Bobath-Konzept in der Pflege: Ziele, Prinzipien und Anwendung

Veröffentlicht am 10.09.2026

Eine Patientin macht Übungen mit einem Ball gemeinsam mit einem Pfleger.

Das Bobath-Konzept ist ein neurologisches Rehabilitationskonzept, dass auch in der Altenpflege zur Anwendung kommt. Bildquelle: Canva.de

Nach einem Schlaganfall oder einer anderen Erkrankung des zentralen Nervensystems können Bewegungsfähigkeit, Körperwahrnehmung und Selbstständigkeit eingeschränkt sein. Das Bobath-Konzept gehört zu den bekanntesten Ansätzen, um genau hier anzusetzen: Betroffene werden dabei unterstützt, vorhandene Fähigkeiten zu nutzen und Bewegungen im Alltag neu zu erlernen. Besonders in der neurologischen Pflege und Rehabilitation spielt der Ansatz eine wichtige Rolle.

Das Wichtigste in Kürze

  • 🧠 Neurologisches Rehabilitationskonzept: Das Bobath-Konzept wurde 1943 von Berta und Karel Bobath entwickelt und richtet sich an Menschen mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems.
  • 🎯 Ziel ist Selbstständigkeit: Betroffene sollen verlorene motorische Fähigkeiten zurückgewinnen oder lernen zu kompensieren, um im Alltag möglichst unabhängig zu sein.
  • 🔄24-Stunden-Konzept: Die Prinzipien werden nicht nur in Therapieeinheiten, sondern durchgehend in Pflege und Alltag integriert.
  • 🤝 Interdisziplinär: Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Ärzteschaft und Pflege arbeiten eng zusammen.
  • 🛏️ Das Konzept wird in den Pflegealltag integriert: Prinzipien des Bobath-Konzepts können beispielsweise bei Positionierung, Transfer, Körperpflege und anderen Alltagsaktivitäten berücksichtigt werden.
  • 📜 Keine starre Methode: Das Konzept gibt keine festen Übungen vor, sondern passt sich individuell an die Ressourcen der jeweiligen Person an.

Was ist das Bobath-Konzept?

Das Bobath-Konzept ist ein bewegungstherapeutisches Behandlungskonzept für Menschen mit Bewegungsstörungen aufgrund neurologischer Erkrankungen.
Entwickelt wurde es laut der Deutschen Gesellschaft für Bobath-Therapie bereits 1943 von der Physiotherapeutin Berta Bobath und ihrem Mann, dem Neurologen Dr. Karel Bobath. International ist es auch als Neurodevelopmental Treatment (NDT) bekannt und wird bei allen Altersgruppen angewendet, von Säuglingen mit Entwicklungsstörungen bis hin zu älteren Menschen nach einem Schlaganfall.
Wichtig ist hierbei zu verstehen, dass das Ehepaar Bobath seine Arbeitsweise ausdrücklich als Konzept und nicht als Methode bezeichnet hat. Es gibt also keine vorgeschriebenen Übungen, die bei allen Patient:innen gleich angewendet werden, sondern einen individuellen, problemlösenden Ansatz, der sich an den Ressourcen und Zielen der jeweiligen Person orientiert.

Das Bobath-Konzept behandelt nicht die neurologische Ursache selbst, etwa die Hirnschädigung nach einem Schlaganfall. Es hilft Betroffenen vielmehr, neue Bewegungsmuster zu erlernen und vorhandene Einschränkungen im Alltag besser zu kompensieren.

Anna Liebig

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Das Prinzip hinter dem Bobath-Konzept

Das Bobath-Konzept berücksichtigt die Neuroplastizität des Gehirns. Damit ist die Fähigkeit des Nervensystems gemeint, sich infolge von Erfahrungen, Lernprozessen oder Schädigungen funktionell und strukturell anzupassen. Wiederholte, individuell angepasste Bewegungs- und Alltagserfahrungen sollen motorisches Lernen fördern. Dabei wird die stärker betroffene Körperseite möglichst sinnvoll in Aktivitäten einbezogen.

Anwendungsgebiete des Bobath-Konzepts

Am häufigsten kommt das Bobath-Konzept bei Menschen mit Schlaganfall (Hemiplegie) zum Einsatz, da hier die betroffene Körperseite besonders von der wiederholten Aktivierung profitiert. Darüber hinaus wird es bei Multipler Sklerose, Morbus Parkinson sowie nach Schädel-Hirn-Traumata und Hirnblutungen angewendet. Das Bobath-Konzept kann bei unterschiedlichen neurologisch bedingten Bewegungsstörungen eingesetzt werden. Besonders bekannt ist seine Anwendung in der Rehabilitation nach einem Schlaganfall.

Ziele des Bobath-Konzepts

Das übergeordnete Ziel ergibt sich immer aus einer gemeinsamen Zielvereinbarung zwischen Patient:innen, Pflegenden, Ärzt:innen und Therapeut:innen und natürlich der zugrunde liegenden Störung des zentralen Nervensystems. Im Mittelpunkt stehen die größtmögliche Selbstständigkeit, Eigenaktivität und Handlungsfähigkeit im Alltag.

Zu den konkreten Zielen zählen:

  • Wiedererlernen verlorener motorischer Fähigkeiten und Rückgewinnung von Lebensqualität
  • Steigerung der Selbstständigkeit und Sicherheit im Alltag
  • Verbesserung von Gleichgewicht, Muskeltonus und Körpersymmetrie
  • Entwicklung eines Gefühls für die Körpermitte
  • Vermeidung von Verkrampfungen
  • Linderung von Schmerzen
  • Bessere Koordination zwischen der stärker betroffenen und der weniger betroffenen Körperseite
  • Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens

Grundprinzipien des Bobath-Konzepts

Damit das Bobath-Konzept im Pflegealltag wirksam umgesetzt werden kann, orientieren sich alle Beteiligten an einigen zentralen Grundsäulen. Die BIKA (Bobath-Initiative für Kranken- und Altenpflege) fasst die wichtigsten Handlungsorientierungen und Prinzipien so zusammen:

Prinzip Bedeutung in der Pflegepraxis
Alltagsorientiert Bewegungsübungen werden in reale Alltagssituationen wie Waschen, Anziehen oder Essen integriert.
Ressourcenorientiert Vorhandene Fähigkeiten werden erkannt und gezielt genutzt, statt nur Defizite zu behandeln.
Zielorientiert Alle Maßnahmen richten sich nach gemeinsam vereinbarten, individuellen Zielen.
Dialogisch/interaktiv Betroffene werden aktiv einbezogen, statt nur passiv behandelt zu werden.
Interdisziplinär Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie und Ärzteschaft arbeiten eng zusammen.
24-Stunden-Konzept Die Prinzipien gelten durchgehend und nicht nur während einzelner Therapieeinheiten.
Merke:
Beim Bobath-Konzept steht nicht das isolierte Ausführen vorgegebener Übungen im Mittelpunkt. Bewegungen werden individuell angebahnt und möglichst sinnvoll in alltägliche Aktivitäten integriert.

Anwendung des Bobath-Konzepts im Pflegealltag

Bobath-orientierte Pflege findet nicht nur während einzelner Übungen statt. Die Prinzipien können beispielsweise beim Waschen, Anziehen, Essen, Umlagern, Aufstehen oder beim Transfer vom Bett in den Stuhl berücksichtigt werden. Pflegehandlungen werden so gleichzeitig zu Möglichkeiten, Eigenaktivität und Bewegungslernen zu fördern.
Bei den verschiedenen Anwendungen bilden immer zwei Grundprinzipien das Fundament jeder Bobath-orientierten Pflege deiner Patient:innen:

  1. Die Regulation des Muskeltonus und die Anbahnung physiologischer, also normaler Bewegungsabläufe.
  2. Das Prinzip der Fazilitation, also das Erleichtern natürlicher Bewegung durch gezielte Hilfestellung, statt Bewegungen für den Patienten oder die Patientin komplett zu übernehmen.

Lagerung nach Bobath

Die Lagerung ist einer der wichtigsten Bausteine der Bobath-orientierten Pflege. Die Unterlage sollte eher fest sein, da ein stärkerer Auflagedruck die Körperwahrnehmung besser stimuliert, und die betroffene Person muss sich in jeder Position sicher und stabil fühlen, um nicht zu verkrampfen. Bei der Lagerung auf der betroffenen Seite wird die Schulter leicht nach vorne gebracht, der Arm gestreckt mit der Handfläche nach oben gelagert und das Bein leicht angebeugt positioniert (Leitlinie BIKA).
Bei der Lagerung auf der nicht betroffenen Seite ist besonders wichtig, dass die betroffenen Extremitäten nicht frei hängen, sondern durch Kissen ausreichend unterstützt werden.

Transfer nach Bobath

Der Transfer, also der Wechsel zwischen zwei Positionen wie vom Bett in den Rollstuhl, oder von der Toilette an den Rollator, folgt ebenfalls klaren Prinzipien. Unterschieden werden der tiefe Transfer, wenn die Person noch nicht eigenständig stehen kann, und der hohe Transfer über den Stand, wenn bereits eine gewisse Stabilität vorhanden ist.
Beim Transfer sollte vermieden werden, Betroffene an den Armen hochzuziehen. Je nach Fähigkeiten und Transfersituation werden Bewegungen beispielsweise über Rumpf und Becken unterstützt und die Eigenaktivität der Person möglichst einbezogen.

Alltagsintegration

Die Alltagsintegration zeigt sich besonders deutlich in ganz gewöhnlichen Pflegesituationen. Wie zum Beispiel beim Tischdecken wird bewusst auf eine symmetrische Körperhaltung mit beiden Händen geachtet, oder beim Aufstehen aus dem Stuhl auf eine gleichmäßige Gewichtsverlagerung auf beide Füße. So wird jede deiner alltäglichen Pflegehandlungen, von der Körperpflege über das Ankleiden bis zur Nahrungsaufnahme, gleichzeitig zur gezielten Bewegungsförderung.

Bobath-Konzept: Qualifikation für Pflegekräfte

Fortbildungen zum Bobath-Konzept können besonders für Pflegekräfte interessant sein, die in der Neurologie, neurologischen Rehabilitation, auf einer Stroke Unit oder in anderen Bereichen mit neurologisch erkrankten Menschen arbeiten. Umfang, Voraussetzungen und Kosten unterscheiden sich je nach Kurs und Anbieter.

Fazit: Bewegung als Weg zurück in die Selbstständigkeit

Das Bobath-Konzept ist weit mehr als eine reine Therapietechnik, es ist ein ganzheitlicher, alltagsintegrierter Ansatz, der Pflege, Therapie und die aktive Mitarbeit der betroffenen Person miteinander verbindet. Durch die konsequente Einbindung der betroffenen Körperseite in Lagerung, Transfer und alltägliche Bewegungsabläufe nutzt es die Lernfähigkeit des Gehirns gezielt aus. Für dich als Pflegekraft bedeutet das: Wer die Prinzipien des Bobath-Konzepts verinnerlicht, kann in jeder Pflegehandlung, ob beim Waschen, Anziehen oder Aufstehen, einen wertvollen Beitrag zur Rehabilitation und Lebensqualität der Betroffenen leisten.

Häufige Fragen zum Bobath-Konzept

Was ist das Bobath-Konzept einfach erklärt?

Das Bobath-Konzept ist ein Behandlungsansatz für Menschen mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems, etwa nach einem Schlaganfall. Es nutzt die Lernfähigkeit des Gehirns, um verloren gegangene Bewegungsfähigkeiten zurückzugewinnen oder durch neue Bewegungsmuster zu kompensieren. Dabei wird die betroffene Körperseite bewusst in alle Alltagsbewegungen einbezogen, statt sie zu schonen oder zu vernachlässigen.

Was sind die wichtigsten Prinzipien des Bobath-Konzepts?

Zu den zentralen Prinzipien gehören die Regulation des Muskeltonus, die Anbahnung physiologischer Bewegungsabläufe sowie die Fazilitation, also das gezielte Erleichtern natürlicher Bewegung. Zusätzlich ist das Konzept alltagsorientiert, ressourcenorientiert, interdisziplinär und wird als durchgehendes 24-Stunden-Konzept in Pflege und Alltag integriert, nicht nur in einzelnen Therapieeinheiten.

Bei welchen Erkrankungen wird das Bobath-Konzept angewendet?

Das Bobath-Konzept kommt vor allem bei Erkrankungen und Verletzungen des zentralen Nervensystems zum Einsatz, etwa nach einem Schlaganfall, bei Multipler Sklerose, Morbus Parkinson, Schädel-Hirn-Traumata oder Hirnblutungen. Es wird sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern mit neurologischen Entwicklungsstörungen eingesetzt und lässt sich individuell an unterschiedliche Altersgruppen anpassen.

Wie läuft eine Fortbildung im Bobath-Konzept ab?

Pflegekräfte können anerkannte Grund- und Aufbaukurse bei Institutionen wie der BIKA oder IBITA belegen. Ein Grundkurs dauert häufig rund zehn Tage, aufgeteilt in zwei Blöcke, und kostet je nach Anbieter zwischen etwa 950 und 1.960 Euro. Aufbaukurse sind meist kürzer und günstiger und bringen zusätzliche Fortbildungspunkte, die für die berufliche Weiterentwicklung angerechnet werden können.

Was ist der Unterschied zwischen Bobath-Lagerung und normaler Lagerung?

Bei der Bobath-Lagerung steht neben der reinen Druckentlastung vor allem die Förderung der Körperwahrnehmung und die korrekte Positionierung der betroffenen Körperseite im Vordergrund. Arme und Beine werden gezielt außenrotiert und unterstützt gelagert, um Fehlstellungen, Schmerzen und Kontrakturen vorzubeugen, während gleichzeitig sensorische Reize gesetzt werden, die das Gehirn beim Wiedererlernen von Bewegung unterstützen.

Quellen

National Library of Medicine. PMC PubMed Central. Abgerufen am 08.09.2026 von: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8797128/

BIKA e.V. – Bobath-Initiative für Kranken- & Altenpflege: Ziele der BIKA: Abgerufen am 31.08.2026 von:
https://www.bika.de/ueber-die-bika-e-v/

BIKA e.V. – Therapeutisch aktivierende Pflege, Leitlinie zu aktivierender Umgang mit Füßen; Abgerufen am 31.08.2026 von:
https://www.bika.de/wp-content/uploads/Leitlinie-Therapeutisch-aktivierender-Umgang-mit-Fuessen.pdf

Alfried Krupp Krankenhaus: Fortbildung – Das Bobath-Konzept Aufbaukurs; Abgerufen am 31.08.2026 von:
https://www.krupp-krankenhaus.de/termine-einzelansicht/fortbildung-das-bobath-konzept-aufbaukurs-2025/144.html

Das Bobath-Konzept für die Pflege - Pflege.de; Abgerufen am 31.08.2026 von:
 https://www.pflege.de/altenpflege/bobath-konzept/

Bobath-Konzept - Schlaganfall Begleitung; Abgerufen am 31.08.2026 von:
https://schlaganfallbegleitung.de/rehabilitation/bobath-konzept

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