Verstecktes Potenzial - 6 Prozent der Pflegekräfte sind Quereinsteiger:innen
Veröffentlicht am 10.11.2025
Während 6.369 aller Kandidat:innen Quereinsteiger:innen sind, zeigen sich nur 905 der Arbeitgeber offen für diese Zielgruppe. Bildquelle: canva.com
Anna Liebig
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In der deutschen Pflege schlummert ein beträchtliches, ungenutztes Potenzial. Sechs Prozent der aktiv suchenden Pflegekräfte auf Pflegia.de sind Quereinsteiger:innen, wie eine aktuelle Analyse von über 101.000 Kandidat:innen zeigt. Das entspricht 6.368 Personen, die aus anderen Berufen in die Pflege wechseln möchten. Doch nur 905 von 6.127 Pflegeeinrichtungen sind bereit, Quereinsteiger:innen zu beschäftigen – eine gravierende Diskrepanz im angespannten Arbeitsmarkt.
„6.368 potenzielle Pflegekräfte suchen den Einstieg – das ist fast ein Fünftel eines Jahrgangs von Pflegeabsolvent:innen", erklärt Pflegia-Gründer Felix Westphal und sagt: „Gleichzeitig klagen Einrichtungen über Personalmangel, aber nur jede siebte ist bereit, Quereinsteiger:innen eine Chance zu geben. Das ist eine verpasste Gelegenheit im Kampf gegen den Fachkräftemangel."
Männer sind häufiger Quereinsteiger
Die Analyse zeigt Geschlechterunterschiede: 3,6 Prozent der männlichen Pflegekräfte sind Quereinsteiger, aber nur 2,1 Prozent der weiblichen steigen quer ein. „Dass Männer hier prozentual häufiger vertreten sind, hängt auch damit zusammen, dass die Pflege nach wie vor ein stark weiblich dominierter Beruf ist – in unserer Datenanalyse waren allein 78 Prozent aller registrierten Pflegekräfte im Zeitraum weiblich“, erläutert Westphal. „Männer stoßen häufig später zur Pflege dazu, während viele Frauen den Beruf bereits von Beginn an wählen.“
Große Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage
Während 6.369 aller Kandidat:innen Quereinsteiger:innen sind, zeigen sich nur 905 der Arbeitgeber offen für diese Zielgruppe. Das bedeutet: Auf jede Einrichtung, die Quereinsteiger:innen akzeptiert, kommen statistisch gesehen sieben Quereinsteiger:innen. „Diese Diskrepanz zeigt, dass viele Einrichtungen ein wichtiges Potenzial noch nicht ausreichend nutzen“, erklärt Westphal und sagt: „Quereinsteiger:innen bringen nicht nur häufig Berufs- und Lebenserfahrung mit, sondern entscheiden sich bewusst für die Pflege. Viele Einrichtungen berichten, dass sie dadurch engagierte und langfristig motivierte Mitarbeitende gewinnen.“
Abb.: Sieben Quereinsteiger:innen kommen auf einen Arbeitgeber, der Quereinstieg akzeptiert. Quelle: Pflegia
Quereinsteiger:innen als Chance, nicht als Notlösung
Die 6.368 identifizierten Quereinsteiger:innen repräsentieren ein erhebliches Potenzial für den Pflegemarkt. Bei einem bundesweiten Mangel von geschätzten 36.000 Pflegekräften bis zum Jahr 2027 – so eine Prognose des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) – könnten sie fast 20 Prozent der offenen Stellen besetzen, wenn Arbeitgeber bereit wären, sie zu beschäftigen.
Strukturelle Hürden abbauen
Die niedrige Akzeptanzrate von 14,8 Prozent bei Arbeitgebern deutet auf strukturelle Probleme hin. Oft fehlen passende Einarbeitungskonzepte, Qualifizierungsprogramme und das Vertrauen in die Lernfähigkeit von Quereinsteiger:innen. „Einrichtungen müssen umdenken", fordert Felix Westphal und sensibilisiert: „Statt auf den perfekten Kandidaten oder Kandidatin mit jahrelanger Erfahrung zu warten, sollten sie in die Entwicklung von Quereinsteiger:innen investieren. Die 6.368 wartenden Kandidat:innen zeigen: Das Interesse ist da."
Über die Datenanalyse
Für diese Analyse wurden anonymisierte Daten von 101.482 aktiven Pflegekräften und 6.127 Einrichtungen ausgewertet, die sich zwischen dem 20. September 2024 und dem 20. September 2025 auf der Plattform Pflegia eingeloggt oder registriert haben. Die Stichprobe umfasst elf Berufsgruppen: Altenpflegefachkraft, Einrichtungsleitung, Hebamme, Hygienefachkraft, Kinderkrankenpfleger:in, Pflegedienstleitung, Pflegedirektion, Pflegefachkraft, Pflegehilfskraft, Stationsleitung und Wohnbereichsleitung. Die Berufserfahrung ist unterteilt in: keine Erfahrung (0 Jahre), Einsteiger (1-2 Jahr145e), mittlere Erfahrung (3-10 Jahre) und erfahrene Kräfte (über 10 Jahre).