Schilddrüsenüberfunktion: Ursachen, Symptome und Therapie
Veröffentlicht am 11.07.2025

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion kommt es zu einer Überproduktion der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Quelle: Canva.de

Anna Liebig
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Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ an der Vorderseite des Halses. Sie spielt eine entscheidende Rolle für unseren Stoffwechsel und das allgemeine Wohlbefinden. Gerät sie aus dem Gleichgewicht, kann das weitreichende Folgen haben. Eine der häufigsten Funktionsstörungen ist die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Bei dieser Erkrankung produziert die Schilddrüse übermäßig viele Hormone, was den gesamten Organismus aus dem Takt bringen kann. Symptome wie Nervosität, Gewichtsverlust, Herzrasen oder Schlafstörungen werden oft nicht sofort mit der Schilddrüse in Verbindung gebracht und bleiben dadurch lange unerkannt.
Was genau ist eine Schilddrüsenüberfunktion? Wie entsteht sie und warum ist die Behandlung so wichtig?
Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion?
Die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) ist eine Überfunktion der Schilddrüse. Dabei kommt es zu einer Überproduktion der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Durch die vermehrte Produktion der beiden Hormone wird der Stoffwechsel beschleunigt und kann dadurch zu einer Reihe von Beschwerden führen.

Schilddrüsenüberfunktion - Ursachen
| Ursachen | |
|---|---|
| Morbus Basedow | |
| Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis) | |
| Hashimoto-Thyreoiditis | |
| Hormonproduzierende Knoten (autonome Adenome) | |
| Medikamente |
Morbus Basedow
Die häufigste Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion – insbesondere bei jüngeren Menschen – ist Morbus Basedow. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper Antikörper bildet, die dem körpereigenen Steuerhormon TSH ähneln. Diese sogenannten TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) regen die Schilddrüse dauerhaft zur Produktion der Hormone T3 und T4 an. In der Folge steigt der Hormonspiegel im Blut, was zu einer Überfunktion der Schilddrüse führt. Morbus Basedow ist häufig erblich bedingt, kann jedoch auch durch Virusinfektionen oder andere Auslöser begünstigt werden.
Typisch für die Erkrankung ist die sogenannte Merseburger Trias, die sich aus drei klassischen Symptomen zusammensetzt:
- Struma (vergrößerte Schilddrüse)
- Exophthalmus (Hervortreten der Augäpfel)
- Tachykardie (beschleunigter Herzschlag)
Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis)
Eine akute Entzündung der Schilddrüse kann vorübergehend zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen. In den meisten Fällen klingt diese Überfunktion jedoch von selbst wieder ab.
Hashimoto-Thyreoiditis
Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Schilddrüse angreift. Zu Beginn der Erkrankung kann es manchmal zu einer kurzfristigen Überfunktion kommen, die später häufig in eine dauerhafte Unterfunktion übergeht.
Hormonproduzierende Knoten (autonome Adenome)
Vor allem bei älteren Menschen können gutartige Knoten in der Schilddrüse entstehen, die eigenständig Schilddrüsenhormone produzieren und so eine Überfunktion auslösen. Diese Knoten verursachen meist keine Beschwerden, können aber durch die zusätzliche Hormonproduktion den Hormonspiegel erhöhen.
Medikamente
Bestimmte Medikamente, wie z. B. Amiodaron, können eine Überdosierung von Schilddrüsenhormonen verursachen und somit eine Überfunktion auslösen. Auch jodhaltige Kontrastmittel, die bei Untersuchungen verwendet werden, können eine Schilddrüsenüberfunktion hervorrufen.
Schilddrüsenüberfunktion - Typische Symptome
- Herzklopfen, Herzrasen
- Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schwäche
- Nervosität und Gereiztheit
- Schlafstörungen
- Gewichtsverlust trotz großen Appetits
- Wärmeunverträglichkeit mit erhöhter Schweißneigung
- Erhöhte Stuhlfrequenz, häufiger Harndrang
- Störungen im Menstruationszyklus
- Erektile Dysfunktion bei Männern
- Schmerzen oder Druckgefühl hinter dem Augapfel, Hervortreten der Augen (Exophthalmus) – nur beim Morbus Basedow
- Beschleunigter Puls und Bluthochdruck
- Zittern
- Struma (Vergrößerung der Schilddrüse)
Schilddrüsenüberfunktion - Behandlung
Die Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion zielt darauf ab, die übermäßige Hormonproduktion zu bremsen und den Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Zunächst werden in der Regel Medikamente (sogenannte Thyreostatika) eingesetzt, die die Schilddrüse daran hindern, zu viele Hormone zu bilden. Betablocker können zusätzlich helfen, unangenehme Beschwerden wie Herzrasen oder Zittern zu lindern.
Wenn die Überfunktion dauerhaft bestehen bleibt oder immer wiederkehrt, kommen langfristige Therapien infrage: entweder eine Radiojodtherapie, bei der das überaktive Schilddrüsengewebe gezielt zerstört wird, oder eine Operation, bei der ein Teil oder die ganze Schilddrüse entfernt wird. Danach kann es notwendig sein, lebenslang Schilddrüsenhormone in Tablettenform einzunehmen, um den Hormonhaushalt stabil zu halten.
Die Wahl der Behandlung hängt von der Ursache, dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab.
Welche Komplikationen können auftreten?
Unbehandelt oder unzureichend therapiert, kann eine Hyperthyreose zu ernsthaften Komplikationen führen. Dazu zählen:
- Thyreotoxische Krise: Durch die Gabe von jodhaltigen Medikamenten und Kontrastmitteln kann es zu einer thyreotoxischen Krise kommen. Dies ist eine akute und lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung der Schilddrüsenüberfunktion. Dabei kommt es zu einer maximalen Ausprägung der Symptome einer Überfunktion:
- Tachykardie mit Herzfrequenz über 150/min und Herzrhythmusstörungen
- Fieber bis 41 °C
- Exsikkose durch Fieber, Schwitzen, Erbrechen und Durchfälle
- Ausgeprägte Muskelschwäche
- Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma
- Kreislaufversagen
- Kardiovaskuläre Komplikationen:
- Tachykardie (Herzrasen), Extrasystolen
- Vorhofflimmern → erhöhtes Risiko für Thromboembolien (z. B. Schlaganfall)
- Herzinsuffizienz (insbesondere bei älteren Menschen)
- Osteoporose: Eine langfristige Erhöhung der Schilddrüsenhormone beschleunigt den Knochenabbau und dadurch entsteht ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche.
- Muskelschwäche (Thyreotoxische Myopathie): Es kann zum Abbau der Skelettmuskulatur – besonders in den Oberschenkeln - kommen und damit zum dauerhaften Kraftverlust.
- Psychische und neuropsychiatrische Störungen:
- Angststörungen, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit
- Depressive Episoden oder maniforme Zustände
- In schweren Fällen: Verwirrtheit, Delir
- Augenbeteiligung (bei Morbus Basedow):
- Endokrine Orbitopathie: Exophthalmus, Doppelbilder, Druckgefühl hinter den Augen
- In schweren Fällen: Sehstörungen, Gefahr der Hornhautschädigung
- Menstruationsstörungen / Fertilitätsprobleme:
- Zyklusunregelmäßigkeiten, Amenorrhoe
- Verminderte Fruchtbarkeit
Fazit: Früh erkennen und gezielt behandeln
Die Schilddrüsenüberfunktion ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die zahlreiche körperliche und psychische Beschwerden verursachen kann. Eine frühzeitige Diagnose und gezielte Behandlung sind entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Neben der medikamentösen Therapie können auch Lebensstilfaktoren wie ausgewogene Ernährung, Stressreduktion und maßvolle Bewegung die Genesung unterstützen. Eine gute ärztliche Betreuung und das Verständnis für die eigene Erkrankung sind zentrale Bausteine für einen stabilen Krankheitsverlauf.
Die wichtigsten Fragen zur Schilddrüsenüberfunktion
Wie wird die Schilddrüsenüberfunktion diagnostiziert?
Die Diagnose einer Schilddrüsenüberfunktion beginnt meist mit einem Gespräch beim Arzt, in dem typische Beschwerden wie Herzrasen, Gewichtsverlust, Nervosität oder Schlafprobleme angesprochen werden. Danach folgt eine körperliche Untersuchung, bei der die Schilddrüse am Hals abgetastet wird – zum Beispiel, um eine Vergrößerung oder Knoten zu erkennen.
Wichtig für die Diagnose ist vor allem eine Blutuntersuchung:
Dabei werden die Werte der Schilddrüsenhormone (fT3 und fT4) sowie des Steuerungshormons TSH bestimmt. Bei einer Überfunktion sind die Hormonwerte meist zu hoch, der TSH-Wert dagegen zu niedrig.
Zusätzlich kann ein Ultraschall der Schilddrüse gemacht werden, um Größe, Form und mögliche Knoten zu beurteilen. In manchen Fällen wird auch eine Szintigrafie durchgeführt – dabei bekommt man eine kleine Menge radioaktives Jod, um zu sehen, wie aktiv das Schilddrüsengewebe arbeitet. Das hilft, die genaue Ursache der Überfunktion zu finden.
In bestimmten Fällen werden auch Antikörper im Blut bestimmt, zum Beispiel bei Verdacht auf Morbus Basedow, eine häufige autoimmune Ursache der Überfunktion.
Auf was muss man bei einer Schilddrüsenüberfunktion achten?
Wichtige Punkte bei einer Schilddrüsenüberfunktion:
- regelmäßige Kontrolle beim Arzt
- Medikamente korrekt einnehmen
- Jod vermeiden (kein jodiertes Salz oder Algenprodukte)
- Symptome beobachten & frühzeitig bei Verschlechterung handeln
- Stress reduzieren
- ausgewogene Ernährung
- Alkohol & Koffein vermeiden
Was verschlimmert eine Schilddrüsenüberfunktion?
- zu viel Jod – Vorsicht bei Kontrastmittel!
- Stress & psychische Belastung – kann Hormonungleichgewicht fördern
- bestimmte Medikamente
- Infekt oder körperlicher Stress (z. B. Operation oder Unfall)
- ungesunde Ernährung oder Mangelernährung
Wie wirkt sich eine Schilddrüsenüberfunktion auf die Psyche aus?
Eine Schilddrüsenüberfunktion kann starke psychische Symptome verursachen, da überschüssige Schilddrüsenhormone den Stoffwechsel und das Nervensystem überreizen. Typische Folgen sind:
- Innere Unruhe, Nervosität, Reizbarkeit
- Angstzustände oder Panikattacken
- Schlafstörungen und Erschöpfung
- Konzentrationsprobleme
- Stimmungsschwankungen bis hin zu depressiven Verstimmungen
Die Symptome ähneln oft psychischen Erkrankungen und werden deshalb häufig übersehen. Eine Schilddrüsenuntersuchung (TSH, fT3, fT4) ist bei solchen Beschwerden sinnvoll.
Ist Bewegung gut bei Schilddrüsenüberfunktion?
Ja, Bewegung ist bei Schilddrüsenüberfunktion hilfreich – in Maßen.
Vorteile:
- Beruhigt Nervosität und innere Unruhe
- Unterstützt Herz-Kreislauf
- Verbessert Schlaf und Stimmung
- Stabilisiert den Stoffwechsel
Wichtig:
- Nur moderate Bewegung (z. B. Spazieren, Yoga, leichtes Radfahren)
- Keine Überanstrengung, besonders bei Herzrasen oder Schwäche
- Auf den Körper hören – bei Beschwerden pausieren
- Erst ärztliche Behandlung der Überfunktion, dann Sport steigern
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellen:
- Lüscher TF, Landmesser U. Herz-Kreislauf. 3. Aufl. Berlin: Springer; 2024.
- Steffers G, Credner S. Allgemeine Krankheitslehre und Innere Medizin für Physiotherapeuten. 4. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2020.











