Analyse zum EU-Pflegemarkt: Deutschland unter den Spitzenreitern bei Pflegedichte und Männeranteil
Veröffentlicht am 21.09.2026
Mit rund 1.251 Pflegefachkräften pro 100.000 Einwohner:innen belegt Deutschland bei der Pflegedichte Platz drei unter den 18 untersuchten Ländern.
Wie ist die Pflege in Europa personell aufgestellt und wie stark unterscheiden sich die einzelnen Länder? Ein Blick auf die europäische Pflegelandschaft zeigt deutliche Unterschiede bei Pflegedichte, Altersstruktur und Männeranteil. Die Auswertung macht sichtbar, wo Deutschland im europäischen Vergleich steht und welche Länder bei den einzelnen Faktoren besonders hervorstechen.
Mehr als jeder fünfte Mensch in der EU ist inzwischen 65 Jahre oder älter, wodurch der Bedarf an qualifizierten Pflegekräften steigt. Doch welche Länder verfügen über die meisten Pflegefachkräfte und wo ist der Pflegenachwuchs besonders stark vertreten? Eine aktuelle Analyse von der Jobplattform Pflegia (www.pflegia.de) zeigt nun, wie Deutschland im europäischen Vergleich aufgestellt ist. Untersucht wurden die Pflegedichte, der Anteil junger Pflegekräfte, aber auch die Geschlechterverteilung in der Pflege. In zwei von drei Kategorien zählt die Bundesrepublik zu den führenden Ländern in der EU.
Deutschland gehört bei der Pflegedichte zu den Top drei der EU
Trotz des häufig diskutierten Fachkräftemangels verfügt Deutschland über eine der höchsten Pflegedichten in der EU. Die Pflegedichte gibt an, wie viele Pflegefachkräfte auf 100.000 Einwohner:innen kommen. Mit rund 1.251 Pflegefachkräften pro 100.000 Einwohner:innen belegt die Bundesrepublik Platz drei unter den 18 untersuchten Ländern. Nur Irland mit gut 1.419 sowie Finnland mit rund 1.290 Pflegefachkräften pro 100.000 Einwohner:innen liegen vor Deutschland. Damit liegt die Bundesrepublik deutlich über dem europäischen Durchschnitt von rund 749 Pflegekräften pro 100.000 Einwohner:innen. Betrachtet man die Veränderung zum Vorjahr, stieg die Pflegedichte in Deutschland lediglich um 2,2 Prozent und damit schwächer als im Durchschnitt der untersuchten Länder von 2,6 Prozent. Den stärksten Anstieg verzeichnete Griechenland mit 13,4 Prozent, wohingegen die Pflegedichte in Lettland (− 0,8 Prozent), Österreich (− 1,4 Prozent) und Spanien (− 2,5 Prozent) zurückging.
Anna Liebig
Pflegia Karriereberaterin
Unsicher? Wir beraten dich kostenlos zu deinem nächsten Karriereschritt
Unsere Karriereberater finden passende Jobs für dich – und melden sich persönlich bei dir zurück.
100 % kostenlos & unverbindlich
Persönliche Beratung statt Bewerbungsstress
Wir finden passende Jobs für dich
Schneller Rückruf
Deutschland zählt zu den Ländern mit den höchsten Männeranteilen
Pflege bleibt zwar überwiegend weiblich, doch in Deutschland ist inzwischen etwa jede sechste Pflegefachkraft männlich. Damit belegt die Bundesrepublik mit einem Männeranteil von 17,4 Prozent unter den 18 untersuchten Ländern den dritten Platz. An der Spitze befindet sich Malta mit knapp 27 Prozent, gefolgt von Italien mit rund 24 Prozent. Am anderen Ende des Rankings stehen vor allem osteuropäische Länder. In Lettland liegt der Männeranteil unter Pflegefachkräften bei lediglich 0,5 Prozent, in Litauen bei rund einem Prozent und in Tschechien bei rund zwei Prozent.
Altersstruktur der Pflege: Deutschland über dem europäischen Durchschnitt
Auch beim Anteil jüngerer Pflegefachkräfte schneidet Deutschland überdurchschnittlich ab. Mit einem Anteil von 29,5 Prozent liegt die Bundesrepublik bei den unter 35-jährigen Pflegefachkräften auf Platz sieben und somit über dem Durchschnitt der 18 untersuchten Länder von 26,1 Prozent. Den höchsten Anteil erreicht Kroatien mit 37 Prozent, gefolgt von den Niederlanden mit 36,7 Prozent und Malta mit 35 Prozent. Besonders niedrig ist der Anteil der unter 35-Jährigen dagegen in Tschechien mit 13,4 Prozent, Lettland mit 13,6 Prozent und Litauen mit 14,9 Prozent.
„Deutschland verfügt im EU-Vergleich über eine starke personelle Basis in der Pflege. Die hohe Pflegedichte ist jedoch keine Entwarnung: Sie sagt noch nichts darüber aus, ob das vorhandene Personal den regional und demografisch wachsenden Bedarf decken kann“, sagt Pflegia-Geschäftsführer Felix Westphal. „Der vergleichsweise hohe Anteil jüngerer und männlicher Pflegefachkräfte zeigt zugleich, dass Deutschland auf wichtigen Potenzialen aufbauen kann. Entscheidend wird sein, Pflegekräfte durch verlässliche Arbeitsbedingungen, bessere Entwicklungsmöglichkeiten und eine nachhaltige Entlastung langfristig im Beruf zu halten. Dazu gehört auch, internationale Fachkräfte bei Anerkennung und Integration gezielt zu unterstützen.“
Über die Untersuchung
Für die Analyse wurden Eurostat-Daten zu Pflegefachkräften in 27 EU-Ländern ausgewertet. Untersucht wurden die Pflegedichte je 100.000 Einwohner und deren Entwicklung von 2023 bis 2024 sowie die Geschlechter- und Altersstruktur im Jahr 2024. Die Altersgruppe der unter 35-Jährigen umfasst Pflegefachkräfte unter 25 Jahren sowie im Alter von 25 bis 34 Jahren. Für 18 Länder lagen zu allen untersuchten Kennzahlen vollständige Daten vor. Aufgrund fehlender Angaben wurden Belgien, Bulgarien, Frankreich, Zypern, Luxemburg, Polen, Portugal, die Slowakei und Schweden nicht in den vollständigen Ländervergleich einbezogen. Die angegebenen Durchschnittswerte sind ungewichtete Mittelwerte der 18 berücksichtigten Länder.
Neugierig, wie viel du verdienen kannst? Finde dein Marktgehalt heraus