Pflegia-Analyse: Das Wechsel-Paradox – mehr zufriedene als unzufriedene Pflegekräfte wechseln den Job
Veröffentlicht am 07.10.2025
32 Prozent der jobsuchenden Pflegekräfte geben an, zufrieden bis sehr zufrieden mit ihrem aktuellen Arbeitgeber zu sein. Quelle: Canva.de
Anna Liebig
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Der deutsche Pflegemarkt zeigt ein überraschendes Phänomen: Mehr zufriedene als unzufriedene Pflegekräfte suchen aktiv nach neuen Jobs. Das zeigt eine aktuelle Pflegia-Analyse von über 101.000 jobsuchenden Pflegekräften. 32 Prozent der Jobsuchenden geben an, zufrieden bis sehr zufrieden mit ihrem aktuellen Arbeitgeber zu sein, während nur 29 Prozent unzufrieden sind. 39 Prozent stehen neutral zu ihrem derzeitigen Arbeitsplatz.
„Das zeigt einen grundlegenden Wandel im Pflegemarkt", erklärt Pflegia-Geschäftsführer Felix Westphal und sagt: „Pflegekräfte suchen nicht mehr nur aufgrund von Unzufriedenheit neue Stellen, sondern orientieren sich aktiv nach besseren Möglichkeiten. Das ist ein Zeichen für einen professionelleren Arbeitsmarkt."
Berufserfahrung als Belastungsfaktor
Die Analyse bestätigt einen besorgniserregenden Trend: Je länger Pflegekräfte in ihrem Beruf arbeiten, desto unzufriedener werden sie. Die Entwicklung zeigt ein klares Muster:
Einsteiger (1-2 Jahre): 28,9 % unzufrieden gegenüber 33,4 % zufrieden
Erfahrene (10+ Jahre): 39,6 % unzufrieden gegenüber 30,6 % zufrieden
„Erst nach zehn Jahren kippt das Verhältnis deutlich zur Unzufriedenheit. Die ersten zehn Berufsjahre sind Pflegekräfte mehrheitlich zufrieden. Danach scheint sich die Belastung durch jahrelange Herausforderungen zu akkumulieren”, so Westphal. „
Erfahrende Pflegekräfte sind am unzufriedensten.
Führungspositionen machen zufriedener
Ein deutlicher Zusammenhang zeigt sich zwischen Hierarchieebene und Zufriedenheit. Führungskräfte sind durchweg zufriedener als operative Pflegekräfte: Einrichtungsleitungen führen mit 36,4 Prozent Zufriedenheit, gefolgt von Stationsleitungen mit 34,6 Prozent.
Eine Ausnahme bilden Wohnbereichsleitungen: Mit 30,2 Prozent Unzufriedenheit sind sie die unzufriedenste Gruppe überhaupt – noch vor Pflegehilfskräften (29,7 %) und Altenpflegefachkräften (28,6 %).
„Wohnbereichsleitungen tragen Führungsverantwortung, haben aber oft nicht die entsprechenden Entscheidungsbefugnisse", analysiert Westphal und schlussfolgert: „Diese Position zwischen operativer Pflege und Einrichtungsleitung scheint besonders belastend zu sein."
Geschlecht und Alter spielen untergeordnete Rolle
Die Analyse zeigt, dass demografische Faktoren weniger relevant sind als oft angenommen. Zwischen Männern (27 % unzufrieden) und Frauen (28,7 % unzufrieden) bestehen kaum Unterschiede. Auch die Altersunterschiede sind gering: Die 25- bis 34-Jährigen sind mit 25,5 Prozent Unzufriedenheit am zufriedensten, die unter 25-Jährigen mit 29,3 Prozent am unzufriedensten.
„Die Zahlen zeigen, dass die Herausforderungen in der Pflege struktureller Natur sind. Weder Geschlecht noch Generationszugehörigkeit sind die entscheidenden Faktoren für Zufriedenheit", so Westphal.
Chance für innovative Arbeitgeber
Das Wechsel-Paradox eröffnet neue Perspektiven für Pflegeeinrichtungen: Da die Mehrheit der jobsuchenden Pflegekräfte nicht unzufrieden ist, können Arbeitgeber mit attraktiven Angeboten auch zufriedene Fachkräfte für sich gewinnen.
„Arbeitgeber sollten das als Chance begreifen. Es geht nicht mehr nur darum, unzufriedene Mitarbeiter:innen zu retten, sondern aktiv um die besten Talente zu werben – auch wenn diese derzeit zufrieden sind", betont Westphal.
Über die Datenanalyse
Für diese Analyse wurden anonymisierte Daten von 101.482 aktiven Pflegekräfte-Kandidaten ausgewertet, die sich zwischen dem 20. September 2024 und dem 20. September 2025 auf der Plattform Pflegia eingeloggt oder registriert haben. Die Stichprobe umfasst elf Berufsgruppen: Altenpflegefachkraft, Einrichtungsleitung, Hebamme, Hygienefachkraft, Kinderkrankenpfleger:in, Pflegedienstleitung, Pflegedirektion, Pflegefachkraft, Pflegehilfskraft, Stationsleitung und Wohnbereichsleitung. Die Berufserfahrung ist unterteilt in: keine Erfahrung (0 Jahre), Einsteiger (1-2 Jahre), mittlere Erfahrung (3-10 Jahre) und erfahrene Kräfte (über 10 Jahre).