Podologie in der Altenpflege: Was Pflegekräfte wissen sollten
Veröffentlicht am 11.09.2026

Neuropathien und Durchblutungsstörungen können dazu führen, dass Verletzungen spät bemerkt werden und schlechter heilen. Bildquelle: Canva.de
Im Alter steigt das Risiko für Veränderungen an Haut und Nägeln, Druckstellen und Verletzungen an den Füßen. Gleichzeitig können eingeschränkte Beweglichkeit, Sehprobleme oder Erkrankungen wie Diabetes die selbstständige Fußpflege erschweren. Hier kommt die Podologie ins Spiel. Als medizinische Fußpflege hilft sie dabei, Beschwerden zu lindern, Verletzungen vorzubeugen und die Mobilität möglichst lange zu erhalten.
Für dich als Pflegekraft ist dieses Thema deshalb relevant:Du bist oft die Person, die Veränderungen zuerst wahrnimmt, die Fußgesundheit im Alltag unterstützt und bei Auffälligkeiten die passende Versorgung anstößt.
Das Wichtigste in Kürze
- 🦶 Podologie ist medizinische Fußpflege: Im Mittelpunkt stehen die Behandlung krankhafter Veränderungen und die Prävention von Fußschäden – nicht die kosmetische Pflege.
- 👵 Im Alter steigt der Unterstützungsbedarf: Eingeschränkte Beweglichkeit, Sehprobleme, Erkrankungen und Veränderungen von Haut und Nägeln können die selbstständige Fußpflege erschweren.
- 👩⚕️ Pflegekräfte spielen bei der Früherkennung eine wichtige Rolle: Rötungen, Druckstellen, Wunden, Nagelveränderungen oder Veränderungen des Gangbilds sollten beobachtet, dokumentiert und bei Bedarf weitergeleitet werden.
- 🩺 Bei Diabetes ist besondere Aufmerksamkeit erforderlich: Neuropathien und Durchblutungsstörungen können dazu führen, dass Verletzungen spät bemerkt werden und schlechter heilen.
- 🤝 Podologie ersetzt keine ärztliche Behandlung: Bei Wunden, Entzündungszeichen, starken Schmerzen oder akuten Veränderungen ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.
- 📋 Gute Fußgesundheit ist Teamarbeit: Pflege, Podologie, Medizin und weitere Berufsgruppen arbeiten zusammen, um Risiken frühzeitig zu erkennen und die Mobilität möglichst lange zu erhalten.

Anna Liebig
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Was ist Podologie?
Podologie bezeichnet die medizinische Behandlung und präventive Versorgung der Füße. Podolog:innen behandeln insbesondere Menschen, bei denen bereits krankhafte Veränderungen oder ein erhöhtes Risiko für Fußschäden bestehen. Die geschützten Berufsbezeichnungen „Podologin/Podologe” und „Medizinische/r Fußpfleger/in” dürfen in Deutschland nur mit entsprechender Erlaubnis geführt werden.
Im Gegensatz zur kosmetischen Fußpflege steht nicht das gepflegte Erscheinungsbild, sondern der gesundheitliche Nutzen im Mittelpunkt. Podologische Maßnahmen können beispielsweise bei folgenden Erkrankungen, Veränderungen oder Risikofaktoren erforderlich sein:
- Diabetes mellitus mit Nervenschäden oder Durchblutungsstörungen
- stark verdickte Hornhaut und schmerzhaften Druckstellen
- krankhaft verdickten, deformierten oder schwer zu schneidenden Nägeln
- Nagelveränderungen mit Tendenz zum Einwachsen
- eingeschränkter Beweglichkeit, Sehschwäche oder kognitiven Einschränkungen
- neurologischen Erkrankungen und Sensibilitätsstörungen
Bedeutung in der Altenpflege
Mit zunehmendem Alter verändern sich Haut, Nägel, die Durchblutung und die Beweglichkeit. Die Haut wird häufig trockener und verletzlicher, die Nägel können dicker und brüchiger werden. Gleichzeitig können Arthrose, Lähmungen, Übergewicht, Sehbeeinträchtigungen oder ein eingeschränktes Gleichgewicht die selbstständige Fußpflege erschweren.
Zudem bemerken viele ältere Menschen kleine Verletzungen nicht rechtzeitig – besonders bei Diabetes oder einer Polyneuropathie. Das Schmerz- und Druckempfinden kann reduziert sein. Ein Steinchen im Schuh, eine Druckstelle oder eine kleine Fissur können dann unbemerkt bleiben. Werden solche Veränderungen nicht frühzeitig erkannt, können Entzündungen, schlecht heilende Wunden und erhebliche Einschränkungen der Mobilität die Folge sein.
Podologie ist daher ein wichtiger Baustein der Prävention. Sie kann dabei helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und die Haut- und Nagelfunktion zu erhalten. Laut dem Gemeinsamen Bundesausschuss zielt die podologische Therapie auf die Wiederherstellung, Verbesserung und Erhaltung der physiologischen Funktion von Haut und Zehennägeln ab.
Ziele der medizinischen Fußpflege
Die podologische Behandlung verfolgt mehrere Ziele gleichzeitig:
| Ziel | Bedeutung für ältere Menschen |
|---|---|
| Verletzungen vorbeugen | Hornhaut, Druckstellen und problematische Nägel werden fachgerecht behandelt. |
| Schmerzen reduzieren | Druck durch verdickte Nägel oder Hornhaut kann das Gehen deutlich erschweren. |
| Mobilität fördern | Wer schmerzärmer und sicherer läuft, kann länger aktiv und selbstständig bleiben. |
| Wunden vermeiden | Besonders bei Diabetes, Durchblutungsstörungen und Sensibilitätsverlust ist Prävention entscheidend. |
| Selbstpflege stärken | Betroffene erhalten Beratung zu Hautpflege, Schuhwerk und täglichen Kontrollen. |
| Lebensqualität erhalten | Gepflegte, schmerzfreie Füße erleichtern Bewegung, Teilhabe und Wohlbefinden. |
Zu den typischen Maßnahmen gehören das verletzungsfreie Abtragen krankhaft verdickter Hornhaut, die Bearbeitung verdickter oder verformter Nägel und die Beratung zu Fußpflege und Schuhwerk. Auffällige Schuhe oder unpassende Einlagen können ebenfalls thematisiert und an die ärztliche Versorgung zurückgemeldet werden.
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Die Rolle der Pflege: beobachten, unterstützen, weiterleiten
Pflegekräfte können keine podologische oder ärztliche Behandlung ersetzen. Du hast jedoch eine zentrale Rolle in der täglichen Beobachtung und Prävention. Gerade bei Menschen, die ihre Füße nicht selbst kontrollieren oder versorgen können, ist der Blick auf die Füße ein wichtiger Bestandteil einer sicheren, personenzentrierten Pflege.
Fuß-Check in der Pflege: Darauf solltest du achten
- Rötungen, Schwellungen, Druckstellen oder Blasen
- trockene, rissige Haut und Fissuren
- Hornhaut, Hühneraugen oder Verfärbungen
- verdickte, brüchige, gelöste oder eingewachsene Nägel
- Wunden, Nässen, Geruch oder Entzündungszeichen
- Temperaturunterschiede zwischen beiden Füßen
- Schmerzen oder ein verändertes Gangbild
- zu enge, drückende oder beschädigte Schuhe
Wichtig ist auch, die Beobachtungen nachvollziehbar zu dokumentieren und gemäß den internen Abläufen weiterzugeben. Bei akuten Veränderungen, einer Wunde, Entzündungszeichen, starken Schmerzen oder einem plötzlich auffälligen Fuß muss eine ärztliche Abklärung erfolgen. Eine bestehende Wunde ist nicht allein Aufgabe der Fußpflege. Eine rechtssichere und standardisierte Wunddokumentation in der Pflege basiert auf dem Expertenstandard des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) für chronische Wunden sowie den Vorgaben der Richtlinie für die häusliche Krankenpflege (HKP-RL). Sie dient der Verlaufskontrolle, der interdisziplinären Kommunikation und dem rechtlichen Nachweis (Gemeinsamer Bundesausschuss, Versorgung von chronischen und schwer heilenden Wunden).
Im Pflegealltag unterstützt du außerdem dabei, dass die Füße sauber und gut getrocknet bleiben – vor allem in den Zehenzwischenräumen. Eine Hautpflege kann sinnvoll sein, sollte aber nicht zwischen den Zehen erfolgen, wenn dadurch Feuchtigkeit eingeschlossen wird. Bei Menschen mit erhöhtem Risiko gilt: keine Behandlung mit scharfen Instrumenten, keine Anwendung aggressiver Hornhautentferner und kein unkritisches Schneiden problematischer Nägel. Welche Maßnahmen Pflegekräfte im Einzelnen übernehmen dürfen, richtet sich immer auch nach ihrer Qualifikation, der Delegation, den Vorgaben der Einrichtung und dem individuellen Zustand.
Besonders wichtig: Was ist bei der Fußpflege bei Diabetes zu beachten?
Bei Diabetes können Nervenschäden und Durchblutungsstörungen dazu führen, dass kleine Verletzungen unbemerkt bleiben oder nur schlecht heilen. Das diabetische Fußsyndrom umfasst krankhafte Veränderungen am Fuß, die Wunden und Gewebeschäden verursachen können. Deshalb sind regelmäßige Fußuntersuchungen und eine konsequente Fußpflege besonders wichtig.
Eine podologische Therapie kann bei einem diabetischen Fußsyndrom und bei bestimmten vergleichbaren Schädigungsbildern verordnet werden. Voraussetzungen sind unter anderem krankhafte Veränderungen an Haut oder Nägeln sowie nachweisbare Gefühlsstörungen, die mit oder ohne Durchblutungsstörungen einhergehen können. Die konkrete Verordnung und Kostenübernahme werden mit dem Arzt beziehungsweise der Krankenkasse geklärt.
Für die Pflege bedeutet das: Die Fußkontrolle sollte nicht als Nebensache behandelt werden. Frage nach Taubheitsgefühlen, Brennen, Druck oder Schmerzen. Prüfe auch Schuhe und Socken auf Falten, Fremdkörper, harte Nähte oder Druckstellen. Nimm Aussagen wie „Ich spüre da nichts“ außerdem ernst, denn fehlender Schmerz ist bei Risikofüßen kein Entwarnungssignal.
Zusammenarbeit schafft Sicherheit
Eine gute Fußgesundheit gelingt im Team. Je nach Bedarf arbeiten Pflegekräfte mit Hausärzt:innen, Diabetolog:innen, Podolog:innen, Wundmanager:innen, Orthopädieschuhtechniker:innen, Physiotherapeut:innen und Angehörigen zusammen. Ein abgestimmter Informationsfluss verhindert, dass kleine Auffälligkeiten verloren gehen.
Hilfreich ist eine klare Absprache: Wer kontrolliert den Fußzustand? Wann wird eine podologische Behandlung organisiert? Welche Veränderungen müssen sofort gemeldet werden? Welche Empfehlungen zu Schuhen, Einlagen oder Hautpflege liegen vor? So wird aus einer Einzelmaßnahme ein verlässlicher Versorgungsprozess.
Fazit
Podologische Behandlungen sind ein wichtiger Beitrag zu Sicherheit, Mobilität und Lebensqualität in der Altenpflege. Medizinische Fußpflege kann dabei helfen, Schmerzen, Druckstellen und Folgeschäden frühzeitig zu vermeiden – insbesondere bei Diabetes, Sensibilitätsstörungen und eingeschränkter Selbstpflege. Deine Aufgabe in der Pflege ist es vor allem, aufmerksam hinzusehen, Risiken ernst zu nehmen, fachgerecht zu unterstützen und bei Auffälligkeiten die richtige Versorgung zu veranlassen. Denn gesunde Füße bedeuten oft mehr Bewegung, mehr Selbstständigkeit und mehr Teilhabe im Alltag.
Häufige Fragen zur Podologie in der Altenpflege
Darf eine Podologin bzw. ein Podologe offene Wunden behandeln?
Offene Wunden, Entzündungen und unklare Hautdefekte müssen ärztlich beurteilt werden. Podologie ist nicht gleich Wundtherapie. Die weitere Versorgung erfolgt in Abstimmung mit Ärztinnen, Ärzten und gegebenenfalls dem Wundmanagement.
Wie oft sollte ein Risikofuß kontrolliert werden?
Das richtet sich nach der jeweiligen Erkrankung, dem Hautzustand, der Mobilität und den individuellen Risiken. Bei Menschen mit Diabetes oder eingeschränkter Selbstpflege ist eine regelmäßige, im Pflegeprozess festgelegte Kontrolle sinnvoll, bei neuen Auffälligkeiten zusätzlich sofort.
Dürfen Pflegekräfte Nägel bei Menschen mit Diabetes schneiden?
Das hängt von der Qualifikation, der Delegation und der individuellen Risikoeinschätzung ab. Bei Neuropathie, Durchblutungsstörungen, auffälligen Nägeln oder bestehenden Hautschädigungen sollte eine fachliche podologische bzw. ärztliche Einschätzung erfolgen.
Welche Schuhe eignen sich für ältere Menschen besonders?
Sie sollten ausreichend breit sein, Halt geben, keine drückenden Nähte haben und genug Platz für die Zehen bieten. Entscheidend ist immer die Passform am individuellen Fuß, nicht allein die Schuhgröße.
Ist eine ärztliche Verordnung für eine podologische Behandlung immer nötig?
Nein, eine Behandlung kann auch privat in Anspruch genommen werden. Für eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung gelten jedoch medizinische Voraussetzungen und es ist eine ärztliche Verordnung nötig.
Was kann ich tun, wenn eine pflegebedürftige Person keine Fußkontrolle möchte?
Respektiere die Selbstbestimmung, erkläre kurz und verständlich den Zweck der Kontrolle und biete Wahlmöglichkeiten an, zum Beispiel bezüglich des Zeitpunkts, der Dauer oder der Anwesenheit einer vertrauten Person. Bei akuten Risiken sollten die Ablehnung, die Aufklärung und die weiteren Schritte nach den Vorgaben der Einrichtung dokumentiert werden.
Quellen
Gesundheitsinformation.de - IQWiG. Podologie (medizinische Fußbehandlung). Zuletzt abgerufen am 07.09.2026 https://www.gesundheitsinformation.de/podologie-medizinische-fussbehandlung.html
Verband deutscher Podologen (VDP). Zuletzt abgerufen am 07.09.2026 https://www.verband-deutscher-podologen.de/taetigkeit-podologen/
Amboss.de > Diabetes mellitus > Diabetische Fußsyndrome. Zuletzt abgerufen am 07.09.2026 https://next.amboss.com/de/article/3g0SE2?q=Diabetes+mellitus
Klimek M. Bei der Körperpflege unterstützen > Nagelpflege. In: I care – PflegeExamen KOMPAKT. 2., überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2022.
Gemeinsamer Bundesausschuss. Pressemitteilung: GBA erweitert Verordnungsfähigkeit von medizinischer Fußpflege. Zuletzt abgerufen am 09.09.2026 https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen-meldungen/844/
Gemeinsamer Bundesausschuss. Versorgung von chronischen und schwer heilenden Wunden. Zuletzt abgerufen am 09.09.2026 https://www.g-ba.de/downloads/40-268-5972/2019-08-15_HKP-RL_Wundversorgung_ZD.pdf
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