Pflegia-Analyse: Pflegehälter liegen bereits über Mindestlohn ab Juli 2026

Veröffentlicht am 29.06.2026

Altenpflegekraft sitzt mit Patienten am Tisch.

Bildquelle: canva.com

  • Die Jobplattform Pflegia vergleicht die neuen gesetzlichen Mindestlöhne in der Pflege mit aktuellen Marktgehältern
  • Pflegefachkräfte verdienen bereits mit 1–3 Jahren Berufserfahrung im Median 21,86 Euro pro Stunde 
  • Bei Pflegehilfskräften liegen die Marktgehälter je nach Erfahrung zwischen 17,43 Euro und 19,69 Euro pro Stunde

Berlin, 29.06.2026 – Die neuen gesetzlichen Mindestlöhne in der Pflege setzen ab 2026 höhere Lohnuntergrenzen für Pflegekräfte. Eine aktuelle Analyse von Pflegia (www.pflegia.de) zeigt: Pflegefachkräfte verdienen bereits mit 1–3 Jahren Berufserfahrung im Median 21,86 Euro pro Stunde und liegen damit über dem neuen Mindestlohn von 21,03 Euro. Auch Pflegehilfskräfte kommen in derselben Erfahrungsstufe auf 17,43 Euro pro Stunde und liegen damit über der gesetzlichen Untergrenze von 16,52 Euro. Grundlage ist der Pflegia Gehaltsreport 2026, für den 12.458 Stellenanzeigen mit Gehaltsangaben ausgewertet wurden. 

Pflegefachkräfte liegen klar über dem neuen Mindestlohn

Pflegefachkräfte verdienen laut Pflegia-Gehaltsreport 2026 bereits bei 1–3 Jahren Berufserfahrung 21,86 Euro pro Stunde. Damit liegen sie 83 Cent über dem neuen gesetzlichen Mindestlohn von 21,03 Euro. Mit zunehmender Berufserfahrung wächst der Abstand weiter: Bei 3–8 Jahren Berufserfahrung liegt der Median bei 23,62 Euro pro Stunde, bei mehr als acht Jahren bei 24,51 Euro.

Damit verdienen Pflegefachkräfte je nach Berufserfahrung rund vier bis 16,5 Prozent mehr als der neue gesetzliche Mindestlohn. Die Daten zeigen, dass der Mindestlohn bei examinierten Pflegefachkräften vor allem als Untergrenze wirkt, während die tatsächlichen Marktgehälter vieler Stellenanzeigen bereits darüber liegen.

Bei Pflegehilfskräften fällt der Vergleich differenzierter aus

Bei Pflegehilfskräften liegt der Medianlohn laut Analyse je nach Berufserfahrung zwischen 17,43 Euro und 19,69 Euro pro Stunde. Damit liegen alle betrachteten Erfahrungsstufen über dem neuen Mindestlohn für Pflegehilfskräfte ohne Ausbildung von 16,52 Euro.

Gegenüber dem Mindestlohn für qualifizierte Pflegehilfskräfte mit mindestens einjähriger Ausbildung von 17,80 Euro ist das Bild differenzierter: Pflegehilfskräfte mit 1–3 Jahren Berufserfahrung liegen mit 17,43 Euro im Median leicht darunter. Ab 3 Jahren Berufserfahrung liegen die ausgewerteten Marktgehälter jedoch darüber: bei 18,83 Euro mit 3–8 Jahren und 19,69 Euro mit mehr als acht Jahren Berufserfahrung.

Gehalt allein entscheidet nicht über Arbeitgeberattraktivität

Eine weitere Pflegia-Analyse zu Jobpräferenzen von über 101.000 aktiven Pflegekräften zeigt, dass Gehalt nicht an erster Stelle steht. Am häufigsten nennen Pflegekräfte unbefristete Verträge als Top-Priorität. Dahinter folgen ein guter Personalschlüssel, familienfreundliche Arbeitszeitmodelle und Zeit für Pflege. Eine attraktive Bezahlung landet mit 7,5 Prozent nur auf Platz 7 der wichtigsten Kriterien.

„Die Mindestlohnerhöhung ist wichtig, weil sie eine klare Untergrenze setzt und Lohndumping verhindert. Unsere Daten zeigen aber auch: Gerade bei Pflegefachkräften zahlt der Markt vielerorts bereits mehr als das gesetzliche Minimum”, sagt Felix Westphal, Geschäftsführer von Pflegia. „Für Arbeitgeber bedeutet das: Wer Pflegekräfte gewinnen und langfristig halten will, muss über den Mindestlohn hinausdenken. Entscheidend sind transparente Gehaltsentwicklung, verlässliche Dienstpläne, gute Personalschlüssel und Arbeitsbedingungen, die im Alltag wirklich funktionieren.”

Berufserfahrung zahlt sich aus

Die Daten aus dem Pflegia-Gehaltsreport zeigen außerdem, dass Berufserfahrung in der Pflege finanziell berücksichtigt wird. Pflegehilfskräfte steigern ihr monatliches Mediangehalt von 2.871 Euro bei 1–3 Jahren Berufserfahrung auf 3.243 Euro bei mehr als acht Jahren. Bei Pflegefachkräften steigt das Mediangehalt im gleichen Zeitraum von 3.600 Euro auf 4.036 Euro.

„Gerade in einem angespannten Arbeitsmarkt brauchen Pflegekräfte nachvollziehbare Perspektiven: Wie entwickelt sich mein Gehalt mit Erfahrung? Welche Qualifikation lohnt sich? Und welcher Arbeitgeber bietet nicht nur ein gutes Gehalt, sondern auch gute Bedingungen?”, so Westphal. „Mehr Transparenz kann Pflegekräften helfen, ihren Marktwert realistischer einzuschätzen und bessere Entscheidungen für ihre berufliche Zukunft zu treffen.”

Über die Untersuchung

Für den Pflegia Gehaltsreport 2026 wurden 12.458 veröffentlichte Stellenanzeigen mit Gehaltsangaben ausgewertet, die zwischen August 2024 und August 2025 veröffentlicht wurden. Berücksichtigt wurden ausschließlich Vollzeitstellen mit mindestens 38 Wochenstunden und konkreter Gehaltsangabe. Die Gehälter wurden als monatliche Bruttomediangehälter ausgewiesen und für diese Pressemeldung auf Basis von 38 Wochenstunden in Stundenlöhne umgerechnet. Berücksichtigt wurden Grundgehälter ohne Boni, Zuschläge oder Prämien.

Die Jobpräferenzen basieren auf einer separaten Analyse von 101.482 aktiven Pflegekräften auf Pflegia.de.

Über Pflegia

Pflegia ist eines der führenden Jobportale für Pflegekräfte. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin wurde 2019 von Felix Westphal, Lennart Steuer und Masoud Shahryari gegründet und verfolgt das Ziel, mehr Transparenz und Fairness in den Bewerbungsprozess im Pflegesektor zu bringen. Kern des Modells ist ein umgedrehter Bewerbungsprozess: Arbeitgeber bewerben sich bei den Pflegekräften, nicht andersherum. Damit soll die klassische Rollenverteilung aufgebrochen und ein stärkerer Fokus auf die Bedürfnisse der Pflegekräfte gelegt werden. Ergänzend dazu bietet Pflegia Informationen zu Gehältern, Arbeitszeiten und weiteren Bedingungen, um die Vergleichbarkeit und Entscheidungsfindung für Bewerbende zu erleichtern. Das Unternehmen setzt auf eine erfolgsbasierte Preisstruktur für Arbeitgeber und kombiniert technische Automatisierung – etwa durch KI-gestützte Lebenslaufverarbeitung – mit persönlicher Begleitung auf beiden Seiten des Marktplatzes. Monatlich vermittelt Pflegia derzeit rund 1.000 Pflegekräfte an Einrichtungen im gesamten Bundesgebiet. Aktuell nutzen über 800.000 Pflegekräfte und rund 7.500 Arbeitgeber die Plattform, auf der etwa 30.000 offene Stellen ausgeschrieben sind.

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