.879 14,9 %
35–44 Jahre 15.950 1.825 11,4 %
Unter 25 Jahre 5.647 624 11,1 %
45–54 Jahre 10.048 817 8,1 %
55+ Jahre 5.740 435 7,6 %

„Minijobs sind in der Pflege kein Massenmodell, aber für viele Einrichtungen und Pflegekräfte eine wichtige zusätzliche Option“, sagt Felix Westphal, Geschäftsführer von Pflegia. „Gerade die hohe Nachfrage bei jüngeren Bewerber:innen zeigt, dass geringfügige Beschäftigung nicht nur für Menschen kurz vor dem Berufsausstieg relevant ist. Sie kann auch in Lebensphasen wichtig sein, in denen Pflegekräfte neben Familie, Studium, Weiterbildung oder einer weiteren Beschäftigung nur einen begrenzten Stundenumfang arbeiten können.“

Besonders in operativen Pflegeberufen gefragt

Zwischen den Berufsgruppen zeigen sich deutliche Unterschiede. Im Rettungsdienst wünschen sich 24,4 Prozent der Bewerber:innen eine geringfügige Beschäftigung. Unter Personen, die als Pflegekraft registriert sind, liegt der Anteil bei 21,2 Prozent und bei Kinderkrankenpflegekräften bei 20,8 Prozent.

Auch Gesundheits- und Krankenpflegekräfte mit 17,1 Prozent, Altenpflegekräfte mit 16,7 Prozent und Pflegehelfer mit 15,8 Prozent suchen vergleichsweise häufig nach einem Minijob. In Leitungsfunktionen spielt das Modell dagegen kaum eine Rolle. Bei Pflegedienstleitungen liegt der Anteil bei 2,3 Prozent, bei Stationsleitungen bei 2,0 Prozent und bei Einrichtungsleitungen bei 1,6 Prozent.

Berufsgruppe Kandidat:innen gesamt Mit geringfügiger Beschäftigung Anteil
Rettungssanitäter:in / Rettungsdienst 352 86 24,4 %
Pflegekraft 30.700 6.510 21,2 %
Kinderkrankenpfleger:in 2.214 460 20,8 %
Gesundheits- und Krankenpfleger:in 15.699 2.677 17,1 %
Altenpfleger:in 57.534 9.616 16,7 %
Altenpflegefachkraft 7.180 1.146 16,0 %
Pflegehelfer:in 18.793 2.966 15,8 %
Heilerziehungspfleger:in 1.077 135 12,5 %
Anästhesietechnische:r Assistent:in 1.209 150 12,4 %
Altenpflegehelfer:in 98.572 12.189 12,4 %
Auszubildende:r 2.422 285 11,8 %
Heilerziehungspflegehelfer:in 738 82 11,1 %
Betreuungskraft 22.970 2.520 11,0 %
Hygienefachkraft 524 55 10,5 %
Medizinische Assistenz 6.922 730 10,5 %
Medizinische:r Fachangestellte:r 919 88 9,6 %
Operationstechnische:r Assistent:in 1.509 133 8,8 %
Sonstige 701 61 8,7 %
Quereinsteiger:in 3.827 318 8,3 %
Hebamme / Entbindungspfleger 637 46 7,2 %
Praxisanleiter:in 4.924 338 6,9 %
Verwaltungskraft 10.042 659 6,6 %
Wohnbereichsleitung 1.084 56 5,2 %
Qualitätsmanagement 963 35 3,6 %
Praxismanager:in 1.045 33 3,2 %
Teamleitung 449 11 2,4 %
Pflegedirektion / Pflegedienstleitung 520 12 2,3 %
Stationsleitung 934 19 2,0 %
Pflegeaufsicht / Pflegekoordination 8.152 156 1,9 %
Einrichtungsleitung 3.619 59 1,6 %

„Eine mögliche Reform sollte berücksichtigen, dass Minijobs in der Pflege nicht allein von Arbeitgebern angeboten, sondern auch von Beschäftigten aktiv nachgefragt werden“, betont Westphal. „Für Einrichtungen können sie außerdem eine Möglichkeit sein, bestehende Teams punktuell zu unterstützen. Werden solche flexiblen Modelle deutlich unattraktiver, besteht die Gefahr, dass ein Teil des vorhandenen Arbeitskräftepotenzials nicht mehr genutzt werden kann.“

Über die Untersuchung

Für die Analyse wurden Daten von der Jobplattform Pflegia ausgewertet (Auswertungszeitraum: 15.04.25-15.04.26). Betrachtet wurden offene Stellen, Einrichtungen und registrierte Bewerber:innen.

Die Gesamtauswertung zu den offenen Stellen basiert auf 32.333 hochgeladenen Stellen. Die Auswertung zu den Einrichtungen basiert auf 8.045 Einrichtungen. Die Auswertung der registrierten Bewerber:innen umfasst insgesamt 335.973 Personen. Die Detailauswertungen basieren jeweils auf den Datensätzen, für die die jeweilige Angabe vorliegt. Deshalb unterscheiden sich die Fallzahlen je nach Kategorie: Für die Auswertung nach Geschlecht liegen Angaben von 109.060 registrierten Bewerber:innen vor, nach Alter 56.717, nach Berufsgruppe 306.525 und für die Auswertung nach Berufserfahrung 89.212.

Für die Detailauswertungen wurden nur Gruppen mit mindestens 150 Datensätzen berücksichtigt. Kleinere Gruppen wurden aus der Interpretation ausgeschlossen, um Verzerrungen durch sehr kleine Fallzahlen zu vermeiden.

Über Pflegia

Pflegia ist eines der führenden Jobportale für Pflegekräfte. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin wurde 2019 von Felix Westphal, Lennart Steuer und Masoud Shahryari gegründet und verfolgt das Ziel, mehr Transparenz und Fairness in den Bewerbungsprozess im Pflegesektor zu bringen. Kern des Modells ist ein umgedrehter Bewerbungsprozess: Arbeitgeber bewerben sich bei den Pflegekräften, nicht andersherum. Damit soll die klassische Rollenverteilung aufgebrochen und ein stärkerer Fokus auf die Bedürfnisse der Pflegekräfte gelegt werden. Ergänzend dazu bietet Pflegia Informationen zu Gehältern, Arbeitszeiten und weiteren Bedingungen, um die Vergleichbarkeit und Entscheidungsfindung für Bewerbende zu erleichtern. Das Unternehmen setzt auf eine erfolgsbasierte Preisstruktur für Arbeitgeber und kombiniert technische Automatisierung – etwa durch KI-gestützte Lebenslaufverarbeitung – mit persönlicher Begleitung auf beiden Seiten des Marktplatzes. Monatlich vermittelt Pflegia derzeit rund 1.000 Pflegekräfte an Einrichtungen im gesamten Bundesgebiet. Aktuell nutzen über 800.000 Pflegekräfte und rund 10.000 Arbeitgeber die Plattform, auf der etwa 30.000 offene Stellen ausgeschrieben sind.

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