Tag der Workaholics – wenn Arbeit dein Leben bestimmt

Veröffentlicht am 05.07.2026

Ein Skelett liegt auf einem halbzugeklappten Laptop.

Der Tag der Workaholics greift das Thema Arbeitssucht auf. Bildquelle: Canva.com

Wie viel Arbeit ist zu viel? Für manche Menschen endet der Feierabend pünktlich, für andere beginnt dann erst der nächste Termin. Sie arbeiten am Wochenende, beantworten Mails im Urlaub oder fühlen sich unwohl, wenn sie einmal nichts zu tun haben. Der Tag der Workaholics schärft den Blick für etwas, was vielleicht auch dir nicht fremd ist: Arbeitssucht. Sie kann die Gesundheit belasten, Beziehungen beeinträchtigen und auf Dauer sogar die Leistungsfähigkeit senken. Lass uns zusammen herausfinden, wann Arbeitssucht anfängt und was Workaholics tun können.

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Warum gibt es überhaupt einen Tag der Workaholics?

Der 05. Juli gehört den Workaholics, zumindest symbolisch. Mit dem Aktionstag nimmt man Menschen in den Blick, die arbeiten, obwohl sie längst Feierabend haben. Und die ständig erreichbar sind, Urlaubstage kaum nutzen oder selbst krank noch den Laptop aufklappen.

Wer den Tag der Workaholics erfunden hat, weiß heute niemand mehr so genau. Der Name selbst ist eine Mischung aus "work" und "alcoholic" – Arbeit als Sucht, ähnlich wie Alkohol. Offiziell gilt Arbeitssucht übrigens nicht als eigene Krankheit, trotzdem kennt man die Muster: Erst wird der Job wichtiger als alles andere, dann bleibt für Familie, Freunde und Erholung immer weniger übrig.

Wie fühlt es sich an, ein Workaholic zu sein?

Nadine ist 34 und arbeitet auf der Intensivstation. Eigentlich hat sie heute frei, trotzdem schaut sie morgens als Erstes in den Dienstplan-Chat, weil gestern zwei Kolleginnen krankgemeldet waren. Nebenbei beantwortet sie noch eine Frage zur Medikamentenübergabe, obwohl sie damit eigentlich gar nichts mehr zu tun hat. Als am Mittag die Stationsleitung anruft und fragt, ob sie nicht doch für die Spätschicht einspringen könnte, sagt sie zu, wie eigentlich fast immer. „Nein“ sagen fällt ihr schwer, das war schon immer so. Das Ganze hat sich aber zugespitzt. Mittlerweile fühlt sich ein freier Tag für sie manchmal unruhiger an als ein Arbeitstag. Irgendwas fehlt ihr dann, so richtig beschreiben kann das Nadine nicht.

Anna Liebig

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Woran erkennst du Arbeitssucht bei dir selbst?

Bei Nadine hat es klein angefangen. Erst war es nur die Bereitschaft, mal auszuhelfen, wenn wirklich Not am Mann war. Mittlerweile ist daraus ein Muster geworden, das sie selbst gar nicht mehr richtig hinterfragt. Genau das macht Arbeitssucht so tückisch: Sie schleicht sich ein, Schritt für Schritt, und fühlt sich lange nach Pflichtbewusstsein an, ganz unbemerkt wird sie dann zum Problem.

Ein paar Anzeichen, an denen du Arbeitssucht erkennst:

  • Du denkst auch im Feierabend ständig an die Arbeit, selbst wenn gerade nichts ansteht.
  • Freie Tage machen dich unruhig, du weißt nichts mit dir anzufangen.
  • Du übernimmst Schichten oder Aufgaben, obwohl du eigentlich schon am Limit bist.
  • Kolleg:innen oder deine Familie sagen dir, dass du zu viel arbeitest und du wiegelst ab. Pausen fühlen sich falsch an, fast wie eine verschwendete Zeit.
Gut zu wissen!
Einzeln betrachtet ist nichts davon dramatisch. Zusammen ergeben die Dinge aber ein Bild, das du ernst nehmen solltest. Gerade in einem Beruf wie der Pflege, wo Personalmangel und Verantwortungsgefühl es dir leicht machen, ständig über die deine Grenzen hinaus zu gehen.

Was macht Arbeitssucht mit dir – körperlich und im Kopf?

Was bei Nadine von außen betrachtet wie Pflichtgefühl und großartiges Engagement aussieht, hinterlässt Spuren. Sie hat Schlafstörungen, weil ihr Kopf abends nicht abschaltet. Nadine fühlt sich ständig angespannt und verspannt. Dazu kommt oft ein Gefühl von Erschöpfung, das sich auch am freien Tag nicht auflöst. Kein Wunder: Eine richtige Erholung lässt Nadine nicht zu.

Auf Dauer steigt so das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme, für Angstzustände, für einen Burnout. Und gerade in der Pflege kommt noch etwas dazu: Wer ständig über die eigenen Grenzen geht, macht auf Dauer mehr Fehler, nicht weniger. Am Ende leidet also nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die Qualität der Versorgung.

Übrigens!
Niemand wacht morgens auf und beschließt, ab jetzt Workaholic zu sein. Es sind die vielen kleinen „Jas“, die sich mit der Zeit summieren.

Wie viele Workaholics gibt es?

Wichtig vorweg: Die Werte hängen stark davon ab, wie „Workaholism“ definiert wird (Selbsteinschätzung, Skalenmodell, Abgrenzung zu Überstunden). Die Größenordnung ist aber in der Fachliteratur ähnlich.

Kategorie Anteil
Suchthaftes Arbeitsverhalten (Workaholics) ca. 9,8 %
Exzessives, aber nicht zwanghaftes Arbeiten ca. 33 %
Gelassenes / unauffälliges Arbeitsverhalten ca. 55 %

Besonders häufig tritt suchthaftes Arbeitsverhalten bei Führungskräften auf. Hier spielen hoher Entscheidungsdruck, ständige Erreichbarkeit und Verantwortung für Teams eine wichtige Rolle. Auch Selbstständige sind überdurchschnittlich betroffen. Ohne feste Arbeitszeiten verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit oft besonders schnell. Branchenspezifisch zeigt sich zudem ein höheres Risiko in Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau, während in Bereichen wie IT, Naturwissenschaften und Geografie die Anteile vergleichsweise niedriger ausfallen.

Arbeitssucht in der Pflege – warum der Beruf besonders anfällig macht

Bei Nadine treffen mehrere Dinge zusammen, die den Pflegeberuf zum Nährboden für Arbeitssucht machen. Der Personalmangel sorgt dafür, dass "kurz einspringen" zum Dauerzustand wird. Das Schichtsystem macht es schwer, feste Erholungsrhythmen aufzubauen. Und das ausgeprägte Verantwortungsgefühl, das viele in die Pflege geführt hat, wird schnell zur Falle: Wenn du weißt, dass am nächsten Tag ohne dich eine Kollegin allein auf Station steht, sagt seltener „Nein“.

Eine DGB-Studie zu Arbeitsbedingungen in der Pflege bestätigt, dass psychische Belastung durch Zeitdruck und Arbeitsverdichtung nach wie vor prägend ist – eine Verbesserung gegenüber 2018 lässt sich nicht feststellen. Laut der europäischen NEXT-Studie zieht es 18,4 Prozent der beruflich Pflegenden in Deutschland mehrfach monatlich in Erwägung, aus dem Beruf auszusteigen. Und eine aktuelle DBfK-Umfrage zeigt: Nur 57 Prozent der Pflegenden würden ihren Beruf heute wieder ergreifen. Diese Zahlen zeigen zwar nicht direkt Arbeitssucht, machen aber deutlich: Der strukturelle Druck, ständig einzuspringen und über die eigenen Grenzen zu gehen, ist in der Pflege besonders hoch.

Welche Phasen der Arbeitssucht gibt es?

Arbeitssucht kommt nicht über Nacht. Man unterteilt den Verlauf in vier Phasen. Bei Nadine lassen sich alle vier bereits erkennen, sie sind aber unterschiedlich weit fortgeschritten.

  1. Am Anfang gibt es meist eine ganz normale Situation: Stress im Job, und die Arbeit wird zum Ventil dafür. Nadine hat irgendwann angefangen, öfter einzuspringen, weil es sich richtig anfühlte, gebraucht zu werden.
  2. Danach kommt der Punkt, an dem Arbeit nicht mehr freiwillig ist, sondern sich zwanghaft anfühlt. Man sammelt förmlich Aufgaben, damit ja keine Lücke im Terminplan entsteht. Bei Nadine zeigt sich das daran, dass ein freier Tag inzwischen unangenehmer ist als ein Arbeitstag.
  3. In der dritten Phase dreht sich fast alles nur noch um den Job. Alles andere – Freunde, Hobbys, Erholung – wird zur Nebensache, während gleichzeitig noch mehr Aufgaben übernommen werden, aus einem übertriebenen Anspruch an sich selbst heraus. Die Kraft dafür fehlt eigentlich längst.
  4. Am Ende dieser Entwicklung steht ein körperlicher und mentaler Einbruch. Wer diese letzte Phase erreicht, verliert oft schon vor dem regulären Renteneintrittsalter die Fähigkeit, im Beruf weiterzumachen, oder wird ernsthaft krank.

Arbeitssucht oder einfach nur engagiert? Wo die Grenze verläuft

Nicht jeder, der gerne und viel arbeitet, ist gleich arbeitssüchtig. Der Unterschied liegt nicht in der Stundenzahl, sondern in der Kontrolle: Kannst du aufhören, wenn du willst oder geht das nicht mehr? Wer engagiert ist, kann auch mal bewusst abschalten, freut sich auf den Feierabend und erholt sich am freien Tag tatsächlich. Bei Workaholics fehlt genau das.

Auch das Motiv unterscheidet sich: Engagierte Menschen arbeiten viel, weil ihnen die Sache wichtig ist. Arbeitssüchtige arbeiten viel, weil sie es nicht anders aushalten – Nichtstun macht ihnen Angst, nicht Freude. Diese Unterscheidung ist wichtig, damit sich niemand vorschnell selbst diagnostiziert, nur weil gerade eine anstrengende Phase im Job herrscht.

Was kannst du tun, wenn du ein Workaholic bist?

Bei Nadine ist die Veränderung nicht mit einem großen Plan ins Laufen gekommen, sondern mit einer einzigen Sache: Sie hat angefangen, bei spontanen Einspring-Anfragen erst mal zu sagen, dass sie darüber nachdenkt, statt sofort zuzusagen. Der kleine Ansatz hat gereicht, um den Automatismus zu durchbrechen.

Ein paar Ansatzpunkte, die tatsächlich helfen:

  • Fang bei den kleinen „Neins“ an, nicht bei den großen. Niemand schafft es von heute auf morgen, grundsätzlich Grenzen zu setzen. Aber eine einzelne Anfrage abzulehnen, ist machbar – und jedes Mal, wenn es klappt, wird es leichter.
  • Leg feste Zeiten fest, in denen Arbeit tabu ist. Bei Nadine ist das inzwischen der Sonntagvormittag. Kein Diensthandy, keine Chats. Am Anfang fühlte sich das komisch an, mittlerweile ist es der Moment in der Woche, auf den sie sich freut.
  • Sprich mit jemandem darüber. Ob Kolleg:in, Partner:in oder eine externe Stelle. Wichtig ist, dass jemand von außen draufschaut, weil man oft nicht sieht, wenn eine Grenze überschritten wird.

Wenn sich die Gedanken an die Arbeit selbst im Urlaub oder am freien Tag nicht abschalten lassen, ist das ein Signal, professionelle Unterstützung zu suchen, etwa bei der hausärztlichen Praxis oder einer Suchtberatungsstelle. Arbeitssucht gilt zwar nicht als eigenständige Krankheit, die Folgen wie Erschöpfung oder Depressionen aber sehr wohl.

Fazit

Der Tag der Workaholics ist ein guter Anlass für einen ehrlichen Blick auf dich selbst. Gerade in der Pflege verschwimmt die Grenze zwischen Engagement und Selbstausbeutung schnell und wie bei Nadine passiert das oft schleichend. Wichtig ist nicht, nie wieder einzuspringen, sondern zu merken, wann aus Verantwortung ein Zwang wird.

Häufige Fragen zum Tag der Workaholics

Wie feiert man den Tag der Workaholics eigentlich richtig?

Ironischerweise am besten, indem du genau das Gegenteil von dem tust, was Workaholics sonst tun: bewusst nicht arbeiten. Also den Laptop zulassen, das Diensthandy stumm schalten und den Tag für etwas nutzen, das nichts mit dem Job zu tun hat – ein Spaziergang, ein Treffen mit Freund:innen oder einfach mal gar nichts.

Ist Arbeitssucht offiziell als Krankheit anerkannt?

Nein. Arbeitssucht gilt bisher nicht als eigenständige Diagnose, anders als zum Beispiel Alkoholsucht. Die gesundheitlichen Folgen – Erschöpfung, Schlafstörungen, Depressionen, Herz-Kreislauf-Probleme – sind trotzdem real und behandelbar.

Woher weiß ich, ob ich nur engagiert bin oder schon arbeitssüchtig?

Entscheidend ist nicht, wie viel du arbeitest, sondern ob du noch die Kontrolle darüber hast. Kannst du bewusst abschalten und dich am freien Tag erholen, ist das Engagement. Fühlt sich Nichtstun unangenehm an und kreisen die Gedanken auch im Urlaub um die Arbeit, ist das ein Warnsignal.

Quellen

Deutscher Gewerkschaftsbund. „Arbeitsbedingungen in der Pflege revisited.“ Berlin: index-gute-arbeit.dgb.de; Abgerufen am 01. Juli 2026 von https://index-gute-arbeit.dgb.de/++co++5581998a-87d6-11f0-be03-2b6168d22880

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. „Berufsausstieg bei Pflegepersonal.“ Dortmund: baua.de; Abgerufen am 01. Juli 2026 von https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Schriftenreihe/Uebersetzungen/Ue15.pdf?__blob=publicationFile&v=6

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe. „Pflege, wie geht es dir? 2025: Potenzial wird doppelt ausgebremst.“ Berlin: dbfk.de; Abgerufen am 01. Juli 2026 von https://dbfk.de/de/newsroom/pressemitteilungen/meldungen/2025/Umfrage-Pflege-wie-geht-es-dir-2025.php

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