Multiresistente Erreger/Keime (VRE, ESBL, MRSA, MRGN)
Veröffentlicht am 12.10.2025

Eine Infektion mit multiresistenten Keimen ist schwerer zu therapieren - das ist auch eine Belastung für das Gesundheitssystem. Quelle: Canva.de
Multiresistente Erreger gehören zu den größten Herausforderungen für moderne Gesundheitssysteme weltweit. Durch den unsachgemäßen oder übermäßigen Einsatz von Antibiotika haben sich in den letzten Jahrzehnten Bakterienstämme entwickelt, die gegen mehrere wichtige Antibiotikaklassen resistent sind. Diese Resistenzen erschweren nicht nur die Behandlung von Infektionen erheblich, sondern führen auch zu längeren Krankenhausaufenthalten, erhöhten Behandlungskosten und einer steigenden Sterblichkeitsrate.
Was sind multiresistente Keime?
Multiresistente Keime, auch als multiresistente Erreger (MRE) bezeichnet, sind Bakterien, die gegen mehrere Antibiotika unempfindlich geworden sind. Das bedeutet, dass viele der gängigen Medikamente, die normalerweise zur Behandlung bakterieller Infektionen eingesetzt werden, bei diesen Keimen keine Wirkung mehr zeigen.
Für Pflegekräfte ist das Thema besonders relevant, weil sie täglich mit Menschen arbeiten, die aufgrund von Krankheit, Alter oder einem geschwächten Immunsystem besonders anfällig für Infektionen sind. Multiresistente Keime können dabei harmlose Besiedler der Haut oder Schleimhäute sein, aber auch schwere Infektionen wie Lungenentzündungen, Harnwegsinfekte oder Wundinfektionen verursachen.
Zu den bekanntesten multiresistenten Erregern zählen:
- MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus)
- VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken)
- ESBL (Bakterien, die Extended-Spectrum-Beta-Lactamasen bilden)
- MRGN (Multiresistente gramnegative Stäbchen)
Im pflegerischen Alltag ist der Umgang mit MRE mit besonderen Hygienemaßnahmen verbunden. Dazu zählen etwa Schutzkleidung, konsequente Händehygiene und ggf. Isolierung betroffener Patient:innen. Das Ziel ist es, eine Weiterverbreitung in der Einrichtung zu verhindern und gleichzeitig die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten.

Anna Liebig
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Für Pflegefachkräfte ist es daher wichtig, die Grundlagen zu multiresistenten Keimen zu verstehen, um Infektionsketten zu durchbrechen, die Patientensicherheit zu gewährleisten und ihre eigene Gesundheit zu schützen.
| Erreger | Resistenz gegen | Vorkommen | Übertragungsweg |
|---|---|---|---|
| MRSA | β-Laktam-Antibiotika (z. B. Penicilline, Cephalosporine) | Haut, Nasenvorhof, Wunden | Kontakt (v. a. über Hände, Flächen) |
| VRE | Vancomycin (Reserveantibiotikum) | Darmflora, Stuhl | Kontakt (v. a. indirekt über Hände, Flächen) |
| ESBL | Penicilline und Cephalosporine | Darmflora | Kontakt, Schmierinfektion |
| MRGN | Je nach Klassifikation gegen 3 oder 4 Antibiotikagruppen resistent | Darm, Atemwege, Wunden | Kontakt, oft auch über kontaminierte Geräte |
WICHTIG: 3MRGN: resistent gegen 3 von 4 Antibiotikaklassen → häufig noch behandelbar; 4MRGN: resistent gegen alle 4 wichtigen Klassen → kaum noch behandelbar, hohe Hygienestufe
Wie entstehen multiresistente Keime?
Multiresistente Keime entstehen, wenn Bakterien Mechanismen entwickeln, um sich gegen Antibiotika zu schützen. Das passiert vor allem dann, wenn Antibiotika häufig, falsch oder zu kurz angewendet werden.
Jedes Mal, wenn ein Antibiotikum eingenommen wird, entsteht ein Selektionsdruck: Die empfindlichen Bakterien sterben ab, während widerstandsfähigere überleben und sich weitervermehren können. Mit der Zeit können sich so Bakterienstämme entwickeln, die gegen mehrere Antibiotikagruppen resistent sind.
Auch der Austausch von Resistenzgenen zwischen Bakterien (z. B. über Plasmide) spielt eine wichtige Rolle. Das bedeutet: Selbst eigentlich harmlose Bakterien können durch den Kontakt mit resistenten Keimen ebenfalls Resistenzen erwerben.
Relevanz für die Pflegepraxis:
Im pflegerischen Alltag bedeutet das:
- Ein sorgsamer Umgang mit Antibiotika ist entscheidend – etwa keine eigenständige Einnahme ohne ärztliche Anordnung.
- Pflegekräfte tragen eine zentrale Rolle bei der Infektionsprävention, beispielsweise durch Händehygiene, Desinfektion, Schutzkleidung und Aufklärung von Patient:innen.
- Die richtige Anwendung von Antibiotic Stewardship-Programmen in Einrichtungen unterstützt die Vermeidung unnötiger Antibiotikagaben.
- Besonders in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ist es wichtig, Frühwarnzeichen von Infektionen zu erkennen, da Patient:innen hier oft ein höheres Risiko tragen.
Warum spielt Selektionsdruck eine Rolle bei der Entstehung multiresistenter Bakterien?
Wenn ein Patient ein Antibiotikum bekommt, soll dieses die krankmachenden Bakterien abtöten oder ihr Wachstum hemmen. In einer Bakterienpopulation sind aber manchmal einzelne Bakterien durch zufällige genetische Veränderungen weniger empfindlich oder sogar resistent gegen das Antibiotikum.
Das Antibiotikum wirkt dann wie ein „Filter“:
- Empfindliche Bakterien sterben ab.
- Resistente Bakterien überleben – sie werden ausgewählt (→ „Selektion“).
- Diese resistenten Bakterien vermehren sich weiter, oft sogar schneller, weil die Konkurrenz durch andere Bakterien fehlt.
Je häufiger und unkontrollierter Antibiotika eingesetzt werden, desto stärker wird dieser Selektionsdruck und desto mehr multiresistente Keime entstehen und verbreiten sich.
Warum sind multiresistente Keime gefährlich?
Multiresistente Keime sind deshalb besonders gefährlich, weil sie gegen mehrere oder sogar alle gängigen Antibiotika unempfindlich sind. Das bedeutet, dass viele Infektionen, die normalerweise gut behandelbar wären, nur noch schwer oder gar nicht mehr mit Medikamenten bekämpft werden können. In manchen Fällen bleiben nur sogenannte Reserveantibiotika, die stärker wirken, aber oft mehr Nebenwirkungen haben und teurer sind. Wenn eine Infektion mit multiresistenten Erregern nicht schnell und gezielt behandelt wird, kann sie sich im Körper ausbreiten und im schlimmsten Fall zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung (Sepsis) führen.
Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem, ältere Patient:innen sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen oder offenen Wunden. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen können sich multiresistente Keime zudem leicht verbreiten – etwa über die Hände, Pflegeutensilien, Flächen oder medizinische Geräte. Für Pflegekräfte ist es deshalb besonders wichtig, Hygienemaßnahmen konsequent umzusetzen. Auch die frühzeitige Erkennung von Infektionszeichen sowie die enge Zusammenarbeit mit Mediziner:innen sind zentrale Aufgaben der Pflege.
Multiresistente Keime stellen also nicht nur eine Gefahr für die individuelle Gesundheit dar, sondern auch eine große Herausforderung für das gesamte Gesundheitssystem. Umso wichtiger sind der verantwortungsvolle Umgang mit Antibiotika sowie eine konsequente Infektionsprävention im pflegerischen Alltag.
Wie können wir uns vor multiresistenten Keimen schützen?
Der Schutz vor multiresistenten Keimen erfordert ein Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen, die im Pflegealltag besonders wichtig sind. Neben der bekannten Händehygiene und dem Tragen von Schutzkleidung spielt die Umgebungshygiene eine zentrale Rolle. Dazu gehört die regelmäßige und gründliche Reinigung und Desinfektion von Oberflächen, Geräten und Pflegeutensilien, um eine unbemerkte Verbreitung von Erregern zu verhindern.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die gezielte Risikoeinschätzung. Pflegekräfte sollten bei Aufnahme und während des Aufenthalts von Patient:innen auf mögliche MRE-Besiedlungen oder Infektionen achten und entsprechende Screening- und Isolationsmaßnahmen einleiten. Dies hilft, Infektionsketten frühzeitig zu durchbrechen.
Darüber hinaus sind die Schulung und Sensibilisierung von Patient:innen, Angehörigen und Mitarbeiter:innen entscheidend. Ein gemeinsames Verständnis für die Bedeutung von Hygieneregeln, den richtigen Umgang mit Antibiotika und die Vermeidung unnötiger invasiver Maßnahmen stärkt den Schutz vor der Ausbreitung resistenter Keime.
Nicht zuletzt trägt auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Pflege, Medizin und Hygieneexperten maßgeblich dazu bei, die Verbreitung multiresistenter Erreger wirksam einzudämmen. Nur durch klare Kommunikationswege und abgestimmte Maßnahmen kann die Patientensicherheit langfristig gewährleistet werden.
Behandlung von Infektionen mit multiresistenten Keimen
Die Auswahl geeigneter Medikamente hängt vom genauen Resistenzprofil des Erregers ab und erfordert häufig den Einsatz von Reserveantibiotika oder speziellen Kombinationstherapien.
Im Folgenden sind die wichtigsten Therapieansätze und pflegerischen Besonderheiten für die häufigsten multiresistenten Keime übersichtlich dargestellt.
| Erreger | Behandlungsmöglichkeiten | Besondere Herausforderungen | Pflegeaspekte |
|---|---|---|---|
| MRSA | Einsatz von alternativen Antibiotika wie Vancomycin, Linezolid oder Daptomycin; in manchen Fällen auch lokale Dekolonisation (z. B. Nasensalbe) | Resistenz gegen viele Standardantibiotika; Gefahr der erneuten Besiedlung | Isolationsmaßnahmen, konsequente Händehygiene, Überwachung der Dekolonisation |
| VRE | Einsatz von Linezolid, Daptomycin oder Tigecyclin; oft nur eingeschränkte Optionen | Sehr hohe Resistenz, besonders gegen Vancomycin als Reserveantibiotikum | Strikte Hygienemaßnahmen, Isolation, Vermeidung von unnötigen invasiven Maßnahmen |
| ESBL | Carbapeneme (Reserveantibiotika) sind häufig wirksam; in manchen Fällen alternative Substanzen je nach Resistenzprofil | Gefahr der Resistenzentwicklung gegen Reserveantibiotika; begrenzte Therapieoptionen | Überwachung der Antibiotikatherapie, Prävention der Übertragung |
| MRGN | Abhängig vom Resistenzprofil: Einsatz von Carbapenemen, Colistin oder neuen Antibiotika (z. B. Ceftazidim/Avibactam) | Hohe Multiresistenz, oft gegen viele Antibiotikagruppen; Behandlung sehr kompliziert | Intensive Infektionskontrolle, enge interdisziplinäre Zusammenarbeit, Patientenisolierung |
Fazit:
Multiresistente Erreger wie VRE, ESBL, MRSA und MRGN stellen ein wachsendes Gesundheitsproblem dar, da sie gegen viele gängige Antibiotika unempfindlich sind und dadurch die Behandlung von Infektionen deutlich erschweren. Besonders in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen können sie schwere Krankheitsverläufe verursachen und sich bei unzureichender Hygiene rasch verbreiten. Die Hauptursachen für die Entstehung solcher resistenten Keime sind der übermäßige und unsachgemäße Einsatz von Antibiotika sowie ungenügende Hygienemaßnahmen. Eine konsequente Umsetzung von Hygieneregeln, ein bewusster Antibiotikaeinsatz und die Schulung des medizinischen Personals sind daher zentrale Maßnahmen, um die Ausbreitung einzudämmen. Multiresistente Keime zeigen deutlich, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit medizinischen Ressourcen und eine enge Zusammenarbeit im Gesundheitswesen sind.
Häufige Fragen zu den multiresistenten Erregern
Kann man multiresistente Keime bekämpfen?
Ja, multiresistente Keime können bekämpft werden, allerdings ist das deutlich schwieriger als bei normalen Bakterien. Wichtig sind strenge Hygienemaßnahmen, gezielte Antibiotikatherapien und die Entwicklung neuer Medikamente.
Sind multiresistente Keime meldepflichtig?
Ja, bestimmte multiresistente Keime sind in Deutschland meldepflichtig, z. B. MRSA bei bestimmten Nachweisen oder Erkrankungen. Die Meldepflicht dient dem Infektionsschutz und der Eindämmung der Ausbreitung.
Wie bilden sich multiresistente Keime?
Multiresistente Keime entstehen, wenn Bakterien durch Mutationen oder den Austausch von Erbgut resistent gegen mehrere Antibiotika werden. Häufig wird dies durch den übermäßigen oder unsachgemäßen Einsatz von Antibiotika begünstigt.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellen
- AMBOSS SE, Kapitel: Nosokomiale Infektionen, Kapitel zuletzt aktualisiert am 25.10.2024, Stand: 19.09.2025; https://next.amboss.com/de/article/_f05K2?q=MRE#DpX17_
- Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz Nordrhein-Westfalen, Was sind multiresistente Erreger (MRE)?; abgerufen am 19.09.2025 von https://www.lzg.nrw.de/inf_schutz/mre-nrw/mre/index.html
- Bundesärztekammer, Patienteninformation, Multiresistente Erreger; abgerufen am 19.09.2025 von https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/_old-files/downloads/pdf-Ordner/Patienteninformationen/mre.pdf
- Robert Koch Institut, Antibiotikaresistente und weitere Erreger mit besonderer krankenhaushygienischer Relevanz, KRINKO-Empfehlungen; abgerufen am 19.09.2025 von https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Krankenhaushygiene/KRINKO/Empfehlungen-der-KRINKO/Antibiotikaresistente-und-weitere-Erreger/antibiotikaresistente-und-weitere-erreger-mit-besonderer-krankenhaushygienischer-relevanz-node.html
- Zentrum für Beatmung und Intensivmedizin, Multiresistente Keime; abgerufen am 19.09.2025 von https://zbi-gruppe.com/glossar/begriff/multiresistenter-keim











