Pflegealltag meistern: Tipps zum Umgang mit Schmerzpatient:innen

Veröffentlicht am 15.07.2025

Es ist eine Darstellung eines schmerzenden Körpers zu sehen.

Pflegende müssen beim Umgang mit Schmerzpatient:innen besonders aufmerksam sein. Häufig können Betroffene ihre Schmerzen nur schwer in Worte fassen.

Die Betreuung von Schmerzpatient:innen im Pflegebereich ist nicht immer leicht. Vor allem, wenn kognitive Beeinträchtigungen wie Demenz vorliegen, bleiben Schmerzen häufig lange unerkannt oder können nicht eindeutig zugeordnet werden. Auch die Schmerzbehandlung kann sich dann schwierig gestalten, da nur noch wenig oder gar keine Kooperation mit der Patientin oder dem Patienten mehr möglich ist.

Je nach Intensität und Häufigkeit können Schmerzen die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Pflegekräfte können durch ein effektives Schmerzmanagement viel dazu beitragen, nicht nur das körperliche, sondern auch das psychische Wohlbefinden der Patient:innen wieder zu steigern. Dafür ist es wichtig, Schmerzen zu erkennen, richtig einzuordnen und die passende Behandlung in die Wege zu leiten. Akute Schmerzen treten plötzlich auf und sind in der Regel auf einen bestimmten Auslöser zurückzuführen. Dauern Schmerzen über einen Zeitraum von drei Monaten an und können nur symptomatisch, aber nicht ursächlich behandelt werden, spricht man von chronischen Schmerzen.

Was macht ein gutes Schmerzmanagement aus? Und welche pflegerischen Maßnahmen sind im Umgang mit Schmerzpatient:innen wichtig? 

Umgang mit Schmerzpatient:innen: Multimodaler Ansatz im Schmerzmanagement

Schmerzen sind ein komplexes Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren. Wie stark man Schmerzen wahrnimmt, hängt nicht nur vom körperlichen Zustand, sondern auch von der psychischen Verfassung und dem sozialen Umfeld ab. Daher greift eine rein medikamentöse Behandlung oft zu kurz. Durch die Kombination verschiedener Ansätze, also medikamentöser und nicht-medikamentöser Therapien, psychologischer Unterstützung und pflegerischer Zugewandtheit, kann der Schmerz ganzheitlich behandelt werden. Dadurch erhöht sich nicht nur die Schmerzlinderung, sondern das Risiko einer Chronifizierung sowie von Nebenwirkungen und Medikamentenabhängigkeiten sinkt.

Anna Liebig

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Medikamentöse Schmerzbehandlung

Die Gabe von Schmerzmitteln ist ein wichtiger Bestandteil des Schmerzmanagements bei pflegebedürftigen Personen. Während die Auswahl und Dosierung in den Händen der ärztlichen Betreuung liegen, übernimmst Du als Pflegekraft die Verantwortung für die ordnungsgemäße Verabreichung der Medizin und die Dokumentation der Wirkung und Nebenwirkungen.

Dabei sollten diese Grundregeln zur Schmerztherapie eingehalten werden:

  • regelmäßige Einnahme nach einem festen Zeitschema 
  • individuell angepasste Dosierung 
  • kontrollierte Dosisanpassung 
  • rechtzeitige Gabe des nächsten Medikamentes, bevor der Schmerz wieder in Erscheinung tritt (Antizipation) 
  • Vorbeugung von Nebenwirkungen 

Als Medikation kommen unterschiedliche Klassen von Schmerzmitteln infrage: 

Nicht-Opioide Schmerzmittel (NSAR)

Zu den am häufigsten eingesetzten Medikamenten zählen nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Paracetamol. Sie wirken relativ schnell gegen leichte bis mäßig starke Schmerzen, unter anderem bei Kopf-, Gelenk- oder Bauchschmerzen. Zudem sind sie in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, zum Beispiel als Tabletten, Kapseln, Saft oder Tropfen. Die enthaltenen Wirkstoffe hemmen bestimmte körpereigene Enzyme, die für die Schmerz- und Entzündungsentstehung verantwortlich sind. Sie machen nicht abhängig, sollten jedoch trotzdem möglichst nicht dauerhaft eingenommen werden, weil sie die inneren Organe wie den Magen, die Nieren oder die Leber belasten können.  

Medizinisches Cannabis 

Kapseln, Tropfen oder Öle mit dem Inhaltsstoff THC werden zunehmend als ergänzende Therapie in der Schmerzbehandlung eingesetzt, unter anderem bei Tumorschmerzen oder in der Palliativmedizin. Pflegepatient:innen kann es dann verordnet werden, wenn herkömmliche Schmerzmittel nicht ausreichend wirken oder starke Nebenwirkungen verursachen. Die Anwendung erfolgt in der Regel unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle und wird individuell auf die jeweiligen Beschwerden abgestimmt. Als Nebenwirkungen sind vor allem Müdigkeit, Schwindel, Konzentrationsprobleme und Desorientierung bekannt. Allgemein gilt medizinisches Cannabis jedoch als relativ nebenwirkungsarm.  

Opioide

Bei starken bis sehr starken Schmerzen kommen starke Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide zum Einsatz. Sie helfen zum Beispiel bei schweren Verletzungen, nach operativen Eingriffen oder Tumorschmerzen. Präparate wie Fentanyl oder Morphin greifen direkt in das zentrale Nervensystem ein und unterdrücken dort die Weiterleitung der Schmerzreize. In der Regel sollten Opioide nur über einen kurzen Zeitraum eingenommen werden, da ein hohes Abhängigkeitsrisiko besteht. Sturzgefährdete Patienten sollten sich unter ihrem Einfluss nicht alleine fortbewegen.

In Deutschland unterliegen Opioide dem Betäubungsmittelgesetz und sind daher in Pflegeeinrichtungen mit besonderen Vorschriften bezüglich der Lagerung, der Dokumentation und der Verabreichung belegt. 

Co-Analgetika: Antidepressiva und Antikonvulsiva

Bei langanhaltenden Nervenschmerzen, etwa bei Polyneuropathien, Migräne oder Fibromyalgie, werden häufig Medikamente eingesetzt, die ursprünglich nicht zur Schmerzbehandlung entwickelt wurden. Hierzu zählen bestimmte Antidepressiva und Antiepileptika, die die Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem verändern können. Zusätzlich wirken sie oft stimmungsaufhellend und angstlösend, was insbesondere bei chronischen Schmerzpatient:innen eine wichtige therapeutische Maßnahme darstellen kann. Allerdings können sie auch, vor allem anfangs, zu zahlreichen Nebenwirkungen führen, wie Mundtrockenheit, Übelkeit, Schwindel oder Schlaflosigkeit

Nicht-medikamentöse Behandlungen

Nicht-medikamentöse Maßnahmen sind ein wichtiger Bestandteil in einem ganzheitlichen Schmerzmanagement. Besonders bei chronischen und wiederkehrenden Schmerzen können sie nicht nur ausgleichend auf den Körper, sondern auch auf die Psyche wirken – und das meistens wechsel- und nebenwirkungsfrei. Viele der Angebote werden von externen Therapeut:innen und Dienstleister:innen angeboten, als Pflegefachkraft kannst Du die Therapien jedoch vorschlagen, unterstützen und begleiten. Einige der nicht-medikamentösen Ansätze fördern die Selbstwirksamkeit und Eigenständigkeit deiner Patient:innen und haben deshalb eine besonders nachhaltige Wirksamkeit.

In dieser Tabelle stellen wir Dir einige Möglichkeiten von nicht-medikamentöse Schmerztherapien vor: 

Therapieform Anwendungsmöglichkeiten Wirkung
Wärmebehandlung Wärmflasche, Wärmekompresse, Kirschkernkissen Muskelentspannend und durchblutungsfördernd
Kältetherapie Kühlpacks, Kältekompressen Schmerzstillend und entzündungshemmend
Massage Einzelne Körperbereiche oder am ganzen Körper Lösung von verspannten Muskeln und verklebten Faszien, somit muskelentspannend und beruhigend
Physiotherapie u. a. Gehtraining oder Sturztraining, Trainieren einzelner Bewegungsfunktionen Steigerung der Beweglichkeit, Erhalt der Mobilität, schmerzlindernd und entspannend
Akupunktur / Akupressur Behandlung einzelner Schmerzbereiche, z. B. bei Arthrose Schmerzlinderung, Verbesserung der Beweglichkeit
Aromatherapie Kann zur Unterstützung während akuter Schmerzphasen eingesetzt werden Beruhigend, entspannend, schlaffördernd
Lagerungstechniken Zur Druckentlastung bei bettlägerigen Patient:innen Schmerzlinderung, Dekubitusprophylaxe
Entspannungstechniken u. a. Progressive Muskelentspannung, Atemübungen, Gedankenreisen Vor allem zur Vorbeugung und Bewältigung chronischer Schmerzen geeignet

Umsetzung von Schmerzmanagementplänen

Schmerzmanagementpläne werden individuell auf die Bedürfnisse und Anforderungen einer Patientin oder eines Patienten abgestimmt. In der Pflege dienen sie als Leitfaden und ermöglichen eine strukturierte und interdisziplinäre Schmerzbehandlung. Sie sollten idealerweise zusammen von mehreren beteiligten Behandelnden und Betreuungspersonen erstellt werden. Denn eine gute und reibungslose Zusammenarbeit entscheidet über die Qualität und Wirksamkeit der Schmerzbehandlungen. Sie kann gefördert werden durch gemeinsame Fallbesprechungen, Pflegevisiten oder Schmerzkonferenzen.

Aufgaben von Pflegekräften im Schmerzmanagement

Als Pflegefachkraft spielst Du eine wichtige Rolle im Schmerzmanagement Deiner Patient:innen. Du bist das koordinierende Bindeglied zwischen Ärzt:innen, physio- und psychotherapeutischen Behandler:innen, weiteren beteiligten Fachkräften und Angehörigen.

Die Dokumentation der Schmerzen sowie der Wirksamkeit von Medikamenten und Therapien gehört dabei zu Deinen wichtigsten Aufgaben. Notiert werden außerdem die Schmerzstärke und die Schmerzdauer. Bei der Einordnung können unter anderem Schmerz- oder Beobachtungsskalen helfen. Auch Verhaltensauffälligkeiten wie Unruhe oder ein veränderter Gesichtsausdruck können Hinweise auf Schmerzen geben und sollten festgehalten werden. Das ist insbesondere bei Menschen mit Demenz wichtig, deren Reaktionen auf Schmerz oftmals anders ausfallen als bei gesunden Personen. 

Fazit: Schmerzmanagement ist immer ganzheitlich

Die Basis eines guten Schmerzmanagements besteht aus Fachwissen, Erfahrung, Zuwendung und einer professionellen, multimodalen Zusammenarbeit. Als Pflegekraft übernimmst Du eine zentrale Position bei der Erkennung und Einordnung von Schmerzen Deiner Patient:innen sowie bei der Organisation, Umsetzung, Überwachung und Dokumentation medikamentöser und nicht-medikamentöser Therapien.

Ziel des Schmerzmanagements sollte eine ganzheitliche Behandlung mit nachhaltiger Schmerzlinderung sein. Dazu gehören neben der rein körperlichen Versorgung auch die psychische Zuwendung und die soziale Komponente. Dafür ist es wichtig, empathisch auf die jeweiligen Schmerzäußerungen einzugehen, diese ernst zu nehmen und aktiv an der interdisziplinären Behandlung mitzuwirken. Auch die Aufklärung der Patient:innen über Schmerzursachen, Therapien und eigene Handlungsmöglichkeiten trägt wesentlich zur Schmerzlinderung bei.   

Die wichtigsten Fragen zum Umgang mit Schmerzpatient:innen

Was ist ein Schmerzpatient?

Üblicherweise bezeichnet man Menschen, die unter chronischen – also dauerhaften – Schmerzen leiden, als Schmerzpatient:innen. Als chronisch gelten Schmerzen, wenn sie länger als 3 Monate anhalten und in erster Linie nicht ursächlich, sondern nur symptomatisch behandelt werden können. 

Wie sieht die pflegerische Betreuung eines Patienten mit Schmerzen aus? 

Schmerzen bei pflegebedürftigen Menschen lassen sich am besten durch einen multimodalen Ansatz lindern. Das bedeutet, dass neben Pflegekräften und Angehörigen verschiedene Therapeuten und Behandler Hand in Hand zusammenarbeiten.

Wie gehe ich mit einem Schmerzpatienten um? 

Als Pflegekraft solltest Du einfühlsam auf Deine Patient:innen eingehen. Schmerz ist immer individuell und wird von jedem anders empfunden. Wichtig ist, ihnen das Gefühl zu vermitteln, ernst genommen zu werden.

Welche Maßnahmen gibt es zur Schmerzlinderung? 

Pflegerische Maßnahmen bei Schmerzen zielen darauf ab, das Wohlbefinden der Patient:innen zu verbessern, Schmerzen zu lindern und somit die Lebensqualität zu erhöhen. Neben der medikamentösen Therapie können dazu z. B. beitragen:

  • Lagerung und Mobilisation 
  • Wärme- und Kälteanwendungen 
  • Ablenkung und Aktivierung 
  • Entspannungsverfahren 
  • Beruhigung und Zuwendung 
  • Einbeziehung der Angehörigen 

Wie können Pflegekräfte bei der Schmerzbehandlung helfen? 

Pflegekräfte spielen eine wichtige Rolle in der Schmerzbehandlung ihrer Patient:innen. Sie können Schmerzen frühzeitig erkennen, beobachten und die Behandlung anstoßen.

Auch die sorgfältige Dokumentation des Schmerzverlaufs und der Wirkung von medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapien liegt in den Händen der Pflegekräfte. Sie sind zudem verantwortlich für die richtige Gabe der Schmerzmittel und für die Organisation und Teilnahme an nicht-medikamentösen Therapien.

Als wichtigste Ansprechpartner:innen sind sie zudem durch Einfühlungsvermögen und Empathie maßgeblich an der Verbesserung der psychischen Lage der Schmerzpatient:innen beteiligt.

Medizinische und rechtliche Hinweise:

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Quellen

Deutsche Schmerzgesellschaft e. V.; Medikamentöse Schmerzbehandlung – Übersicht zu Wirkstoffen und Anwendungsbereichen; abgerufen am 01.07.2025 von https://www.schmerzgesellschaft.de/topnavi/patienteninformationen/medizinische-schmerzbehandlung/medikamentoese-schmerzbehandlung 

Berufsverband Deutscher Anästhesistinnen und Anästhesisten – Anästhesisten im Netz; Medikamentöse Schmerztherapie – verschiedene Darreichungsformen; abgerufen am 01.07.2025 von https://www.anaesthesisten-im-netz.de/schmerzmedizin/medikamentoese-schmerztherapie/verschiedene-darreichungsformen/ 

Schmerzzentrum.at; Schmerztherapie – Prinzipien und interdisziplinäre Behandlungskonzepte; abgerufen am 01.07.2025 von https://schmerzzentrum.at/prinzipien/ 

Stiftung Leben pur; Nicht-medikamentöse Schmerztherapie – Ansätze zur Schmerzlinderung bei Menschen mit komplexer Behinderung; PDF, abgerufen am 01.07.2025 von https://www.stiftung-leben-pur.de/fileadmin/Webdata/Uploads/Exp.AK-Schmerzen/baustein-nicht-medikamentoese-schmerztherapie.pdf 

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin; Betäubungsmittel in der Altenhilfe – Herausforderungen in palliativer Versorgung; Vortragsfolien, Oktober 2023; abgerufen am 01.07.2025 von https://www.dgpalliativmedizin.de/images/20231031_BtM_Altenhilfe_Vortragsfolien.pdf 

Deutsche Schmerzgesellschaft e. V.; Schmerz im Alter – Besonderheiten und Empfehlungen für die Versorgung älterer Menschen; abgerufen am 01.07.2025 von https://www.schmerzgesellschaft.de/patienteninformationen/besonderheiten-bei-schmerz/schmerz-im-alter 

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