Women's Equality Day 2026: Gleichstellung von Frauen in der Pflege

Veröffentlicht am 26.08.2026

Es ist eine Pflegerin im Krankenhaus zu sehen.

Gleichstellung heißt nicht nur "gleicher Lohn für gleiche Arbeit". Bildquelle: Canva.de

Am 26. August ist Frauen-Gleichstellungstag – in den USA als „Women's Equality Day" bekannt, erinnert er an das Jahr 1920, als amerikanischen Frauen endlich das Wahlrecht zugesprochen wurde. Klingt erstmal weit weg von deinem Stationsalltag? Ist es aber nicht. Denn kaum eine Branche zeigt so deutlich, wo Gleichstellung heute steht und wo eben nicht, wie die Pflege.

Wie hoch ist der Frauenanteil in der Pflege? Welche Rolle spielen Gehalt, Teilzeit, Care-Arbeit und Karrierechancen? Zum Women's Equality Day 2026 werfen wir einen Blick auf den aktuellen Stand der Gleichstellung in der Pflege.

Das Wichtigste in Kürze

  • ⚖️ Women's Equality Day ist am 26. August: Der US-amerikanische Aktionstag erinnert an die Zertifizierung des 19. Verfassungszusatzes im Jahr 1920 und lenkt heute den Blick auf die Gleichstellung von Frauen.
  • 👩‍⚕️ Pflege ist stark weiblich geprägt: Frauen stellen einen großen Teil der Beschäftigten und Auszubildenden in Pflege- und Gesundheitsberufen.
  • 💶 Verdienstunterschiede bestehen weiterhin: Im gesamten deutschen Gesundheits- und Sozialwesen lag der unbereinigte Gender Pay Gap 2025 bei 19 Prozent.
  • 👩‍💼 Gleichstellung betrifft auch Karrierechancen: Teilzeit, Sorgearbeit und der Zugang zu Führungspositionen können die berufliche Entwicklung beeinflussen.
  • 🏥 Einrichtungen können Gleichstellung fördern: Transparente Karrierewege, flexible Weiterbildungen und Führungsmodelle in Teilzeit können Barrieren reduzieren.

Anna Liebig

Pflegia Karriereberaterin

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Wie hoch ist der Frauenanteil in der Pflege?

Rund 80 Prozent der Beschäftigten in der Pflege sind Frauen. Ein Beruf, der so stark weiblich geprägt ist wie kaum ein anderer. Wer genau hinsieht, erkennt aber schnell einige Schieflagen. In Führungspositionen von Kliniken und Pflegeeinrichtungen sind Männer im Verhältnis zu ihrem Beschäftigtenanteil oft überrepräsentiert.

Frauen verdienten in Deutschland 2025 durchschnittlich 16 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Im Gesundheits- und Sozialwesen lag der unbereinigte Gender Pay Gap sogar bei 19 Prozent. Frauen kamen hier auf einen durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von 23,39 Euro, Männer auf 28,99 Euro.

Wichtig: Die 19 Prozent beziehen sich auf das gesamte Gesundheits- und Sozialwesen und nicht ausschließlich auf Pflegekräfte. Außerdem bedeutet der Wert nicht, dass eine Pflegefachfrau bei gleicher Tätigkeit automatisch 19 Prozent weniger verdient als ein männlicher Kollege. Der unbereinigte Gender Pay Gap berücksichtigt beispielsweise Unterschiede bei Berufen, Karrierepositionen und Qualifikationen nicht. Deutschlandweit lag der bereinigte Gender Pay Gap 2025 bei sechs Prozent.

Was heißt Gleichstellung in der Pflege konkret?

Gleichstellung heißt nicht nur "gleicher Lohn für gleiche Arbeit", auch wenn das ein wichtiger Baustein ist. In der Pflege zeigt sich das Thema noch auf einer zweiten Ebene: der unbezahlten Sorgearbeit zu Hause. Viele deiner Kolleginnen pflegen nach ihrer Schicht noch die eigenen Eltern oder betreuen Kinder, das ist eine Doppelbelastung, die Männer statistisch seltener stemmen. Das wirkt sich langfristig aus: weniger Vollzeit, weniger Aufstiegschancen, am Ende eine kleinere Rente.

Gleichzeitig gibt es die Kehrseite: Männer sind in Pflegeberufen selbst deutlich unterrepräsentiert. Auch das ist eine Form von Ungleichheit, nur eben andersherum. Ein Pflegeteam, das geschlechtlich ausgewogener aufgestellt ist, tut am Ende allen gut: den Pflegekräften, aber auch den Pflegebedürftigen, die sich manchmal explizit eine Pflegeperson des gleichen Geschlechts wünschen.

Gleichstellung in der Pflege bedeutet also:
faire Bezahlung, echte Aufstiegschancen für Frauen, aber auch ein Arbeitsumfeld, das Männer nicht länger als Ausnahme sieht.

Wo zeigt sich (Un-)Gleichstellung im Stationsalltag?

Die Gleichstellung ist kein abstraktes Konzept, das nur in Personalabteilungen verhandelt wird, sie zeigt sich in ganz konkreten Situationen in deinem Arbeitsalltag. Ein Beispiel ist die Dienstplanung: Wird auf die Bedürfnisse von Kolleginnen mit Kindern genauso Rücksicht genommen wie auf die von Kollegen oder rutschen Frauen automatisch häufiger in die ungünstigen Schichten, weil "das schon immer so lief"?

Auch bei Beförderungen kann sich eine Ungleichbehandlung bemerkbar machen: Wer wird für Leitungspositionen vorgeschlagen, wer traut sich, sich selbst dafür ins Spiel zu bringen? Untersuchungen zeigen, dass Frauen sich seltener von sich aus für Führungsrollen bewerben, obwohl sie fachlich genauso qualifiziert sind. Ein offenes Wort von einer Vorgesetzten oder einem Kollegen: "Du wärst gut in dieser Rolle, überleg's dir" kann hier mehr bewirken, als man denkt.

Praxisbeispiel: der Knick nach der Elternzeit und Lösungsansätze

Stelle dir folgendes Szenario vor: Eine Pflegefachkraft kommt nach einem Jahr Elternzeit zurück, und zwar in Teilzeit, weil die Kita nur bis 15 Uhr betreut und der Partner Vollzeit arbeitet. Eigentlich also eine ganz normale Rückkehr ins Berufsleben. In der Praxis schafft das Arbeitsmodell aber Nachteile: Die nächste Fachweiterbildung läuft als Blockseminar über zwei Wochen inklusive Wochenende, mit Kind ist das kaum zu stemmen. Auch die Schichtleitung wird traditionell unter den Vollzeitkräften vergeben, "weil die eh öfter da sind". Niemand entscheidet das böswillig. Trotzdem gerät die Pflegefachkraft so nach und nach aus dem Rennen um Verantwortung und Weiterentwicklung.

Was Einrichtungen hier konkret ändern können: Fortbildungen in kürzeren, planbaren Modulen anbieten statt als Blockwoche, Kinderbetreuung während Präsenzterminen ermöglichen, Leitungsfunktionen auch in Teilzeit oder im Job-Sharing umsetzen, etwa, indem sich zwei Teilzeitkräfte eine Schichtleitung teilen.

Gut zu wissen!
Gleichstellung scheitert in der Pflege selten daran, dass Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer:innen sie ablehnen. Meistens sind es festgefahrene Strukturen.

Was können Pflegekräfte für mehr Gleichstellung tun?

Der Frauen-Gleichstellungstag ist ein guter Anlass, sich die Strukturen am eigenen Arbeitsplatz näher anzusehen und selbst aktiv zu werden. Hier ein paar Tipps für deinen Teamalltag:

  • Sprich offene Stellen und Zuständigkeiten im Team an, statt darauf zu warten, dass sich jemand von selbst meldet.
  • Ermutige Kolleginnen aktiv, sich auf Leitungs- oder Fortbildungsplätze zu bewerben, wenn du merkst, dass sie zögern.
  • Frag nach, wenn dir auffällt, dass bestimmte Aufgaben oder Schichten immer an dieselben Personen gehen.
  • Bring das Thema Gehalt zur Sprache, informiere dich über Tarifgruppen und sprich offen mit Kolleginnen darüber, was in eurer Einrichtung gezahlt wird.
  • Mach dich stark für flexible Modelle wie Job-Sharing in der Leitung, falls Teilzeit in deinem Team bislang automatisch gegen Führungsverantwortung spricht.
  • Nutze den 26. August als Anlass für ein Teamgespräch. Manchmal reicht ein offener Austausch, um eingefahrene Muster zu überdenken.

Was können Arbeitgeber für mehr Gleichstellung in der Pflege tun?

Gleichstellung ist nicht allein Aufgabe der Beschäftigten. Auch Arbeitgeber können Strukturen schaffen, die Pflegekräften unabhängig von Geschlecht, Arbeitszeitmodell oder familiärer Situation vergleichbare berufliche Chancen ermöglichen.

Ein wichtiger Ansatz sind transparente Gehaltsstrukturen und klare Kriterien für Beförderungen. Beschäftigte sollten nachvollziehen können, welche Voraussetzungen für eine Leitungsposition gelten und welche Entwicklungsmöglichkeiten ihnen offenstehen. Auch Führung in Teilzeit oder Job-Sharing kann dazu beitragen, dass eine reduzierte Arbeitszeit nicht automatisch zum Karrierehindernis wird.

Ähnliches gilt für Fort- und Weiterbildungen: Flexible oder modulare Angebote erleichtern die Teilnahme für Beschäftigte mit Betreuungspflichten. Verlässliche Dienstpläne, Mentoring-Angebote und familienfreundliche Arbeitsmodelle können zusätzlich dabei helfen, Beruf, Karriere und Sorgearbeit besser miteinander zu vereinbaren. Entscheidend ist, Gleichstellung nicht nur als individuelles Anliegen zu betrachten, sondern bei Arbeitsorganisation und Personalentwicklung mitzudenken.

Fazit

Der Frauen-Gleichstellungstag am 26. August erinnert an einen historischen Meilenstein und ist ein guter Anlass, den eigenen Berufsalltag genauer zu betrachten. In der Pflege ist das besonders spannend: Ein Beruf, der zu einem Großteil von Frauen getragen wird, in dem aber Führung und Bezahlung noch immer ungleich verteilt sind.

Die gute Nachricht: Viele der Muster, die diese Ungleichheit aufrechterhalten, sind keine festen Regeln, sondern eingefahrene Gewohnheiten. Und die lassen sich verändern, etwa mit offenen Gesprächen, transparenten Kriterien und dem Mut, unbequeme Fragen zu stellen. Du musst dafür keine Führungsposition haben. Oft reicht es, im eigenen Team genauer hinzuschauen und die eine oder andere Sache laut auszusprechen.

Häufige Fragen zum Frauen-Gleichstellungstag

Was ist der Women's Equality Day?

Der Tag erinnert an den 26. August 1920, als in den USA das Frauenwahlrecht in Kraft trat. In Deutschland ist er kein offizieller Feiertag, wird aber zunehmend genutzt, um auf Gleichstellungsthemen aufmerksam zu machen.

Ist der Frauen-Gleichstellungstag dasselbe wie der Internationale Frauentag?

Nein, der Internationale Frauentag findet am 8. März statt und hat einen anderen historischen Ursprung. Der Frauen-Gleichstellungstag bezieht sich konkret auf das US-amerikanische Wahlrecht von 1920.

Warum betrifft das Thema Gleichstellung besonders die Pflege?

Das liegt daran, dass die Pflege einer der am stärksten weiblich geprägten Berufe überhaupt ist, gleichzeitig aber Führungspositionen und Gehälter zwischen den Geschlechtern ungleich verteilt sind. Das macht die Branche zu einem besonders anschaulichen Beispiel dafür, wo Gleichstellung in der Praxis noch hakt.

Bedeutet Gleichstellung nur gleichen Lohn für Männer und Frauen?

Eine gleichwertige Bezahlung ist nur ein Teil von Gleichstellung. Sie schließt aber genauso den gleichberechtigten Zugang zu Führungspositionen, Fortbildungen und Aufstiegschancen ein und die faire Verteilung von Sorgearbeit, sowohl im Job als auch zu Hause. Gleicher Lohn ist ein wichtiger, aber eben nur einer von mehreren Bausteinen.

Was kann ich als einzelne Pflegekraft bei der Gleichstellung bewirken?

Offene Fragen im Team, das Ansprechen von Mustern bei Fortbildungen oder Schichtplänen, das Ermutigen von Kolleginnen: Solche kleinen Schritte setzen oft mehr in Bewegung als große Programme von oben.

Quellen

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Nordwest. „Positionspapier Frauen-Macht-Pflege." dbfk.de; Abgerufen am 22.08.2026 von https://www.dbfk.de/media/docs/regionalverbaende/rvnw/positionen/positionspapiere/laenderuebergreifend/nw_2020-03-08_dbfk-nordwest_positionspapier_frauen-macht-pflege.pdf

Sozialverband VdK Deutschland. „Pflege ist Frauensache: Studie bestätigt Ungleichheit bei der Pflegearbeit." vdk.de; Abgerufen am 22.08.2026 von https://www.vdk.de/aktuelles/aktuelle-meldungen/artikel/pflege-ist-frauensache-studie-bestaetigt-ungleichheit-bei-der-pflegearbeit/

Bundespflegekammer. „Viel Dienst, wenig Verdienst." bundespflegekammer.de; Abgerufen am 22.08.2026 von https://bundespflegekammer.de/news/viel-dienst-weniger-verdienst.html

Wir sind der Wandel. „Gender Pay Gap in der Pflege." wirsindderwandel.de; Abgerufen am 22.08.2026 von https://wirsindderwandel.de/arbeit/gender-pay-gap-in-der-pflege/

Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln). „Frauen in Führungspositionen – Empirische Befunde auf Basis des IW-Personalpanels." iwkoeln.de; Abgerufen am 22.08.2026 von https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Report/PDF/2018/IW-Report_2018_14_Frauen_in_Fuehrungspositionen.pdf

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