Schmerzmanagement in der Palliativpflege: Maßnahmen für Pflegekräfte
Veröffentlicht am 21.08.2026

Bei nicht kommunikationsfähigen Menschen sind Mimik, Körperhaltung, Unruhe und andere Verhaltensänderungen wichtig. Bildquelle: Canva.de
Schmerzen zählen zu den häufigsten und belastendsten Symptomen am Lebensende. Für Pflegekräfte bedeutet das: Ein gutes Schmerzmanagement ist ein zentraler Bestandteil der Palliativpflege. Dabei geht es nicht nur darum, Medikamente zu verabreichen. Vielmehr ist es entscheidend, Schmerzen frühzeitig zu erkennen, ihre Entwicklung regelmäßig zu beobachten und gemeinsam mit dem Behandlungsteam eine individuell passende Versorgung zu ermöglichen.
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Das Wichtigste in Kürze
- 🩺 Schmerzmanagement ist zentral in der Palliativpflege: Schmerzen sollten frühzeitig erkannt, regelmäßig eingeschätzt und individuell behandelt werden.
- 🔎 Schmerzen können sich unterschiedlich zeigen: Neben der Selbstauskunft sind besonders bei nicht kommunikationsfähigen Menschen Mimik, Körperhaltung, Unruhe und andere Verhaltensänderungen wichtig.
- 💊 Die Behandlung erfolgt individuell: Medikamentöse Maßnahmen wie Analgetika können durch nichtmedikamentöse Maßnahmen wie Lagerung, Ruhe, Wärme oder Kälte ergänzt werden.
- 👩⚕️ Pflegekräfte übernehmen eine wichtige Rolle: Sie erfassen Schmerzen, beobachten Wirkung und Nebenwirkungen der Therapie, dokumentieren Veränderungen und informieren das Behandlungsteam.
- 🤝 Schmerzmanagement ist Teamarbeit: Ärzt:innen, Pflegekräfte, weitere Berufsgruppen sowie Betroffene und Angehörige sollten eng zusammenarbeiten.
- ❤️ Lebensqualität steht im Mittelpunkt: Am Lebensende orientiert sich die Schmerztherapie an den individuellen Bedürfnissen, Wünschen und Therapiezielen der betroffenen Person.

Anna Liebig
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Schmerzen am Lebensende erkennen: Symptome und Anzeichen
Schmerzen sind immer subjektiv. Wenn eine Person noch kommunizieren kann, solltest du deshalb zunächst ihre eigene Einschätzung ernst nehmen. Hilfreich sind standardisierte Schmerzskalen wie eine numerische Ratingskala von 0 bis 10 oder eine visuelle Analogskala. Bei Menschen, die sich nicht mehr ausreichend äußern können, müssen zusätzlich nonverbale Hinweise berücksichtigt werden.
Mögliche Anzeichen für Schmerzen sind beispielsweise:
- angespannte Körperhaltung oder Schonhaltung
- veränderte Mimik, etwa Grimassen oder Stirnrunzeln
- Unruhe oder Abwehr bei Berührung und Bewegung
- Stöhnen, Seufzen oder veränderte Lautäußerungen
- beschleunigte Atmung
- Rückzug oder auffällige Verhaltensänderungen
- Schlafstörungen oder zunehmende Müdigkeit
Dabei solltest du immer die individuelle Situation berücksichtigen. Unruhe oder eine veränderte Atmung können beispielsweise auch durch Angst, Atemnot oder ein Delir verursacht werden. Eine sorgfältige Beobachtung hilft dabei, Schmerzen nicht vorschnell als einzige Ursache anzunehmen.
Schmerzerfassung in der Palliativpflege: So gehen Pflegekräfte vor
Ein gutes Schmerzmanagement in der Pflege beginnt mit einer strukturierten Schmerzeinschätzung. Dabei sind unter anderem die Schmerzintensität, die Lokalisation, der Charakter, der Beginn und die Dauer der Schmerzen sowie auslösende oder lindernde Faktoren von Interesse. Ebenso wichtig ist die Frage, inwieweit die Schmerzen den Alltag, den Schlaf, die Mobilität oder die Kommunikation beeinträchtigen.
Anschließend werden die Informationen im interprofessionellen Team zusammengeführt. Pflegefachkräfte beobachten den Verlauf besonders eng und können Veränderungen zeitnah an Ärztinnen und Ärzte weitergeben. Die ärztlich angeordnete Schmerztherapie sollte anschließend hinsichtlich ihrer Wirkung und möglicher Nebenwirkungen regelmäßig überprüft werden.
Zum Schmerzmanagement gehören damit mehrere miteinander verbundene Schritte:
- Schmerzen systematisch erfassen
- individuelle Therapieziele festlegen
- medikamentöse und nichtmedikamentöse Maßnahmen planen
- Wirkung und Nebenwirkungen beobachten
- Maßnahmen regelmäßig evaluieren und anpassen
- Veränderungen nachvollziehbar dokumentieren
- Patientinnen, Patienten und Angehörige informieren und einbeziehen
Schmerzmanagement in der Palliativpflege: Medikamentöse und nichtmedikamentöse Maßnahmen
In der Regel erfolgt die Behandlung von Schmerzen am Lebensende multimodal. Dabei spielen Medikamente eine wichtige Rolle. Je nach Schmerzart und individueller Situation können beispielsweise nicht-opioide Analgetika oder Opioide eingesetzt werden. Bei bestimmten Schmerzursachen kommen zusätzlich weitere Wirkstoffgruppen infrage. Die Auswahl, Dosierung und Anpassung der Medikamente erfolgt durch einen Arzt und muss an Erkrankungen, die Nieren- und Leberfunktion sowie die aktuelle Lebenssituation angepasst werden.
Deine Aufgabe als Pflegefachkraft besteht unter anderem darin, die Wirkung der verordneten Medikamente zu beobachten und Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen. Bei Opioiden sind beispielsweise Obstipation, Übelkeit, Müdigkeit oder Vigilanzänderungen relevant.
Auch nichtmedikamentöse Maßnahmen können die Symptomkontrolle unterstützen. Dazu gehören etwa eine angenehme Lagerung, Wärme oder Kälte – sofern diese individuell als angenehm empfunden werden –, Ruhe und eine möglichst reizreduzierte Umgebung. Ebenfalls hilfreich sein können Berührungen, Atemunterstützung, Entspannung oder Musik. Entscheidend ist dabei nicht, möglichst viele Maßnahmen anzubieten, sondern herauszufinden, was der betroffenen Person tatsächlich guttut.
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Ziele der Schmerztherapie am Lebensende
In der Palliativpflege verändert sich der Versorgungsfokus häufig. Im Mittelpunkt steht nicht mehr die Heilung der Grunderkrankung, sondern die Lebensqualität, die Kontrolle von Symptomen und die individuellen Wünsche des Menschen. Entsprechend betont die aktuelle S3-Leitlinie Palliativmedizin die Bedeutung einer an den Bedürfnissen der Betroffenen orientierten Versorgung sowie einer gemeinsamen Festlegung von Therapiezielen.
Das gilt auch für die Schmerztherapie. Eine diagnostische oder therapeutische Maßnahme, die für die betroffene Person belastend ist, ist am Lebensende nicht automatisch sinnvoll, nur weil sie theoretisch möglich wäre. Stattdessen solltest du gemeinsam mit dem multiprofessionellen Team und – soweit möglich – der betroffenen Person überlegen: Was soll mit der Behandlung erreicht werden? Was ist für den Menschen jetzt wichtig?
Auch Angehörige können dabei eine wertvolle Informationsquelle sein. Sie kennen häufig Veränderungen im Verhalten und können Hinweise darauf geben, wie sich Schmerzen bei der betroffenen Person äußern.
Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege
Für die pflegerische Praxis ist der Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) von großer Bedeutung. Der aktuelle Standard wurde 2020 veröffentlicht und fasst die zuvor getrennten Standards zum Schmerzmanagement bei akuten und chronischen Schmerzen zusammen. Der Standard verfolgt einen systematischen Ansatz: Schmerzen sollen frühzeitig erkannt, eingeschätzt und behandelt werden. Gleichzeitig gehören Beratung, Information, Dokumentation und Evaluation zu einer professionellen Versorgung.
Für die Palliativpflege ist der Expertenstandard deshalb eine wichtige Orientierung, er ersetzt jedoch nicht die individuelle klinische Einschätzung. Gerade am Lebensende können sich Schmerzursachen und Therapieziele sehr schnell verändern.
Schmerzmanagement in der Pflege: Was hat sich verändert?
Eine wichtige Entwicklung besteht darin, Schmerzmanagement zunehmend als individuellen und interprofessionellen Prozess zu betrachten. Die reine Erfassung eines Schmerz-Wertes reicht hierfür nicht aus. Vielmehr sollen Schmerz, Funktion, Lebensqualität, Therapieziele und individuelle Bedürfnisse gemeinsam betrachtet werden.
Von großer Bedeutung ist außerdem die zunehmende Aufmerksamkeit für Menschen, die ihre Schmerzen nicht zuverlässig selbst angeben können. Bei eingeschränkter Kommunikation, Demenz, Bewusstseinsveränderungen oder in der Sterbephase gewinnt deshalb die strukturierte Beobachtung nonverbaler Zeichen an Bedeutung.
Für Pflegekräfte bedeutet das: Ein professionelles Schmerzmanagement umfasst heute mehr als die korrekte Medikamentengabe. Beobachtung, Kommunikation, individuelle Zielsetzung, interprofessionelle Zusammenarbeit und regelmäßige Evaluation sind ebenso wichtige Bestandteile.
Schmerzen in der Sterbephase erkennen und lindern
In den letzten Stunden oder Tagen des Lebens kann sich die Situation noch einmal deutlich verändern. Der Mensch ist dann häufig zunehmend schläfrig oder nicht mehr ansprechbar. Gleichzeitig können sich Schmerzen, Unruhe und andere belastende Symptome verändern.
Nun ist es besonders wichtig, unnötige Belastungen zu vermeiden und die Versorgung auf Komfort auszurichten. Medikamente sollten entsprechend der ärztlichen Anordnung und des individuellen Therapieziels eingesetzt werden. Veränderungen des Bewusstseins oder der Atmung sollten dabei nicht automatisch als Schmerz interpretiert werden.
In dieser Phase können eine ruhige Umgebung, achtsame Berührungen, eine angenehme Positionierung und die Anwesenheit vertrauter Menschen ebenso wichtig sein wie die medikamentöse Symptomkontrolle.
Fazit: Schmerzmanagement in der Pflege am Lebensende
Ein professionelles Schmerzmanagement ist ein zentraler Bestandteil der Palliativpflege in der Pflege. Schmerzen und andere belastende Symptome sollten daher frühzeitig erkannt, regelmäßig eingeschätzt und individuell behandelt werden. Dabei geht es nicht nur um die passende medikamentöse Therapie. Auch Lagerung, Ruhe, Zuwendung und eine angenehme Umgebung können die Symptomkontrolle unterstützen.
Als Pflegekraft nimmst du dabei eine wichtige Rolle ein. Durch deine kontinuierliche Beobachtung erkennst du Veränderungen frühzeitig, beurteilst die Wirkung der Maßnahmen und gibst relevante Informationen weiter. Eine strukturierte Schmerzerfassung, eine verständliche Dokumentation und eine regelmäßige Evaluation bilden die Grundlage dafür.
Gerade am Lebensende steht nicht die vollständige Schmerzfreiheit um jeden Preis im Vordergrund. Vielmehr ist eine individuelle Symptomkontrolle entscheidend, die sich an den Bedürfnissen und Wünschen der betroffenen Person orientiert. Ein gutes Schmerzmanagement trägt somit dazu bei, Lebensqualität, Sicherheit und Würde bis zuletzt zu erhalten.
Häufige Fragen zum Schmerzmanagement in der Palliativpflege
Welche Schmerzarten können am Lebensende auftreten?
Mögliche Schmerzarten sind unter anderem nozizeptive, neuropathische oder gemischte Schmerzen. Auch sogenannte Durchbruchschmerzen sind möglich. Die Unterscheidung kann für die Auswahl der Therapie relevant sein.
Warum ist die Schmerzerfassung bei nicht kommunikationsfähigen Menschen schwierig?
Wenn Betroffene ihre Schmerzen nicht mehr selbst beschreiben können, muss stärker auf ihr Verhalten, ihre Mimik, ihre Körperhaltung und andere beobachtbare Veränderungen geachtet werden. Dabei können geeignete Beobachtungsinstrumente unterstützen.
Welche Rolle spielen Angehörige beim Schmerzmanagement?
Angehörige können Veränderungen des Verhaltens häufig besonders gut einschätzen. Ihre Beobachtungen können deshalb wichtige Hinweise liefern. Gleichzeitig sollten sie verständlich über die geplanten Maßnahmen und deren Ziele informiert werden.
Was ist bei Opioiden am Lebensende besonders zu beachten?
Opioide können bei starken Schmerzen eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig müssen ihre Wirkung und mögliche Nebenwirkungen wie Übelkeit, Verstopfung, Müdigkeit oder Bewusstseinsveränderungen beobachtet werden. Dosierung und Anpassung erfolgen nach ärztlicher Verordnung.
Wann sollte ein spezialisiertes Palliativteam hinzugezogen werden?
Dies kann insbesondere dann sinnvoll sein, wenn Symptome schwer kontrollierbar sind, die Versorgung komplex wird oder Unsicherheiten bezüglich der Therapie bestehen. Spezialisierte Palliativdienste können das bestehende Behandlungsteam beraten und unterstützen.
Was gehört zum Schmerzmanagement in der Palliativpflege?
Schmerzerfassung, Festlegung individueller Therapieziele, medikamentöse und nichtmedikamentöse Maßnahmen sowie die regelmäßige Kontrolle von Wirkung und Nebenwirkungen gehören zu einem strukturierten Schmerzmanagement.
Wie erkennt man Schmerzen in der Sterbephase?
Wenn Betroffene Schmerzen nicht mehr selbst äußern können, können unter anderem Mimik, Schonhaltung, Abwehrbewegungen, Stöhnen oder Verhaltensänderungen Hinweise geben. Diese Zeichen sind jedoch nicht eindeutig und müssen im Zusammenhang mit der gesamten Situation beurteilt werden.
Quellen
Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP): Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege, Aktualisierung 2020. Auszug zuletzt abgerufen am 12.08.2026 https://www.dnqp.de/fileadmin/HSOS/Homepages/DNQP/Dateien/Expertenstandards/Schmerzmanagement/Schmerz-Akt2020_Auszug.pdf
Leitlinienprogramm Onkologie: S3-Leitlinie Palliativmedizin, Version 3.0. https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Palliativmedizin/Version_3/S3_LL_Palliativmedizin_Leitlinienreport_3.0.pdf
Thieme Schmerztherapie > II Spezieller Teil:11.8 Palliativpflege und pflegerisches Schmerzmanagement. Standl, Thomas et al.: 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. 2010. Georg Thieme Verlag KG
Klee, M. (2025). Palliativpflege und Schmerzmanagement. In: Likar, R., Bernatzky, G., Geyrhofer, S., Buchmayr, B. (eds) Multimodale Schmerztherapie in der Pflege. Springer, Berlin, Heidelberg.
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