Pflegekräfte unterschätzen ihre Gehaltsaussichten im Schnitt um 600 Euro

Veröffentlicht am 12.10.2025

Zwei Pflegekräfte halten einen leeren Geldbeutel in den Händen.

Pflegekräfte schätzen ihre Gehaltsaussichten um 14 Prozent schlechter ein. Quelle: Pflegia

Anna Liebig

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Pflegekräfte in Deutschland unterschätzen ihre Gehaltsaussichten deutlich. Eine aktuelle Pflegia-Analyse von über 101.000 Kandidat:innen zeigt: Die mediane Gehaltserwartung liegt bei 3.700 Euro brutto (bei 38 Wochenstunden), während Arbeitgeber im selben Zeitraum einen Median von 4.300 Euro brutto anbieten – eine Lücke von 600 Euro oder 14 Prozent.

„Diese Gehaltslücke ist ein ernstes Problem für die Pflege", erklärt Pflegia-Gründer Felix Westphal und sagt: „Wenn Pflegekräfte ihre Marktchancen unterschätzen, führt das zu schlechteren Verhandlungsergebnissen und verstärkt den Eindruck unterdurchschnittlicher Bezahlung. Dabei zeigen unsere Marktdaten: Die Gehälter sind besser als viele denken."

Grafik zur Gehaltseinschätzung von Pflegekräften
Pflegekräfte schätzen ihr Mediangehalt um 600 Euro geringer ein.

Keine Geschlechterunterschiede bei Gehaltserwartungen

Die Analyse zeigt überraschenderweise keine Geschlechterunterschiede: Sowohl männliche als auch weibliche Pflegekräfte erwarten im Median 3.800 Euro. Besonders zurückhaltend sind jedoch junge Pflegekräfte. Unter 25-Jährige erwarten lediglich 3.500 Euro brutto median, während 25- bis 44-Jährige bei 3.800 Euro brutto liegen.

Auffällig: Selbst die über 55-Jährigen erwarten mit 3.900 Euro brutto deutlich weniger als der Marktstandard von 4.300 Euro brutto. „Das ist bemerkenswert“, so Westphal. „Man würde erwarten, dass erfahrene Pflegekräfte durch ihre Karriereentwicklung näher am Marktdurchschnitt liegen. Doch selbst diese Gruppe unterschätzt ihre Marktposition um 400 Euro."

Die Berufserfahrung macht den Unterschied

Die Gehaltserwartungen steigen mit der Berufserfahrung: Pflegekräfte ohne Berufserfahrung erwarten 3.600 Euro brutto, Einsteiger:innen mit 1-2 Jahren 3.500 Euro brutto. Mit mittlerer Erfahrung (3-10 Jahre) erreichen die Erwartungen 3.600 Euro brutto. Erfahrene Pflegekräfte mit über 10 Jahren Berufspraxis sind mit 4.000 Euro brutto am realistischsten und kommen dem Marktstandard am nächsten.

„Interessant ist der Rückgang bei Einsteigern auf 3.500 Euro. Das zeigt: Nach den ersten Berufserfahrungen werden viele Pflegekräfte vorsichtiger mit ihren Erwartungen, möglicherweise durch negative Erfahrungen bei Gehaltsverhandlungen", so Westphal.

Stationsleitungen mit präzisester Selbsteinschätzung

Am realistischsten schätzen Stationsleitungen ihre Marktposition ein: Sie erwarten 4.550 Euro bei einem tatsächlichen Marktmedian von 4.515 Euro brutto –  eine nahezu perfekte Einschätzung. Auch Pflegehilfskräfte liegen mit 3.200 Euro brutto relativ nah am Marktmedian von 3.425 Euro brutto.

Die größte Lücke zeigt sich bei Pflegefachkräften: Sie erwarten 3.900 Euro brutto, während Arbeitgeber im Median 4.300 Euro brutto bieten – eine Differenz von 400 Euro. Einrichtungsleitungen unterschätzen sich ebenfalls: Bei einer Erwartung von 5.100 Euro brutto liegt der Marktmedian bei 5.525 Euro brutto.

Selbstbewusstsein stärken, Marktkenntnis verbessern

„Die 600-Euro-Lücke zeigt: Viele Pflegekräfte müssen selbstbewusster in Gehaltsverhandlungen gehen“, empfiehlt Westphal und erklärt: „Gleichzeitig sollten Arbeitgeber transparenter über ihre Gehälter kommunizieren. Wenn qualifizierte Kräfte ihre Chancen unterschätzen, schadet das beiden Seiten." 

Die Analyse legt nahe, dass bessere Marktinformationen und Gehaltstransparenz helfen könnten, die Erwartungslücke zu schließen und Pflegekräften zu angemessenen Gehältern zu verhelfen.

Über die Datenanalyse

Für diese Analyse wurden anonymisierte Daten von 101.482 aktiven Pflegekräften ausgewertet, die sich zwischen dem 20. September 2024 und dem 20. September 2025 auf der Plattform Pflegia eingeloggt oder registriert haben. Die Stichprobe umfasst zwölf Berufsgruppen von der Pflegehilfskraft bis zur Pflegedirektion. Die Berufserfahrung ist unterteilt in: keine Erfahrung (0 Jahre), Einsteiger (1–2 Jahre), mittlere Erfahrung (3–10 Jahre) und erfahrene Kräfte (über 10 Jahre). Alle Gehaltsangaben beziehen sich auf eine Vollzeitstelle mit 38 Wochenstunden. Aktuelle Marktgehälter stammen aus einer separaten Datenanalyse von 12.458 Stellenanzeigen aus Deutschland, die im Zeitraum August 2024 bis August 2025 auf Pflegia ausgewertet wurden und ebenfalls eine 38-Stunden-Woche als Basis haben.

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