Palliativpflege: Wenn Lebensqualität an erster Stelle steht

Veröffentlicht am 13.09.2025

Eine ältere Frau liegt auf dem Sofa, daneben sitzt eine Pflegefachkraft, beide lächeln.

Palliativpflege bedeutet eine würdevolle Versorgung für Menschen ohne Heilungsaussicht. Quelle: Canva.de

Die Zeit am Lebensende ist für viele Menschen und ihre Angehörigen mit Sorgen, Unsicherheit und individuellen Herausforderungen verbunden. Die Palliativpflege setzt genau hier an und hilft dabei, Schmerzen und Symptome gezielt zu lindern, ein würdevolles Leben zu ermöglichen und Angehörige zu unterstützen.
In diesem Artikel findest du alle wichtigen Informationen rund um die Palliativpflege – von der Definition über Ziele, Leistungen und Voraussetzungen bis hin zu Tipps für Angehörige und Antworten auf die häufigsten Fragen.

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Was ist Palliativpflege?

Palliativpflege bezeichnet die ganzheitliche Versorgung und Betreuung von Menschen mit nicht heilbaren, fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankungen. Das Ziel ist nicht die Heilung, sondern die Verbesserung der Lebensqualität – ob zu Hause, im Hospiz oder Krankenhaus.
Medizinische, pflegerische und psychosoziale Aspekte werden individuell abgestimmt und integriert, um Leiden zu lindern und Selbstbestimmung bis zuletzt zu ermöglichen.

Gut zu wissen!
Das Wort „palliativ“ stammt aus dem Lateinischen „palliare“ und bedeutet „manteln“ oder „schützen“ – demnach also Symptome und Beschwerden sanft abzudecken.

Ziele der Palliativpflege

Die zentralen Ziele der Palliativpflege sind:

  • Linderung von Schmerzen und belastenden Symptomen (z.B. Übelkeit, Atemnot, Angst)
  • Erhalt und Förderung der Lebensqualität trotz Krankheit
  • Berücksichtigung von individuellen Wünschen und Gewohnheiten
  • Psychosoziale Unterstützung für Patient:innen und Angehörige
  • Begleitung bei ethischen, spirituellen und sozialen Fragen
  • Ermöglichung eines würdevollen Abschieds

 Leistungen in der Palliativpflege

Die Leistungen in der Palliativpflege sind sehr vielfältig und immer individuell abgestimmt:

  • Schmerz- und Symptombehandlung (durch spezielle Medikamente und medizinische Pflege)
  • Beratung bei medizinischen, organisatorischen und rechtlichen Fragen
  • Psychologische Unterstützung und seelsorgerische Gespräche
  • Organisation und Koordination von Alltagshilfen, etwa im Haushalt oder bei der Ernährung
  • Angebote zur Trauerbegleitung sowie Hilfe für Angehörige
  • Hilfsmittelversorgung (z.B. Pflegebett, Atemunterstützung, Rollstuhl)
  • Unterstützung bei der Tagesstruktur und sozialen Kontakten

Zusätzlich stehen Patient:innen und Angehörigen Beratungen und Unterstützungsangebote wie palliative Netzwerke und die ambulante Palliativversorgung zur Verfügung.

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Das Team in der Palliativpflege

Palliativpflege ist echte Teamarbeit. Zum interdisziplinären Team gehören:

  • Pflegefachkräfte mit spezieller Weiterbildung im Bereich Palliative Care
  • Ärzt:innen, Palliativmediziner:innen und Schmerztherapeut:innen
  • Sozialarbeiter:innen und Psycholog:innen
  • Seelsorger:innen
  • Ehrenamtliche Helfer:innen und Hospizdienste
  • Angehörige, Freunde und das persönliche Umfeld

Eine enge Abstimmung im Team sorgt dafür, dass alle Maßnahmen individuell und bedürfnisorientiert gestaltet werden können. Somit ist meist ein großes Team von Nöten, um die Palliative Pflege aufrecht zu erhalten.

Übersicht der Palliativpflege-Angebote

Versorgungsform Ort Zugang & Voraussetzungen Typische Leistungen
Ambulante Palliativpflege Zuhause Ärztliche Verordnung, Pflegegrad Symptomkontrolle, Beratung, ganzheitliche Begleitung
Stationäre Palliativpflege Krankenhaus, Palliativstation Klinische Indikation, schwere Symptome Komplexmedizinische Versorgung, psychosoziale Begleitung
Hospizversorgung Spezielle Einrichtungen Fortschreitende Erkrankung, begrenzte Lebenserwartung Rund-um-die-Uhr-Betreuung, Trauerbegleitung
SAPV* Zuhause, Pflegeeinrichtungen Ärztl. Verordnung, hohe Symptomlast Spezialisierte Pflege und Medizin, intensive Betreuung

Wo wird Palliativpflege angeboten?

Palliativpflege kannst du in unterschiedlichen Settings bekommen, etwa bei dir zu Hause: Ambulante Palliativpflegeteams begleiten dich dort, wo du dich am wohlsten fühlst. Die einfühlsame Pflege gibt es auch im Krankenhaus oder auf einer Palliativstation: Hier erfolgt eine intensive medizinische Versorgung. Wenn die letzte Lebensphase begonnen hat, erhältst du im Hospiz eine Rund-um-die-Uhr-Begleitung und Gemeinschaft im Rahmen der Palliativpflege. Außerdem bieten viele Heime eine palliative Betreuung an. Je nach Krankheitsverlauf und individuellen Wünschen kann zwischen den Versorgungsformen gewechselt werden.

Palliativpflege zu Hause: Was sind die Voraussetzungen

Damit du Palliativpflege zu Hause erhalten kannst, benötigst du:

  • Eine ärztliche Verordnung, meist durch Hausärzt:innen oder Fachärzt:innen
  • Einen anerkannten Pflegegrad, um Leistungen der Pflegeversicherung zu nutzen
  • Einen festgestellten Bedarf an palliativer Versorgung (z.B. Schmerzen, belastende Symptome)
  • Absprache mit der Pflegekasse und dem Versorgungsnetzwerk, damit alles koordiniert werden kann

Bei Bedarf kann die spezialisierte ambulante palliative Versorgung (SAPV) verordnet werden, diese ist für sehr intensive Betreuung zu Hause vorgesehen.

Pflegegeld trotz Palliativpflege: Was gilt?

Auch wenn du palliativ versorgt wirst, besteht weiterhin Anspruch auf Pflegegeld, solange die Betreuung überwiegend zuhause und durch Angehörige erfolgt. Das Pflegegeld kann für die Entlastung von pflegenden Familienmitgliedern oder zur Finanzierung von zusätzlichen Hilfen eingesetzt werden.
Die Pflegekasse zahlt das Geld monatlich aus, bei einer Kombination von Pflegesachleistungen und Pflegegeld erhältst du anteilige Zahlungen.

Wie kannst du als Angehöriger unterstützen?

  • Sprich offen und regelmäßig mit der pflegebedürftigen Person über Wünsche, Ängste und Alltagsbeschwerden
  • Sorge für eine angenehme Atmosphäre (Musik, Licht, Vertrautheit)
  • Unterstütze bei Gesprächen mit dem Palliativteam
  • Nutze Beratungsangebote, z.B. Hospizgruppen, Pflegeberatung oder Selbsthilfevereine
  • Organisiere kleine Auszeiten und Entlastungsmöglichkeiten für dich selbst
  • Halte wichtige Medikamente und Hilfsmittel bereit

Fazit: Würdevolle Begleitung und Sicherheit für dich und deine Familie

Palliativpflege bedeutet, Lebensqualität und Selbstbestimmung in den Mittelpunkt zu stellen. Du findest Angebote zu Hause oder in spezialisierten Einrichtungen, kannst als Angehöriger aktiv unterstützen und erhältst fachlich fundierte Begleitung. Mit dem Netzwerk aus Pflegefachkräften, Ärzt:innen und Beratungsdiensten bist du nicht allein, sondern wirst in einer schwierigen Zeit umfassend begleitet. Wenn du frühzeitig alle Möglichkeiten nutzt und das Gespräch mit dem Team suchst, kannst du die bestmögliche Versorgung für dich und deine Familie sichern.

Die häufigsten Fragen zur Palliativpflege 2025

Was sind die vier Phasen der Palliativpflege?

Die Palliativpflege orientiert sich an folgenden vier Phasen: Initialphase (Beginn der Erkrankung), Stabilisationsphase (Symptomkontrolle), Verschlechterungsphase (zunehmende Beschwerden) und Terminalphase (letzte Lebenstage oder -wochen).

Wie lange dauert eine ambulante Palliativversorgung?

Die Dauer ist individuell verschieden und hängt von Krankheitsverlauf und Symptomlage ab. Sie kann Wochen bis viele Monate oder sogar einige Jahre umfassen.

Wer bezahlt die Palliativversorgung zu Hause?

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt in vielen Fällen die Kosten für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) und medizinische Hilfen. Die Pflegeversicherung zahlt weiterhin Pflegegeld oder Sachleistungen, wenn ein Pflegegrad besteht.

Wer darf Palliativpflege machen?

Speziell weitergebildete Pflegekräfte, Palliativmediziner:innen und interdisziplinäre Teams dürfen Palliativpflege erbringen. Angehörige und ehrenamtliche Helfer:innen können unterstützend tätig sein.

Gibt es spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche?

Ja, auch Kinder und Jugendliche mit unheilbaren Erkrankungen können palliativ begleitet werden, häufig durch spezialisierte Kinderhospizdienste und Teams.

Ist Palliativpflege immer gleichbedeutend mit Sterbebegleitung?

Nein, Palliativpflege beginnt oft lange vor der letzten Lebensphase und umfasst viele Monate symptomlindernder und psychosozialer Betreuung.

Medizinische und rechtliche Hinweise: 

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin. „Was ist Palliativpflege?“ Berlin: dgpm.de; Abgerufen am 27. August 2025 von https://www.dgpalliativmedizin.de/palliativpflege.html
  2. Bundesministerium für Gesundheit. „Palliativversorgung und Hospizarbeit.“ Berlin: gesund.bund.de; Abgerufen am 27. August 2025 von https://gesund.bund.de/palliativversorgung
  3. AWMF-Leitlinienregister. S3-Leitlinie Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung. Version 2.0, gültig bis 2028; Abgerufen am 27. August 2025 von https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/128-001
  4. Deutsche Gesellschaft für Kinderpalliativmedizin. „Palliativversorgung für Kinder und Jugendliche.“ Berlin: kinder-palliativmedizin.de; Abgerufen am 27. August 2025 von https://www.kinder-palliativmedizin.de
  5. Kassenärztliche Bundesvereinigung. „Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV).“ Berlin: kbv.de; Abgerufen am 27. August 2025 von https://www.kbv.de/html/8452.php

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